Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 25 (16.7.1893)
- Date
- 1893-07-16
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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«Saat fein «tat; unter Sötte» gntoigtm Beistand« in treuer!'׳ftmeinschaft M. einander sich Noch recht lange eine» glückliche» Aid ulmedenen Leben»ad«ad» zu erfreuen. Ein« Deputation der stüdtqchen Behörden begleitete den Herrn Bürgermeister, der gleichzeitig im Namen der Bürgerschaft dem Jubelpaare die herzlichsten «segenSwüasche l>arbrachtc. Der älteste Sohn de» Jubelpaare» danke im Nam:u seiner Eltern und brachte «in Hoch auf den Kaiser au», in da» alle Bersammelten begeistert einßinmiten. Um 12 Ute erschien eine Deputation der Stettiner Schützengild^ deren langjährige» Mitglied und Schützenkönig de» Jahre» 1817 Herr Kunstmaim war. Dieselbe überreichte nebst den heylichsten Glückwünschen ein koi'tbar auSgeftattete» Diplom. Luch der Stettiuer Magistrat hatte Herrn Knnftmann, der in der dortigen städtischen Verwaltung jabrelang rhätig war. durch ein Schreiben beglückwünscht. Köstliche Blumen-Arrangemrnt». eine große Anzahl Depeschen und briefliche Gratulationen vervollständigten den Kranz der Ehrenbezeugungen, die dem Jubelpaare dargebracht wurden. Um 4 Uhr fand eine Familientafel statt, an der von 7 Kindern, A Enkeln und 7 Urenkeln eine große Anzahl Thal nahmen. Der Jubelgreis verfehlt kotz seine» Alter» nie. >mch im 2 'ater bei der strengsten Kälte, da» Gotteshaus zu besuchen Möge ein heiterer und zufriedener Lebensabend dem Jubelpaare beschieden sein! rtwttgart. S. Juni. <Org-Eor.) DaS iSraelitischeWmsen- Haus .Wilhelmspflege" in Eßlingen hat in dieser Woche seinen Rechenschaftsbericht pro 1. April 1892/98 veröffentlicht. Am 30. Oktober v. I. waren es 50 Jahre, daß diese Anstalt eröffnet wurde. Die Feier de» 25jährigen RegierungSjubiläum» Königs Wilhelms l. <1841) hatte dir Anregung hinzugegeben. Diese JubiläumSfeier wurde in der Anstalt festlich begangen Der Anstalt wurden wieder recht viele und reiche Gaben zugewendet, nämlich 4006 Mark Legale und Stiftungen, 10900 Mark Spenden und Beiträge. so das; das Bereinsvermögen jetzt 332236 Mark deträgt. Die Anstalt, an der auch die israelittschen Zöglinge des Lehrerseminars und der Vrägarandenanstalt in Eßlingen beköstigt werden, beherbergt jetzt 31 Pfleglinge. Unter den württembergischen Reichstaaskandidaten find auch die von der anttjemittschen Partei aufgestellten Herren Rübling <1. Wahlkreis: Stuttgart» und Oekonom Lang <5. Wahlkeis: Eßlingen). Letzterer ist au» Mangel an Unterstützung wieder zürückgetteten. Srsterer, der Verleger der in Ulm erscheinenden antisemitischen Schnellvosr. hielt letzten Montag hier eine Wahl- Versammlung, die einen »ehr tulmuluarischen Verlauf nahm, da der größte Theil der Bersammelten Gegner des Candidaten, namentlich Sozialdemokarrn waren: auch Israeliten waren stark vertreten. Unter den Herren, die Nüdling entgeaenttaten, waren auch Rabbiner Dr. Grün und Herr Gum bei aus H e i l b r o n n- Ter Erfolg des Candidaten dürfte ein sehr keiner sein. keAerreich-Uagaru. Budapest. Der ungarisch-israelitische Handwerks- und Ackerbauverein hielt seine 50. ordentliche Generalversammlung ab, der unter anderen auch der Director der StaalS-Gewerbemittelschule, königl. Rcth Karl H e g e d ü S, und der Präsident der Chrwra Kadischa Carl Reu » z, anwohnten. Der Vorsitzende Reichstags-Abgeorvneter Dr. Armin N e u m a n n gedachte des balbdundertjährigrn Bestandes des Vereines, deffen Jubelfeier im Laufe des Jahres festlich begangen werden soll. Diese Feier soll Bleibendes schaffen: der Verein schreitet an die Errichtung eines Asyls, dass seinen Zöglingen ein Heim bilden wird. Dies' ist durch die Munist:enz der Prster Chrwra Kadischa ermöglicht worden und hierfür kann derselben nicht warm genug gedankt werden. Der Vorsitzende theilt mit, daß die Chrwra Kadischa ihr altes Siechenhaus zur Umgestaltung in ein ,LehrlingSheim* um oen ermäßigten Preis von fl. 25 000 dem Vereine überlaffen hat, wo» mit Tank zu: Kenntnis -genommen wurde. Aus der Reibe der ehemaligen Zöglinge des Vereines rrhietten drei angehende Meister »ein Tiichler, ein Kunstdrechsler und ein Bildhauer) be- Huf» ihrer Etablirimg Stipendien von 300 bis 500 ff. — 20 Handwerkszöglinge wurden fteigesprochen (darunter befindet sich ein rusfischer Jünglin,», welcher bereits ein vollkommener Ungar geworden ist). 