Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 28 (7.7.1893)
- Date
- 1893-07-07
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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V- 794 478,5 418 370 21« 148 114 «den 286000 (»fiatifL Türket 196000, »ffa, tische- Russlnad 4üM>) Afrika ' 288 WO (Tripolis und Marokko 200000, «lgier und Tum» 88000) Australien 20000 Lin richtiges vild jedoch geben diese Zahlen erst dann, wenn man fie in »Ziehung zu der Tesamtbevvlkernng der betreffenden Künder bringt. Unter 10000 gezählten Personen find 3.ubtn; in Rumänien , Oesterreich , Ungarn » Rußland . den Niederlanden » der Türkei im Deutschen Reich in Bulgarien und Ostrumelicn 76 . Frankreich 14,6 , Italien 18 » Hrostbritanicn u. Irland 12. Die folgenden Zahlen, welche nicht mehr dem ״$. d. St." -entstammen, sondern den amtlichen Veröffentlichungen der detreffenden Länder entnommen find, geben das Verhältnis der jüdischen Bevölkerung zu der Sesomtbevölkerung in Oesterreich und Deutschland an. In Oesterreich betrug der Zuwachs der Israeliten der Gesamtbevölkrrung 1880 gegen 1889 22^8 pCt. 8p8 pCt. 1890 1880 13 72 , /,91 Kür Ungarn scheint das pröcentuale Lerhä/tniß im letzten Jahrzehnt herabzugehen, denn während die Zunahme der Juden 1887—88 noch mehr als das zweifache der am kräftigste» fich entwickelnden Eonfesfion betrug (Juden im Jahresdurchschnitt 2.81 pCt.. Sriechisch-Katholischr 1^5 pÄ.), überttaf die Zunähme der Juden 1881 — -90 kaum die der Römisch-Katholischtn (im Jahresdurchschnitt 1,96 und 1,24 0<ltl Brttachten wir zum Schluß noch etwas genauer das Ber- Lültnis in Deutschland.') Wir schon erwähnt, waren unter 10,000 onSanweseudrn Personen am 1. Deeember 1880: 115 ISraeliten. (Für 1880, 1880 und 1871 find die entsvrrchenlxn Zahlen 120, 124 und 125.) Diese Durchschnittszahl wird in solden Staaten und LandrSieilen bedeutend überschritten: Berlin 502«) Hamburg 2־K7 Heffen-Nossan Großherzogtum Hessen Provinz Posen Elsaß-Lothringen bedeutend unter dem Durchschnitt blieben: Schworzdurg-Sonde ׳׳■־‘־ Lchlesnng-Holsttin Königreich wachsen Sachsen-Kodura-Gotha Neun jüngere Lienie Reust altere Lienie Schwarzburg Nudolstadl Sachsen-Altenburg 2t« 257 258 216 Berichte und tLorrefpondenzen. Letttschiaud. Maadebnrg. Das ׳soeben erschienene und uns freundlichst übersandte neueste Heft das vom Prediger W. Becker .in Friedenau (bei Berlin) herauSgegebenen Monatsbla!teö ״Dibre Emeth" bringt folgenden Beitrag zur Frage: Sann man als Christ Antisemit fein V In der Zeitschrift ״Das Pfarrhaus«' gab Pastor A p f e l st e d t iu Leubnitz bei Dresden folgende Antwort auf diese Frage: ״ES versteht fich von selbst, daß der Christ, eben weil er ein Christ sein soll, gegen alle widerchristlichen BesttebuNgen schaif sein und das Schwert des Mistes tapfer führen muß . . Ein Christ ׳ein heißt u. a.: ein Feind alle» Schlechten und Gemeinen, alles Lieblosen und Eigennützigen, ein Feind des Materialismus und Atheismus sein und, soweit dies unter Juden vorkommt, guch ein Feind dieser Juden. Aber braucht man dazu . . einen Antksemirenverein? . . Daß der sogenannte Verein desteht und wächst, verdankt er Grundsätzen, die fich mit wahrem ') Nachdem soeben bei Puttkammee und Mühllirechr, Bertin, er- »schienen«, 14. Jahr-. 