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Israelitische Wochenschrift · 1893-08-11 · 33 (11.8.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
33 (11.8.1893)
Date
1893-08-11
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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»Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur" hat Seh^Rgt Kristeller hervorragenden Anteil. Endlich darf die Thätigkeit de» feinfinmgm Schriftstellers nicht unerwähnt bleiben! .namentlich seine Epigramme und Sinnsprüche sind bemerkenswert. Er verSffentlichte eine nute Ilebersetmug (zum Theil iu schöner poetischer Form) — von der die erste r Proben in dieser ״Wochenschrift" erschienen— des »ethischen Trattat der Pirke Aboth," (1890). Kristeller steht im 73. Lebensjahre Gelegentlich der Feier seines 70. GeburtStages find ihm wohlverdiente Ovationen zu teil geworden, desonders auch als vieljährigem Vorfitzenden des Deutsch-iSrael. Gemeindebundes, drffen Seele der Vielbeschäftigte ist. Berlin» 5. August. Der verstorbene Geh. Kommerzienrat S. B lei chr öd er Hit testamentarisch zur Begründung einer milden Stiftung unter dem Namen »Samuel Bleichrvder-Stiftung" ein Kapital von einer Million Mark ausgesetzt, was die Testaments- Vollstrecker heute rem Magistrat zur Kenntnihnahme mitteilten. Der Zweck der Stiftung soll sein: hilfsbedürftigen Kranken oder Rekonvaleszenten oder auch speziell kranken Kindern Unterkunft, Pflege und Unterstützung zu gewähren. Aus den Verhandlungen, die der Erblasser noch bei Lebzeiten geführt und aus dm Srklärungen, die er wiederholt gegeben hatte, läßt fich mit Bestimmt- Heft schlimm. da׳; die Erichtung einer Heil- und Pflegeanstalt für Brustkranke f;in eigentlicher Wunsch war. Die Testammt- Vollstrecker sind indeffm zu der Ueberzeugung gelangt, daß die zur Verfügung sichenden Mittel von einer Million Mark nicht ausreichen würden, um eine Anstalt dieser Art von wirklicher Bedeutung zu schaffen und zu erhalten. Die Erwerbung eines in gesunder Umgebung gelegenen Grundstückes mit Garten und Promenade, sowie die Herstellung der Gebäulichkeitm und die Ausstattung dersclbm würden einen erheblichm Teil des Kapitals absorbirm und die ZinSerttägniffe für die Unterhaltung gar zu sehr in Anspruch nehmen Da nun bereit« im Jahre 1888 die städische Deputation für die öffmtliche Gesundheitspflege die Errichtung einer besonderen Heil- und Pflegeanstalt für Brustkranke in der Umgegend Berlinr als dringend wünschenswert erachtete, so erklären die TestammtSvollsttecker fich bereü, in eine Kombination einz!treten. Die Bleichröder-Sttftung soll zu einer unmittelbaren städtischen Einrichtung gemacht werden, indem die Stadt Berlin Beiträge, sei es durch Ueberweism des Grundes und BodenS, der Gebäude, der Ausstattung oder in anderer Art übemimmt, die Testamentexekutoren aber die Zinsen des Sttsttungskapitals zur Verfügung stellen und die Verwaltung der Stiftung von der Stadt unter ihrer Mitwirkung geführt werden soll. Das Magisrrats-Kollegium hat beschloffm, mit dm Testamentsvollstrcckern über ihrm Vorschlag in Verhandlung zu ttetm, iu dieselbe aber erst im September d. I. einzutteten. HarvArg a. Elbe, 3. August. (Or.