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Israelitische Wochenschrift · 1893-07-28 · 31 (28.7.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
31 (28.7.1893)
Date
1893-07-28
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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eignuug und religiös-sittliche Eharakterbildung, er reicht wird oder nicht. Folge« wir den Gesetzen der Psychologie, so halten wir bei Erteilung einer Bibellektio« folgend«! Gang ein: » Borbereitung, d Erzählung, c Unterredung. Jede biblische Geschichte bedarf einer Vorbereitung. Die Kinder müssen für den Swff vorbereitet werden. Die md«r Kinderseele schlummernden Gedaukenreihen und Vorstellungen bilden das Fundament auf welchem der neue Stoff sich aufbaut. ES steht psychologisch fest, daß der Unterricht sich nur auf vorhandene Vorstellungen gründen kann. Die Kinder können den Stoff in sprachrichtiger und sachgemäßer Form dann nur in sich ausnehmen und geistig »erarbeiten, wenn der Unterricht das Bekannte benutzt, um darauf das Unbekannte aufzubauen. Die biblische Geschichte führt das .Lind in fremde Länder und bringt Er» eigniffe aus längst vergangener Zeit. Da muß der Boden ettngermaßen gemnet und der Phantasie die Gelegenheit zu wunoerlichen Gebilden genommen werden. Diese Aufgabe fällt der Vorbereitung zu. Dabei muß mau sich aber auch vor dem Extrem hüten, mit der Vorbereitung auch dm Inhall der Geschichte zu gebm. Ein berühmter Pädagoge sagt über die Vorbereitung: ״Die Vorbereitung soll vaS BerständniS für dm geschichtlichen Stoff veruutteln, dm Eindruck deSselbm verstimm, Geist und Gemüt sammeln und verlangend machm nach der zu erzählenden Geschichte." ES folgt die Erzählung. Bon der Art und Weise der Erzählung hängt meistens der Erfolg diese» Unterrichtszweige» ab. Rur w«m der Lehrer mit vollem Herzm spricht, wenn er michört, mitfühlt und sieht, wmn er durch die Warme seiner Erzählung das Kinderherz zu mtflammm weiß, des Kindes Blicke sisselt und für das Gute und Göttliche, für da» Hohe und Himmlische, für Liebe und Lebm begeistem kan», daun darf er lioffcr:, daß die Saatkörnlein auf fruchtbarm Boom fallm und reichm Ertrag bringen werdm. Darum erzähl« der Lehrer einfach, aber herrlich, mit würdigem Ernst, aber ohne Pathos» ruhig und doch belebend. Durch monotone» Vorträge! und katechisirende» Abfragen wird die Stunde niemals eine Segensstunde, sondern eine Qual für Lehrer und Schüler, die erwartungsvoll dem Glockenschlag mtgegmsehm, der sie von dieser Last befreit und erlöst. Wmn aber die Siurer an dm Blickm de» Lehrer» hängm, wenn emste, heilige Stille im Schulzimmer hmrscht, dann hat der Lehrer dm rechten Ton angeschlagen, an die richttge Thür gepocht, dann wird sich die Kindmbrust da» GelöbnrS zum Gchorfam geg«l Gott und zur Erfüllung seiner Gebote entringen. «zählt der Lehrer z. B. die Geschichte Josef« in einer Weise, daß das Herz de» Kinde» kalt und unberührt bleibt, oder läßt er gar die Eizählung unvorbereitet memorierm, so wird dieselbe einen ttefern Eindruck aus da» Kind nicht auSübm und der ethischen Bildung wmiger oder gar nicht dienen. Wenn aber der Lehrer dm frommm, tugendhaften Jüngling schildert, der in seinem Gottvertraum verharrte und nicht wanke, als er, von Brüdem verkauft, als Sklave nach Aegypten wandem mußte, getrennt von dem geliebtm Vater, der dm teurm Lieblingssohn verzweiflungsvoll beklagt, so begleitet ihn daS Kind wi Geiste in das ferne Land, eS ficht, wie chm die Sonne des Glücke» »och einmal einm Lichtstrcchl spendet, wie aber denn die Versuchung au chn herantritt, der er Trotz bietet und Widerstand leistet mü dm Worten: ,Wie sollte ich ein so groß«» Unrecht thun und gegm Gott sündigen." So wird ixm Kinde dieser Satz eine LebenSrmel und der standhafte Joses, dem bald wieder das Glück lächelte, «in Vorbild. ES bewahrheitet sich ebm hier der alte Spruch: verd» äoeont, exempla trahnnt; ,Worte belehrm, aber Beispiele reißm hin.