1893 de« .Statistische» IahrduL» für da« heutsch« Reich-. Chrrstenthum nicht vertragen. Ob er e» auch in feinen Statuten bemäntelt, t: richtet fich thatsächlich gegen de» Juden als Juden und fordert Verachtung, Verfolgung, ver« treibung jedes Juden, weil er ein Jude ist nach Abstammung, nach AnSsehen, nach Religion. Ist da« in Christi Geist? Und wie wird . . gekämpft? In geschicktester.. Weise wird Wahrheit und Lüge vermeng»! Mit dem ganzen Rüstzeug parlamentarischer Redekunst wirb gegen da« Judenthum in« Feld gezogen und zu rechter Zeit das allmählich immer «ehr aufgeregte Publicum durch irgend eine grausige Geschichte, zu welcher die Phantasie das meiste Material beigrtragen Hai, zu wildem WuthauSbruch gereizt. Da wird audererseft» mit den abgebrauchten und ein feineres Gefühl anwidernden Schlag« Wörtern . . die Lachlust befriedigt. Ist da» christlich? Und wo bleibt die christlich« Gerechtigkeit, wenn man beschnittene Wucherer und Wollüstlinge verfolgt, verhöhnt, verdammt, aber getaufte unbehelligt läßt?«' Der Verfasser schließt: ,Helfe jeder Christ mit, daß eS keinen Antisemiten nach Art der jetzigen Vereine mehr gebe!«' — Hieran schlteßt sich folgende» Sonett: ,Antisemiten" nennt Ihr Thoren Luch L» such» der Hch nach immer neuen Gründen. Und doch wollt Ihr zugleich Luch unterwinden, Antheil zu haben an de« Heiland» Reich I War'» ein Semit nichl, der sich todeSbleich Am Kreuz« opfert« für «us're Zünden? Und waren'» nicht Temiteu, die verköuden. Daß Lr da» Heil erwarb für arm und reich'? O, schaul doch endlich ans den Fel», darau» Die Steine Deines Hause» sind gehauen! Ihr seid n I ch t Steine diese» edlen Bau'«. Die Wasser, dir durchrauschen dürre Auen, Au» welche» Brunnen» Gruft sind ne gegraben'? V, hattet an: Ihr schändet Pimmelrgaden. Ma«d«burG, 2. Juli. Die hiesige Gemeindeverttetung hat ' ein Preisausschreiben zur Erlangung eine« Entwurfes zum Neubau der Synagoge beschlossen. Hiernach soll die Synagoge dem RaumvrrhSltniß (von 1331 LUMtr. Flächeninhalt und 90,39 Mir. Frontlänge) emsvrechend enthalten: 1. Mindestens 70» Sitzplätze für Männer im Erdgeschoß und 6t>0 Sivvlätze für Frauen auf den Emporen. 2. Eine aeränmige Borsynogoge, welche nicht gleichzeittg Kor« halle sein soll. 3. Eine Orgel u. ven damit verbundenen Platz für ein Sängerchor von ungefähr 40 Personen mit besonderem Aufgange. 4. Ein Zimmer für den Rabbiner. 5. Eine Küsterwohnung. 6. Einen Sitzungssaal, Secrctarial mit-Vorzimmer. 7. MindeitenS 3 Kaffenräume für die Religionsschule. 8. Heizung«- und Lüstungsaulaaen im Kellergeschoß, und ein!einer Raum für dar Schächten des GcsiügclS. Für die Entwürfe, die bis zum 29 Dezember d. I. rinzuenden sind, sind drei Preise von drei, zwei und einem tausend Mark festgesetzt. Für die Ausführung des Baue« sind 900,000 Mk. vorgesehen. Berti», 3. Juli. Der zweimal in den Reichstag gewühlte Rektor AHIwardl ist, wie nicht anders zu erwarten war, von bim Antisemiten wieder in Gnaden ausgenommen worden. Er hat am Freitag an einer Sitzung des AgnationSverbandeS der anttsemitischen Parsti kheilgenommen und sich damit einverstanden erklärt, daß in Ncuiketun, wo er di-Wahl abgelehnt. Dr. Förster aufgestellt wird Diese Schwenkung der Antisemiten in ihrem Verhalten zu Ahlwardt ist um so bezeichnender, als erst kürzlich die konservativen Führer im .Kriedeberger KreiSbl." Ählwahrdt , öffentlich beschuldigt haben, daß er sein E b r e n w o r t g e b r o ch e n habe, ohne daß Ahlwardt bisher sich von biefem Borwurf reinigte. Mit welchen Mitteln übrigens Ahlwardt in Ärnswaldc-Friedeverg gearbeitet Hut, zeigt eine Stelle aus einem ״offenen Wort" an ,eine ArnZwalder Wähler: .Meine konlerrativer, Gegner sagen, ich sei 'Schuld an der ttafl* dehnung der Sozialdemokratie. Dar ist unwahr. Die gnuker und Juden, die da« Bolt au»schi«d«n uni zur Berzweiflung treibe«, find daran sldnld." , Da- Ahlwardt dir Junker niit den Inden auf eine Stufe stellt, ist. wie die ״Boss-M." zutteffend bemerkt, die beste Oulttua« . auf die neueste Agilatiou, nur der im letzten Herbst die Kowfer- ' vatjven in AruSwelde-Friedederg Ahlwardt auf den Schild erhÄM. ׳: