Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 32 (4.8.1893)
- Date
- 1893-08-04
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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«iftfrfl, Me ich anbei )eigen laste, hatte ich nicht ״SdinKlgerfo*, sondern .Schweitzer" geschrieben. E« mutz also entweder en Druckfehler vorliegen oder ei» Flüchtigkett»sehler seiten« »einer Abschreiberin. Die Hauptsache schein« mir die zu sein, daß ja «»in, den neuesten Rachrichtca nach, lebt und daß ih« nur die Mittel fehlen, zur Küste zu lammen. Diese werden ih« hoffentlich baldigst zuzeheu. «odetberg am 34. Juli. Gerhard Rohlf« " 8. B«uk«rest, 2a. Juli. (Or.-Corr.) Trotz der neuen Schulgesetze, die die Aufnahme jüdischer Kinder in die städtischen und Marktschulen untersagt — von den Landschulen kann ja keine Rede sein, da Juden auf dem Laude nicht wohnen dürseu — hat etz uni doch freudig berührt, den Gereihtigkeitksinn der weiften Schulleiter zu konstatiren. Mit wenigen Ausnahmen, find an den meisten Schule« jüdische Schüler und Schülerinnen prämiirt und ehrenhaster Erwähnungen für wert erachtet worden. In großen wie in kleinen Städten ist uns dadurch der Beweis geliefert worden, daß das gebildete Rumänentum doch ander» denkt, als all' die hohlkSpfigen Deputirten. die die wahnfinnigen Idee» einer Euza, Eeaur-ASlan und Voinov zu Gesetzen stempelten. Allerdings vermag dieses nicht, uns über die Zukunft hinweg zu trösten. Was im Herbste werden wird, wer vrrmag'S zu sagen! ES verlautet, daß die Schultaxe, die jüdischen Eller« auferlegt werden wird, eine gar geringe sein wird. Vielleicht. Ader nicht da« ist da« Hindernis, sondern die Bestimmung, daß Judenkinder nur dann ausgenommen werden sollen, nachdem alle chrtstl ichen Kinder eingeschrieben worden find. Und dann, was soll so ein armer Schuster oder Schneider machen, der fünf oder sechs Kinder in die Schule schicken muß? Das altbiblische 1211 r* ist für viele unserer Juden noch immer die erste Mizwa in der Thora. In der Presse giebt es nichts neue«. Außer dem radicalm Tageblatt .Lupta" und dem sozialdemokrattschen Wochenblatte .Munca", tritt kein anderes Jomnal auf gegen die jüdischen Verfolgungen und Austreibung, die jetzt wieder in der oberen .Moldau praktiziert werden. Da« Neueste HM der Minister de» Innern vollbracht, indem er besttmmte, daß gewesene jüdische Soldaten wohl auf dem Lande wohnen dürfen, aber mir in dem Orte, wo fie rekrutiert worden find. Alte Eltern dürfen also bei diesen Kindern nicht wohnen! JnMgen Dank schulden wir der Jaffyer Schriftstellerin Fräulein Elen a'S e v e st o », Herausgeberin der Frauenmonatsschrist .RSadunica", die einen Srttkel gegen da« neue Schulgesetz veröffenUichte und kürzlich in dem dortigen RegierungSblatte ,Patria Romana" auseinandersetzte, daß die ungerechte Schultaxe, wenn fie schon einmal nottert worden ist, äußerst gering sein müsse. Sie ist dir erste Rumänin, die so warm für die Juden eintritt. Die von dem Judenfteundr Senat«Mitglied G. Bann vor zwei Jahren verfaßten Aussätze »zur Judenfrage," die er gelrgentttch der berüchttgten Interpellation N. E e a u r - A »l a n'S, der die rusfischen Judeuukase in Rumänien einsühren wollte, in der .Lupta" veröffentlichte, find jetzt in Buchform erschienen. Die gerechte Sache und die lichtvolle Darstellung müßten eigentttch jeden Suttsemiten bekehren — wenn wir e» mcht eben mit AuttsemUen zu thuu hätten. . . . Biele unserer Glaubensgenossen, die ausländische Bäder und Sommerfrischen aussnchen wollten, find vielfach daran verhindert worden: eine Verordnung d«S Ministerium« ix» Innern untersagt den DistrittSpräfrcten .Fremden", d. h. Juden, Pässe auszufolgen. Nur mll großer Müh« gelingt r», einen Paß zu bekommen, in dem man übrigen« gar Mcht als »romLn" oder .cetützean romnn", d. h. Bürger, sondern al» »supuS romLn," (rmnäMscher UMerthan) eingetragen wird. Und dazu muß man »och einen christlichen Bürger al» Bürgen haben! Und nun noch eine erfteukch« Nachricht für Litrraturfreunde. Vor Kurzem erschien der erste Band von S r ä e tz' dreibändiger volkstümlicher »Geschichte der Juden" in rumänsscher Urber- — und dieser Tag war nn» ein Fetirtng. Seit Jahne» berett« ist in Rumänien keine größere Arbeit über da« Judentum erschienen, und find wtt den Uebersetzern und Herausgebern, den Herren Gherbel jun. undRosenblatt. Dank schuldig für ihr verdienstvolle» Unternehmen. Zweifellos wird de» sel. G r a e tz' Geist dazu beitrage», den Rumänen die Köpfe und den jüngeren Juden, die sich vom Judentum adzuwenden scheinen, die Herzen zu öffnen. Neueste