Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 27 (1.7.1893)
- Date
- 1893-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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:;frtbtn Verbrechen un t«t ihrer nach Kopfzahl prozentualen erechtrgung aal Mord weil weit zurüÄleibeir. Beim unerschö-flicht» Lapüet,Wohsthätigkest" ließ sich ׳r Berfasier dos boshafte Vergnügen nicht entgehen, in ingen Zeilen ein« köstliche Satyre zu schreiben. Im Laufe »es es Jahrhundei iS w!rrden in Berlin bei den städtischen -chörden Stiftungen niedergelegr: Bon 200 Christen (Mk. ■,388,440) und 80 מגס Juden (Mk. 4,516,335). Dieser ^rprodueirung audem »Autisemitenspiegel" hängt der Ber» sier folgende Erklärung über den Zweck dieser Stiftungen an: ,Auf arischer Seite für Juden und Christen gemeinschafüich.nicht-. Auf aris cher Teste für Juden allein — erst recht nicht-. Auf semiliilher Seite für Juden und Christen gemeinschaftlich . . 737,000 R.-Mk. Auf semitischer Seite für Christen allein. 22,700 R.-Mk. ,Diese Zahlen reden förmlich Fraktur." Wer näheren llufschuß wünscht, dem sei der ״An»- nnitenspiegel" (Veiiag von Kafemann, Danzig) empfohlen, welcher alles Wisien-werte darbietet zum erfolgreichen Beimpfen der antisemitische» Gegner. Nachdem er die Bor- --ürfe gegen das Jrdenthum auf ihre Nichtigkeü beleuchtet .»1, begleitet er seine Auseinandersetzung nit dem beherzigens- "!erthen Complimen!: ,Räume doch erst die Schutthaufen roeg vor Deiner Ttüre, ehe Du vollkommene Besenreinheit -erlang׳! vor der Behausung Deines Nachbars!" Ju solch glücklicher Lkischuug von Ernst und'Satyre sühn " Verfasser seine Üftweisführung siegreich zu Ende, in einer?-habrnheü der Sprache, welche den Hauch eines Meisters in jeder Zeile versp lren Nßt, mit der geschickten Hand eines «rztes, welcher nich nur die schmerzend« Sonde in die Wunde 'ührt. sondern auch seinen Beruf höher erfaßt, durch warmen Zuspruch über den mouientanen Schmerz hinwegzuhelfen, -öge die« auch einen zahlreichen Leser- und BewundererkreiS m Berfasier erwerben, möge dieser selbst an dem Erfolge ineS Wunsches sich erfreuen, zu sehen, daß selbstverleugnende Säaner in rastloser Thätigkeit an der Aufklärung des Volkes --steilen und das lheure Vaterland bald frei werde von ׳ieser Sonnenfinsteniis in seiner Geschichte. Ueber de» Antisemitismus. Bon Vesckr« L««vr»s» in Turin III. ״Die politischen Pseudo-Anthropologen, die sich Antsieimten nennen, sagen sie schlüge» bloS deshalb soviel Lärm, 7>eil sie verhindern wollm, daß man die germanische Race --runziere und schände. Dasind, sehr gelinde gesagt, Lhauvirusmen, die west schlimmer sind als die;ringen der Franzosen, -weder historischen und experimentalen Basis entbehren und el Aehulichkeit Halen mit jenem Wahn der ,Adeligen", die ihr Geschlecht zu verrerben glauben, wenn sie sich mit ,Bür- 7-erlichen" verehelichm, während gerade umgekehrt di« Ehen ׳wischen Adeligen reu Heiraten zwsichen Blutsverwandten nahezu gleichkommen und Entartungen nach allen Richtungen 7nr Folge haben. Wie ich schon Öfters nachgewiefe», giebt es in Europa keinen auf einer höheren Stuft der Cuttur stehenden Völkerstamm, der nicht gemischt wäre, und ich darf wohl mit. voller Sicherheit behaupten, daß in den wringen Fällen, in welche» aus dem Studium der Hiruschädel die vollständige Ernfbrmigkest der Ra« constatirt habe, der Grad der Jnteüigmtz ien bedeutend geringerer ist als bei den gemischten und gekreuzte Stämmen. Ich erwähne nur die Abyffinier unb die Sarden, deren