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Israelitische Wochenschrift · 1893-08-11 · 33 (11.8.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
33 (11.8.1893)
Date
1893-08-11
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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imb Iw* durch den Segensspruch über toit perlenden in, als dem Symbol der Freude, eingeleitet nn rde, fühlten!e so wohl, so königlich glücklich. Wenn man dann den lieben teuren Gast verabschiedete, so geschah das?Wieder mit einer Zeremonie. Man rief abermals den Namen! Gottes an, aus den man vertraute und nicht langte, man ^sprach abermals den Segenswunsch über den Weit im Becher, sal» dem ,Kelch der Hilfe" in dem nun wieder beginnenden Kampfe de-; Daseins. So bergen auch die Mesusoth an den Thürpfosten recht rzigenswerie Lehren. Wenn wir hinausziehen, der Arbeit dem Erwerb nach, dann mahnen sie uns, dasi wir unsere ^Seel; nicht beflecken durch Unrecht und Unred ichteit, und!wenn wir zurückkehren, künden sie uns an, daß wir unser HauS zu einem Heiligtum machen sollen, wo inniges Familienleben, wahre Bescheidenheit, eckite Gottesfurcht und holder Frieden thronen. Auf diese Weise können die kle neu Kapseln »n der Thür Wunderkästchen werden, in denen f ir unS kostbare Lehren und Mahnungen enthalten sind. So liegt m fallen religiösen Bräuchen rin tiefer Sinn, mit dein die Kinder ^teümnr zu machen, heiligste Pflicht des Lehrers ist. (Fortsetzung folgt.) Berichte -tutD EorrefpDnvenzen. Deutschland. MaOdedurg. In der »Zukunst" von Harden (Nr. 41 vom! 8. Juli) findet sich ein Artikel von einem Herrn M. Ehrenpreis aus Lemberg unter der Ueberschrist ״die Talmusschule", für "welche der Verfafler sich keinen ״Ehrenpreis" aus zahlen lasten?saun. Ueber Geschmack, Geistessichtung urd Ansöiauung lästt :sich nicht streiten, da diese das Produtt einer gutm Erziehung > und Bildung sind. Wenn der Verfasser de« Artikel» christliche Lehrer glauben machen will, daß die ״Talmudschule" die Schule für Spitzfindigkeiten. für Welt- und Kultur-Verachtung ist, so glaubt ihm dieses kein talmudisch-gebildeter Mensch. Der Berf.erzählt, wie er in der Talmudschule mit Hochmut und Dünkel von andern MtldungSzweigen gedacht, wie er von Scheidrbriesen, Urkunden und Eiden rc. rc. spitzfindig zu diskutieren muhte, aber auf die - deutschen Dichtungen eine» Schiller, Göthe, rc. rc. nur hochmütig herabgesehen, wie er erst später durch die hebräische Uebersetzungen der Measfimschule in die Literatur eingeführt und allmählich das talmudische Gewand abgestreift und zur klassischen Literatur 'fsttgeschritten, und wie er jetzt als ״Kulturmensch" sitz fühle: über alles dieses wollen wir mit dem galtzischen Jüngling nicht streiten. Hast sich aber eine tüchtige talmudische Bildung mit Klasstcität Jerrinbarcn kann, dafür könnten wir ihm unzählige Namen von jüdischen Gelehrten aus den letzten Decennicn anführen. »Einem Kogel, der sein eigenes Rest beschmutzt", gleicht derjenige, der die Quelle, aus der er Wissen geschöpft, nachttäglich init Hohn und Spott bewirft. Magdeburg, 8. August. Dermin weiten Kreisen beliebte Humorist und Dramatiker Oscar I u st i n u S ist im Bade Nauheim einem Herzleiden erlegen. JustinuS — die» uar nur sein -Hchriststellcrname, er hieb Cohn — entstammte eir er breSlauer. 'sehr angesehenen Kaufmannsfamilie und wandte sich erst in rei- ^ftren Jahres dem Schriftstellerberufe zu, ermutigt durch den Erfolg seines ersten Lustspiels »Unser Zigeuner", das sich seit nahezu gwanzig Jahren auf dem Repertoire erhielt. Seinen bedeu- -tendsten Bühnenerfolg errang er in gemeinschaftlichem Schaffen lit Willen durch die Poffe »Syritz-Vyritz", die in: Jahre 1881 'ffun ersten Male in Berlin gegeben wurde. Lustspiele feineren ffchmack», wie »Das griechische Feuer" u. a., öffneten ihm das urgtheater und das kgl. SchauspielhW». Neben vielen Bühnenrken versasite er eine Unzahl humoristischer FetülletonS, die liebenswürdiger Behaglichkeit das deutsche Familienleben Sttzzen und Plauderei«», denen man i:l fast allen Zeüunge« und Leitschriften begegnete. Auch auf dem Lcht oh^ Glück. Al» Schriftsteller hatte er sich zweifellos eine hervorragende Sttllung errungen. Durch seine Persönlichkeit muhte er sich bei Allen, mit denen er in Berührung kam, beliebt zu machen. Sein bescheidene« Auftreten, seine grenzenlose Gutmüttgkett, sein Witz und seine Freude au harmloser Geselligkeit erwarben