Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 30 (21.7.1893)
- Date
- 1893-07-21
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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ienn ft i; Dr. Jfton« dne durchgreifende Entftttuugrkur , haben und daß die Ausführungen de» Herrn Dr. ouer nachtrSglich eine solche Schärfe ocacn midi h»au«kehren. . aß ich sie nicht ohne Widerrede passt»en laffen kann. Herr Dr. Krou» ist ein geschickter Redner: er verfügt über eine Art Dialektit, die ihn gcatn seine Gegner fast immer Recht baden läßt. Dem Redner Dr. Krön« antwortete ich: Ich stehe und falle mit der Wahrheit der Auskünfte meiner Gewährsmänner. Ich bin heute »tchtüberzeugt worden, daß im Seminar zu Hannover dir Mängel nicht herrschen, deren Vorhandensein ich gerügt Hab«. Nenn aber da» alle» wirklich so ist, wie zu dieser Stund« verfichert wird, so kann ich nur wünschen, daß die anderen Anstalten sich die Kroner'sche zum Vorbild nehmen möchten. Ich konnte ihm nicht anders antworten. — Neben dem liebenswürdigen Zugestäudni», daß die Liebe zum Beruf und zum Judentum au» allen Zeilen meine» Vortrages spreche: neben der sehr anfechtbaren Behauptung. im Amte stehende Schüler seien nicht zuständig, «in Urteil über ihre Mutteranstalt zu fallen und neben der rich- Ilgen ihn selbst aber widerlegenden Auslassung, daß nur der klage, der Schmerzen fühle, wart Dr. Kroner den Zuhörern innerhalb einer halben Stunde eine solche Unmasse von Zahlen der Unterrichtsstunden und Namen von Unterrichtsfächern, die 4 Seminare betrafen, an den Kopf, daß sie an demselbeu abvrallten, ohne hineingelangen zu können. Gr verlas ohne Pause die jüdischen Fächer, die dafür bestimmte Zeit, ihre Verteilung auf die verschiedenen Klassen der 4 Seminare in Hannover, Rastel, Ver in und Würzbürg. Wer konnte diese Angaben sofort zu Schlüssin verarbeiten? Wohl find Schlüste gezogen worden, wenn Dr. Kroner z. B. mitteilte, daß in einem Kursus in Würzburg wöchentlich 17 Stunden llntrrrichr im Hebräischen oder in Religion erteilt werden, daß aber in Berlin in demselben Kurse nur 8—7 Stunden in dentelben Sern unterrichtet wird: oder wenn Herr Dr. Kroner bettest» » Seminar'« fast eben so viel Facher verln», als für fie lden (wenn ich nicht irre 11—12) angesetzt sind. Aber diese üste standen in keiner Beziehung zu meinem in n Blättern vrröstentlichten B o r t r a g: ״Die methodische Ausbildung de» jüdischen Lehrers." Der ganze Vortrag Ä.'S, selbst der Teil über die Entstehung der Seminaden. war ganz »«stehlt! Bon einem Thema: Die Bildungranstal en für jüdische Lehrer in Deutschland und ihre Aufgabe, erwart« ich einen Be- Acht, der sämtliche (6 oder 7) drutsch-iüdische Seminare in ihrer Organisati ־!, ihrem Lehrplan, ihren Lesttmmungcn und ihren Zielen fchilden, der feststellt, was fie si n d, und was sie sein sollen. Kon allem dem, dem Wesentlichen, sprach Her r Dr. Kroner nicht, sagt auch da« Protokoll nicht». Ja, ganz zuletzt trat der Aar Referent mit einer weitausgedehnten Forinulieruna der Aufgaben eine» jüdischen Seminars in einer arößeren Anzahl von Leitsätzen hervor, die der Herr Rabbiner Dr. Jakob aus Göttingen wörtlich veröffentlicht misten wollte,die abrr nachBejchluß der Versammlung HcrrDr. Kroner in vielfach verjüngtem Maßstabe protokollieren ließ. ES waren also keine Leitsätze, sondern Anhängsel. Und so antworte ich dem gedruckten Referate und setze sogar den Fall, daß es in diesem Teile objektiv und erschöpfend sei. ES ist recht spaßig, zu erfahren, daß der BereinSvorsibende