Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 30 (21.7.1893)
- Date
- 1893-07-21
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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•tartl«*«, während wir mit unser!« amu«, Wesen in der Westlichen Eultur wurzeln. Die Juden «»riipa'S und Ame- «V» sind der Erziehung nach keine Orientaen «ehr und sie Nitren nicht nach de« Morgenland. Ruht die semitische iammima gießt de« Ausschlag, sonder« I'te geistige Ent- ׳Wicklung und diese vollzieht sich bei uns.wie bei den arischen -UWam. י Such die SöhneArpad»(Üngarns) sind semitisch«, Ursprung« »ud doch wird Niemand Anstand nehme«, sie zur europäischen Lölkersamilie zu zählen. Run, die Rare thut nicht« zur Sache, und nur die Umgebung, in welcher kr ausgewachsen, drückt dem Menschen sein Gepräge auf. Rar für niedrige Liergattungen kann der .Stamm" bestimmend sein, die Denkweise de« Menschen aber wird durch die Lirziehung, durch die auf ihn eimoirkeudeu Einflüsse bedingt. Wir glauben, daß eia Experiment die Richtigkeit unserer Behauptung er- Härten würde. Gesetzt den Fall, di« Sprösilinge arabrscher Abstammung werden im zartesten Kindescilter nach drei Hauptstädten de« europäischen Loutinent», agen wir nach London, Pari« und Berliu, verpflanzt und la ganz so wie die Eingeborenen erzogen, werden sich diese orientalischen Reiser im Manne-alter nicht al« Europäer beziehungsweise als Engländer, Franzosen und Deutsche fühl«»? Wird dann ein Uneingeweihter ihre exotische Provenienz herausfinden? Wir glauben die« nicht. Und sollten die Inden diesen Prozeß noch nicht durchgemacht haben? Wir fhib der Ansicht, daß die jüdische Intelligenz aller Länder der gebildeten Welt geistig sich von den Anderen nicht unterschnden und wenn äußere, physische Unterscheidungsmerkmale »«rkommen, hat die« in der Sache selbst nicht« zu bedeuten, senn die körperlichen Eigenheiten regeln nicht die geistiger Eigenschaften. Wohl findet man bei den ungebildeten Massen der polnischen und russischst Iudenheit in die Augen fallerd« Eiaenthümkichkeiten, die aber kein vernünftiger Mensch al« jüdisch-nationale Merkmale gelten lasien wird. Diese trourigen Erschei- «uugen im Osten Europa'» sind die unseliger Ueberrest« der Gh«ti'« und da wir von den Initiatoren der jüdisch-nationalen Bewegung al- Menschen die beste Meinung haben, find wir überzeugt, daß auch sie alle« daran setzen möchten, daß diese Exklusivität der flavischen Juden schwinde. Da« religiös« Moment kann auch nicht }ü einem natio» nalen Faktor aufgebauscht werden und die» » m so weniger, al« — unter un« gesagt — die modernen Zionisten al« Freigeister keine Veranlassung nehmen, die Konfession hervorzuheben. Streng genommen muß man sagen, das! sie auf religiösem Gebiete jesurtisch zu Werke gehen. Eie wollen die Leute nicht vor den Kopf stoßen und bekennen deshalb in dieser Beziehung keine aufrichtige Farbe. Der Zweck scheint auch bei ihnen die Mittel zu heiligen, denn in der Politik fotm man keine Skrupel. . . . Aber von ollem abgesehen können .wir un» zu der schwindlichen Höhe der Rationalitäten nicht emporschmingen. Wir umspannen mit unsere« geistigen Auge die ganze Menschheit und nationale Gchldgbäume hindern da den Ausblick. Wir haben Vertrauen in die Zukunft, e« wird, e« muß ^agen und vor der strahlenden Sonne werden die Nebel schoinden. Man mag sagen wa» man will, die Menschheit macht Fortschritt« und wenn auch jetzt ei» reaktionärer Wind weht und die Luft mit Elektrizität gefüllt ist. so wird sich da« Gewitter doch verziehen. > Der Rationalitätenhader hat bereit« seinen Höhepunft überschritten uud die wirthsihastlich soziale Frage beherrscht die Situation. Di« Völker werden in der' Menschheit ausgehen und unter dem Zeichen der Humanität wird dä» Morgenroth der Zukunft anbrechen.. (Scht-t ftltzt.) Berichte **> 8*rrefpO«Ve«ze». Leutschkwwv. 16. Juli. Die Dtttttärvorlage ist nun angeuommen, der besondere Zweck, den die Regierung mit der Reich»- tagSauflösung erstrebte, erreicht. Dem Reichstag ist der Kaiserliche Dank dafür ausgesprochen. Wa« aber nun weiter werden soll, wie e» der Reichskanzler aNstell.