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Israelitische Wochenschrift · 1893-08-04 · 32 (4.8.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
32 (4.8.1893)
Date
1893-08-04
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Toll ttttb kau« die Schule dem Amtisemitis» mus evtgegeuwirke«? Wir erh tten dir längere Abhandlung eineangesehenen Pädagogen über ״Schule und Antisemitismus" zum Abdruck. Obwohl nun dieses Thema in den letzten Jahren von iSr. Lehrerversamoilungen mehrfach behandelt worden ist, geben wir doch dem toesentlichen Teil dieser Abhandlung um so lieber in unstrem Blatte Raum, als dieselbe aus der Feder eines bedeutenden schriftlichen Schulmannes herrührt. Derselbe behandelt zuerst die Frage: Soll die Schule auf brennende TageSftagen Bezug nehmen? und beantwortet dieselbe wie folgt: ,Lwei Ansichten stichen sich hier gegenüber. Die Einen meinen, die Schule diirfe weder zu der sozialistischen Bewegung Stellung nehrten, noch könne es ihre Aufgabe fein, einen Auswuchs des deittschen Volkslebens, wie den Antisemitismus, zu bekämpfen, der doch nur eine vorübergehende Erscheinung sei und verschwinden weide, sobald das deutsche Volk wieder zur Besinnung gekommen. Die Schule könne sich eben nur im Allgemeinen daraus beschränken, die menschlichen Tugenden zu vstegrn- Andere hingegen, und dieser Standvunkt dürfte der richtig ere lein, fordern von der Schule ein direttes Einwirken auf die Schüler und rechtfertigen chre Forderung mtt dem Hinweis darauf, daß leider in HauS und Familie, sowie auch im öffentlichen Leben die Kinder oft Dinge zu sehen und zu hören bekommen, die, namentlsch durch die hinreißende Mach: des EünnbttspitteS und der im Hause -!errschenden Sitten und Handlungsweisen, ihren Gesinnungen und Entschließungen eine bedenklich« Bahn der Eutwickelung anweisen. Dem gegenüber aber dürfe die Schule nicht mit verschränkten Ariuen dastehen. Oder wir ist es denn zu erklären, daß sich in den oberen Klaffen einig« Gymnasien antisemitische Schülervereinigungen gebildet haben, und daß jüdisch« Schüler in höheren wie in nie» deren Schulen mitunter von ihren christlichen Mtschülern ohne Grund geärgert, verspottet und verhöhnt werden? Wollte man diese Fälle auf ihre Entstehungsursache hin untersuchen, es stellte sich gewiß heraus, daß die Anregung dazu im elterlichen Hause gegeben worden ist, weil der Vater oder ein sonstiges Mitglied der Familie antisemitische Gesinnung hegt und aus derselben vor den Kindern kein Hehl gemacht wird. Hier nun eine heilsame Gegenwirkung auSzuüben, ist Pflicht zunächst jede;Rcligionslchrers. ES bedarf hierzu im Unterrichte keiner weitschweifigen Auseinandersetzungen, son» dern nur kurzer, aber bestimmter Hinweise auf daS Unchristliche der ganzen anttfeminschen Bewegung, die um so nachhalttger wirken werden, je auirichttgn sie gemeint find. An Gelegenheit dazu, soweit sie im Unterrichtsstoff und sei» ner notwendigen BeljandlungSweise vielleicht bei den formalen Stufen der Vorbereitung, Verknüpfung und Anwendung gegeben find, fehlt es wahrlich nicht. Es sei nur erinnert an die biblischen Geschichten von Abrahams Friedferttgkeit, von Naemi und Ruth, von David und Jonathan, an die Gleichniffe vom barmherzigen Samariter und vom Schalksknecht, vor allem an Lhriftu» selbst, an Sprüche wie Matth. 8, 14. und 15: So ihr den Menschen ihre Fehler vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben; L. Joh. &. 