Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1893-07-14 · 29 (14.7.1893) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
29 (14.7.1893)
Date
1893-07-14
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/6492344-5935087-5962223--1644-5375728
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1ha herrscht unter de,: Berliner Antisemiten eine große Mißstimmnng vor. »eil er dieselben in seinem ^keichsherold' mit den klangvolle» Ehrerbezet-mmg«: »Spvrt-Antifemkten und Fatzken"' beleg, hatte, fe&del beschäftige sich auch mit seinem Grfinmmgsbrader Ahvoardt und meinte, die antisemitische Be- »׳gang sei nicht dazu d«, um Skandal -u machen (Lärm), sondern «>1 io den Tiefen der LiolSseele t?)»« lesen. Stöcker sei ihm auch nicht sympathisch. (Widerspruch und Gelächter.» Er werde bei dkommenden Wahl Alles daran setzen, daß im -reise Siegen ei Sanditat der Refvrmpartei durchkomme. (Beifall, großer L-stm!» Zm Reichstag giebt es in allen Parteien Antisemiten. Auch Sigl ist ein alter Antisemit, man wird sich jedoch hüten, ibn in die Fraktion aufzunchmen. Wenn es aber gegen die Juden losgeht, muß man alle antisemitischen -käste zusammenn-bmen." Red. Bading: Die ganz« Red« Böckels Hab« sich fast nur gegen Stöcker gerickitet. Solch« Bemerkungen, wie derselbe über Stöcker gemacht habe, sei man bisher nur gewöhnt gewesen, in ganz gemeinrv Judenblättera zu lesen. (Großer Beifall, heftiger Widerspruch. Der Redner wird niedergrdrüllt». B öckel: Wo war Herr Stöcker in den SS Tagen? v rschwuuden war er! (Lärmende Zurufe: Lüge! Unsersaiämtheit! Großer Bei all.» Ahlwardt hat sich auch dahin ausgr spräche«, daß er Gott danke, dqß Stöcker durchgefallen. Dr. D ovv greift ebenfalls die «christlich-soziale Partei" scharf an, ti:f«lbe könne mit ihren! beschränkten Programm nichts erreichen. Bading: Es ist nuwahr, daß Stöcker während der SS Tage verschwand« war. (Lachen und Beifall.» Red. Reisch wirft den Bockelianern vor, daß fe in Siegen gegen Stöcker für den Na« tinnalliberale« gestimmt hätten. Es biete ein betrübendes und beschämendes Bild, dir maßlosen Angriffe Böckels gegen de» Rektor Ahlwardt zu ve!nehmen. ,Beifall, Widerspruch». Alle Antisemit« — außer tem Lartikularist« Sigl — müßten fich zu ei« er Partei zusammenthun. Auf eine Anfrage, ob Böckel w 1hl den Ahlwardt in die Fruttion aufnehmen werde, giebt Böckel in seinem Schlußwort k'ünr Auskunft, er erging fich nur nochmal» in heftigen Ausfällen gigen Stöcker. ״Selbst Ahlwardt sei zuerst delsen Freund gewesen, jetzr sei er aber gründlich kurirt." Zum Sihluß suchten fich die verschiedenen Parteien mtt Hochrufen auf Böckel, Ahlwardt, Stöckir und Förster, zu überbrüllen und boten so ein Bild innerer Zerrissenheit, einmüthi» nur im—Judenhaß. D»E«ft»d1» 5. Juli. Bor der. Straftammer des hiefigen Landgerichts hatte fich der voriaaligr. Redakteur und Berteger Theis der inzwischen eingegangenen antisemitischen Zeitschrift «Der Londwirth und Bienenzüchter" wegen Beschimpfung der jüdischen Religion auf Grund des 8 366 des Strafgesetzbuches zu veronnvorttil. Theis hatte voni November 18S1 