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Israelitische Wochenschrift · 1893-07-21 · 30 (21.7.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
30 (21.7.1893)
Date
1893-07-21
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Augenblick, wo das jüdische Lind au« bm Elternhaus in die Schule, auf die Straße geschickt wird, beginnt an vielen deutschen Orten die Erniedrigung; das Kind wird erzogen, jedem Menschen die Bruderhand zu reichen, aber diese Hand wird schon von den Schult ndern zurückgestoßen, und vollend« die studirende Jugend schließt unsere Glaubensgenossen au«, empfindet eine Lust darin, Juden und Judenchum zu verletzen.' Diese Feindseligkeit Hit sich von deutschem Boden über einen großen Theil der cirilisirten Welt auSgebreitet, diese« unheimliche Feuer wächst von Tage zu Tage, und bisher haben alle Versuche, e« zv löschen, die Flammen nur heftiger entfacht. Die drei T raue rw och:n vom 17. Tammus bis zum 9. Aw, welche Israel seit vieler, Jahrhunderten ernsten Erwägungen über die Leiden unserer Gemeinschaft gewidmet hat, find mehr als je zeitgemäß geworden. Wie tief ist das Wort de« Dichters: ״Nichts ist zarter als Vergangenheit, rühre sie an wie glühend Eisen, und sie w :rb dir sogleich beweisen, du lebest auch in heißer Zeit." —Wir haben glühende Feinde und laue Freunde und sind selbst schwach, lärmhaft, führerlos und bieten tausend Blößen. Mose betete, als er sein Ende nahe fühlte; ״ES entbiete der Ewige, der Gott der Geister in allem Sterblichen, einen Mann über die Gemeinde, der vor ihr ein- und auSziehe, und der sie heraus- und wieder heimführt und die Gemeine Gotte« soll nicht wie ein« Heerde sein ohne den Hüter, der ihr ziemt." , Mannigfache« fordert hier Mose; er verlangt zum künftigen Führer einen Mann, der über der Gemeinde steht Nicht die Gelehrsamkeit, nicht die Klugheit und am allerwenigsten der Reichtum sind Kennzeichen rechter Männlichkeft; der Mann bekundet sich in der Thatkraft, in dem festen Willen, in dem Zielbewußtsein; jcneS nervöse Hasten und Tasten, jenes lärmhafte Wortgepolter ist ein Zeichen der Unmännlichkeil. Mose begehrt sodann von dem Führer, daß er selbst dem Volke durch gute« Beispiel, vorangeh«, daß er etwa nicht die Religion, die er dem Volke als Heilmittel anpreist, für sich für entbehrlich achtet Das Wort ist ohnmächtig, wenn e« nicht von der That unterstützt wird, die Lehre fördert wenig ohne das Beispiel. Aber der tugendhafte Mann ist noch nicht immer zum Führer berufen: e« giebr eine stille, in sich befriedigte. Tugend und Tüchtigkeit, die hoher Ehren Werth ist, aber e« fehlt die Kraft, die Anderen mit fortzurrißen, auf die Rebenmenschen bestimmend zu wirken. Mose erbittet eine» Führer, der nicht nur vorangeht, sonder« der durch einen energischen Willen die Widrrwilligen treibt die Trägen belebt, die Feigen ermnthigt, der zu befehlen versteht, der Gehorsam verlangt und erzwingt. Jndeß noch fehlt das Wichtigste, damit der Führer dem Volke zum Segen werde; e« muß ein Hirt sein, wie Mose sagt: להם תעה, der zur Heerde paßt, dem da» Volk willig folgt. Der Herrscher darf kein Tyrann, die Gehörchendeu keine Sklaven '׳'ein. Mose nennt Gott den ״Gott der Geister in allem Eterb-, iWrn". Der Midrasch sagt: ״Wie die Blätter i« Walde eigenartig