-n wird, um «tt dem ei-rnarti« zusammengesetzten Reichstag regieren »u können, darüber zerbricht mau sich in den brkanntm weitesten Kreisen die Köpfe. Da bringt die ,Nordd. Sllg. Ztg." eine bemerkrnStverth« Ausführung. Da» Organ, in dem der Reichskanzler selbst öfter da» Wort nimmt, spricht an leitender Stelle von den ״berechtigten Jntereflen des Liberalismus, denen zu ihrem Rechte verholfen werde« muß" und plaidirt für Bildung einer starken liberalen Partei« Wenn die Regierung ihre Politik jetzt auf liberaler Basis auf» bauen will, wird sie der ehrliche« Unterstützung einer starke» libe» ralen Rittelpartei immer sicher sein können. Da« haben die Reden der Herren von Bennigsen uud Rückrrt am vorigen Sonnabend gezeigt. Die ,Kreuz-Ztg.", die immer eine feine Witterung dafür batte, wenn der Wind einmal dem LiberaüSmuS günstig zu wehen schien, erhebt denn auch schon da» Wehegeschrei. Ren-!ich orakelte sie bei einer Bestechung der Rede de» Abgeordneten Bennigsen, e» .dürfte sich schon bald zeigen, t aß der Reichskanzler mehr al» je geneigt sei. seine PoUttk auf den gemäßigten Lide» rali»mu» zu bafiren." Jetzt dringt sie einen fulminanten Leit» arttkel gegen den neuesten Km», der mit folgendem ZornauSbruch schließt: .Und so giebt e» der kleinen Züge noch genug, die aber» so unscheinbar sie oft sind» doch klar erkennen lasien, wohin »die Reise geht" und wo die Sqmpathiern liegen. ״Katholisch sst Trumpf" — hat Dr. Lieber vor einiger Zeit gesagt. Hier heißt e» mit ״leichter Bariatton": .jüdisch-liberal ist Trumpf" — uud alle» ist erNLrt".—Ohne ״jüdisch" geht e» ja bei der ״Kreuz-Ztg." einmal nicht. Wir aber wollen abwarten, ob e» der Regierung Ernst ist und ob e« ihr gelingen wird, ״liberal für Trumpft" zu erklären- Magdeburg, 14. Juli. Dir .Bossische Zeitung" widmet der Freimaurerei io Preußen einen eingehenden Arttkel, in welchen» sie schreibt : da» Berhi «roß» mgletch bemüht, in aisrr Friedrich zur der neuen von ihm gegründeten _ __ _nch zur Bundettreue" einen Boden zu schaffen, in dem dir fteimamerischen Gedanken sich freier bewegen können, al« e» in den verknöcherten altvreußtschen Logen möglich war." Nachdem da» Blatt die Haupt» gedanken der Freimaurerei erörtert, fährt e» fort: ,Die Duldsamkeit auf religiösem Gebiete, da» Gegengewicht argen nationale und Aasieneinseittgkeit. da» Selbstgefühl der steten Menschenwürde gegenüber allen Unterschieden der Grbmt, der Bildung und des Besitze» ist auch heute noch ein Ziel, auft» Innigste zu wünschen- Darin liegt der eigentliche Kern der strimaurischen Bestrebungen, daß sie die allgemeine Verbrüderung der Menschen al» die Aufgabe aller derer hinftellen, die ihren Blick über da» Getriebe de» alltäglichen Leben» und über die Befriedigung der Nächstliegenden Bedürfnisse zu erheben vermöge«. Wird dieser fteimaurerische Grundgedanke aber auch in unseren Logen vraktischvenvirkNM? Schon Leisina hat darauf für sein« Zeit in den bekannten Gesprächen für Freimaurer eine Ant» wort gegeben: »Laß einen aufgeklärten Juden kommen und stch melden: ,Ja" beißt e», ,ein Jude?" Ehrist wenigsten» muß der Freimaurer fein. Es ist mir gleich viel, wa» für rin LhnA Ohne Unterschied der Religion heißt nur ohne Unterschied der drei im heiligen römischen Reich« öffentlich geduldeten Religionen, Laß einen ehrlichen Schuster, der bei seinem Leisten Mutz« genug hat, manchen guten Bedanken zu haben (wäre e» auch ein Jakob Böhme und Han» Sach»), laßt chn kommen und sich melden! ,Ja," beißt -«, .ein Schifter, freilich «in Schuster." Laß einen treuen, erfahrenen, versuchten Dienstboten kommen und sich melden. ihrem Xoac nicht felvst wählen. — Wir und die sich me Farbe np unter un» so öuteGesellschast." So »ör hundert Jahren. Uud ist e» beute besser?Denjuden gegenüber will sich die Gretzloge »Kaiser eutzische» It haben, dem schrich zm Wmd«»trrnr" ander« stellen, al» dle roßlogen sich, von 8u«nabmen abgesehen, bisher __ tu Schaster und Bedienten oder sagen wir gnadewq»