bis. März 1892 in verschieden« Nummern eine» Blatte», angeblich gedrängt von seinen Abonnenten, einige Stellen aus dem ״antisemitischen Katechismus" zum Abdruck gebracht und kritifirt. Diese Beröffenllichungen will er nicht für strafbar gehalten haben. Proftisor Dr. Strack von der Brrliuer Unioerfität erklärte als Gutachter, die inkriminirten Strllen seien dem Schulschan aruch tmnommcn, zum Theil wohl formell anstößig, jedoch vollständig aus dem Zusammenhang hercusgeriffen und müßte deßhalb zur irr:gen Auffaflung führen: der JnhaU des antisemitisch«! -atechirmuS zeige eine vollkommene Unkemttniß des Talmuds u. s. w- Auf Grund dieses Gutachtens gelangte da» Gericht zu der Ansicht, daß Thei», obwohl er die ihm zur Last gelegt« Skafthn, begangen und zukefinnbrn. weil ihm die nöthige Einficht zm Beurtheilung der Krage, ob der Abdruck strafbar sei oder nicht, gefehlt Hab«, von Strafe und -osten freiznsvrechen sei. Au« rirelitz, 29. Juni, schreibt man uns: Zur Abhaltung der- Gottesdienstes mit Prttfigt in den Synagogen de» Landes am 28. d. M. zur Feier des goldenen Hot^eitSfestes Ihrer -öniglichen Hoheiten de» SroßherzogS und der Großherzogi« entfaltete unser Landesrabbiner Dr. I. Hamburger eine «uge- »öbnüche Thätigkrit. ist, drei Gemeind«», zu Fürstenderg, Strclitz und Neubraudenburc. veranstaltet« derselbe feierlichen Gottesdienst und predigte:tzde« 28״ Morgens 7 Uhr in Fürstenberg, 11 Uhr in Strrlitz und 3 Wr RachmittaW» in Neubranhe«^ bürg. Die Srmagogen waren -zu dieser Feier ftsUich geschmückt,׳ und es waren liturgische Gesänge eingeübt. Zum, Texte der Predigt wählte der Landesrabbiner Psalm 118, B. 2t. .Diesen Tag. der Herr hat ihn gemacht; lasset uns stob aufjauchz«» und ftöhlich an ihm sein!" Der Redner führte unter Andere» au«, daß da« Begehen dieses Jubelfestes von Ihren Königlichen Hoheiten in Rüstigkeit und Seistesfrssche ein Zeichen der ihnen leuchtende« Huld und Gnade Gotte» sei. Erhebend war zur Zeichnung der segensvollen Regierung Sr. Königlich« Hobest unsere» SroßherzogS dir Hinweisung auf Psalm 45, B. 8. ,Du liebtest die Gerechtigkeit und haßtest den Frevel, darum salbte dich der Herr dein Gott mst' dem Oel der Wonne unter 'deinen Genoffen!' Die Lieb« zur Gerechttgkest Sr. Königlichen Hoheit bewährte fich besonder« dadurch, daß Allerhvchstderselbe die Gerechtigkeit allen LandeSaugehörigm zu Theil werden ließ ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses. Me find seinem lande»- väterlichen Herzen lieb und werth. Bor der Predigt wurden die Psalmen 45 und 72 abwechselnd von dem Laodesrabbinet und dem Cantor vorgettagen, darauf folgten aus dem deutschen Sesangbuch da» Lied 155 »Herr, nur dir allein vertrau«!'» ferner 200 .Dem Vaterland erglüh' das Herz' und 38 heilig, heilig, Gott der West«!' Der Gottesdimst schloß mit dem Gebet für das Wohlergehen Ihrer Königlich« Hoheit« des Großherzöge, der Grobherzogin, de» Erbgroßherzog» und der Erbgroß- Herzogin, de» Staatsministers Excellenz von Dewitz und der Räthr des Lande». (Dir patriotische Rede ist inzwischen im Druck erschimen und macht einen -sehr gu«n Eindruck. Daß der Festredner zum Oberlandesrabbiner ernannt wurde, haben wst bereit» in vor. Nr. gemeldet.» Hattttsver. Aus dem soeb« erschi«enen Protokoll der am 23. und 2t. Mai hier stattgefundenen 29. Bersammlung de» Berem» jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover, sei hier das Wtchttgstr mitgetheilt.