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Israelitische Wochenschrift · 1893-07-28 · 31 (28.7.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
31 (28.7.1893)
Date
1893-07-28
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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I über die Fragt, ob die öffeui- ' — dieser ainchtlichen Entrti moattschast »u xaa aaf gerichtliche Entscheidun,! Älaflt zu erbeben ist oder ui . _״ düng hat sich selbstverständlich die Staalkinwalischast jn — acbt vorliegenden Falle« an da» Saminergericht. Diese Erwirkung eine» kammergerichtlichen Spruch» ist die ,Handhabe, die dem Profeffor Strack al» Unbetheilatrn fehlte, die aber on» Juden al» den Brrletzten dar Gesetz bietet. Denn daran kann wohl kein Zweifel sein, daß bii dem Verdacht «ine» strafbaren Angriffs auf eine Religion»aesellschast die Angehörigen der letzteren al» Verletzte gelten müssen: sonst gäbe e» ta un Falle »e» 8 166 de» Strafgesetzbuchs ü berbauvt keinen Verletzten. Sicherlich wird also der Antrag auf gerichtliche Entscheidung. wie ich ihn vorzuschlagen mir erlaubt hebe, vom Gericht al» zulässig erachtet werden. Und da» wäre doch von höchstem Wert, wenn nach einer Ablehnung seitens der Anklagedebörde da» Kamnergericht. dieser hohe Gerichtshof, die Anklage beschlösse. Geschieht die» nicht, so wäre es doch unrecht, auch nur in Gedanken die Unvarteilichkeir des Kammeraerichts anzuzweifeln; gewiß fehlt e» dann an dieser oder jener juristischen Voraussetzung zur Erhebung der Anklage. Vom Laienstandvunkte aus ist e» freilich kaum ander» denwar. als daß das Strafverfahren wegen jene» Flugblatt» eröffnet werden muß. Wird die Anklage von der Staatsanwaltschaft entweder ohne weitere» oder auf Anweisung des Kammergerichtö erhoben, so wäre es für den weiteren Verlauf der Sache zweckmätzia. wenn die Gemeinden, vertreten durch einen Rechtsanwalt, sich als Nebenkläger der öffentlichen Klage anschlössen. (88 43b ff. der St.-Pr^-O.) ES stände ihnen dann gegen einen etwaigen Beschluß der Strafkammer, durch welchen die Eröffnum: des Hauptverfahren» abgelehnr würde, die sofortige Beschwerde >m da» Kammergertcht zu. Der Anschluß könnte aber auch, nachdem etwa ein ungünstiges Urteil erster Instanz (von der Strafkammer beirr König!. Landgericht I Berlin) ergangen wäre, geschehen: und zwar behufs Einlegung der Revisron beim Reichsgericht. Die in vorstehendem angedeutete Beurteilung de» Ver- -fahren» seitens der Verletzten könnte wohl auch durch jeden einzelnen Juden erfolgen. Der Sachlage aber dürfte ein korporatives Auftreten der Synagogengemeir den, wie hier vorgeschlagen, mehr entsprechen. Denn eS gilt, einen uner» hörten Angriff auf unsere Religionsgemeinschaft abzuwehren, jenes Flugblatt voll verworfener Fälschung unschädlich zu machen und den Judenfeinden zu zeigen, daß e» im deutschen Reiche nicht angängig ist, die Juden ,Verbrecher von ReligionSwegen" zu nennen. Ich habe mir erzählen lassen, daß jenes Flugblatt im Kreise Friedeberg-Arn« Walde erfolgreich für die Agi» tation verwandt wurde. So ist denn ein voimehmeS Ueber» sehen hier nicht am Platze: ״Im Kampfe sollst du dein Recht wahren!" Berlin. Rabb. Dr. PH. Kroner. Die Pflege der Ethtt i« Schule »ud Syuagoge geholte» «af »er •»«fmn» tte—li «scher Legrer MmiMM tut» SMPfftlea# t» Gelse» «»che», bon I. R »senb «sch-M.-Gladl>ach. Hl. Der bitlisch« k*» «ichtitttsch« «eschichtlmetereicht. M. H.I Meine bisherigen Ausführung m dürften gezeigt haben, daß auch unsere Religion die Liebe pvedigt und ihr in echischer Hinficht auch nidit der geringste Makel anhaftet. Unsere, der Lehrer Pflicht ist es nun, den erhobenen Stoff zu verwerten und richttg zu behandeln, damit unsere Kinder un- Brüder edle Tugenden und gme Lehren sich oueignen, daß ihr Leben tadel- und mrkello« sei vor Gott »nd den Menschen. Da aber schon im zartesten Aller die Saat be* Guten in da« Kiuderherz gestreut werden muß, so fällt der biblischen Geschichte ein Haupstmteil an der ethischen, Erziehung zu. Sie führt dar