Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 34 (18.8.1893)
- Date
- 1893-08-18
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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werden sie selber aut Hqettcu Stücken anfangen, den Grund zu einem jüdische« Ritkonalstaai« zu legen. Der glückliche Erfolg würde nicht cnsbleiben, da sie alle jene Vorthelle in reichem Maaße besitzen, dir dazu nöthia find — Lasse, Einheit, herrliche Traditionen, beträchtlichen Reichthum, festen Charakter, und vorzinliche Deickkraft. Und sobald st« die Rothwendigkeit zur eifrigen Thätigleit eingesehen haben, werden sie rüstig an die Arbeit gehen. Eine provisorische Regierung würde bald hergeftellt, und vom gesammten Volke Israel mit der Aufgcbe betraut worden sein, für dasselbe ein neue» Vaterland aufzufiaden- Die jüdischen Staats- «änner würden diese!Aufgabe nicht allzuschwer finden, und sobald das betreffende Land ausgesucht und in Besitz genom» men sein wird, würde alles Uebrige schon von selbst folgen. Die reichen!luden würden ihren Reichthum, und die Armen unter ihn« ihre Arbeitskraft mitbringen. Aller- Hand Fähigkeiten und Talente würde» den nöthia» Raun, tut Ausdehnung und 1 Entfaltung finden, und ein Volk würde eng vereinigt und verbunden werden, das bis dahin nur durch dir Sprache g,!trennt war. Der neue Staat würde auch Alles besitzen, was zu einem glänzenden Erfolge ersv-derlich ist." Dieser außerordentliche Plan, meint der Verfasser zum Schluffe, nimmt sich Ivie ein halbvollendeteS Bild auS, und ist daher nicht ganz verständlich. Wäre BiSmarck die leitend« Lraft in Deutschland weiter geblieben, so würde er es in allen seinen l-xhattirungen auSgeführt und vollendet haben. Dieser Bemerkung fügen wir hinzu, daß wir als Juden der Vorsehung Dank wifsen, daß da» fragliche Bild nur eine Fratze gebltel«! ist — eine Fratze, die dem Lünstler selbst wohl zuweil«n als Schreckbild im Traum erscheint, und chn hohnlächelnd zurust: ״Der Mensch detkt, aber Gott lenkt.- Belfast» Mitte Juli 1893. Dr. C h o h n e r. Berichte a»d Eorrespo«ve»zeu. Lentschland. «agpebwrg, 10. August' Die ״Magd. Zeit." schreibt sehr zutreffend in ihren heutigen Abendblatt: ״D«r Strejtz der jetzt zwischen den Conservativ» und Antisemiten auSgebrocheu ist, hat wenigsten» da» eine Gute, daß er die Gefahren, die da» Ealtiliuarierthum der Gesellschaftsretter von dem Schlage der Ahiwardt in sich birgt. Men, die sehen wollen, klar vor Augen führt. Ja einer Bersammlung die der Rektor a.D. zur Widerlegung der gegen ihn erhobenen Angriffe einberuien hatte, hat er aufs Reue Veranlassung genommen, die schon im Wahlkampfe von ihm auSgegebene Parol:: Wider Junker und Juden! au»zuspielen und zugleich das Programm des Antise mittSmus auftustellen, für dessen Beiwirklichung er mit seinen Freunden im Reichstage einzuttcten gedenkt. Er will beauttagen, daß die großen, gefählichen Vermögen der Geiammtheit des Staate» einverleibt werden. Sämintliche Subhastattonen sollen vertagt uud in Sequstiration» vawandell werden. Auch Pfändungen, bei denen Juden betelligt sind, sollen vettagt werden, bi» die Judenfrage gelöst worden. Me Hauptstadt hat viele Bersammlungen gesehen, in denen tollet Zeug zum Besten gegeben ist. Aber in verrückterer uud gemeingefährlicherer Weise ist noch nicht gehetzt worden gegen Alle» vraS Besitz heißt, al» da» hier vou einem Manne geschieht, der sich al» deu Anwalt aller produzierendeu Stände aufsvielt. Al» ob zu den produzierenden Ständen mir da» Heer der Beutelschneider gehörte. Stände nicht zu viel auf dem Spiele, so kömtte mau eine gewisse Genugthuung darüber «mpssndeu, oaß derselbe Mann, in dem die konservattven Staat»- männer de» Tivolitage» einen bequemen Handlanger für ihre eigenen volitischen Parteibestrebungen erblickten, sich nunmehr in erster Linie gegen die Junker selbst wendet, die ihm nicht bester als di« Juden erschetwm. Bor 18t8 hätten die Junker, nachher dir Juden die produ-iei.endeu Stände geschereu, in der» Interesse