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Israelitische Wochenschrift · 1893-07-01 · 27 (1.7.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
27 (1.7.1893)
Date
1893-07-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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e, sondern eine Religion, welche die neuen naturwiyenlichen CtnmQrafösftcn respetiitte uni) auf ihvc Flagge Mc neuen svcialifrschen Ideen und Geuni^Lfr schriebe, o«e ׳schon durch Jesu» Christus angedeutet uni» angestrebt wurden M waren. Mit wenigen Morten: Man btgrßnde ein fozia- '£, listtscheS Re«-Christe»thum, zu welche«!»wohl di« Juden. f ' die heute noch zu« Theile an die alten ReltgionSgebräuche V gebunden find, als auch di« Christen, refrei» von ihrem 'Hasse gegen die Crsteren und von Boruitheilen und Aber- »־.; glauben, zwangSlo» und ohne Scheu übertreten könnten. Aber dal ist wohl eine Utopie, zu deren Verwirklichung L noch nicht einmal die allerersten Anzeichen sichtbar find." [{«fr auS de« NeWonSmtterricht in den Schulen, wenn ec nicht t» Geiste der Lleb« und im Geiste de» uralten Christa chnm» «rtheilt wird. Da» find nach unserer Meinung zwei Mediramentr -egen den AnüsemitiSimrS. Sie stad gleichsam Hausmittel, der m beilende Wirtuna nicht aurbleide» kann. Der Staat und dir Sirche. dir vhqfische Macht der Ne» gierung und die geistige Autorität de« Chriftenthum, müsten sich vereinen zu diesem groben, gute« und «ewist gottgefälligen Serke, um den AnttsemittSmus unschLdlsch zu machen. Nicht vo , einer neuen Religion, wie ste Profeffor Lombroso vorschlägt, ist dl» Heil zu erwarten, sonder« vo« der alten in ihrer Ursvrünzkichkeit, unterstützt von der Gewalt de» Staate«. Jellir et. :&r. Gegen dieses entmuthigendr Resultat, zu welchem Lombroso gelangte, da» eine« Äerenntniß der Oh «nacht gleichkommt, tvendet sich Dr. Jellinek mit solgenden geharnischten Worten: Wir erlauben uns anderer Meinung zu sein und e« für möglich zu halten, den Antisemitismus wirksam zu bekämpfen, und unschädlich zu «lachen. . Der Gebrauch de» ersten Mittels bängt von den Regierungen ab. Sie dürfen e» nimmermehr zulasten, da« die bürgerlithe Stellung, da« Recht, die Ehre und der Rame der Juden von anrisemittschen Raubgesindel in üffentlid«n Berfammlungen, .in Vereinen, in Journale« und in Fluglüättern angegriffen werden. So wenig sie böswillige und -:meine Agitattonen gegen irgend einen nichrjüdischen Theil der Staatsbürger dulden würden, ebrnsd wenig dürfen sie einem dolce far niente huldigen, wenn es sich um die Ruhe und Sicherheit der Juden handelt, -Offen und unzweideutig müsien sie öffentlich gegen den LnttsemittsmuS Front machen und ihn als verderblich. ftaalSge- .jährlich und unsittlich verdammen. TieS geschah in Ungarn- Dort haben .verschiedene Minister ihr Brrdic über den AnttsemittSmnS in der schärfsten Weise auSgesvrocher, und er ist vom ungarischen Kriegsschauplätze verschwunden. Ja England und in Italic« bat der AntisenntiSmus auch nicht :ine'handbreit Boden gefunden. Denn dort gehen die Regierungen mit dem guten Beis- Viele voran, das! sie weder im Heere noch im Staatsdienste einen Unterschied der Konfessionen kennen. Der lkSnig von Italien, die Köuigi u von England und der dirinz 1on Wale» haben zu wiedrrholten Malen ihre Lölker durch ihr eigenes Beisviel über die Rechtsgleichheit der Staatsbürger belehr :. Auch in den Parlamenten müsien di: Präsidenten ihres Amtes streng und gerecht walten und nicht z!lasten, datz gemeine, antisemitische Subjekte, durch Reden und Zwischenrufe die jüdischen Staatsangehörigen beschmutzen. Die parlamentarische Redeftec- 7deil bar ihre Grenzen: sie darf nicht in Schmähungen und Bedrohungen auSarten. Uebrr das zweite Mittel gegen den Antisemitismus verfügt die Kirche. Das echte, unverfälschte, uralte Chriftenthum belegt das anttsrmitische Wühlen. und Wüten m k dem Banne. Ein echter Christ kann kein Anttsemit sein. Die Apostel, welche aus der Mitte des JudenthumS hervorgegangen sind, haben doch nicht eine ReligionS-Lehre verbreitet, um dir Jüren in anttsemitischrr Weise zu bedrängen und zu bedrohen und den jüdischen Stamm, aubesten Mitte Christus hervorgegangen