Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 32 (4.8.1893)
- Date
- 1893-08-04
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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urteilen, sondern überhaupt feine Stnfü&t bezüglich de» behandelten GeoenstaudeS dnrlegen. Zmn Teil stinmtt man zu, ntm TeU nicht. Von einer Nermtetlnna kann überhauvt keine Rede sein. — Ich war als Protokollführer der -Ansicht, daß n nr da» Referat des Dr. K. wiederzugeben fei, und von der Debatte nur diejenigen Teile, in denen thalfachliche Unrichtigkeiten des Referats, nachgewiesen seien. Doch kann man auch die zu Tage getretenen Ansichten der Conserenz-Mtglieder, soweit sie von Wichtigkeit sind, auszetchnen- Von einer eigentlichen Debatte kann ja mcht die Rede sein, eben weil nur ThatfächltcheS vorgesührt wurde, da gilt das berühmte Won: Hier bat Bismarck nix tau eggen! Die Leitsätze sind nicht beratbe« worden, «esbalb ie auch nicht für uns verbindend find. Man kann sie über tehen lassen, sie nehmen sich ganz gut au«, und fallen jedenfalls »edeuten: ES sind die leitenden Gedanken, die bei dem Eonferenz- Vortrage gleichsam die DiSvofition bilden. Thesen im gewöhnlichem Wortfinne sind es nicht. Nach Herrr Renß' Ansicht hätte Herr Dr. Kroner alle Lehrvläne und alle Einzelheiten von dem UnterrichtSbettielx. de» Seminars vorlegen sollen, es hätte eine Commission gewählt werden sollen, die alles genau prüfe und dann ihr Verbiet fälle. Ja. daS ist schon kein Vortrag mehr, da» i» eine Gerichtssitzung. Dann hätte der Seminarunterricht müssen fortgesetzt werden, und die Eonferenz in corpore hätte diesen insvicirt. Arme Seminarlehrer, die Ihr von nicht genügend für da» Schulfach vorgebildeien Eiementarlehrei n inspierrt werdet! Dass Ihr am Conferenziaa reinen gemüthlichen Tag habet, da» laßt Euch nur vergehen! Ihr sollt an der Eonferenz teilnehmen und dabei unterrichten! Ihr sollt ״in Zungen" reden. Nun ist es ja richtig, daß man durchaus nicht vervstichtet ist. allen geäußerten Ansichten des Dr. Kr. zuzustimmen. So z. B gefallen mir seine Bemerkungen über die!üdische Methode auch nicht. Selbst loenn sich diese in ein vaar Stunden lehren ließe, so sind ein Paar Stunden für die Seminaristen nicht hinreichend. Docieren läßt sich manches sehr schnell. Man denke an das Hillel'sche Rezept, der sie ganze Thoru lehren wollte, so lange man auf einem Bein stehe. Aber wo bliebe unser schönes Ge» hatt, wenn wir nach btefem Rezept verführen? Wir nehmen also mehrere Stunden dazu. Vielleicht ltssen sich die Regeln der Schwimmkunst in einer Stunde lehren, wer aber weiter nichts aufzuweisen hat. als diese Gelehrsamkeit, und geht damit ins Wasser, der wttd wohl sammt den schönen Regeln ertrinken. Praxis, daS ist die Hauptsache. Ich habe an a:derer Stelle rreine Ansicht hierüber ausgesprochen. Aber warum besteht Herr R. darauf, daß der Lehrer vorgebildet werde, einen religiösen Vorttaa zu halten (»lernen' zu können', mit der Begründung: von dieser Fähigkeit, nicht von einer Lehrvrobe hänge die Waln und Anstellung des Lehrers ad? Wenn wir die» als die Hatmtsc che hinstellen, dann müssen wir darauf verzichten, die didaktische Tüchtigkeit, die die Gemeinde weniger interessirr, in den Vordergrund zu stellen. Entweder — oder! Die Schule — das ist die Hauptsache — nicht was sich um die Schule gruvpirt. Wir sind in el fter Lmie Lehrer! Ein