-Corr.) Die hiefige Stadt hat ein neues Schlachthaus erbaut, für welches der Magistrat und die Polizei ein Statut herausgegeben, nach welchem die Schlachter nur in demselben schlachten dürfen, aber das S ch ä ch t e n verboten wurde! Als die von unserm Vorsteher Herrn Jakobsohn eingereichte Beschwerde nichts fruchtete. berichtete derselbe an unfern Landrubbincr. Auf deffm Eingabe bei der Regierung zu Lüneburg kain der Bescheid: das Schächten au fich kann nicht verboten we.den. aber das zu schächtmde Vieh müsse zuvor betäubt werden. Run wandte fich der Landrabbiner an dar Oberpräsidiumin Hannover. Dieses erklärte, eS sei incompetmt, ein Polizeigebot aufzuheben, wolle aber die Beschwerdeschriftm des Landrabbinerd unddeS hiesigen Vorstandes dem Ministerium einreichen. Bon diesem, bezw. dem Mnister des Innern und der geistlichen Angelegenheiten, ist nun in 'diesen Tagm der Bescheid gekommen »Die hiefige Lokalbehörde, Magistrat und Polizei, sei n i ch t befugt, eia solches Verbot zu erlassen, viel» mehr sei das Schächten nach jüdischm Ritu» sofort zu gest a t t e n und das Statut sofort dahin zu ändern." Dieses ist denn auch in dieser Woche geschehen. 9Uti a. Rh,iu. 6. August. Die in Düsseldorf erscheinende »deutsch-nationale Zeitung" von hmtr enthält folgende Jeremiade: ״Sin Akt unglaublicher jüdischer Anmaßung hat fich am vergangenen Sonnabend iu Lahr bei» Schlüsse de» Lbiturientm-SrammS abgespielt. Der iSrarlitiU Abiturient Ludw. Frank au» Rostnevwrier hat fich seiner »AbschiedSrede" in der Aula bei einem Vorttag üb Lesfing erlaubt (k). gegm den A n t ie m i t i» m u S Iti ziehen. Der »Labrer Anzeiger", ein AmtSverkündiger, in Judenfrage also jedenfalls unparteiische» Organ, bemertt hierüber^) »Leider wurde dieser Att durch die Abschiedsrede de» iSroelittfchm. 1 Abiturienten L. Franst der fich einige nicht .vorgesehene 81h*m fübrungen über Judenmechtung, BolksauSbeutung und ähnlich»»-:/- erlaubte, das fich wie eine freifinnigi-sozialistlsche Wahlrede an«, hörte, sehr beeinttächttgt, so daß selbst de» Direktors längere, ׳ meisterhafte Rede über den guten Geist in der Schule den nn<u angenehmen Eindruck nicht zu verwischen veripochte. Wie wir' hören, ist dem jungen Manne, der sich so sehr gegen die DtS-Z ciplin der Anstalt vergangm (?). unter der er noch steht, zuoächktz das Abgangszeugnis oormthattm (?) wordm, bis zur Entscheidung 1 durch die Oberschulbehörde/ - | Hierzu wird der »Lad. Ldpst." von unbedingt verträum»«. würdiger Seite mit dem besoudem Bemerken der unbedivgtestm Zuverläsfigkeit de- Mtgetnlten geschrieben: »Der Notiz in der »Lahrcr Zeitung" habe ich noch folgmdeS beizusügea: Lebhafte» Bravo und Klatschm ertönte bei dm markantesten Stellen <rnd am Schluß der Rede des Sbiturimtm Frank, nicht allein au» dm Reihm der sehr zahlreichen anwesenden StammeSgenoffen deSselbm, (Schrecklich!) sondem auch bei den Damen und dm SommUittonm. (Welch ein Frevel!) Wirsahen sogar BeglückwünschuNOe», seitm» einzelner Lehrer. (Ehre diesen Ehrmmännern!) E» fM. besonders der verneinende nur krittfirende Ton bei der Behänd-: luna des Thema'S, (Lesfing,) auf, wa« wohl nicht mit Unrecht de« Einfluß de» Unterrichtes mit zugeschrieben wird. Einzelne ihm!) vom Fachlehrer aufgegebene Aendrrungm in seiner Rede jjab Frank ostmtattv wieder durch die Bemerkung »nach Prof. Der hoffnungsvolle und