Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 30 (21.7.1893)
- Date
- 1893-07-21
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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״Äroeirer" gegenüber schwerlich .. . Me« war Menschen treiben, bleibt Menschenwerk und dumir unvollkommen und Verbesserung«- bcLürfttg." Schließlich wendet sich die ״Bosstsche Zeitung" gegen die Geheimnißkrämerei und sagt: »Sie haben heute dak freie Versammlung-recht. War wahr ist und edel, was für die Menschheit und ihre Bestimmung förderlich, das läßt sich heute nicht mehr unterdrücken. Wozu also noch dir Geheimnisse, wenn sie ungefährdet offenbar werden dürfend Und ist die Oeffentlichkeit so ganz werrloS? Man hat sie doch im Laufe deneunzehnten Jahrhundertschätzen gelernt. Auch für die Bestr Zungen der Freimaurerei ist die Lsfentlichkeitvon höchstem Wert. Die Oeffentlichkeit ist die beste Kontroie; ste schützt vor Spielereien und Verirrungen. Wer im Dienste der Menschheit arbeitet, braucht sich nicht mit Geheimniffen zu umgeben. Za, wir find überzeugt, daß ohne Hülle der freimaurerische Gedanke der Duldsamkeit und der Bruderliebe eine gröbere Schaar von Streitern fände als heute, wo er durch Formeln und Spielereien erstickt zu werden droht." Was hier die »Vossische Zeitung" von den Freimaurer-Logen sagt, das gilt vielmehr noch von den jüdischen Bnei-Berir-Logen. Wer jemals denselben angchört hat, weist, welcher Mistbrauch und verletzender Unfug bei dem Ballotement mit den schwarzen Kugeln getrieben wird, wir da die niedrigsten Leidenschaften der Konkurrenz rc. zum Ausdruck kommen. Dahält gar viele anständige Elemente zurück, diesem Orden beizutreten. Daß Juden selbst den Juden den Eintritt ivehren, ist unerhört: solche Unnatur konnte nur unter dem Deckmantel der Gedeinmißkrämerei gezeittgt werden. Darum haben »vir auch, so lange wir dem Orden angehörten, gegen die Grheimthuerei gekämpft, die den Charakter verdirbt, den offenen Mannesmuth schwächt, die Jntrigue fördert und der Verleumdungssucht Thor und Thür öffnet. Was der Orden Edles und Gutes zu leisten vermag, braucht das Licht der Oeffrntlichkeit nicht zu scheuen, was darüber ist, ist von Uebel. Msaß-Lvtstringe»« Die zweite jährliche Rabbinerkonferenz fand in Sttastburg am 1l. und 12. Juni d. Z. statt unter dem Vorsitze des Straßburger L berrabbiner Weil und in Gegenwart deS Metzer und Cvlmaer LbcrrabdinerS- Tie Versammlung beschäftigte sich u. A. mit der Einführung der Confirmatton, mit der Hülfslasse für die Wittwen und Waisenkinder der Rabbiner, mit der Verwaltung der Gemeinden. Simon Levy, Rabbiner in Schirr- Hofen, hielt einen Vorttag ״über das Leben deS Rabbi Simon den Zochai"und Rabbiner Gugenheim aus Saarunion über »die unreinen Vögel." In Bezug auf die Konfirmatton, die von dem einen warm verteidigt, von dem andern heftig bekämpft wurde, wurde beschlosien, deren wcultattve Einführung jedem einzelnen Rabbiner zu überlassen: auch wurde eine Kommission für die Nrüfung und Einführung der Schulbücher und für die Gründung von Tchulbibliotheken ernannt. Für die nächstjährige Konftrenz *den u. A. folgende Borträge gehalten werden: 1. Das Leben Ibn Esra'S- 2. Sozialismus im Talmud. Hannover. (Schluß.) Die