Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 28 (7.7.1893)
- Date
- 1893-07-07
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Autorität im Land« Hut, in dm Abgrund gestoßen worden ist und vom allgemeinen Wahlrecht wieder emporgehoben wird, lehrt allzu deutlich, wie populär das Hep-Hep ist. Alles, was von ,Juden und Judengenoffen" zur Abwehr geschehen ist, hat sich als völlig fruchtlos erwiesen, ja, hat das Feuer nur geschürt. Die Judeahetzer haben einen so glänzenden Sieg nicht erwartet; ihnen konnten keine Fehler, keine Verbrechen etwas schaden. Es ist eia schwacher Trost, daß fich der Judenhaß da am stärksten gezeigt hat, wo es ׳;ist keine Juden giebt, nämlich in Sachsen. Eine mächtige Partei bekennt sich zu dem Wahnsinn: ,Bon den Juden kommt alles Uebel", verschließt sich der Einsicht, daß, wenn heute die halbe Million Juden aus Deutschland verschwände, die politische, die wirthschaftliche Lage fast unverändert dieselbe bliebe. Wir wisien gegen diese Krankheit kein Heilmittel, aber wir gehören nicht zu den Quacksalbern, die gegen jedes Uebel ein Recept zu haben vorgeben. Thue jeder Jude an seinem Platze seine Schuldigkeit, zeigen wir Treue gegen die Obrigkeit, gegen unsere Mitbürger, im Sffentlichen Leben wie in unserem Berufe: es ist erfreulich, daß gerade die höchste Anstokratie der Geburt und der Wisienschast, ebenso wie sie Arbeiterbalaillone vom Judenhaß nichts wisien will. Ein religiöser Mensch kann an! Siege der Wahrheit und Gerechtigkeit nicht verzweifeln. 8. R. Die Pflege der Ethik i« Schule u«d Synagoge. **f »n ••Kfm«} israelitischer Lehrer Mt »eftfttlens »« «elsenktrche» von I. Rosenbusch-MEladbach. I. In seinem Lehr suche Amude hagolah sagt Direktor Ludwig Stern: ״Die höchste Würde hat der Schöpfer dem Menschen dadurch verliehen, daß er ihm einen Theil seiner Freiheit gab, die Freiheit des Willens. Das Thier folgt gezwungen seinem Naturtrieb, seine Thal hat keinen sittlichen Werth; die Sanftmuth des Schafes und die Grausanikeit des Tigers sind ganz gleich, diese ist kein Laster, jene keine Tugend. Die That des Menschen aber ist Sache seiner eigenen Wahl. Darum haben die Thateu des Menschen einen sittlichen Werth. Me gute That bringt den Menschen Gott näher, macht ihn Gott ähnlicher und ist der Belohnung würdig; die böse That dagegei׳. entfernt den Menschen vou Gott dem Herrn und verdient die Strafe des Allgerechten. Durch die Willenskraft ist also dem Menschen, dem Einzelnen wie der Gesammtheit die Möglichkeit gegeben, durch eigene Kraft, durch eigenes Ringen immer vollkommener und Gott ähnlicher zu werden, während bei dem Thiere das Einzrlne ebenso wenig als die ganze Gattung einer wesentlichen Vervollkommnung fätig ist." Me sittliche Kraft des Kindes zu pflegen, daß es Wohlgefallen am Guten und Schönen,?an Tugend und Pflicht, diesen höchsten Gütern der Menschheit findet, ist Aufgabe der Schule; der hecangewachsenea Generation die Pflichten eines tadellosen Wandel» wieder und wiüxr in» Gedächtniß zurückzurufen, ihr ״den Weg des Herrn", dessen Kennzeichen ״Siebe und Gerechtigkeit" find, zu zeigea und sie zur edlen That zu begeistern, ist Aufgabe Jfcer Synagoge. Da» Schule werden, auf daß Wort des