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Israelitische Wochenschrift · 1893-08-04 · 32 (4.8.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
32 (4.8.1893)
Date
1893-08-04
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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ST' Herdart'scher Pädagogik vielseitiges Jntereffe zu erregen, namentkich da» sympathetische und gesellschaftliche. 2xnn jene», al» Teilnahme an den einzelnen Personen, ihren Gemütszustände«, ihren Gefühlen und Strebungen, nimmt die Rettungen auf. die e» tu menschlichen Gemütern findet, und sucht den natürlichen Egoismus zu überwinden: diese» wendet sich von den einzelnen Individuen hinweg, ganzen Grupp« von Menschen, den Parteien, Ständen, Klaffen, Sprach-, Glauben»-^ und GefinnungSgmoffen und schließlich der Gesellschaft selbst zu. indem e» die Widersprüche derselben auSzugleicheu sucht und als Teilnahme an dem allgemeinen Menschenwohl austritt. Weil jedoch die Person de» Erzieher» und Lehrers stets dir - zuverläsfigste Garantie für das Gelingen aller pädagogischen Bestrebungen bildet, so laffe der Lehrer in Wort und Wandel auch bei jeder sonstigen Gelegenheit in und außerhalb der Schule keinen Zweifel darüber obwalten, wie fern er selbst einer Bewegung steht, die unedel, undeutsch-und unchristlich ist." Die zionistische Bewegung in Galizien. Boa S. Horowitz. II. * Der Nationalitätendusel war nur ein Uebl.-rgangSstadium, ein Mittel, das Selbstbewußtsein zu wecken, also ein erziehltcheS Moment, keineswegs aber Zweck. Auch der Montenegriner vermag auf seine Nationalität pochen, worin wir aber keinen ethischen Fortschritt erblicken, ie interessanten Völkerschaften der Balkanhalbinsel werden mit der nattonalen Trommel aus dem vielhundertjährigen Schlaf geweckt, weil ihre Anführer kaum andere Mittel haben, solchen Leuten die Begriffe von Menschlichkeit und Freiheit beizubringen.׳ Wir aber können auf dieses Spielzeug für Kinder verz'chten, denn wir find im geistigen Kampfe gestählte Männer. Die Juden sind die providenttonellen Apostel für Freiheit und Gleichheit, in jedem geffttgen Kampfe stehen die llnsrigen in den ersten Reihen und wir werden auch vor der anttsemitischen Hochfluth nicht zurückweichen, die Flinte nicht ins Korn werfen, sondern ausharren und daS Feld nicht räumen. Unsere Heimat ist Europa und hier bleiben wir, den Kopisten, und den Antssemiten zum Trotze. Ohne eS natürlich zu beabsichtigen, arbeiten die Ersteren den Letzteren in die Hände und die zionistische Unterströmung ist nur eine Folge de» AnttsemitiSmo». Wir aber sind über» alt, daß die trüben Gewässer de» AnttsemittSulu« sich veren werden und wir verzichten auf den ״Kaiserschnitt" der Zionisten. Dem modernen AnttsemitiSmuS liegen gar keine echischen Momente zu Grunde, und er verdankt sein Entstehen nur dem Brotneide. Wir leben in den Zeiten einer wirthschaftlichen Krisis,' jede« Geschwür muß früher oder später aufgehen, die eiternde Wunde wird heilen und dann wird dem Antisemitismus der Boden unter dxn Füßeu wanken. Die erdrückende Mehrheit der europäischen Judenheit will von der nationalen Strömung nicht» wissen und die Saat der jungen Zionsschwärmer fällt auf einen sterilen Boden. Za, e« muß gesagt sein: Die Zionisten sind edle Schwärmer und sonst nichts. Auch sie besitzen Gefühl, auch sie können sich in der Phantasie zu einer Schwärmerei emporschwinaen und wenn sie die Augen schließen, erscheint ihnen die zionistische Idee von einer Gloriole umflossen. Und Jugenderinnerunam werden wach, die patriarchalischen Gestalten der Bibel ziehen in ihren faltenreichen Gewändern an unserem geistigen Auge vorüber, wir wähnen da- Rauschen der Jordanswellen zu vernehmen und die poesischen Erzählungen nehmen eine schier handgreifliche Gestalt an. Und wehmutsvoll beugen wir unser Haupt, ein Etwa», ein unbestimmte» Sehnen nimmt unser ganze« Wesen gefangen und eine schwärmerische, weiche Gsimmung zieht in unfern Busen ein. Wie