Lohn der Tugad und die 8erwerflichkett de» Laster« vor Auge«. Wir läujtet de» Kinde« Auge, — der treue Spiegel seiner Seele, — wenn ihm der begeisterte Lehrer in warmen, zu Herzen geh<mdm Worten von der Gottesfurcht, Uneigennützig«;», Menschenliebe, Gottergebenheit und Brüderlichkeit Abrahams erzichlt, wenn er in Jakob den ergebenen, auf Gott vertrauend«: Dulder vor» führt, wenn et in Joseph den frommen, tugendhaften Jüngling schildert, dessen Herz rein von Sünde und Haß, wenn er den Sieg de« in Gott gestärften David üb« d!m heidnischen Riesen beschreibt, d« den Gott Israel« geschmäht und gelästert, wenn « die beiden herrlichen Frauengef:alten Mirjam und Debora malt, wenn « von den Märtyrern, dem glaubenSstarten Greise Eleasar und d« treuen Mutt« u it ihren sieben Söhnen, spricht, wenn « der Helden aus d« Makkabäerzeit gedenkt! An solchen Beispielen lemt die Jugend da» Gute lieben, und damit das Böse v«abscheuen; sie zürnt dem Bösewicht, sie weint mit der unterdrückten Tagend, triumphiert bei d«en Sieg, sucht den Bibelhelden gleich edle Ziele zu erstreben, beugt sich ab« auch demüthig vor dem, d« sich in d« Geschichte als Lenk« und Leit« der Menschengeschicke offenbart. Freilich kann auch d« Zweck verfehlt werden. Leicht scheint die Erteilung einer׳ Bibellektion zu sein und manch« Bibelkundige, dem ab« die Methodik ein Buch mit sieben Siegeln ist, glaubt, sich auch an den Bibelun: erricht h«anwagen zu dürfen. Mit Recht sucht man ab« die Lehr«- wett von Elementen zu säubern, die durch Haltung, Wesen, Sprache und Unkenntnis d« wichtigsten Lehrgrundsätze für den Ä«uf eines Erziehers untauglich sind. Zeigt doch dem geübten pädagogisch gebildeten Lehr« die Erfahrung der Praxis, wie g«ade die biblische Geschichte, wenn Mühe und Arbett von wahrem, nicht von äuß«lich«n und scheinbarem Erfolge gekrönt w«dm sollen, Kenntnis und Beherzigung d« methodischen Lehrgrundsätze voraussetzt. Ein schlechter Bibelunterricht verfehlt nicht nur seinen Zweck, sondern kann selbst Abscheu gegen Bibel und Religion Hervorrufen. Soll der Bibelunterricht erziehlich und sittlich-veredelnd wirken, so kommt es nicht allein auf das 2808״" sondern auch auf das ״Wie" an, eS kommt also nicht allein der Lehrstoff in Betracht, sondern auch die Art und Weise der Behandlung, die Methode, ja von letzt«« hängt fast ganz ausschließlich d« Erfolg ab. Deshalb sei auch hi« von d« pädagogischen Gestaltung de» Bibelunterricht» die Rede. Da die Religion Sache deS Herzen», Gefühl» und Willens ist, so handelt eS sich bei dem biblische., Geschichtsunterricht wenig« um die Einprägung de» positiven WiffenSstoffeS. Wenn die Kind« eine biblische Geschichte memorieren und mechanisch «:ählen, so gleit« d« schöne Inhalt, d« Kern, die Lehre spurlos an d« Kinderseele vorbei, weil d« Kopf arbeitet und das Herz nicht dabei ist. Dadurch wird auch die Geschichte ihre« poetischen, herzansprechenden Dufte» beraubt. Darum wenden wir uns nicht ausschließlich an die denkende Thätigkeit d« Seele. Der Bibelunterricht sei weniger Selbstzweck al- Mittel zum Zweck und zwar -um Zwecke der religiös-sittlichen Lharakterbildung. G«ade die Beherzigung dieses Punkte» würde d« «hischen Erziehung znm Bortnl und zum Heil« gereichen. Sb« wie oft wird d« Hauptzweck außer Acht gelassen! Wenn da« Kind nur im Stand« ist, daaufgegebene, vielleicht nur halb erfaßte und verstandene Pensum auswendig vorzutragen, dann kann eS d« lobenden Anerkennung de« Lehrer» al» Frucht seines Fleiß«» und sein« Anstrengung entgegegensehen! Aber wie mag da» wenig« begabte Kind zittern uno zagen, dessen GedächtniSkroft versagt, das zwar von dem Inhalte d« Leschichte «griffen wurde, ab« bei dem besten Willen dm Stoff nicht in d« gewünschten Weise «emorirm konnte. Wollen wir aber einm in jed« Beziehmw nutzbringenden Unterricht, so heben wir un« zu fragm: Wie tft der biblisch« Unterricht zu erteilm? Bon d« Beantwortung dies« Frage wirb «8 abhLngen, ob bannt der doppelte Zweck, Au-

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