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Israelitische Wochenschrift · 1893-06-23 · 26 (23.6.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
26 (23.6.1893)
Date
1893-06-23
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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lieber de» -l«tise«iti<tm»O. Bon «esare in titln. U. ׳ Doch auch die Juden selbst vermag ich nicht völlig freizusprechen von der Schuld an, Antisemitismus, und da» Beihalten eines. TheileS von ihnen Hai demselben zweifelsohne / Nahrung gegeben. Ich möchte hierbei nicht mißverstanden ^werden. Den Juden ist weder Talent noch Feingefühl ab. .zusprechen, im Gegentheil; aber die durch Jahrhunderte fori» ' dauernde und immer allgemeiner gewordene Gewohnheit der s Juden, sich nahezu ausschließlich dem Handel zu widmen, hat T in ihnen jenen gewissen Grad von Schlauheit (?) und Ueber» . legenheit, sowie jene geringe körperliche Energie hervorgerufen, die, mehr oder weniger, allen Handelsleuten gemein ist. Und da daungebildete Bolk diese Eigenschaften bei den Juden in hervorragender Weise auSgebildet sieht, bennerki eS nicht, daß dieselben allen Kauficuten eigen sind, und hält sie für besondere Merkmale der Juden. Dazu kounnt noch die Häufigkeit der durch die l>ei den Israeliten üblichen Heiraten zwischen Blutsverwandten verursachte Degeneration, die wohl oftmals Genie'S hervorbringt, aber andererseits auch häufig nervöse, skrophulöse oder schwächliche Menschen. Man darf ferner des Umstandes nicht vergessen, in 'welch einem kxdauerlichen, aber auch ekelerregenden Zustande gänzlicher körperlicher Verwahrlosung die armen Juden, besonders im Orient und in Rußland, leben und ihre sonderbare Vorliebe für alle» Alte, sowie ihr in gewisser Hinsicht übertriebener EonservatiSmuS linan denke hiebei nur der mittelalterlichen Gebräuche und Kleidungen der Juden in Spanien und in, Orient und der religiösen Bedeutung, die sie jenem starrköpfigen Festhalten an den alten Gewohnheiten beilegen), welcher mit der bei ihnen fast ebenso häufigen großen Vorliebe für Neuerungen und für fortschrittliche Bestrebungen überaus seltsam eontrastirl. Zu diesem äußerlichen kommt noch der religiöse Konservativismus, der sich nicht auf die Hauptzüge der jüdischen Religion beschränkt, sondern über alle Ntten 'äuSdehnt, die sich längst überlebt haben. So ivie alle Rekigionen mit der Zeit entstellt werden, so hat auch diese uralte Religion auf ihren schönen monotheistischen Äruiidlixien eine Unnienge von rituelle» Gebräuchen aufgehäuft, welchen die Bigotterie viel mehr Bedeutung beilegt, als ihren eigentsichen ethischen Gründungen. Und dadurch, daß diese Gebränche von denjenigen der Völker, in deren Mitte die Juden leben, so sehr abweichen, geben sie selbstverständlich der großen Menge zur Anfeindung Anlaß, insbesondere in Folge der übertriebenen Bedeutung, welche die Juden jenen veralteten Riten beilegen. Schließlich set noch da» anmaßende Auftreten eine» TheileS der Juden erwähnt, eine leicht erklärliche Eigenschaft, dir allen jenen -Erdensöhnen eigen ist, die lange Zeit hindurch geknechtet waren, und die von dein Augenblicke an, da sie freie Menschen geworden sind, das natürliche Bedürfniß fühlen, sich über die Anderen zu erheben, ihre Vorzüge bemerkbar und ihre Ueberlegrnheit geltend zu machen, lei es durch hervorragende GeisteSfähiakeiten, sei r» dilrch Aeußer- ׳tichkeiten aller Art. Diese lassen sie in den Augen ihrer .Mitmenschen widerwärtig erscheinen, weil eben stet» Jene, ,die über die Anderen emporzuragen gewohnt sind, es nicht sehen wollen, daß Andere e« ebenso machen wie sie. Man darf aber nach all den! Gesagten durchaus nicht ^*vergessen, daß diese unsere Brüder, mögen sie uns auch noch '.so antipathisch erscheinen, Menschen sind, die durchaus nicht , znrückgesetzt, noch ungerechlerweise verkannt werden dürfen. ׳ denn sie besitzen auch seltene Eigenschaften, . die ihren Mit- «enschea schon so manchen Bortheil brachten, und ihr Ehaist