in einer eamei» odoear» steig« liebe Traumgestalten a»S der trauten Kinderstube empor, und traumverloren verlieren»» jede Fühlung mit der realen. Außenwelt. Allmählich aber schwinden die Visionen, wir recken und strecken unsere Glieder, die Wirklichkeit macht sich S ,. «... - ,■1־"-1-•י ™k ־*״ dahin, und daS Marne-alter verlangt seine Rechte. Wir brwahren der Kinderstube, dem Elternhause ein pietätvolles Andenken, sehnen uns aber nicht nach den Kinderschuhen . . Die Parole der ZionSwächter ist aber: »vernicht mit unS, ist gegen un»; und wer nicht mit ihnen schwärmt, dem wird jede« menschliche Gefühl abgesprochen und er mit einem «na» thema belegt. Sie wissen nicht, oder wollen nicht wissen, daß auch ihre Gegner immer das Beste der Glaubensgenossen, oder um mit ihnen zu sprechen, der StamuieSgeuossen, wollen. UnS leuchtet die prosaische Sonne voran, öii sehen klarund deutlich, »vLhrend sie, die Mondschein!«, sich von einem Irrlicht an der Nase herumführen lassen. Und ihr Organ, die Wiener ,Selbst- Emancipation," schreitet, mondscbeinumflossen, wie in einem Zauberkreise fürbaß, ohne vom Flecke zu kommen. Sie ist mit sich und der ganzen Welt znffallen, denn sie vermag nur winzige Proselyte» zu machen. Allen jüdischen Institutionen wirft sie den Fehdehandschuh hin. Niemand aber will ihn aufnehinen. Der Don Quixote wird ganz »gnorirt, was bekanntltch am meisten schmerzt. Draußen im Westen geht'« schon gar nicht. Man gründet wohl hebräische Vereine, »vaS aber sehr platonischer Natur ist, auf die Sache selbst, auf die Palästtna-Jdee will man nicht eingehen. Galizien mußte immer dazu herhalten, an seinem Leibe Experimente vomehmen zu lassen, und die Herren im Wiener Hauptquartter hatten die Gnade, ihren faScinirmdm Blick nach unserer Provinz zu werfen. Der Generallissimus in eigener Person ha» da» Terrain rekognoSzirt, Etappen errichtet, und den Operasionsplan entworfen. In mehreren Orten wurden Ztveigvereine gegründet und die Agitation begann. Den lokalen Verhältnissen Rechnung tragend, unrrde gar eine polnische Halbmonatsschrift ״Przyazlosc“ — Die Zukunft —, sollte wohl richtiger heißen: ״Przeszlosc“ — Die Vergangenheit — in'S Leben gerufen und ein Manifest vom Stapel gelassen. ES fanden sich einige der Schule kaum eutwachsene junge Leute, die sich mit Feurreifer der Sache annahmen. und sie entwickeln eine rege Agitatton. Erfolge »verden sie aber nicht erzielen, unser zerklüftetes Parteileben ist nur um ein Fraktiünchen reicher, sonst dürfte Alles beim Alten bleiben. Den Lhassid werden sie nickt für die ZionSidee gewinnen, diese,» sind die Leute zu wenig fromm und er wird eS jedenfalls vorziehen, auf den Messias zu warten. Der Spießbürger, bei uns ״ProBtak“ genannt, vermag sich nicht für solche Dinge zu echaussirm, denn er kann leinen handgreiflichen Nutzen absehen. Die Jnrelliaenz in Amt und Würden ist so ziemlich indifferent und die Jugend wirb sich auch von der Strömung nicht fortreißen lassen. Vereinzelte Personen »verden wohl hie und da anbeißen, sonst aber wird die init großem Aufwande inscenirte Agitatton im Sande verlaufen und die ,Selbstemancipatton" wird wahrscheinlich dann unserer Provinz ihre Gunst entziehen. Die publizistische Thättgkn« der Zionisten in unserem Lande hat bereit» eme Gegenschrift gezeitigt und der Verfasser ist der begabte, in polnischer Sprache schreibende Schriftsteiler Wilhelm Feld mann. Die Broschüre betitelt sich: Assimilatoren, Zionisten und Polen.*) # Obwohl dessen Prämissen sich nicht ganz mit den unsrigen decken,, indem Feldmann der Nationalität im Allge- »»einen das Wort spricht, gelangt er auch zu dem Resultat, daß der Zionismus für die Juden im Allgemein« und für die galizifthen insbesondere unheilbringend sei. Mit Recht *) (AMaJUtotty, Syonitti. i Poliej. Kraköw, niHiii■ kii•■ gani St Banaakiago. IMS.) .Vfltailatortn, Zionist« und Polen", kt. BoranSkl'S Buchhaudtung. Krakau 1893: >

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