37 Zöglinge, darunter vier Taubstumme, wurden prämiin. Bevor jedoch der Vorsitzende die Sitzung schloß, danke er dem anwesenden Ehrenmitgüede königl. Rath Hegedüs für dessen Sympathien, die er in so reichem Maße dem Vereine zugewendet. Tirectcr HegehüS erwiderte, daß er es zu würdigen wisse, was dieser Verein leiste und cs bereite ihm stets eine aufrichtet Freude, Augenzeuge seine» segensreichen Wirkens können. Offen bekenne er es, daß e» keinen Privatvcrriu gieß ,welcher zur Sntwikung der vaterländischen Industrie in ftT intensiver Weise beiträgt, als eben dieser. Er wünscht nick sehnlicher, al» daß bei allen Confefsionen ähnlich« ein« entstehen sollten, auf daß sich der Wettstreit der Confessivne Mo» auf da» Gebiet des Wissen» und der Arbeit beschränk^ möge! Dem Jahresbericht pro 1802 entnehmen wir die folgend« Daten: Die Zahl der VereinSmitglieder hat sich auf 1216 erhöht^ welche 5119 fl. 50 fr. an JahresbeittSgen entrichteten. Da» Set* mögen de» Vereines hat die Höhe von 59586 fl. 90'kr. er Mit der materiellen Zunahme des Vereine» erhöhte sich auch deffen Thätigkrit, so daß im abgelaufenen Jahre 377 Handwerks^ Zöglinge und 30 Stipendisten an der Staats-Gewerbemittelschule und an der Ackerbauschule, somit zusammen 397 Knaben der Wohlthaten des Vereine« theilhaftig wurden. Im.abgelaufen«׳ Jahre wurden 66 Lehrlinge fteigesprochen. Au» dem Lermächtniffe weiland Moriz Wahrmann'» find dem Vereine 5000 fl. Sttpendienftistung zu Gunsten solcher Zöglinge, welche die Staats». Gewerbemittelschule besuchen, zugekommen. Noch wollen wir bt> merken, daß die schön arrangierte Ausstellung der Lehrlingrqp» beiten sich eines zahlreichen Besuche» und großen Beifalles zu erfteuen hatte. Kratekreich. Paris. Am 27. v. M. hielt der Dichter LhgrleA' Marie e vor einem zahlreichen christlichen und jüdischen Aadi» torium eine Lorlesung ״lieber da» Judenthum". Der Borwagende ist au» Lyon, aus streng katholischer Familie, deffen Vater da» Haupt der katholischen Partei seiner Vaterstadt iß. Der Redner widerlegt glle Angriffe der Anttsemiten mär führt zum Beweise der Vaterlandsliebe der Juden an. daß 18TL 60,000 Juden Elsaß-Lothringen verlassen. Der Krieg, den mqndem Kapital überhaupt macht, kann da» Judenthum nur in zweit« Linie berühren, denn dir Mehrzahl der Juden ist a r m. Werts man die Juden zu vernichten sucht, dann ist immer da» Kapital ncch nicht vernichtet, sondern man vermehrt dasjenige seiner Kon» kurrenten, der Katholiken und Protestanten, unv dann ist die Ge»' fahr noch immer dieselbe. Man tödtet keine Raffe und keine Ro» tigion, die müssen eines natürlichen Tode» sterben. Das Mittel»' alter hat den Beweis geliefert, daß man durch Verfolgung nur die Religion stärkt. Mit dem Verschwinden der Juden würde die Menschheit einen unersetzlichen Verlust erleiden. Der Jude ist und bleibt der Sohn seines Lande», der ftanzösische Jude iß Franzose, der russische ist Ruffe. Die Anthropologie belehrt uns, daß;ede in ein andere» Klima verpflanzte Raffe ihren Ursprünge lichen Charakter verliert und den neuen annimmt. Diese Per» sckmelzung, dieses Eingehen des Judenthum» in alle Kulturen ist vom höchsten Interesse für die MenschhttL Diese Raffe bringt dem gemeinsamen Patrimonium settene uaA kostbare Gaben: zunächst die bewunderungswürdige Energie, welche, ihm gestattet, ohne Vaterland al« die geistige Heimat seiner Religion allen Verfolgungen z» kotzen: seine erleuchtete Intelligenz undsM Ideal reinster unbeugsamer Gerechttgkeit, Eigenschaften, die nöchm und erforderlich ׳find, um den Jhealismus und da» Ideal »et Liebe der arischen Raffe zu ergänzen. — Reichlicher Beifall lohnte' die formvollendete und geistreiche Art de» Vorttag». Paris. Da» ״Journal officiel" veröffentlicht da»B«rwab» tungSreglement für die jüdischen Gemeinden Frankreich«, «elche» die Aufstellung der Budget» und da» Rechnungswesen' regelt. Da» Gesetz trägt die Unterschrift dr» Präsidenten der Republik, sowie de» Cuttusund Ainanzminister». V -- Im Alter von 72 Jahren starb hier der Hauptmaaa der Gendarmerie, Samuel, Ritter der Ehrenlegion. Derselbe ist in Bußendorf (Lothringen) geboren, war ursprünglich zur Theologie bestimmt und besuchte die Rabbinerschule in Metz; später schlug er dir Militärlanfbahu ein und nach den Altersgrenze erhielt er einen Vertrauensposten bei der Eisen» baknverwaltnng in Verdun, Reim» und Valenrienne«: der» selbe war ein ein eifriger und gelehrter Anhänger der jüdisches Religion. Uawlaahe. Beim Empfange der Behörden durch Ministerpräsideuten, Herrn Dupuy, Minister de» Innern, der in Begleitung seiger zwei Collegen den Süden bereift, sa