Herrn Dr. Ikroner ersuchte, gegen dm im .Familienblatt" de» Herrn Dr.Rahmer veröstmtlichten Borttag, der die jüdiichm Seminare angrist, Stellung zu nehmen, da» Herr Dr. Kroner sofort tr, und dann e r st um die llederiendung der »ihm bis unbekannt gebliebenen Ausführungen" bat. Umgekehrt wäre richtiger gewesen. Ich war von Herrn Dr. Kroner schon verurteilt, bevor er meinm Aufsatz kannte. Herr Dr. Kroner wandte sich nun an die Direkttonen aller bestehenden Anstalten um authentisches Material. Nur 3 hieltm es der Mühe wert, Lehr- und Stundenpläne, Lehrberichte . berichte und Lebrmittelverzeichnisse gu, schicken-^Würzburg erteilte sogar auf besondere Anfragen noch v 5 vesoadere Mitteilungen. Wenn diese Auskünfte das Mittel sein sollen, um meine Anklagen wegen der in der Praxis zu tage ge- Iretenm Mißstände zu widerlegen, so gemahnt dies Verfahren, als ob ich Anklagen gegen mich wegen schlechter Leistungen in der Schule nur mit meinem Lehrplan, Stundenplan, mit meinem . Lehrbericht und meinen Lehrbüchern entkräften wollte. Ich wäre »em eigen» Gutacht», der da? Soll mit dem Haben verwechselt. Hinauf auf da» Pult, unterrichk, zeige wa» du kannst, was deine Schüler wissen! An deinen Früchten soll man dich erkennen! wäre das richttge Richterwort. Nun soll ja nicht bestritten wnden, daß diese Dinge sehr, sehr wichtig find I Aber warum hat fie un» Herr Dr. Krona vormthalten, warum lagen Lehrpläne, Berichte und Lehrmittel nicht zur Prüfung vor? Warum las er 'nm Namen, Stnndm und Verteilung der Fäch» ab? Das ist Ahlwardtisch-authentifcheSAktenmaterial. Man hfitte un» nach Maßgabe de» Stundenplans in die Seminarklaffm und in die Seminarschult führen sollen. damit dort am lebendigen Befiel und in d» Anschauung muftrrgilttaer Probelekttonen die Anklagen von selbst widerlegt werden. Auf Einzelne», Besondere» ließ sich d» Herr Referent gar nicht eia. Da das Protokoll Mb — fast möchte ich sagen — zu ein» Lobhudelei auf die 4 genmmten Anstalten, per steigt, so wldersprrch: ich ^anz entschieden 8a Behauptung, daß in Wkrzbnrg pratttsche Anleitung zur Er» teilung de» gaamten Religionsunterricht» in den bestehende« UebunaSod» Volksschulen gegeben wade. Wo ist die UebungSschule? welche Seminarlehra erteil», Probelekttonen? und wie oft erteilen die Schüler selbst Unterricht? Auch in Cöln besteht meine» Wtffen» keine Uebungsschule. In Hannov» besteht eme unseren Zwecken nicht entsprechende -weiklasstge Uebungsschule, die ein oder zweimal wöchentlich da» Bild einer etnklassigen Volksschule darstellt. Da» bleibt immerhin ein Üebelstand. Nach des Herrn Dr. Kroner'S Aussage unterrichten die Zöglinge im 3. Jahrgange fast fortwährend. Wenn die angemessene Leitung nicht tthlt, so ist diese Einrichtung sehr rühmrnSwert. Nur hat un» Referent nichts von den nnssenSwerten Gehdmnissen, von den Lehr- »»raten, ineiue Verbüchern, Lehrmethoden und der Pensenvttteiluag vnrc Die im Protokoll vorliegenden Leitsätze hätten nie 1 teitiaung gefunden. Tunt «le h״!it ponrune Omelette! lieberflüssig, weil selbstverständlich, ist der Leitsatz übtr die allgemeine Aufgabe der Seminare. Die beiden ersten Sätze sind so elastisch und nichtssagend, daß Herr Dr. Kroner fie nicht hätte aufstellen sollen. Der Ausdruck »Halten shnagogal« Lehrvorträge" ist allerdings neu. Aber er macht einen strich durch da» Konzept da so ehrwürdigen Herren Schochrt-Predig». Prediger- Kantor, Lehrer-Prediger, die ihre goldenbebrillte Nase nie in die komme Luft der Predigasrmina.e gesteckt haben. Zu Satz 3 bemerke ich: Gott behüte un« gnädiglich vor der Wiederkehr solcher über Würzburg. These 4 verlangt für jüdische Seminare — bei aller Wichtigkeit an sich — etwas Mindcrwichttge». Wir haben doch noch and»e Schmerzen. Doch istHannover zu beglückwünschen, daß ihm die Verhältnisse diesen Luru» gestatten. These ölst gut. Nur möge sie Herr Dr. Kroner den Kuratoren snn» Anstalt zur Nachachtung in'» Stammbuch schreiben. Dieses Seminar hat bi» jetzt keine Mittel und Wege finden können, seine Zöglinge mit diesem wichtigen Rüstzeug auSzustaiten. Ich sttmme Herrn Dr. Kroner darin bei, daß da» ihm zu Gebote stehende Material eine auSreiihende Unterlage für eine sachliche, gerechte Beurteilung nicht biete, dann hätte er ungerufen sich nicht zum Verteidiger der anderen Anstalten machen sollen. Ich sttmme auf Grund alle» Bisherigen Herrn Dr. Kroner darin nicht bei. daß seine Ausführungen im geringsten imstande gewesen seien, um die den jüdischen Anstalten gemachten Vorwürfe teils al» unbegründet, teils als überttiebcn zu kennzeichnen. Dazu hätte es ein» Wid»- leaung bi» in.'s einzelne bedurft. Herr Dr. Kroner ist sie schuldig geblieben. Aufrichtige Lehrerherzen werden es begreiflich finden, daß Lehr» Selig aus Emden bemeckt«, daß er meinen Borttag schon in Emden al» »zu kraß schildernd" beurteilt habe. Kenn» d» Lehrerversammlunuea werden, sich nicht wundern über die im Protokoll nicht erwähnte Thatsach^ daß viele jüngere Lehr» während der Debatten in der Stadt OrienttrungSsttelfzüge gemacht haben, daß diese also ihre Schmerzen nicht kundgeben konnten, auch nicht darüber, daß sie es öffentlich vielleicht nicht einmal mochten und nicht konnten. Es darf auch nicht wundern, daßdie Ansicht mehrfach laut wurde, es gebe knne spezifisch jüdische Methodik. Man brauche auf das Uedersetzen, da» doch ein Svrachunte»icht sei, die Grundsätze etwa der Langenscheidt'schrn od» der Ollendörfischen Methode, auf die anderen Fäch» die enttvrechenden Grundsätze der christlichen ReligionSsiich» anwenden. Daßdie Lehr» diese Grundsätze keimen müssen, daß die Seminarien diese bi» jetzt noch nicht gelehrt und geübt haben, was thut'S? Wozu hiebt es Bücher und Fortbildung? Die jungen Lehrer wnden doch gewiß vor Brginde brennen nach dem Seminarleben noch einmal Autodidakten zu werden. Sonst müßte ja unsne Schule ein Nebelheim, unsne Schüler MchtSwiss» im Jüdischen und unser erwachsenes Geschlecht gesinnungslos sein. Das ist doch beilnbe noch mcht die Wirklichkeit! — Ob wohl der jüdischen Schul«, ob d« deustchen Iudenschaft ein Morgen d» Dämmerung naht? Fast müßte ich daran zweiftln angesichts der Zerfahrenheit, d» erschreckenden Auflösung io uns»» Glaubensgemeinschaft, in der orthodoxen wie in der fortschrittlichen. Ans den Resultaten der Lehrerversammlungen kann ich noch keine Hoffnung schöpfen. Möge Gott in uns schaffen ein reine» H»z und »neuern einen gewtffen festen Sinn! — Am Schluffe der Debatte bemnktc Herr Dr. Kr. »och: Die Methodik für die jüdischen Fäch» ist nicht so unbändig groß, um nicht in einigen stunden im Wesentlichen vermittelt w»- den zu können. Ist da« nicht köstlich? Dieser Geständnis beleuchtet da» ganze Refnat, es ist sttne Krönung. Zum Bericht über die Selig'sche Lehrprobe üb»gehend, klage ich den Schriftführer in all» Farm der unzulänglichen Protokol» lirung an. Ich habe in d» Debatte nachgemesen, daß Herr Selig, wie » doch wollte» in keiner Weise den formalen Stufen H»bartS gerecht geworden ist. daß sein« Lehrprobe eine Repetitton, eine Prüfung war. Wer auf Grund diese« Protoiml»