- An die Erzähkwg recht sich daun die Unterredung an. Dieselbe soll aber nicht ein mechanische» Examinirm der Reihenfolge der Beaebmlieitm fein, den» dadmch würde die Geschichte ihres Rer jet beraubt. Wir führ« vtelwehr da» Kind zurück an dm Ort der handelndm Personen. Au» det^W Redm und Handlungm laffm wir auf dre Eigenschaften und 3״ dm Eharafter schließen. In der Geschichte wird der Sieg der./W Wahrheit über Lug und Trug gezeigt. Der sittlich-reltgiöfe 4 Inhalt wird dann in einem Verse zusammmgesaßt und ein- | geprägt. Unfern Bibeln mangelt e« nicht an diesen Perle«. ] Mögen diese Winke Beherzigung finden, dann wird auch der J geschichtliche Teil der heiligen Schrift zur Pflege der Ethik 4״ ganz erheblich beitragen. Ä Auch die nachbiblische Geschichte bedarf einer besonderm Jl Berücksichtigung. Gerade in unserer Zeit der Fahnmflucht 1 und de- JudiffermtiSmuS ist e» geboten, auf dre hehren a Gestalten und GeisteSheldm hinzuweism, die trotz ihrer treum Aichänglichkeit zum Judentum im hohm Ansehen bei dm 3 Mitmmschm staudm und stehm. Ich erinnere nur an Mose» -1 Mendelssohn. Von dem echtm Geiste derjüdischm Lehre i durchdmngm. erwarb er sich die schönstm Eigenschaften, die edelsten Tugenden, so daß er, trotz seine» unscheinbarm ' äußerm Wesen», ttotz seiner Angehörigkeit zum Judentum, / om großm Vorkämpfer der Menschenrechte, Lefsing, zu seinm '■ j innigstm Frmndm zählte, daß er sich die Achtung seiner | Zeitgenoffm, dm Ruhm der Unsterblichkeit errang. - 3 (Fortsetzung folgt.) Berichte und Eorresporrverrzen. Dewtschlaud. M«tzdeb»r«. Au» einem Orte, in welchem der Eommunalsteuerzuschlag die bedmtmd« Höh« von 175°/, erreicht hat, schreibt uns ein Kollege, der bisher von diese» Steuerzuschlage befreit war: .Ln diesem Jahre ist, wie ich böre, infolge der Einwirkung eines nmetngetretmm jungen MagistratSbeamtm eine Wandlung einaetteten. Auf Grand de» bekannten Mnisterialreskript» vom Jahre 1880 bin ich mit meinem ganzen Dimsteinkommm zur Eommunalstmer berangezoaen. Seitm» eine» mir befteundam Stadttates, der dieses »erfahren nicht für recht hält, ist mir an die Hand gegeben worden, zu ermitteln, in welchen preußifchm Städten die Geistlichen jüdischm Glauben» ttotz jene» Muisterialreskript» von der Eommunalstmer ftei find: in diesem Falle wäedr auch mtt diese Stmer erlassm werben." Wir ersuchm die Herren Kollegm, die sich dieser Be» freiung erfteum — in Magdeburg tst die» nicht der Fall, in Königsberg soll e» der Fall sein — um gefällige postkartliche Mittheilung zur Wetterbeförderung. Motzdehwr«. 23. Juli. Ueber ,Futtermangel und Tierschutzvereine- ^schreibt Herr Oberrabbiner Dr. Jellinek folgend« sehr zeitgemäße und dämm mttteilenSwerle Bettachtung: ,Der Mangel an Futter für die Haustiere beschäftigt die Regierungen. ES werdm AuSftchrverbote von Tierfutter erlaffen. Aus Frankreich wttd berichtet, daß hie Bauer« ־ ihrm Biehstaud um sehr billige Preise verkaufm, weil e» ihnm an Futter fehlt. Diese Calamität erinnert an die elfte Rede de» Prophetm I 0 e l. Eine drohende Hungersnot war im Anzuge, denn die Heuschreckm hattm Feld und Weinberg verwüstet. ׳Erschütternd ist die Schilderung de» Propheten. Die Heuschrecken sind ein gewaltiges Volk, seine Zähne Löwenzähne, e» verwüstet dm Weinstock, verheert da» Getteide, zerstört - die Fruchtbäume. E» heulen die Ackerer und Winzer, im . Tempel Gotte» fehlt e» an Speise- . und Traukopfern. Ach, auch da» Vieh ächzet, die Heerdes der Rinder irrm umher, die Schafe kommm um, den» et giebt keine Weide für sie. Der Prophet erhebt nicht blo» einm Wehmf über die Menschen, sondem auch über dm Jammer der Tiere. E» tst die« nicht eine rhetorische Aw»- schmückung, sondem der Ausdruck de» Mitleids und der׳ innigstm Teilnahme. DaS kann un».nicht überrasche». Denn bereits im graues Altertum wurden die Tiere vor der Rohheit und Srausamkett der Menschen durch Judentum geschützt.

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