geformt ist, keine« dem andern völlig gleicht. wie jede«! Menschenoutlitz ein besondere« Gepräge hat, so auch die Seelen verschieden", so hat Jeder eine besondere! Geistesrichtung und GemittSstinunung; wie kann e« der V^׳.j fehlende Allen recht machen, wie kann er die Anderen^ wie können sie ihn ertragen, da er doch nicht Allen gemäß sein kann? Die« ist da«Gehemmt«der Volkstümlichkeit. E» giebtH in engen und weiten Kreisen Persönlichkeiten, die rasch die;ij Herzen gewinnen, deren Befehlen die Menge sich willig und freudig beugt, trotz der Mannigfalttgkeit der Uebetzeugungeu $ und Neigungen. Hat das Israel der Gegenwart solche anerkannte Führer, denen unser Herz gehört? Wir wüßten in allen civilifirten Ländern kaum einen Juden zu nennen, der, mit Mose zu reden, ein איש על העדה ,ein Mann über der Gemeinde" ist. Wir haben keine Überragenden Talente und Eharaftere; so mancher auSgezeichttete Mann ist in de« letzten . Jahren aus unserer Mitte geschieden und die Lücke, die der' Tod gerissm hat, ist nicht ausgefüllt worden. Denken wir an das Nächste: Seitdem den Juden der Eintritt in die deutsche Volk«verttetung eröffnet ist, waren Männer jüdischen j Stammes und jüdischen Glauben« Zierden dieser Körperschäften. Rur der eben gewählte Reichstag, enthält keinen hervorragenden Israeliten. Die Aussicht in die Zukunft ist trüb und wolkenschwer, doppelt trüb, weil sie noch vor wenig Jahren so hell und 3 klar gewesen ist. Der Einzelne kann diese Wolken nicht! bannen: aber wir sollen de- Worte« eingedenk sein: »Nicht j dir liegt e« ob, die Arbeit zu vollenden, aber du darfst dich nicht völlig von ihr lossagen." Thue jeder von un» 0« seiner Stelle seine Pflicht, indem er die Hoffnung hegt «udA pflegt auf bessere Zetten und doch auch sich und die Seine« auf schlimme Zeiten vorbereitet, indem er Treue übt gegen da« Vaterland, gegen die Glaubensgemeinschaft urtd gegen jeden Einzelnen, mit dem er in Verkehr tritt.' Die Liebe entwaffnet und überwindet den Haß. So soll der 1 unverdiente Haß unser Herz nicht verhärten. Diese, drei Trauerwochen erinnern an Israels Leiden, aber sie mahnen auch an Israels Siege und Triumphe, an jenen Hüter unseres Volke«, der nicht schläft und schlummert. 8. B. Die -io«iftifche Bewegmig in Gnlizie«. von G. Zuvörder« bemerken wir, daß uns die sogenannte jüdisch-'"« national« Strömmung keine Sympathie einflvßt und wem» 7t wir die Macht hätten, würden wir sie Schritt für Schritt.ß bekämpfen. In unseren Augen ist die neugebackene Idee von der jüd,^ Rationalität ein Rückschritt und diese reaetionäre m ein׳ moderne« Mäntelchen draptrte HeilSlehre ist nach unseren- Begriffen verderblich. Im Judenthum ist die kosmopolitische^ Id« personificirt, diese Id« wird alle 'nationalen und po-1 litischen Sruppirungen überlebe» und deshalb steht e» un» 1 nicht an, natumalen EbauviniSmu« großzuziehen. Selbst zugegeben, daß die Juden keine ReligionSgeuosse»-" schaft, sondern eine Ratton büdet, — wo« dmh, gelinde gesagt-/ .4 eine offene Frqae ist. - können »vtr un« nicht entschließe», da« nationale Bann« zu entfalte«. Unter einer' »attmialm 'Jogge steuernd, müßten »vir natürlich unsere», Kur« ^gezen >ften richten, »vir müßten »nie hypaotifirt »ach de«

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