talentvolle Jüngling zeichnete sich schon ftüher in einer konservativen Wahlversammlung durch sein schnei», diges Auftreten für feine StammeSgenoffen aus." (Daher also der , Ingrimm!) ES steht zu erwarten, daß dem Judenjüngling L. Fronst; der zu dem noch dm »S ch i l l e r p r e i «"erhallen hat, (Herzlich« m Glückwunsch vom Mederrhein!) für sein unquallnzirbare» Be-s urbmen (da sollte Einm ja eine Gänsehaut überlaufen!) die ent- 5 sprechende Houorirung zuteil wird. (Also auch noch der Goethe-- ר und LesfingpreiS B Mit der üblichm ,Enttüstung" ist hier nicht» .« gethan, hier muß r»nruw tenmti» mniel!) die K e h ö r d e einschrei- 1 ten." Vor allen wird Sache der Lahrer Bürger sein, bet de»-׳ Gymnasiums-Vorstand zu interpellirm. Da» fehlt noch» daßÄ jeder beliebige Judenjüngling auch noch im Gymnasium für jü- -! disch-fteistnnige Parteizwecke Propaganda macht! (Man steht'» dm Arttkeln an, daß die betteffenden Zeilen» schreib« ganz aus dem Häuschen find ob dieser AbschiedSrede'1 de» offenbar wirklich »talentvollen JudenjünglingS", dem selbst * Gymnaflallehrer ihrm Beifall zolltm. Dergleiche Reden unterliegest ׳ ja auch vorher der genauen Durchsicht des bett. Ordinarius, wa» wollen also die Hetzer? Wer kann über »Lesfing" reden, ohar selbst zum .Frittker" zu werden und die Geißel der Sature üb«; alles Verlogene. Gleitznerische, und von sittlicher Fäulnitz An fteffene zu schwingen. — Ja, eS war der Geist LespngS. der die Skriblern in die Glieder fuhr, daß fie schimpften und hetztest^ stöhnten und zetertm und wie die Raben krächzten.) < T«Uel. Am 3. Juli fand hier die Jahresversammlung der *i iSraelittschen Lehrerkoofermz Hessens im Hotel Prinz FriedM-L Wilhelm statt. Als 25. sollte fie einen festlicheren Charaktste^ ttagm, besondere Umstände ermöglichten einen solchen jedoch 1 iu bescheidmen Matze. Obschon eine gröbere Anzahl Kollegen--^ selbst aus nächster Nähe de« Sonferenzorte» — leider oerh war, an der Versammlung teihuuehmm. ist dieselbe doch staMche gewesen, da die Präsmzliste immerhin noch 75 nehmer aufweist. Al« Gäste erfreuten un« durch ihre Teilnahme- Au« Lasses die Herren Juftizrat Hirsch und Dr. R o t h f e l« al» Vertreter de» vorsteheramte«, Adolf «atthesft al» ««,treter de« D. I. G. B.)M Fat Hörster und Rektor Gilb, sowie von auöwärt« M* f Raddmrn Dr.Munk. Marburg und Dr. R »s e n d « r, > Thar Steinhardt. Magdeburg, MUgiied de« mit ««!deutschen »ult,« amten-Berrin«, Lomnitz »Diez» vorfitzender de« »affaatschen Lt verein«, welch« un« die Grüße und Wünsch« ihrer resp. Bereiu« brachten, und mehrere ander» anßerhesfisch« Kollege«. Herr ' rabbiner Dr. Prager war durch timt Badekur verhindest «ehmen, hatte jedoch di« Versammlung telegraphisch begrüßt »,» Fernbleiben bedauert. Weitere Begrüßungen und Glückwünsche herzlicheu Lharakter» waren teil« telegraphffch, teil« schriftlich < gang« von den Herren Dr. v ä r « a l d - Frankfurt a- M, V li ««na».Hameln, David-Jesberg, Nenmark.Kelsber^ »«,«-Trier, Alerander- und «»dorn-Srefeld, »pf Meppen und vernhrt».Barel. Gegm 10 Uhr wurde die Versammlung nach Ahstugung« Choral» von dem Vorsitzenden, Herr, Dr. St ein, durch' tiefempfundme» Gedct eröffnet, worauf abermaliger “ saug diese Vorfeier abschloß.

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