Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 25 (16.7.1893)
- Date
- 1893-07-16
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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,rchie geht un» daher gar nichts an; wir fühlen uns hier als vollberechtigte, In allen Stücken gleichgestellte Staat*• bürger und als treue Söhne der argent. ReMblik. Bon poputschen Unruhen, Aufruhr und Umsturzgedanken kann na- " turlich bei uns nie die Rede sein. Was die religiösen Berhältniße anlaugt, so herrscht auch nach dieser Richtung hin die huinanste Gleichberech» Suug für alle Confestionen; hier giebt eS thatsächlich rtm Unterschied zwischen Mensch und Mensch. In Glaubenslachen kann Jeder thun und lassen was er will; es giebt keinen Zwang und keine Zurücksetzung seitens der Andersgläubigen. Rur der Gottlose und Schlechte ist allgemein verachtet und verstoßen — wer aber seinen! Gotte treu dient, in seinen Wegen wandelt, betet und arbeitet — de!» leuchtet stets die Sonne der Freiheit und Gleichheit, Heil und Frieden in ihren Fittigen bergend, wie es einst untere Propheten im Rainen GotteS allen Menschen verkündeten". - .Bericht? und Korrespondenzen. Deutschland. Magdevurg» 12. Juni. Zu dem in vor Rr. unter ״Berlstt" mitgetheilten Fall betr. die Lxhumirung des todigeborenen -indes des Herrn Prof. Falk wird uns noch aus 'Berlin grschriebeit, daß die »indeSleiche schon vor ca. 20 Jahren beigesetzt wurde. Herr F. sollte als Arzt und GerichtSphysikuS nicht auf einer Exhumirung bestehen, wo nichts mehr zu exhumiren ist. Ein Arzt meinte, das ganze sei nicht mehr ״normal". Andrerseits sollte man sich seitens de» Borstandes und Radbinats nicht auf einen rigorosen Standpunkt stellen, sondern jedem Bater das volle Berfügungsrecht über die Leiche resp. Asche seines »indes überlassen. In solchhumaner Weise verfährt die hies. Brerdigung»-Gesellschaft stet» im Einklang mit dem Rabbiner. Ree» a. Rhein. 5. Juni. (Or.-Lorr.) Für Tiejenigen, welche vielleicht früher oder später in die Lage kommen sollten, einen antisemitischen Hetzapostel über die Eleiuente der jüdischen Morallehre ausklären zu müssen, dürfte folgende den! Buche: ״Geschichte der Völker des Erdbodens rc., aus dem Französischen des Herrn C. Dorville, Hof u. Leipzig 1775, Bd. III S. 519" buchstäblich entnommene Stelle nicht ohne Interesse sein:' ,Was die Aufrichtigkeit anbetrifft, so ist das Gesetz Most» in Betracht derselben sehr deutlich: bas Gesetz der T radition nicht weniger und die alten Rabbiner stimmen in diesem Artikel miteinander vollkommen überein. Man muß niemanden betrügen, er sei auch, wer er wolle. Die Lehrer der Juden aber find weiter gegangen, und'haben geschrieben: e» sei eine viel größere Sünde, einen, welcher kein Jude ist, zu betrügen, als einen wirklichen Juden: nicht nur deswegen, weil es an sich schändlich, sondern auch das Aergenüs größer ist. Dieses ist diejenige Sünde, die sie Chillul «c«m (Huchem) nennen, welches so viel heißt, als den Namen Gotte» entheiligen. Wenn man also von einem Juden bewogen wird, so ist diese» nur da» Berbrechen eine» Einzelnen und nicht de» ganzen Volkes." Diese Worte eines christlichen Gelehrten des vorigen Jahrhunderts verdienten allen antisemitischen Hetzaposteln zum Memoriren empfohlen zu werden. g Breslau. 6. Juni. (Org. (ior.) Da Sie, geehrter Herr Doctor. die Freundlichkeit hatten, mir die dem 11. Jalwcsbexicht über die Lehranstalt (Hochschule) für die Wissenschaft dr« Indent hums in Berlin beigegebene wiffenschastliche Arbeit des nm die Literatm der Saanenperiode hochverdienten Dr. Joel Müller (die Resvonsen des R. Meallam, Sohn d«S -alonymu») zm Durchsicht zu überlassen, ich nicht verfehlen, Ihren Lesern in aller Kürze ein Bild der . ~ ' 'י י - . aft bedeutsamen Mannes, in ehren voller Erinnerung gee» kaum möglich sein Würste, einen würdigen Nach- :lehrte»' Jfen Lacht. . . . _ •folqfr de» gründlichen, populären Gelehrttn der Anstalt zu geben, wird sich da» Smatormm vielleicht zu einer zweckmemichen »Lmgeftaltuna de» Lehrpläne» in der Weise verstehen, daß Herr Pr. Mitller die jüdische Geschichte vom Abschlüsse de» Talmud», pme ja oboehin zum großen. Thrile. Gegmtzand seiner Unter¬ Hungen und Arbeiten ist, in den -reis seiner Lorlesuna " skachfolger des seligen Dr. Cassel außer während der eventuelle . der alten Geschichte besonder« die wissenschaftliche «e- Handlung der talmudischen Themate neben hebräischer Grammatik, Exegese, Masora, Midrasch zu pflegen hätte. Ist doch dieselbe nicht allein durch das soziale Leben, sondern auch durch die ' " ' ~ "־ 'r"tt und christlicher Gelehnen zu - hebräischer ätte. Ist d xrn auch d vielfache