ihm begeisterte Freunde, die seinen Tod, der ihn im 54. Lebensjahre von der Seite einer verehrungSwiudigen Gattin rist, auf» Tiefste beklagen werden. (Der Verstorbene war der Schwager de« hiesigen Oberstabsarztes Dr. Rvsenthal.) Berlin, 5. August. La» bekannte leipziger Antisemitenblatt ,,Deutsch-Soziale Blatter"schreibt: ״Von den Radnuversammlungen in Berltn, in denen der Hofprediger Stöcker von Leuten, die sich leider Anttsemiten nennen, in unerhörter Weise angegriffen und beschimpft worden ist, buben wir bisher noch kerne Nottz genommen. (Warum nicht?) ES ist die höchste Zeit, daß die anständigen,*) nach vielen Tausenden (?) zählenden Anttsemiten in Berlin, gleichgilttg welcher der׳ anttsemittschen Sonder-Richtungcn sie anaehören mögen, sich vereinigen, um die Fraktion ״Gesindel- und Skandal-Partei", welche unter der Marke des AntisemitiSmus schon lange ihr Unwesen treibt, in den Houpträdelssührern zu entlarven und unschädlich zu machen. Die schroffen Gegentätze, die zwischen der ״berliner Bewegung" und den Parteigenossen im Lande bestehen, würden mit einem Male verschwinden, wenn man in Berlrn selbst dafür Sorge ttagen wollte, dah nicht fortwährend in den dorttgen Versammlungen Leute das grohe Wort führen, die einig: Zctt nachher steckbrieflich verfolgt werden oder aus sonsttgen zivingenden Gründen vom politischen Schauplatz verschwinden hinter Gefängnismauern." Gut gebrüllt! Für das leipziger Anttsemitenblatt würde eS indes besser sein, den Mund nicht so voll zu nehmen: die Bodek und Genossen wären im Stande, den braven Leipzigern genau nachzuweisen, wie viel .Gesindel" und »Skandalmacher" sich unter den leipziger Genoffen befinden. — Der berüchttgte Ludwig Schwenndagen < Schwein Hagen), der sich einer gegen ihn erhobenen Anklage wegen Beleidigung deS Finanzminifters Miguel durch die Flucht entzogen hat. wird gegenwärtig steckbrieflich verfolgt. Berlin» 3. August. Die Universitär beging heute Mittag den Geburtstag ihres Stifters Friedrich Wilhelms n. durch einen Festakt im grohen Hörsaale, an dem Vertreter der Staats- und Stadtbchörden, Universitätslehrer und Studirende teilnahmen. Profeffor B i r ch o w als zcittger Rektor hielt die Festrede. In dieser ausgezeichneten Rede richtett der, berühmte fteisinnige Gelehrte auch ein Mahnwort gegen die Verirrungen des AntisemitiSmuS. auf die er bei Erwähnung der Störungen kam, die der Gang der Wissenschaften durch Eingriffe des Spiritualismu» von Zeit zu Zeit zu erleiden hat. Er sagte wörtlich: »Noch steht unsere Zeit ratlos vor dem Rätsel de» Antis e m i t i s m u S, von dem Niemand weist, was er eigentlich will, und der ttotzdem, vielleicht auch deshalb faSzinirend selbst auf die gebildete Jugend wirft. Bis jetzt hat man noch keine Profeslur des AntisemitismusBefördert, aber es wird erzähst, datz es schon antisemitische Professoren gebe. Wer die Geschichte der Naturpdilosophie in ihren radikalsten Auswüchsen kennt, der wird über solche Erscheinungen nicht erstaunen. Der menschliche Geist ist nur zu sehr genAat, den mühseligen Weg des ordnungSmästigen Denkens zu oerlassen und sich in träumerisches Sinnen zu versenken. Davor schützt, um mit Schnckmann zu reden, nur der gesunde Menschenverstand, und wer diesen durch eine fehlrrhastcErziehung verloren hat, der kann sich nur retten durch Gewöhnung an strenge em-. pinsche Arbeit." Berlin, 7. August. Gehcimrat Dr. Krlsmllcr begeht deute fern von Berlin (er weiltz.Z. in der Schweiz) seinSOjährigeS Doktor-Jubiläum. Der Jubilar darf auf ein reiches und viel- ° fettiges Wirken zurückblicken. Al» Frauenarzt genicstt er einen ausgezeichneten Ruf: weitere Verdienste erwart er sich während der beiden letzten Kriege als Leiter von Lazarrthcn. Im Lehrkörper der medizinischen Fakultät ist der Jubilar der älteste Privatdozenr: sein Fach bildet auch hier die Gynäkologie. Ein edler Mcnschenfteund, dessen Herz und Hand immer hilfsbereit sind, hat Kristeller namentlich als Bürger-Deputterter im Dienste der Stadt, als Begründer und Vorsitzender der ärztlichen Unterstützungskaffe und sonst bei allen möglichen, gemeinnützigen Dingen viel Segen gestiftet. Auch an der Bildung und Entwickelung der *) LS gietzt keinen .anSiwdige« Anttsemstendenn jeder An» lffenMSnm« ff: an und für sich — das liegt iw Begriff und in der Trndevz defleldrz — «»gerecht, anre.ligiSs, ««sittlich «ad daru» «»»«stündtg!

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