Seminar kann die Riesenaufgabe nicht Iiewälttgen, Lehrer und Geistliche zugleich auSzubilden. Thun denn dtS die christlichen Seminore? Auch diese rechnen auf eine weitere Fortbildung. Das zweite Examen, da» Mittelichullehrer-Exauen, wird nicht im Seminare vorbereitet. Sollte aber das wirklich beabsichtigt seinso müßten die Seminare entweder pädagogische Fakultäten werden oder da» Seminar und damit dos ganze Schulwesen würde zur reinen Dressur herabgedrückr und die Eonfereinen wären erst recht überflüssig. Ich kann die Vielheit der Ansichten nicht beklagen, sie bewahrt vor Einseitigkeit und Erstarrung. Dieieniger, die eine »jüdische Methode" verneinen, wollen damit nur sagen, dah vom Stanbpuntte des Judentums die allgemeine Meth idik nicht könne modifiziert werden. Diese Frage ober ist so hoch wisset,schastlich, daß ich den Hut vor ihr abziehe. Jedenfalls dürfen vir jüdischen Fächer nicht methodeloS gelehrt, - feste Lehrwetse bis lang noch nicht gefunden ist. werden, und wenn eine. so muh man sie suchen, und die Seminare sollten uns eines Tages mal mit ihren, »hem*!»" überraschen. Sie sehen Herr R, daß ich Ihre Schmerzenzu würdigen, weiß, wie ick dies ja auch in ganz gemütlicher Weise auf der Konferenz gethan. Sie klagen mich in aller Form an, daß ich unzulänglich protokollierte. Sie sagen. Herr Selig, habe geprüft, mcht unterrichtet. DaS ist eine schwerwiegende Beschuldigung, die ich um Alle» in der Welt nicht unterschreiben möchte. Wenn man vor einer fremden Klaffe unterrichtet, so läßt sich nicht so ohne weitere» feftstellem wa» schon Eigentum der Schüler ist, wa» nicht, und was auf Rechnung der Lektton zu setzen ist. Nmt will Herr kräftiges entgegegensetzen kann» wie er hauptsächlich durch pmeho- R. durchaus he Herbart'schen Formalstufen. Die will Herr Selig auch. Wer die Herbart'sche allgemeine Pädagogik genau studiert hat, wer da liest, welche Schwierigketten ihm die metaphysische Möglichkeit der Erziehung macht, wie er den Hegelianern, die die stttluhe Berechtigung der Er-tehung leugnen, mcht» Beweislogische Spekulation auf da« pädagogische Thema gekommeu/1 wie er in seiner Pädagogik weniger ein Sollen als ein pfycholo» gische« »nalvston darbietet, der wttd mit Herbart etwa» »limpf-' sicher umgehen. Für da» Praktische brauchen wtt praktische DLda» gogen, und nicht« wäre verfehlter, al» wollten wtt un» bei jedem Unterrichtsschrttt besinnen. ob auch dtt Formalstufen richtig inne» aehatten sind. Mvglicherwesse ist der Schritt, den wtt meinen, auch schon zu groß. — Nach meiner Ansicht hat sich Herr Selig da» Pensum zu groß gestellt, da er die Fähigkett der Schüler überschätzte. Das ist alle«. — Zum Schluffe will ich noch verraten, daß manches, was ich in Wtedergabe de« Selig'schen Referat über die Stufen des selige« Herdart mitgeteilt, der Scheere der Lenfur zum Opfer gefalle« ist. Ich heute mich jetzt schadlo». L. Weinberg. Vefterretch-U«ge»r«. Wie«, 21 Juli. Die heuttge Nr. der »N. Fr. Pr." veröffentlicht folgende Zuschrift de« H. Oberrabbiners Dr. Güdemann: »Geehrter Herr Redakteur! Im Moraenblatt vom Donner»- tag. den 13. Juli, veröffentlich Gerhard RohlfS aus Grundlage eine» neuen Buche« über Emm einen Artikel, in dessen Eingang eS wörtlich, wie folgt, heißt: »Einen deutschen Gordon kann man mit Recht Eduard Schnitzer nennen, der am 28. März 1846 zu Oppeln in Schlesien geboren wurde. Sein Vater