*) . > Der Vorsitzende, Herr Lehrer Blumenfeld»Adelebsen, «öffnete die erste Sitzung nachmittags t Uhr Mit herzlichen Begrühungsworten und einer Ansprache, in welcher er der Betrübnis :r Lehrer Ausdruck gab, daß man es habe erleb« müsse«. 'ft im verfloss«« Jahre die jüdische Lek -iS יז: -!גי * *■׳. ׳Ä ז.׳. Vu a ,1 wir in heMger Wette im verflossenen Jahre die jüdische Lehre und das jüdisch» Schrifttum, von gewisser Seite angegriffen worden. Man Hab« sogar die Lehrbücher der jüdsschen Religion einer Prüfung auf ihr« moralisch« Inhalt unterzogen, als ob die jüdisch« Lehre verderblich für Staat und Kultur sei. Dies sei aber nicht blos verletzmd mid bedrückend für uns als Lehrer ber jüdischen Religion. — es sei auch ungerecht. Wir hingen erade in Befoli uns als Lehrer . ungerecht. Wir hingen guug unsererRellgian mit allen, fern unseres Herzens an unsermSaterland«,defimWohl wst mit aller Kraft und in tt«er Hingebung zu beförde« suchten, nicht züm mindesten dadurch, daß wst in Schule, Svna« goge und Gemeind« eine Lehre ond rin Schrifttum zum Berständnis und zur Anerkennung brächten, die Jahrtausende über- ׳ dauert Wst wollt« uns inde» durch ungerechte Angriffe nichtverbitte« lasse«, sondem unmtweM die »ns vorgezeichnet« Bahn« der Pflicht und de» SerMm» wandeln. Der Bor» fitzende schloß seine Aiffprache mit der Aufforderung, eiuzustimm« m d« Rus: -Unser allergnädiaster Landesherr Se. Majestät der ' Kaiser und König Wilhelm ll. leb« hoch!' Die Bersammlung stimmt dreimal begeistert in dies« Ruf ein. Da«ach folgten noch Ansprachen seit«s der Herren Land-; ד Die Präsenzlfft« ergib di« Ln wesen heit der drei Ghremnstgli«der:La»dr»bdi«rDr. Grone « an »-Hannover, Dr.L «wtuktz- Hildeshri» und Seminardirektor Dr. Ktonor-Hanoov«, ferner^ tolgende« dreißigMitglieder, der Herren Lehrer: Bochenhe^mer- ----- - jp.Adelebsen Brann»der Mil Dransfeld. Vlnmrnfeld-Adelebsen, Brannsbera-Beedea, Lahn-Sartzedt, L»h«.Barfingtzanse», Erle-Lchl», Fabisch». Glntnge», Goldschmidt-Meppe», Katzenfteia-Hannooer, Levy-Rordeu. Ldwenstein-Celle, Löwenstetn-Vuradorf, Le»H-Hannover, L o « »i tz . Gldaase», M an sb a ch er-Hoya,: Meyer- Gronau, R « uh « ut - Sonftorf, R t u ß. Neustadt-GSden», R»ßka m»Diepholz. Rothschild.WolsenbLttel,Se lig -Emde», , Semtnarlehrer komme »Hannover, S p e i« «-Hannover, Spanier« Stolzraa», Stern-HUdeSheim, St«ru »Gteitinae», Ster»«^״ Gtndeck, Sa ller-Morin-en-Weinberg-Vodenkloe. Lnhadzm ־* waren anwesend: der Herr Raddiner Dr. Jasod-GSttinge» als ,!liefe und »er Herr «ewtnarlrhrer D i t t» a r»Hannover als G^t.! «ntstdnldüu s«tstt«:«aqe»het»er.UÄzen,vach.ML»dr».^ mann-Menb«^ Alel s^tz«ck«r--arb,rg, Italiener»^: «ck, »ei«, Philipp.» ׳•» Bentheim. ״::sOSS

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.