ist, zu schmähen, zu verlästern und ihm jede gute Seite abzusvrcchen. Auf den christlichen Kanzeln mutz mit der Autorität der Kirche und durch die Macht des lebendigen Worte« der Antisemitismus als durch und durch sündhaft und anttchristlich gebrandtmarkt werden. ES darf keine Hetzcapläne geben. Jeder Hetzcaplan verleugnet Christus, steht im Dienste der Kirche und gehört nicht vor den Altar. In der christlichen Religionsschulen must die Heranwachsende Jugend eindringlicy belehrt werden, datz lür geschichtliche Darstellung de« neuen Testament« keinem Christen Hatz und Lieblöfigkeit gegen die Juden unserer Zeit einstötzrn darf, und datz jeder echt« Christ seine jüdischen Mitbürger a ls fein« Mitmenschin oder Nächsten betrachten und sie, wie sich selbst, lieben soll. Denn luptquelle der fortdauernde» Lorurrheile gegen die Juden Briefe eines heitern Kleinstädters ans Berlin. 1. . Schönsten Dank, verehrter Rcdatteur, für Ihren lieben«- würdigen Wunsch, auch mich, den Kleinstädter, über hiest״e Serhältnisir einmal zu hören. Polittk — will sagen Journalistik im HSHeren Sttl dürfen Ste. Ihre geschätzten Leser und geschätzteren Leserinnen, jedoch von einem Geist ,weiter Güte, wie e» so ein Kleinstädter ist, nicht erwarten: dafür soll Ihnen aber auch nichts von «rotzstädttscher GrieSgräwlichkeit, wie sie sogar gegenüber unser» herrlichen.joständen sich zu äutzern pflegt, geboten werden: ich hege die «nst tzt. datz GrieSgrtmlichkcit für Hirn ׳md Herz nicht« taugt, «v tzerdem verspreche ich die Lösung eines Theil« der Räthsel, die manchem Schwerbküttgen von hier und von auswärts noch imm,r viel sehr viel Kovfbreche.1 kosten. Warum dies? Nun. Räfisellösen ist eine Kunst, uni» — h e i t e r ist die Kunst, wie der Dichter tteffend sagt: ist die Kunst nicht hetter, dann macht ste «ich» gescheiter, zumal den fraglichen Räthseln gegenüber. Wie Sie sehen, reime ich. und das thue ich ganz unwillkürlich, nicht etwa, weil die Kultur, die alle Welt beleckt, auch auf die Kleinstadt sich erstreckt, sondern weil in den Kreisen, mit denen ich mich beschältigen will, so weniges ungereimt, so viele« gereimt ist, d itz schon der Gedanke an letztere« mich poetisch stimmt und die Lust zu« Reimen in mir glimmt. Gestalten Sie mir, hin und wieder an ihre Herren Serliner Corresvondcnten mich anzulehnen: der Kleinstädter, auf getstreiche Ärotzstädter gestützt, fühlt sich nun einmal besonder« ge» hoben und zur Mittheilung bester angeregt. Spät komntt ihr, doch ihr kommt, ihr Herren vom »Central» verein für dir Zuterrssrn der jüdischen Gemeinde in Berlin", ihr kommt also endlich, endlich doch zu der Einsicht, daß ihr nicht schiebt, sondern geschoben werdet, selbst von »u n s r r n S epräsentonten." Ich bin kein Prophet und kein Prvphetensohn, aber ich mach« mich ftar* vorauszusagen, daß ihr Herren noch eine stattliche Reihe von Jahren, wenn nicht gar für immer dt« Glück habt, geschoben zu werden: ihr könnt unter Umstänl e» dir« Glück erst recht genießen, wenn thatsächlich all »eure gerechten Forderungen erfüllt sind." Ich betone das Glück! Otrr ist e« kein Glück, kein Heil, kein Segen, von Männern gesck oben zu werden, unter deren Aegide so Autzerordentliches geschehen f Eine» Theil dieser Grotzthctten hat bereits ein Eingeweihter »alS Mamoscript" drucken lasten, uud Freunden und Bekannten üb» rau« ecguickliche'Vorgänge zur anschaulichen Crkenntnitz gebracht; stimmtliche Theile uud verwandte Themata wird eia anderer zeweihter weiteren Kreisen erörtern. Wie wsrd da alle Welt jui»elo. datz wir's io herrlich weit gebracht! Und doch will man'» nech weiter bringen: zunächst soll, wie jüngst Ihre geschätzte »Wochenschrift" berichtet, der Westen eine ReligionSschule erhalten und d ese eine» Dirigemen, selbstverständlich einen wissenschaftlich «nh väd ago gisch gebildeten. Solche Bildung ist ja wosl nötvig, aber dir Anforderungen au dieselbe dürften nach meine:, frePch kleinstädttsche« Ansicht nicht so überaus hohe sein, wie sie "von gewisser Seite gestellt werden: H*tt»»n1h vom Vater,!xr allerdinge seinen Sohn am besten kennen umtz: Bescheinig «M Mr Ls**

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