Schädel einander gleichen, wie ein Ei dem andern, sicherlich, weil e« in diesen Länder« leine rthnischen Verschiedenheiten giebt, oder.weil dieselben durch den ethischen Grundtypu« absorbirt worden find. Die Garden beispiel-wesie stehen auf, einer west tiefe«» Stufe der Jntelli- S. ' — •״ '־׳׳• * ״* _ hat durch den Einfluß der siavischen Raren nur Borcheste ge- Wonnen. Man vergesse nicht, eine weitere bekannte Thatsache in Betracht zu zieben. Dort wo es keine Judenverfolgungen giebt, der Jude also vollkommen gleichberechtigt ist mit seine» Mitbürgern, wie in England und Holland beispiel-- weift, dort, wo er alle seine Fähigkeiten in jeder Weise voll zur Geltung bringen kann, da wirft er sich mir dem Eifer, welchen der Mensch den ehedem verbotenen Dingen entgegen» bringt, in die Arme der Politik, der Erziehung, de- Heerwesenu. s. w., und verläßt zum großen Theile'das Gebiet des Handel- und besonderdasjenige der Finanz-Spekulationen, ein Gebiet, das ihm de» Haß, den Neid und die Mißkunst seiner Mitmenschen zugezogen, und er verdient — was ganz besonders in Betracht zu zrehen ist viel weniger Geld als in den andenn Ländern. Dadurch giebt er seinen Mitmenschen keinen Grund zum Neid und zur Mißgunst und befteit sie vor der Furcht, daß das semitische Volk mit Hilfe seines Reichthumdie anderen Raren überflügeln könnte. Ich ^aube, daß mit dem Aufhvren des Antisemitismus auch der Typus des wahren Hebräers »ach einigen Jahri Hunderten gänzlich verschwinden ober sich doch nur auf vereiuzeltc uncivilrsirte Länderstriche beschränken würde. ,Aber, wird man fragen, wird der Antisemitismus je zu bestehen aufhören? St ist iraurig, es sagen zu müsieu: aller Wahrschein-' lichkeit nach nein! Denn der Antisemitismus ist, wie bereiterwähnt, eine atavistische Erscheinung, die den grau-' samften und erbärmlichsten Leidenschaften, .deren der Mensch fähig ist, ihr Entstehen verdankt. Und die Fortschritte der Cultur werden leider keinen großen Einfluß zu Ungunsten dieser traurigen Bewegung auszuüben vermögen, west eben nicht das Erlenntnißvermü^en, so»-.; dern ausschließlich die blinde Leidenschaft ' die Triebfeder des Antisemitismus ist. . Auch die neuen, auf der Grundlage des allgemeinen H Wahlrechtes errichteten Staatsformen, welche, die Uebcrmacht ' der unteren Schichten über die intellectuell höher stehendem» Clasirn zur Folge haben, begünstigen den AntiseuiitismuS. und wie man in Folge althergebrachten Voruxtheile dem Ge- :י burtSadel ungerechirrweise den Vorzug gegenüber de» Bürgerlichen gibt, so wird man bei politischen Wahlen audoppelten Gründen stetalle anderen Eandidaten den Juden vorziehe«, selbst wenn diese höher anzurechnend« Eigenschaften'und Be» fähigungell aufzuweisen haben. Und so wird e» kommen, daß. alle Jene, welche sich der Waffe de- Antisemitismus zu bedienen verstehen, mögen es auch geistig beschränkte, unzurech»^ nungsfähige und verkomniene, charakterlose Meisichen vom Schlage eine» A h l wo r d t sein, ja selbst noch brutaft« als dieser, von der M e n g e stetmit offenen Armen fteudig ausgenommen werden. Rach dem Gesagten wären wir demnach zu dem Schluss« gekommen, daß eS eigenstich keine Möglichkeit gäbe, den Antisemitismus auf rationelle Weise aus der Welt zu schaffen. Der einzige noch denkbare Answeg bestäube meiner Ansicht »ach darin, daß sich die gebildeten, geistig bevorzugten Jsraeliten nud Christen zur Verschmelzung chrer Religionen zu einer neuen Relihion Vereins welche weder die vaticanische noch die