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Israelitische Wochenschrift · 1893-06-23 · 26 (23.6.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
26 (23.6.1893)
Date
1893-06-23
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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jlanbtgund dieser Thatsache durch die Sozialdemokratie ^jetzt ist ״,an bisher noch nicht so deutlich gewesen. Vertiu. t8. Juni. Mit sichtlicher Zreude zitirt die gestrig« ״Kttuzztg." Aeußcrungen de- Herrn Sydney Whitman, - die derselbe im Maiheft der ,Contemporary Review" in einem Artikel ^DtleJmtiasmiticdsovement-' niedergelegt hat. Sie sagt: ״ Whirman weist zunächst auf die im Larfe weniger Jahre überall, auch in England und Amerika, außerordentlich ge- »achscne Stärke der Bewegung hin. Cr sieht den tieferen Grund dafür in der Auflehnung der Völker gegen die fast ausschließliche Beherrschung aller Lebensgebiete durch eine fremde Rare, die namentlich in Deutschland und Oesterreich zur unerträglichen Last geworden sei. Dabei fallen scharfe Sritenhiebe auf die Anwälte des Judcnthums ä la Leroy- Beaulieu und ״patriotische" Akte, wie das jüngste Eintreten der Berliner Börsengrößen für die Militärnorlage, in denen er das Vorspiel einer allgemeine» jüdischen <io ut <1«s-Pol>tit sieht, die auch in Amerika bei der Wahl Cleveland» durch die Besetzung einiger wichtigen Posten mit Juden deutlich zu verspüren sei. Seine Bemerkungen über die jüdische Presse laute» rcic folgt: ״In der Presse bilden die Juden vielfach eint An förmliche» Ring. Jedes Erzeugniß eines Juden, es sei schriftstellerischer, dramatiicher oder sonstwie künstlerischer Natu,. wird sofort verzeichnet und womöglich zur Berühmtheit aufgebauscht. Erleichtert wird dieser Erfolg durch die bekannte Gleichgültigkeit, die die Deutschen stets gegenüber ihren eigenen Größen ausgezeichnet hat." ,jüdische Familien füllen in den sommerlichen Badeorten die besten Gasthöfe. Sie liefern die überwiegende Johl der Passagiere erster Klaff-, die vom Kontinent m ch Amerika reisen. Die wetteifernden Dampfergesellschaften von Bremen und Hambürg statten ihre Dampfer mit stets größeren Luxus aus, vorzngsweise im Hinblick auf die jüdische Gönnerschaft." ״Und doch liegen die Ursachen der Abnrigung gegen das Sudenthum noch tiefer — wenigstens soweit Mittel-Europa in «tracht kommt. Wo dieses Gefühl von den geistig höherstrhenden Klaffen der Gesellschaft gethrilt wird, ist es nicht sowohl der jüoischc Erfolg, auch nicht die Ueberbebung. d r denselben oft begleitet, sondern die Folgen: der Gebrauch, den die Juden von ihrer Macht, namentlich in der Prefle, zu machen beschuldigt werden, und dir Sorge, wohin da« noch fühlen soll. So muß zu den Ursachen des Judenhaffe« die große Zahl der Juden gerechnet werden, die als Sozialtstenführer hervcrragen. DaS Volk sagt sich: Wir haben dieser Raffe die Freiheit gegeben und sinden. daß sie sich nur über unsere Einrichtungen lächerlich macht und Apostel liefert, die den Untergang des deutschen Staalswcsen» predigen." Der ganze Artikel diese« Anglo-Amer kaners dürfte dem schärfsten Antisemitismus unserer Berliner B.ätter Ehre machen, darum fühlt sich die ״Kreuzztg." so angenehm von ihm berührt. Herr Whitmann, der Berf. de» ״Kiiserlichen Deutschland" und des ״Reichs der Habsburger" scheint auf seinen Reisen 'durch Deutschland und Oesterreich nur in den antisemitischen Hecknestern geweilt zu chaben und von diesen infiztrt worden zu sein. Berit«. 12. Juni. Bor zweihundert Jahren lebte hiersclbst ein Hofprediger, der merkwürdiger Weffe eine Talmuda u«- gäbe veranstaltete. Die erste hebräische Buchdruckerei in Berlin legte nämlich kein anderer alt der 1696 zum Hofprediger hierher berufene Dr. Daniel JablonSki an. Dieser Geistliche war rin großer Orientalist. MitLeibnitz betrieb er dieErrichtung der S»1 .zietät der Wiffenschasten und wurde Direttor ihre« orientalischen Departement«, -1733 sogar Präses der Sozietät. Die Niederlaffung der Juden in der Mark feit 1671 gab ihm brauchbares Material an Setzern und Leitern, für eine hebräisch« Buchdruckerei. Unter den eingewanderten Juden hatte sich ein ziemliche« litt- »arische» Leben entwickelt. Di« Sabbala-Sckwärmerei war' £& mal» in Berlin groß. Geweckt hatte dieselbe ein grwiffer Jakob, au« Wilna, de« die Brandenburger 1686 bei der Eroberung Ofen» gefangen genommen und nach Berlin gebraiht hatten, wo ihn ' feine Glaubensgenossen