und vermischte Nachrichten. Berti«. Da« Stöcker'sche .Bolk" erwartet mit Gewißheit, daß der Winter un» Anträge der konservativen Fraktion zur Judenfrage dringen werde. — Man kann diesen Anträgen mit Ruhe entgegeusehen, da dieselben nur eine Folge der Augst der Agrarier vor den Herren Ahlwardt, Bodek, Böckel und gleuoffen sein «erden. Berti». Da» Komische bei den Angriffen der Ahlwardtianer auf Stöcker ist, daß seiten« der ersten, der sogen. .Rasse-Antisemiten" ein Restaurateur Lodeck sich hervorzuthun sucht, dessen teutonische Raffenreinheit nicht über allen Zweifel erhaben sein soll. Der Name .Bodeck' ist nämlich ein hebräische« Wort und bedeutet.Fleischuntersucher." Der Schächter ist gewöhnlich auch der .Bodek", der da« geschlachtete Bied daraus zu untersuchen hat, ob da« Fleisch koscher ist. Daß der Name .Bodeck" nicht ganz arisch-koscher ist, geht darau« hervor, daß viele jüdische Familien diesen Namen führen Berti«, 28. Juli. Die Privatklaoe, welche der Licentiat Gräbner gegen den Schriftneller Karl Schneidt angestrengt hat, ist durch einen Vergleich vor dem «chvffengeriche beendet worden. Beide Parteien, die fich in denen von ihnen herausgegebene« philosemitischen Zeitschriften sehr scharf bekämpft hatten, stellten fich gegenfettig Ehrenerklärungen au«, worauf die Lache in Güte deigelegt wurde. Berti«. Aus Straiantrag de« Reich«kanzler« werden die Urheber, Lersertiger, sowie sämmtliche Verbretter de« neuerding« erschienenen Glöß'schen antisemitischen Bilderdogen» Nr. S, auf welchem der Reichskanzler unter ander« mit einer Jüdin zusammen, Droschke fahrend, dargestellt ist, ftrasrechtlich verfolgt. Dresden, 28. Juli. Da« antisemitische .Dresdner Journal", da« bisher alle Berichte über die antisemüischen Versammlungen in Beckin mit großem Behagen abdruckte, ist nach der Abschlachtung Stöcker'« stutzig geworden und schreibt jetzt: ״Eine Schmach für Sachsen würde e» sein, wenn e« die Hochburg eine» gleichgesinnten vseudo-antisewitischen Gesindel« würde, wie e« in den berliner Bersammlungen sein Unwesen treibt." Die Erbitterung zwischen Anttsemtten und Konservativen ist auch n ach der Wahl in Sachsen nicht gemüder t. Dr. Schläger sagte jüngst in einer antisemüischen Bersammlung, der gritzte Hemmschuh de« Antisemitismu« sei die konservattve Pattei, aber vielleicht springe auder Metamorphose eine« Ahlwardt noch ein brauchbarer Borkämpfer heran«: au« Ahlwardt hiMe sich für die Resormpatteischließlich »och »och eine ״ganz annehmbare Schlange." Da« dresdener Blatt belegt Ahlwardt mit hier nicht wiederzugebenden Schimpsworien; aber da« wird kaum verhindern können, daß Ahlwardt demnächst doch seine geplante Triumph- und Agstationöreise durch die aMisemitischen sächsischen Wahlkreise antritt und von den Böckelianern al« ״annehmbar gehäutete Schlange" an den Busen gedrückt wird. Dessau 28. Juli. Der hier gewählte Rabbiner Dr. Max Freudenthal (aus Breslau) Hai, wie lein Vorgänger, vom Herzog den Lttel .Landetrabbiner" erhalten, da ihm die rabvinltchen Funktionen auch in den Landgemeinden übettragen sind. Giesse«. Der Professor der Mathematik, Dr. Moritz Pas, ein gebürtiger Budapener» ist zum Rektor der hiesigen Universität gewädtt und durch großherzogliches Dekret in dieser Bürde bestätigt worden. So hat Gieße« e«nen jüdischen Unive»s!tät«rektor und einen anttsemitischen Reichsrogsabgeordntten. Mamchei«, 10. Juli. Der Anttsemtt Christian Schmidt au« Sulz seid wurde »egen w>ajest»t»belei»igung anläßlich der Reich«, tagowahl von der Strafkammer zu drei Monaten Gesängni» »erutteüt. Paris. 86. Juli. La« Civilgericht ordnete die Stellung de« antssemittsche» Raufbold« Varquit «lore« (auf Antrag seine« Vaters) unter Curatel an. Baris. Der den jüdischen Kultus betreffende Budgeiartikel wurde für 1894 genehmigt und zwar: Für da» Personal de« jüdischen Culrns 138,633 ot. _ «osten de» i«ral. Seminar, 28,000 Fr. — Beihilfe zu den Gem eindebauien de« protestantischen und israelitischen Kultus M^84 Fr. —f. stk «Gerda«. 28. Juli. Unsere «ohfthätige» Glaubensgenassen habe» sich mü unserer wohlhabenden Glaudentdrüderu in Rotterdam in Verbindung gesetzt und plane» wie der ^ilanw« Lottaetlain-wke Omrnut" meldet, den Ankauf der Insel Schiermonnikoog tu der Nordsee fix unsere eu«ge»ie|enen russischen Glauben «drüber. Die Unterhandlungen find im beste» Gange, und so dürsten wir bald eine jüdische Kolonie in Holland anszuwetsen habe». AerrssaLeae. Der Sultan hat de» dato» Edmand von Rothschtld de» Erwerb von Acker im eigentliche» Palästina »ich, ge» ftattot, nur i, D«na»k?>s und TreNsiorbanie».