zweite Sitzung fanv am 2t. Zuni (s. h. Mai) vormittags 8 Uhr statt. Die Versammlung beaab sich in das neue Seminargebäude und befichttgte unter Lermng des Herrn Dr. Kroner mtt großem Interesse die Räumlichkeiten und Lehrmittel des Seminars. — Großen Beifall erregten die Einrichtungen für den Unterricht in Handfertigkeit und Gartenbau, sowie die ausgestellten Erzengursie in Holz und Pappe. Nach beendigter Besichtigung, die etwa eine Stunde wahrte, bielt Herr Lehrer Selia-Emden eine Lehrprobe im Gebetübersetzen in Verbindung mit Religionsle'rraufder Mittel st ufeder Jeminarschule. Serr Selig behänd:Ue dasGebetstück ״ahaba rabba“. Die :r haben einen Siäcknr ohne Uebersetzung in Händen. — Selig nennt das durchzunehmendc Grbetstück, ftagt, wo es stehe, welches Gebet voranache und welches folge, und wann es gebetet werde. Sodann läßt er das Gebetstück aufschlagen. Hierauf liest er dasselbe langsam und deutlich mit genauer Betonung aus dem Krone r'schen UeberietzmigSbuche vor. Nachdem diese summarische Vorlesung beendet, wird das Stück in einzelne Theile zerlegt. Der erste Teil wird ebenfalls vorgelesm unter betonderer Hervorhebung der Hauptpunkte. Der Inhalt wird adgefragl, und die Schüler haben ihn mit andern Worten wirderzugeben. — Dann lesen die Schüler den betreffenden Teil aus dem Siäämlaut und deuUich vor. Die einzelnen Wörter werden übersetzt und grammatisch zerlegt- NaMeni dieses geschehen, wird der ganze Teil zusammeng^aßt. Ebenso wird um den übrigen Teilen verfahren. Zupr Schluß Zusammenfassung und tl - - anzen Gebetstück« and Uebersetzung. Nach Sn lasiung der Schüler hiett Herr Selig einen kurzen Vortrag über die von ihm eingeschlagene Mechode. Dieser Vortrag, der von dem heiligen Eifer und ttefstttlichen Ernste de» Referenten zeugte, wurde sehr beifällig ausgenommen. Im Wesentlichen führte Herr Selig aus: Das Uebrrsetzen der Gebete ist ein Hauptmittel zur Bildung eine« religiös-sittlichen Charatters, ist-'s also an und für sich Religionsunterricht. Um dieses Zrel zu erreichen, bedarf es beim Uebrrsetzen der Gebete besonderer Vorkehrung, da das mechanische, fast bewußtlose Bor- und ׳ Nachübersetzen sehr leicht den Erfolg haben kvnnre, die Schüler an Gedankenlosigkeit zu gewöhnen. Diese Gefahr ist bei den andern religiösen Disziplinen nicht so sehr vorhanden, da deren Inhalt schon von selbst Nachdenken und Aufmerksamkeit erfordert. Auch das Einüben der Vokabeln, wodurch ja das Ueberfehen selbst sehr erleichtert und ein Fortschreiten gefördert wird, giebt für sich noch keine Gewähr, daß da« religiös-sittlich« Ziel erreicht wird. Man sieht die« ja an den Erwachsenen, die vielfach e» offen aussprechen: »Wir versieben die Gebete nicht", obwohl sie Uebrrsetzen gelernt haben. DaS ist betrübend. Dadurch wird - der JndifferenttSmus großgezogen, die herrlichsten Gebete verfehlen ihre Wirkung, der ganze Gottesdienst wird zum leeren Mechanismus. Dadurch werden auch Bestrebungen gezeittgt, die i darauf hinlaufen., das hebräische Gebet Überhaupt abutschaffen. ג Der naive Standpunkt: man möge nur beten, Gott verstehe schon ־* das Gebetete, läßt sich heute nicht mehr geltend machen. > Referent ist im weiteren der Ansicht, Laß man die Lehrsätze ■f und das