aurlSsteu. Er war ein Anhänger de» 1676 gestorbenen Sabatthai Zewi, welcher rl» Mefsia« aufge- , treten mar, und der unter deu Iude« iyeit un r brett Anerkennung r hattL ^kabbalistische Spielerüen »gi en seitdem in Berlin im Schwünge. Zur Krönung 1701 hatte Wolf Simon Brande« dem Könige eine Festschrift gewidmet, inwelcher er durch kadbalifHfdk Zahlenfpielereien nachwie», daß bereit« im einundzwanzigsten Psalm die Erhebung de«׳ Kurhauses Brandenburg zur König-Würde, ja selbst Ott und Tag der Krönung vorausgesagt sei. Der König nahm die Schrift gnädig entgegen und ließ über dieselbe seinen gelehrten Hofprediger ein Gutachten abfassen. Der feine Hofmann drzeichuete die Schrift ״als des Drucke» nicht unwen, zumal der Mann nach dem Genie seiner Nation nicht leicht etwa» Bessere- und Sinnreichere» unserem allergnädigstrn König zu Ehren hätte beibringen können". Selbst der Rabbiner Simon Bcrndt approbirte ein kabbalistische« Werk und nannte e« ״süß und angenehm wie vom Sinai hinabgeflossen". Und einem anderen Kabbalisten, Nechemja Lhajun, her im Jahre 1713 aus Palästina kam. approbirte der Rabbiner Aron Benjamin Wolf ein Werk ״Gotte» Macht", in welchein er die Dreiheit de» göttlichen Wesen« nachwie«. Aron Samuel, Branntweinbrenner und Bierbrauer, schrieb eine Bibel-Concordavz und überreichte sic dem Knrfülsten: Lcvin David, ein Buchdrucker, verfaßte eine hedrä'schc Grannnatik. Von 1697 bis 1734 erschienen in Berlin drei Talmud-Ausgaben, die sine von Dr. JablonSki selbst (1715 bis 1721). Seiner Druckerei, an« der auch ei.1c hebräische Bibel hervorging, standen Leoin David uud Wolf Salomon vor und e« arbeiteten in ihr jüdische Setzer. Stettin. Der Verbandslag der Rabbiner des Nordostens"- hat bei den Wirthen und den Gästen, bei der ()Gemeinde Stettin und den anwesenden Rabbinern die angenehmsten Eindrücke zurückgelassen. Wie er bei solchen Berhandluagen natürlich ist» waren die Debatten ungleich wichttger als die Beschlüsse. Zwei wackere Herren mit ergrauten Haaren und mit jugendlichem Emvnnden, Dr. Hahn-Ztolv und Dr. Goldschmidl-Kolberg. sprachen, der eine über den Talmud, der andere über Religion»- untetticht in herzerftischender Weise. Tr. Rülf, der im kalten Memel für das heiße Palästina schwärmt, der aber auch unter dem Schnee de» Alter« da« glühende Herz träft, dar jeden Augenblick ausiodrrt, sprach über die kürzeste Form, da« Judenthum zu lehren. Ein junger orthodoxer Rabbi au; dem allbckaunten Neustettin, Dr. Hoff mann, machte sich in den Debatten weniger geltend, aber crfteute im Gespräch durch man«h schönen Gedanken und eine bei aller Frömmigkeit oornrthei «freie Anschauung. Die Httren aus Stettin waren von vollendeter Gastlichkeit, aber sic boten noch mehr, sie gewährten das Bild innigen Einvernrhmen«: der Vorstand hat Respcft vor dem Rabbiner, der Rabbiner vor dem Vorstand und beide aus guten Gründen. Herr Samuel, der erste Lorsteder. ist ein klar«, zielbewußrer, beredter Mann der keine Phrase drechselt, der aber auch durch keine Phrasen sich dritten läßt. Den Lesern dieser Zeitung brouchen wir nicht zu ttzählen.daß dieHH. Ungerleidcr, Bamberger. Rippncr und Werner sich wie immer bewährt haben. Dt. Pieck au« Pyritz, Dr. Sil b erstcin au» Elbing und anbtvc Kollegen, auch mehrere . Herren ans Stettin, betheiligten sich lebhaft an dem GedankcnauStausch und Jeder bat bei diesem Tausch« gewonnen. Die Erinnerung an die ftohverlebte Zeit ist da» Köstlichste, doS Jedtt mit nach Hause nahm. Anihen, 19. Juni. (Or^Corr.) HerrRibbinerDr. Jaulu» hat vor einigen Wochen ein neue» Schreiben betreffs de« Jugend- Gottesdienstes an die Ettern dtt Schuljugend hiefign Gemeinde gerichtet. Da dasselbe sich eines guten Erfolge» erfreute, lassen wir es in dtt Hoffnung, daß da» hiesige Vorgehen auch in andtten Gemeinden Nachahmung finden wird, nachstehend folgen. ״Ich habe da» Bedürfuiß, an die Ellern uustttt Schnljugend aus diesem Wege ein Wort fteudigen '.banke», ab« ebenso nn. Wott ernst« Bitte zu richten. Dank dafür, daß die Eltern, überzeugt von d« Wichtigkeit de« seit zwei Jahren in unserer Gemeinde eingerichtete» Jugend- Gottesdienstes, ihre Kind« zum Besuche desselben angehalten haben — eine erfreuliche Tbatsachc. die mich «muthigt, eine Bitte daran zu knüpfen. *) Wir fpbtn üb» denselben ta St, 83 «inrehend berichtet, taffem eber «ch »big« BetrnchviNgen nachträglich «U Lr>>änznn, folgen. (Seb.,;

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