18: Lasset uns nicht lieben mit Worten, noch mit der Junge, sondern mit der That und mit der Wahrheit; an das 5. und 8. tzftbot. die 5. Bitte, an Liederstrophen wie: Laß mich mit Jedermann in Fried und Freundschaft leben n. s. w״ oder: So Jemand spricht: Ich liebe Gott und haßt doch seine Brüder, der treibt mit Gotte« Wahrheit Spott und reißt sie ganz darnieder. Noch geeigneter erscheint zu derartigen Belehrungen und Warnungen ein and wes UnterrichtSgebiet, die Geschichte, well hier mehrfach dirett von den Juden und ihren beklagenswerten Schicksalen die Rede ist. - Das ganze Mittelafter hindurch stehen sie in den christliä und mobamedanifchen Ländern unter hartem Druck, der nur zeit» wellig grmlldert wftd. Es kommt mehrfach zu blutigen Btt» folgungen, besonder» zur Zell dtt Kreuzzüge und bei Gelegenheit des schwarzen Todes 1348—1350 in Deutschland. Sie werde» in Gettho'S verbannt unlj führen Jahrhunderte hindurch das ttaurigste Dasein von d« Welt- Auch die brandenburgisch-preußische Geschichte weist solche Partteen auf: Die Judenverfolgung unter Kurfürst Joachim I. die grausame ungerechtfertigte Hinrichtung des Juden Lippold unter Joachim Georg, die abermalige Bertteibung dtt Juden aus den Marken unter feiner Regierung und das Märchen von den dem Nünzmristtt Friedrich» des Großen, Ephraim, zur Last gelegten Betrügereien. Werden diese Begebenheften in dtt Schule auch immer so vorgettagen, wie eine gewiffeuhafte pragmatische GeschichtSbettUch» tungen sie auffaffen wftd. daß nämlich zumeist Mißftauen, Arg» wohn, Neid und Haß gegen die Besitzenden, als welch« die Jude» gatten, und dft unbestimmte, aber gerade deshalb um so fanattscher festgehaltene Uebazeugung, es sei dieses Vermögen stets nur durch Bedrückung der Armen, durch Unterschleif und Betrug zusammengrbracht worden, in ähnlich« Weise wie heute, auch damals schon die Triebfedern de« Handelns bei der Verfolgung der Juden gewesen? Leid« kommen Fälle vor, daß Seschichtslehrer im Tone ftockenen LeitfadenstilS die Fotta einfach erwähnen, wobei natür» lich dtt ungezügelten Phantasie der Schüler der weiteste Spielraum gewährt wird und in den Köpfen derselben allerlei Zenbild« entstehen. Schlimm« noch abn ist es um die Sache bestellt, wenn dft' erwähnten Abschnitte aus der Geschichte mit einer gewiffen Fri» volftät od« gar boshaften Schadenfreude vorgettagen wnden. DaS heißt schleichendes Gift in die empfänglichen Kinderseele» ftäuftln, auS denen dann nur eine unheilvolle Saat hervorsprießen kann. Treue Lehrn, denen da« Wohl der Jugend und de« Volkes, da» Hell der bürgerlichen Gesellschaft und des Staates am Herze» liegt, werden daher btt dem befteffenden Unterrichte recht vorsichtig verfahren, um ihrerstttS dazu beizutragen. daß die offene, ttternde Wunde an dem Körp« unserer Natton nicht noch schlimmer werde, sondern sich bald schließe und heile. Da in manchen Schulen die Schüler der oberen Klaffen in allgemeinen Umriffen od« zusammenfaffenden Uebersichten auch Befthrungen über staallich« Einrichtungen mid Entwickelung d« StaatSvttfaffung «halten, so stt noch auf ttne« aufmerksam gemacht: Es ist angesichts der staatsfttndlichen anttsemtttschen Agitation notwendig, die Schüler auf den Arttktt 12 der preußffchen Ver» faffungsurkunde und da» Gesetz vom 3. Juli 1889 hinzuweise«, denen zufolge die jüdischen Untertanen glttche Rechte wie die christlichen habe« und daher nicht mit and«em Maße gemeffeu »erden dürfen. Da Regierung stt dies bisher auch noch nie in den Sinn gekommen, wohl ab« den Anttsemiten und denjenigen. Parteien. welche jenen in ihrem rechtswidttgen Verhalten Bor» schub lttsten oder sie durch zwttdeuttge« Schweigen in dn Mtt» nung bestärken, als stimmten sie ihnen zu. Solche dn Jugend im Unterricht zuteil wndende Belehrungen wnden hoffenllich ihre Wirkung nicht verfthlen und als Ettnnerung, in späteren Jahren für da» ttgenr Denken und Handeln ttne Richttchuur bleiben. Noch ttn Auterttchtsgegenstand darf nicht vngeffen wnden: es ist da» Deutsche, speziell da Lesebuchstoff. In d« rttchhalttgen Fülle d« volkstümlichen und klassische»; Litnaturstücke und da realistischen?luftätze liegen wertvolle rell» giöse, sittliche, paftioüsche und ästhetische Blldungsmomente. Dft' nstaen können, wo dft Beziehung keine erkünstette und gezwungeoe ist, gleichfalls für den in Rede ßehendeu Zweck gemacht werden. Es kommt nur auch hin wie btt dem gio«s- und Geschichtsunterricht darauf an, nach de» Ford

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