in Folge der steten Verfolgung -׳läutert und ge¬ .i. »- .. stählt worden. See brachten uns trotz ihres lächerlich übertriebenen prähistorischen ConsrrvatiSmuS, Dank der durch die Verfolgungen erlangten u׳rd durch die Ehen zwischen Blut»- verwandten übertragenen Neurosen, als Früchte ihrer sehr eifrigen intellecluellen Beschäftigungen, wahrhaft geniale Schöpfungen und Neuerungen. ©te haben unS den M osaiSmuS gegeben, der zu jenen Zeiten vollkommen genannt werden konnte, da- Lhristenthum, das, wie man nicht übersehen darf, die Theorien unserer Socialisten bedeutend beschleunig», ja sogar überrroffen hätte, wenn dessen Lehren iin strengen Sinne befolgt und angewendet worden wären, und endlich den SocialiSmuS. Wir finden unter de« Israeliten berühmte Politiker und Sociologen, wie Marx, Lassalle, D iSraeli. In der Philosophie haben wir ferner Spin o z a, in der Dichtkunst Heine, in der Musik H alövy, Meqerbeer, Mendelssohn, Bizet, in der Medicin EaSper, Schiff, Valentin, Traube, Fränkel, Eohnhein» u. s. w. Wir finden, kurz gesagt, unter den Jit'oen eine verhältnißmäßig höhere Anzahl von intellecluellen Schöpfern, als unter den Völkern, in deren Mitte sie leben. Wie diese Ueberlegenheit entstanden ist, habe ich in ineinem Werke ״kenmero e meteore“ dargethan. Einige der Ursachen seien hier genannt: die klimatischen Einf l ü s s e, hervorgerufen durch die Uebersiedelung von einem Lande in da« andere: die Verfolgungen und Unter« drückungen, welchen gar bald alle Jene zum Opfer fielen» die nicht kräftig und klug geuug waren; die durch geistige Ueberarbeit hervorgedrachte Neurose, welche zur Folge hatte, daß so überaus zahlreiche Juden dem Irrsinn versielen. Hierüber möchte ich einige Worte sagen: Die Zahl der irrsinnigen Israeliten übersteigt diejenige ihrer katholischen Mitbürger im Durchschnitte um das Dreifache, in vielen Gegenden sogar um das Sechsfache. In den Irrenhäusern Bayern« beispielsweise kominen 10 Wahnsinnige auf 10,000 Ehristen, während sich das Verhältniß bei den Juden ivie 2b zu 10,000 stellt. Diese» Mißverhältniß wird uni so sonderbarer erscheinen, wenn man bedenkt, daß, wenn auch die Semiten zumeist ein hohes Alter erreichen, in welchem der so häufig zum Wahnsinn führende geisfige Verfall vorherrscht, andererseits bei ihnen die Alkoholisten äußerst selten sind. Aller dieser traurigen, fatalen Umstände haken die Äoryphäen des AniisemitiSmnS — eine Schmach für das gegenwäriige deutsche Reich — sicherlich nicht gedachi, als sie die Verfolgung der Semiten mit Feuereifer predigten. Sie hätten doch sonst kaum diesem armen Volke seine Erfolge mißgönnt und über dieselben gezetert, wenn sie bedacht hätten, uiit wie viel Elend und Unbill eS seine Errungenschaften noch heuttgen Tage» bezahlen muß, der tragischen Begebenheiten vergangener Zeiten gar nicht zu gedenken, während welcher rS ohne Blut» vergießen nienials abging. Trotzdem aber waren die alten Juden nicht unglücklicher und beklaaenSweriher als ihre Rachkommen von heute, die ihre ruhmyaften geistig-:» Errungenschäften, um dieser selbst willen, auf so schwer-- und furchtbare Weise büßen muffen, ohne die schöne Genugthuung, wie zu jenen Zeiten, durch ihre Opfer zu den edelsten aller Selectionen unter den Racca beigetragen zu haben. Wenn ich mir vergegenwärtige, welch sonderbare Früchte der AntisrniitiSinu« in zivilisirten Ländern zeigt — ich erwähne nur das Vorurtheil, welches den hervorragende» jüdischen Medicinern in Deutschland verbietet, Ordinarien zu werden, blo» weil sie semitischer Abstammung sind, gleichsam als gäbe eS eine hebräische und eine protestantrcheS Eellular» Theorie, oder als ergäbe das Secirmeffrr eine» Juden ein anderes anatomische» Resultat als dasjenige ,fine» Lhriste» — so frage ich mich unwillkürlicks, ob wir denn auch wÄlich schon über da» Mittelalter hinaus sind oder ob viele unserer Gebräuche nicht barbarischer find aU die Gebräuche der damaligen Zeit. ■üfn; ,

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