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Israelitische Wochenschrift · 1893-07-07 · 28 (7.7.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
28 (7.7.1893)
Date
1893-07-07
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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״Set autiseiniiische Rnknt ist. so läßt sich der s»zirlbe««t>atische .Butwirtt* *tatftt«. ün «anneu Junkecueft s, triftig zrwuchsen. Sab er nu sch», daran lenkt, die Pslegeeltem hinouszutverien. Der titlwnrdt iat den Sriegtiuf bereiti a»jge|toben: .Erst Wt 3 u b e, nun tzerJ unter!* Nun so mußte e» fonmru. ,Unb wenn,* ruft der JBonodrll״, eich der «dlmerdt, »es mir chm gerne bezeugen, .an der Ausdehnung der Eoeieldemotretie* ganz un» schuldig M, so arbeitet er uns doch vortreffiuch in die Hände. Die Herren Junker werden deoon nicht sehr erbaut sein.* Setliu, L Juli. Stöcker sprach am Freitag über das Resultat der ReichStagSwablea vor den Chriftlich-Sorialm. Er fübrte aus: ,ES ist zwar bedauerlich, wenn man nicht gewählt wird, aber der Reichstag wird auch ohne mich fertig werden. (Heiter-!eit.) Ich hätte mich ja um ein anderes sichere» Mandat de-!nerven können, hätte daun aber mein Siegerland (richtiger: Unterliegerland» im Stiche lassen müssen. Die anderen Candidaturen für mich waren nicht ernsthaft zu nehmen. Meine Zäblcandidatur in Reustettin hat man auch gegen mich verwendet. Dir dortigen Christlich-Socialen wollten nicht für Ahlwardt ׳nmmen, waS ich ihnen ja nicht verdenken kann und ich willigte ein. daß ste für mich stimmen könnten. Dann telegraphierte ich an den conservativm Eandidaten: ,Rur Zählcaudidatur, wünsche ,,hneu Gluck!' Die lebenSwürdtge ,Staatsbürger - Zeitung" schrieb dann, ich hätte telegraphirt: .Ist nicht wahr! Durchaus ernsthaft." Wie kann nian mir das unterlegen? Ich weiß nicht, wer dar telegraphiert hat. DieNotiz der »Sta atSburgrr- Zei tung wurde aber in Sieaen gegen mich verwerthet und ich wurde als ein Mann hingestellt, auf den kein »erlaß ist." Lehnlich bat man mich auch bei den Katholiken in ganz lügenhafter Weise verleumdet. Daß der Fortschritt mich mtt allen Mitteln bekämpft hat, habe ich um ihn verdient. (Heiterkeit.» DaS Bündnis, zu dem sich auch die BSckelianer und Sozialdemokraten gesellten, ist ein BUd von platonischer Schönheit. DaS schlimmste aber ist. daß selbst bei der Stichwahl Herr Böcke! seine Leute gegen mich commandirte und für einenJudenfteund stimmen ließ. (Rufe: Pfui!Gemeinbeit I) DieB ö cke!'scheu Flugblätter find lediglich Hetzblätter gegen di« Conservattven und zeugen von wüster Demokratie. Die BolkSrechte sollen bedroht sein, weil Herrn B öcke l im Reichsrage öfter das Wort abgeschnitten worden ist. Das sind Sinder eien :für solchen Antisemitismus danke ich. (Beifall.) Äehnlich wie die BSckelianer in Siegen gegen mich vorgeaanaen sind, ist man auch in S a ch s e n verfahren, wo ein antisenmischeS Blatt dem Konservatismus zum Borwurf machte, er sei verstockt und verstöckert". Der Antisemitismus kann aber doch nur auf consrrvattvem Boden gedethen. Der AattsemittSmuS kann ferner nur auf dem Boden der Kirche gedethen. Die Juden fürchten auch die sogenannten »Radauantismriten" garnicht, nur diejenigen, die aus den Grundsätzen von Christenchum und Monarchie stehen. Deshalb haben die Juden bei aller Angst über den Erfolg der Wahlen nur eine Genugthuung. daß ich in Siegen nicht gewählt bin. (Heirerkett.) Die Riederlage Stöckers verdirbt den Konserv a t i v e n die ganze Freude an den sonst für sie günstig ausgefallenen Wahlen. Sie geberden sich über den Verlust der ״theuren Mannes" ganz verzweiftlt ׳ und nicht nur das spezielle Organ 8״ Durchgefallenen, das »Volk", ergeht sich in geradezu komisch --irkmdm Klagen und Beschuldigungen der Gegner, sondern auch die ernster zu nehmende »K r e u z z t g." widmet dem Berittst -׳-nm Lettarttkel, in dem sie, unglaublich aber wahr, sich be- ׳chwert, daß liberale Organe bei der Aufzählung der angesehenen Öfteren Parlamentarier, die aus dem Reichstage scheiden, nicht Stöcker erwähnen, der neben Birchow zweifellos(?) der Berühmteste ihn, den die ganze Wett kenne, während man von den Hell- :orf und Stolbrrg nur im eigenen Lande wisse. Für die Ber-!chiedmartigkeit eines Weltruhmes für Bftchvw und Stöcker hat .725 konservative Blatt offenbar gar kein Baständniß. ES :antmert, und das Alles in vollem Ernst, daß man diesen Mann r it brutaler Rücksichtslosigkeit und gewissenlos bekämpft habe, und bricht in den Ruf aus: .«es heben die Herren nun davon, daß sie den ersten politischen Redner Deutschlands durch einen Mann erfeat, der nicht drei Worte!