in die Fremde ziehenden Jakob: ״Wie ehrfurchtgebietend ist diese Stätte? Hier ist nichts anderes, denn׳ Gottes Haus und hier ist ditz Pforte des Himmels״, soll zunächst von uns Lehrern beherzigt und gewürdigt werden- Wir sollen die Schule als eine Pflanzstätte der Tugend, der Gottesfurcht und der Frömmigkeit betrachten, daß sie auch׳ sei ^,ein Gotteshaus", ״eine Pforte des Himmels״, und Synagoge sollen als Heiligchümer angesehen wo wir das Samenkörnlein des Guten ausstreuen, es «mporblühe und zur reifen Frucht sich entfalte. Die Veredelung des Willens ist als Hauptaufgabe der Erziehuug um so mehr ^u betonen, als die moderne Zeit ihre Aufuierksamkett auf die allseitige und gründliche Ausbildung der Kräfte zum Erwerb materieller Güter richtet und auf eine einseitige Verstandesbildung hinstrrbt. Aber alle Aufklärung des Kopfes, selbst alle Bildung des Gefühls haben keinen Werth, wenn die sittliche Bildung, die Ver» edelung des Willens, nicht damit verbunden ist. Wo diese fehlt, sind sogar ein gebildeter Verstand und verfeinerte Gefühle mehr schädlich als nützlich, weil sie in den Dienst des Bösen treten. Zeigt uns doch die tägliche Erfahrung, daß nicht die Wisiensreichen die im Leben allein Brauchbaren find, sondern zunächst die Zuverlässigen und Charakterfesten. Darum ist die ethische Bildung ebenso nochwendig als die. intellektuelle, darum müssen in der jüdischen Schule Vdor» und Uussar, Verstandesbildung und Willensflärkung. Hand in Hand gehen, damit in der Praxis des ernsten Lebens jede Versuchung deS Bösen zerschelle an der Festtgkeit und Unbeugsamkeit des LharafterS. Der Charakterfeste gleicht dem starken Stamme, er wankt und weicht nicht, wenn auch rauhe Stürme ihn umtoben, er trägt, nach des Psaliiiisten Wort: ״Früchte zur rechten Zeit und wirft fern Blatt zu früh ab", und bildet eine Zierde im Garten der Menschheit. Die Grundsteine deS edlen Charakters aber sind: gute Sitten und Frömmigkeit. Darum rufen wir mit einem alten Pädagogen aus: ״Unglücklich der Unterricht, welcher nicht zu guten Sitten und Frömmigkeit führt." ג־׳ I 1 Die Verteil««- der jüdische« Vevölker««-. Die soeben zur Ausgabe gelang! __ _ Wörterbuch der Staatswifirnschaften" (Jena, Gustav Fischer) bringt unter anderen eine Abhandlung von Profefior Lexis über »ÄeuaionSstattstÜ'. Danach beträgt die An»ahl der auf der ganzen Erde lebenden Juden: 7,408000. iIhnen stehen gegenüber bei einer Gesamt» bevSIkeruvg der Erd« (von 14SV Millionen) 153 Millionen Pro» testantenund 238 Millionen Katholiken.) Bon den europäischen Ländern, mit zusammen 8800000 Juden erfreut fichRussland der größten Anzahl, nämlich «langte 27. Lieferung des ,Handlicht 3800000. ES folgen dann Oesterreich-Ungarn Deutsches Reich Rumänien Niederlande Türkei Frankreich Großbritannien und Irland Italien garten und Osttumelien 1860000») 588000 400000 97000 80000 (?; 125000) 56000 ף 000 46 40000 24000 sSlkeruagsüffer unter 10000. Auf bte anderen Erdteile rtgen Ländern Europa'» bleibt die jüdisch« Be- Amerika _ entfallen 003000, (!500,000 :?) (״19000 und »war auf >) Ohne MiULr: Zählung vo». 31 Dezember 1890: 1883847.', *) fittttM lesen c* *. 40000 i» Loubo». .ÄM ף CM||c Zahlen fin» sehr »»,»»au. '