war Kaufmann und wie seine Mutter, eine geborene Schweizerin, evangelischer Confesfion, was wir hier detonen wollen, da vielfach behauptet worden ist, obgleich ihn da» in unseren Augen nicht herabgesetzt hätte, datz der!unge Schnitzer Jude gewesen sei." Diese bestimmte Aeußeruim au» der Feder eine» so namhaften Forscher» machte mich stutzig, da fett Jahren in jüdische« Fachjournalen Emin für die Juden reclamirt und in anttsemittsche« denselben zugeschoden wurde. Um über diesen Puntt authentische Gewißhett zu erlangen, die, wie ich mtt dachtt, doch ohne Schwierigfeit zu ermitteln sein müsse, da wir ja nicht, wie Emin, im ״dunkeln Weltteil" unS befinden, wendett ich mtch an den Rabbiner Dr. A. Wiener in Oppeln. Dieser ehrwürdige, mehr al» achtzig Jabre alte, übrigens mir nicht persönlich bekannte Gelehrte schreibt mtt nun unter dem 16. d. M. dtt nachstehenden, Emin de» treffenden Notizen. welche in Anbettacht der Bedeutung de» Letz» teren der Veröffentlichung wert erscheinen, wobei e» mir jedych lediglich darum zu thu« tst, einen Irrtum RohlfS' zu berichtigen und Einige» zur Biographie Emin'S beizulragen. Die Mttei» limg des Herrn Dr. Wiener lautet wörtlich: »ES sind noch lebende Zeitgenossen hier in Oppeln, die in alle Verhältnisse des Hauses und der Familie Schnitzer eingeweiht sind. Ich selbst gehe fast täglich vor dem Hause vorbei, wo Emin Pascha da» Licht der Wett erblickt hat. Schon vor 46 Jahren, als ich noch Rabbiner in Kosten (P»sen) war, wo ich mit einem nahen Verwandten de» Emin Pascha in einem Hause lebte, erfuhr ich viel über die Familie Schnitzer in Oppeln, fteilich nicht über den damals noch jugendlichen Eduard. — In der von hiefig« Gemeinde geführten GeburtSline findet sich (Seitenzahl verlöscht) für das Jahr 1846 folgender Vermerk: »N. O. L. Schnitzer, * l 4 1 ־'■ alias Lvb Schnitzer. (Vater) ebenfall» hier geboren, war der Sohn des Joses Schnitzer, eine» Gelehrten, der hier unentgettlich die rabbinijchen Funnonen versah. Sr war hier eingewandert au« der Stadt Krzepitz im Königreiche Polen und heiratete die Loch» ter de» Simon Oppler, eine« rabbinisch gelehrte« Manne», Bru» der de« durch seine hebräischen Dichtungen berühmt gewordenen,, in Breslau verstorbenen Solomon Pavpeilheim. Lin Bruder des Louis Schnitzer war der Hofrath Dr. Schnitzer in Berlin, der, wie tch glaube, al« Jude in Berlin gestorben ist. Eduard Schnitzer (Emm) war ungefähr fünf Jahre att, al» sein Later starb: seine Mutter, eine geborene Schweitzer (also teilte Schweizerin, wie RohlfS schreibe au« Neiffe, kehrte nach dem Tode ihre« Gatten nach ihrer Vaterstadt zurück, ließ sich und selbstverftandsich auch Eduard, jetzigen Smin Pascha, täufen und heiratete nunmehr einen Christen.... Gerhard RohlfS veröffentlicht nun in-derselben Zeitschrift folgende Zuschrift: Obgleich e» für mich vollkommen gleichgültig ist, ob Emin Jude, Christ ober Mohamedauer war und ist, btt Hauptsache, baßer Christ^ würbe, gttbt ja Herr Dr. «ubrmaun selbst zu. Ja de« von mtt cttttten Serke: »Emin Pascha, eine Sommluug vo» Sieisebriesen und Berichten Dr. Lmiu Pascha« tc.*; heißt c« »ältlich pag. VH-, Liuleitung: »Eduard Schnitzer würbe am 88. März 1840 zu Oppeln in de, preußischen Provinz Schlesien gebaren, «I* Sahn da« Lauf»«»« Ludwig Schnitzer (gestorben lS4S) and seiner Eheste»-Paultur, Schweitzer, «erde evangeUscher Loustsßo«. ג 'i ו, »ttStt.