Verfahren der allgemeinen Didakttk auch auf den he» : bräischen Unterricht anwenden muffe. Es gebe keine konfessionelle t Methodik. Er verweist auf die in dem UebersetzungSduche von:: Dr. Kroner angegebenen methodischen Wink«, mit denen sein . Verfahren im Großen und Ganzen übereinsttmme. Nach beendigtem Vortrage begab sich die Versammlung ׳ wieder in das Versammlungslokal. Zn der Debatte fand Herr Selig vielen Widerspruch. S t e r n - HildeSheim ist der Ansicht, daß diese Methode es nicht möglich mache, quantitativ da« zu erzielen, was nötig und erforderlich sei. Diese Methode sei allenfalls in einer mittteren Gymnasialklasse, nicht aber auf der Mittelstufe einer Volksschule am Platze. Er erhebt die Forderung, daß aus didakttschen Gründe« der systematische Religionsunterricht für sich bestehen bleibe und nicht in den Unterricht im Uedersetzm aufgehe- R o ß k a m - Diepholz meint, daß die gehörte Lektton mehr ein Vortrag als einUnterricht gewesen sei. Auf die Aut» »orten der Kinder sei zu wenig eingegangen, die H e r b a r t'schru Stufen seien nicht konsequent durchgeführt. Reuß-Neustadt-GödenS ist derselben Ansicht und bemängelt die Auffassung des behandelten GebrtstückeS. Herr Landrabbiner Dr- Lewinsky verspricht sich von der einacschlagenen Methode wenig Nutzen und neigt sich der Ansicht des Herrn S t e r n zu. Rabbiner Dr. I a c o b hat manches an der Disziplin aus- -j zuseyen. Die körperliche Haltung der Schüler sei nicht straff 1 I genug gewesen. g Herr Dr. Kroner erinnert zur Entschuldigung des Herrn d Selig daran, daß die Schüler eine Stunde unbeschäftigt ge- 1'effcn, da sei eine sttaffe Haltung nicht so leicht herzuftrllen. : UcbriaenS sei eine Befangenheit vor einer kemden Klasse, deren - Standpunkt dem Lehrer unbekannt, und unter so vielen kritischen d Augen wohl zu entschuldigen. - A Da Thesen nicht ausgestellt waren, so wurde die Debatte; ' gegen 2 Uhr mittags geschloffen. Nach beendigtem Mittagsmahle fanden die »freien Be- - svrrchungrn" statt, die manches Wichtige und Anregende boten, ■ y Es wurde beschlossen, die nächste Konferenz am ersten und zweiten Psingsttage zu Hannover abzuhaltrn. — Referate übernahmen: 1) Herr Reuß-Neustadt-Gödens: Probelektton: »Vaterlandsliebe". 2) Herr Spanier- Stolzenau: Probelektton über ein Thema aus der Naturkunde. 3) Herr Meyer- Gronau: Bor- י■ ~ trag über die Geschichte des jüdischen Unterrichts. 7 י Nachdem die Versammlung dem Vorstände für seine Mühe-7 'u waltung gedankt, wurde die -Sitzung vom Vorsitzenden gegen - ׳ Uhr geschloffen mit dem Wunsche: »Auf ftoheS Wiedersehen im *: " nächsten Zahrc!" Die Schnftftlhrer: L. Weinberg-Bodenfelde. w. Speyer-Hamwoer. Neustadt-Göde»«. (Naehvearerkirngen zu de« «rota-7A kost der SS. Bersa««k»»g de« BereiA jüdischer Leffrer , 5 in der Provinz Hannover.) Im Voraus stelle ich nur fest, ■3 3 daß beide Herren Schriftführer 6 Wochen Zeit brauchten..^ um das Protokoll zu veröffentlichen: daß sein Wortlaut L unter der wahrscheinlichen Mithilfe de» Herrn Dr. Kroner^ und vielleicht derer d«S andern Referenten Herrn Selig» aber ohne das Wissen der aitderen Verein« Mitglieder, wenigstens oh« t mein Mttwifsen festgestellt worben ist: daß besonder» die Le i'; :־r fl -i il