e» folglich liege, beide zu bekämpfen. I« diese« rückficht»- utzd^ gewtffenlosen Demagogentum aber liegt eine allgemeine Ge» fahr, die Alle, die r» ernstlich mit de« Vaterland««einen, zur gemeinsamen Abwehr herau»fordert." I« Beeltner Uhlwardt-Moniteur (Staat-bürga-eit.) wftd zu einer »antisemitischen Bereinigungzur Befreiung vom Joch« der Juden und Junker aufgerufen. ״Biel wichttger für da» . deutsche Volk, schreibt ein andere« Berliner Blatt, wäre eine ftric ־ Bereinigung zur Befreiung von dem Joche der anttsemittsch» Verhetzung, die un» im Jnlandr der schwrrft» stttlichen «ad wirtschaftlich» Wunden geschlag» und un« im Au«laode ver- Schtlich gemacht hat.- Magpebwrg. Der zur Zeit wohl hervorragendste russtsch« Journalist, der Herausgeber de» »Grashdauin", Fürst Me ftscher»ki, ist vom Snttsemittsmu» zurückgekommen uud spricht stch in einer Reih« von «rttkeln entschied» gegen die Juden- Verfolgungen au». Sr habe, so schreibt er, bisher judea» feindlich« Ansicht» ^habt, sei aber jetzt zu anderer Erkennt«» gelangt. Diese Erkenntnis bafire auf Beobachtungen, die er währ»d seine» länger» Aufenthatt» in Moskau uud Umgebung ausgestellt Hab«. Er müsse e» für ein schreiende» Unrecht Hallen, den Jud» uur d» Auf»th«t in den AnfiedelungSravon» zu gewähren. Die Baue» in der Umgebung von Moskau fteuru sich »st dm dort wohnend» Jud» und lieben ste sogar, vou einem Hasse sei gar «cht die Rede. Dieser sei nur durch die Regierung in da» Land getragen. Diese Erkenntnis, die er durch persö«tche Ueberzeugung gewoau» habe, sei unerschütterlich. — (Selbstverständlich n»n» andere »sstsch« Blätter den Fürst» MestscherSki jetzt ״verjudet".) Magdeburg. Die in Darmstadt erscheinmde .Mgemeiu« Thierschutz-Zeitschrtft-, die bisher Stellung gegen daSSchächt» gmommm hat, entnimmt dem Rechenschaftsbericht, welcher in der Gmeralversammlung de» Thierschutzveretn» in Gieß» am 6. Imst d». I». erstattet wurde, u. A. Folgmd«»: »Am Schluß dieser Sitzung unterbrestete Herr Poüzestath Freseniu» dem Ausschuß ein» Bericht de» Her» PolizeiwachtmeisterS 5ka«per, in dem auf die Mßstände und Thirrquäleretea im hiefigen Schlachtha«e hingewiesen wurde. Rach Angabe diese» Berichte» werden diese hauptsächlich durch ungeübte Schläger verursacht. Herr Pirr, der da» Vorkommen von Thterquälerei» im Schlachthause nicht in Abrede stellte, bemerlle darüber, daß nicht allein durch die ungeübt» Schläger, sonde» hauptsächlich durch da» unzweckmäßige Betäubungsmaterial diese Quälereien herbeigeführt würden. In einer Eingabe an die hiesige Bürgermeisteret Hab» wst diese Mßstände beleuchtet uud an den hochlöblichen Stadworstand da» Ersuch» gestellt, er möge diese Sache in die Hand nehm» und tu Erwägung zieh», ob durch Anstellung eine» erfahren» Schläger« oder nurch Beschaffung zweckmäßig» Betäub ungSmaterial» benannt» Quälerei» ein Ende, wa» doch d» arm» Schlachtthieren sehr zu wünsch» wäre, bereitst »erd» könnte.- — Rach dem jüdisch» Sstetz ist bstanuttich eine derarttge vorh«geh»de Betäubung der Tiere strmg verboten. Berlin, S. August. (Or^Dorr.) Da« kirchliche Ereignis dies« Woche, die Predigt Harüack'S in ber Petrikirche. hat auch für un» Jud» stnige» Interesse. Zuvörderst konnte man sehen, wie die ernste und gedankmtiefe Rede die Hör« fast eine Stunde lang fesseln kann, auch wmn sie alle Süße» Künste stoft verschmäht- Der ,Professor" verlmgnste sich auf der Kanzel nicht, erlehrte, indem «predigte; a brachte die schönst» Gedank» in stnfachst« Wesse: « »«richtest darauf, durch all«hand Zstchm die Zuhvr« reklameuhaft darauf hinzuwstsm: werft auf, jetzt kommt wa» Großes! — Referent hat nimml» eine religiöse - Red« gehört, wo innaa Wert und äußere Wirkung auf gleich« Höhe stand«. War auch die Rede vorwiegend allgemstu religtö«, so war e» doch deutlich zu «kenn», daß eS dem Redu« darauf ankam. Zeugutß abgnlege» geg» d i e Orthodorst» welche Religion j «ad Politik vermengt, und geg» dst Autssemtst». Er sprach^ davon, wst Jesu» dst brennende Lieb« zu« Bastrlaudr auf seingMA