«gen tonn, der i» LeichStege mithin eine stumme Nolle spielen wird? Wes sie dabei haben? Ein Mandat «ehr haben sie. Weiter acht äcr «hr^i, dieser Leute nicht.* ״Erst« politischer Redner Deutschlands״ ist nicht übel! DaS tn Ahlwardt genau ebenso wie Stöcker, und an dem. was die ,Kreuzztg." Wrltruhm nennt, übertrisst dieser den »ater de«;1 Antisemitismus. Stöcker hat i« Reichstag gar nicht« gel, außer ein Paar großen Reden, die er vorher in Versammlung gehalten. Sein Gesetz ttägt seinen Namen: er,hat nie in ein« Kommission gearbeitet und parlamentarssch find dir beiden cons^rvattsm Abgeordneten, die der Redaktton der »Krtuzztg." augehören, sogar weit mehr als der ehemalige Hofprediger. Wenn übrigens der Jammer über seinen Berlust gar zu groß ist, s» wäre eS ja der großen konservativen Partei nicht schwer, ihm ei» Mandat zu verschaffen, e« brauchte ja nur ein ander« srftt Mandat niednzulegen. Daran denken die Herren ab« im Z Traume nicht, da hält s i ch Zed« für den «sten Redner und Po» . littk«, de« WrltruhmS würdig. 1. Juli. Die Frage, ob die Aenderung eine« Bornamens ohne behördliche Genehmigung straflos sei, wurde -׳: gestern vom hiesigen Ob«landeSgrrichte bejaht. D« Kauf» mann Sonnenftld in Lublinitz hatte von seinen Elt«n den Bornamen »Isaak" «halten, den « ab« bei sein« Entlassung au« der Schule mit dem Bornamen ,Eugen" vertauschte. Am ft. Dezemb« v. I, beanttagte Sonnenftld bei Gericht die Einttagung sein« Firma und gab dabei »Eugen" als Borname an. , Darauf «hielt er von der AmtSamvaltschaft ein Sttafmandat *•י auf Grund des 8 380 ul. 8 de» R--Ltr.-G., wodurch die Besttafung desjenigen festgesetzt wird, d« sich einem zuständigen Beamten gegenüb« eines ihm nicht zukommeoden Namens be- - dient. Auf die eingelegte Berufung «kannte daSSchöffmgericht auf eine Geldstrafe von 10 Mark, die auch von d« Sttafkamm« bestätigt wurde. In Folge der eingelegten Revision ge- -4 langte die Sache vor den Sttaffenat des OberlandeSgericht» Breslau. D« Bertheidiga führte u. A. an. daß d« Angeklcgte ׳ts sein« Zeit den Regierungspräsidenten um die Erlaubuiß zur Aenderung seines Vornamens ersucht habe, ab« abschlägig be» schieden sei, da die RegierungSpräsidentm nur die Aenderung d« Familiennamen zu genehmigen haben. D« Borname sei, wie d« B«theidiger unten ausführte, nicht, wie d« Familienname, ««bt und man müsse deshalb zur Aend«ung desselben jederzett brrechttgt sein. In diesem Sinne, habe sich auch ein Lirkular«laß des preußischen MinistnS des Innern ausge- -■ sprachen, welch« bestimmte, daß die nicht in betrügerischer Ab-׳, ׳ sicht erfolgte Aenderung deS Bornamen« sttaflo» sein solle. Der Vertret« der AnNage hatte die Berwerfung der Revision ■ beantragt, da d« Borname in vieftn Fällen zur Feststellung d» י$ Jdentttät unentbehrlich und eine willkürliche Aenderung desselben dah« unzuläßig sei. DaS Urthcil laMete, wie bereite» erwähnt, - f auf Freisprechung, da aus dn EnftehungSgeschichte de« 8 380 »l.; 8 de» SttafgesetzbucheS und den zu demselben erschienene» -!? Kommentaren unzweifelhaft hervorgrhe, daß dort npr d« Fami- -> liennamr gemeint sei und daß demnach eine bloße Aenderuug de« Vornamens nicht Gegenstand der Strafbestimmung sei. Diese Entscheidung ist für de» Angeklagten von um so größerer Bedeutung, als gegen ihn bereit« da» Untersuchungsverfahren »egen Meineid« schwebt, da «in einem Prozeß als Zeuge unt« Eid dm Ramm ,Eugen" als seinen Boruamm angegeben hatte. Sättig«berg i. Pr. DaS hiesige ^aupt-Grenz-Komifte für die ruffischm Judm." welchem die Pflicht obliegt, die AuSwand«nng d« ruffischm Flüchtlinge zu regeln, hat seine Thättgkest in Folge d« von d« preußischm Reginung gettoffmm Abwehrmaßregeln, welche in der strengsten Weife durchgeführt werdm, endgiltig eingestellt uud auch die in den Srmzstädtm befindlichen LokallomifteS angewiesm, dm AuSwaud«»n keinerlei- Unterstützung mehr zu Theil Waden zu taffm, sondan sich aufznlösen, da die Hoffnung, daß die Grenze dm Flüchtlingm in" . absehbar« Zett wiedergeöffnet w«den würde, fallen gelaffm ^3 ««dm muß. Wthrmd die deutsch-msstsche Grenz« bish« nur ) von russischen Soldatm bewacht zu wadm pflegte, find nunmehr״ - auch von preußisch« Seift berittene und Fuß-Gmdar«m an allm solchen Stellen stattonirt worden, an welchm das Ueberschreitm d« Grenze seitm« da AüSwandaa zu erwartm steht. Da« Elend, in welcher die armen Leutt gestürzt sind, ist nnbe, schreibltch. Seitdem ihnen durch behördlich« Verfügung dft "י ■43 ג

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