Anregung jüdischer und christlicher Gelehnen zu einem wichtigen Faeror m der Ausbildung jüdischer Gelehtten geworden. — Seit dem Sevtember v. I. hat die Anstalt, we che ,etzt auch :inen Jahreszuschuß von 9000 Mk. von der Berlinei׳ Geme jält, ihre Lebrräume im Bordrrhause der Synagoge in der traße auszuschlagen, wo auch die aus ca. 10M) Bänd« rsz,. ,ende Bibliothek zweckmäßig statt balaneirt in Ei,inahme i Kassenbestand 6009,75 Mk. (Bestand 2823 Mk.,. Als k.von der Berlinei Gemeinde er- Linden- Bänden besteaufgestellt ist. Der Etat der An- und Ausgabe mit 25^62^10 Mk. der Stivendienfonds mit 7419 Mk. ,eweise hochherziger Tbeilnahme bat die Anstalt Zuwendungen zum eisernen «>onds in Höhe von 3120 Mark, zu den lautenden Ausgaben i. H. von 4450 Mk. erfahren. Im nächsten Jahresbericht sollen inzwischen hinzugekommen. Zuwendungen 1. -tzvan 1500 Mk., sowie voraussichtlich eine solche testamentarisch binterlassene verrechnet werden. — Die Zahl der Hörer der Anstatt bettug im verfloffenr» Sommer-Semcstcr 41 (20 Deutsche und 21 Ausländer), im Linter-Semcfter 31 <16 Deutsche nnd 15 Ausländer), sämmtliche Hi rer hatten da» Abitmientenexamen abgelegt. Bon den im v. I entlassenen 3 Hörern haben zwei bereitansehnliche Rabbinate erhalten, während der dritte ein solches einstweilen verttetungsweise verwaltet. Auch die beiden Preisfragen über den zioeiten Feiertag und dir Orgelfraae wurden (von den Herren Dr.!!l. K a m i n k a und caud. phil. M. I o s c v h» gelöst und an dieselben die von Frau Stadtrath Nanuy Meyer gestifteten P:eise (3ö0, refp. LO Mk., oertheill. Auch sonst hat die sich zu immer größerem Ansehen emvorarbeitende junge Anstalt mehrfache Schenkungen in Geld und Büchern erfahren. Möge sie weiter m. G. vblühen und gedeihen. — Dem Berichte ist die meisterhafte siede des Herrn Rabbiners Dr- M a y b a u m, der an der Anstalt al» Lehrer der Homiletik wirkt, beigegeben. (Eine Besvrechurg der Arbeit von Dr. Müller hoffen wir demnächst im ״Jiid Lit.-Bl." bringen zu können. Die Redaktion., Hi. Lüneburg» 9. Juni. (Lrg^Cor.) In dem achte» Jahresbericht üvec die Thätigkeit des Thierschuv-Vcreins zu Lünebürg im Jahre 1892, erstattet von Vorsitzender H. Reinicke, findet sich folgende Stelle, die bei der heutigen Agitation gegen das Schächten dervoegehoben zu werden verdienr: ״Am 1. Oktober wurde unser mit allen E nrichtungen der Neuzeit ausgestattetes Schlachthaus eröffnet: die Schlachtordnung schrieb auch die von uns gewünschte erstrebte Betäubung des Schlachwiehes durch den Kleinschmied'schen Sylaabolzen und durch «chlachtmaSke vor. Wen die Schuld nun ttifft, daß die Betäubung des Viebes nicht gelingen will, vielmehr zur wirklichen Thierquälerei ausartet, ob böser Wille und Unkenntniß von Seiten der Schlachter, oder Unlauglichkeit der Instrumente dazu beittagen, sind wir nicht im Stande zu entscheiden, wollen auch darüber nicht urtheilen, hoffen aber, daß die betreffenden Behörden, die es zunächst angcht, darüber ein wachsames Auge führen werde. Am 12. November richtete der Verein zu Eelle an den Herrn Regierungsprästdenten ein Gesuch um eine Verordnung für den feit» dasselbe zu unterstützen. Auf unsere Bittchrist ging uns aber unter dem 8. Deeember die ablehnende Antwort zu, daß bei den Verhandlungen, welche in dieser Angelet:enhcit vor etwa JabrrSfrist veranlaßt worden, erhebliche Bedenken gegen die Zweckmäßigkeit der in benachbarten Regierunzsbezirken beste-- henden polizeilichen Vorschriften dieser Art erhoben worden seien. Insbesondere sei damals bezweifelt worden, ob nicht durch die von ungeübten Schlägern gemachten Betäubungsversuche eine gleichgroße Mißhandlung heroeigefuhrt werde, wie sie heutzutage beim Schlachten ohne vorgängige Betäubung Vorkommen könne- — Die Antwort fiel so au», wie wir sie bei den hierorts Herrschenden Borfällen und Mihständen nur erwarten konnten. So weit der Jahresbericht de» hiesigen Thierschutz-Berein». Aus eigener Wahrnehmung kann ich nur bezeugen, daß häufig, namentlich wenn der Geselle nicht sehr stark ist. 2 bis 3 Schläge geführt werden müssen, seltener 5 bis 6 (besonder» bei Bullen) ehe da» Thier »um Niederstüezen kommt. AlngerMiusde i. Pomm. Da» Rentier Ikunftmann'scht Ehevaar Hierselbst feierte jüngst das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Der Jubelbräutigam steht tat 98״ die Jubelbraut im 83. Lebensjahre. Außer zahlreichen anderen Glückwünschen überbrachte Herr Bürgermeister Robenhorß im Allerl öchsten Aufträge die Glückwünsche Sr. Majestät de» Kaiser», f»:vu die goldene 1 EhejudiläumS-MeLoille mit dem in der Kabme>»-Ordre au»gefprochenen Wunsche, daß e» dem Jubilar und feiner Gattin kt»