Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 25 (16.7.1893)
- Date
- 1893-07-16
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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die Colonisten und besonders einige Individuen, deren Ra» inen ungenannt t>leiben müden, entgegensteüten. Die Colonie Mauricro steht unter einem Lberauiseher und ist in 2 Distrikte, Algarobbo und Alice, eingetherlt. Jeder Distrikt besteht aus Sektionen, deren jede eine Anzahl Bereinigungen vor je 7 bis 15 Häuser hat. Maurici o hat einen Flächeitinhalt von ungefähr 10 Q Meilen, wovon 7 zum Ackerbau und die übrigen größtenteils zur Viehzucht sich eignen. Angesichte der bedeutenden Schwierigkeiten, welche zu überwinden waren, konnte die vollständige Einrichtung erst vor 2 oder 3 Monaten zum Abschluß gebracht werden. 320 Familien, haben jetzt einen geordneten Haus» stand. Die ersten Colonisten haben bereits eine Weizenernte uo:11000 Acres nud einen noch größeren Ertrag an Mais eingebracht. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird im nächsten Jahre die Weizencrnte einen sehr reichlichen Ertrag ergeben, wenn nur die Zeit erlaubt, ein gröberes Areal in Bearbeiiung nehmen zu können. Für die 300 Familien in Moisesville reichte das zum Ackerbau geeignete Land nicht aus und mußten daher 200 Familien nach Entre Rios übersiedeln. Zu diesen gehören 40 jüdische Familien aus Beßarabien. welche jetzt E a r m e l in de! Colonie Clara mit dem besten Erfolg bebauen. Der Wasservorrat in MoiseSville ist reichlich und die 70 Familien der Colonie arbeiten unter der Leitung. eines selbstgewählten Comitees, dein ein Buchführer anachirt ist. In M i n i g o t e s (einige Meilen von Moisesville) konnten 3 Colonistenfamilien, deren Ernte durch Heuschrecken fast gänzlich vernichtet wurde, die Landpacht nicht bezahlen und wendeten sich dieserhalb um Unterstützung an Lberst Goldschmid. Aut dessen Intervention kaufte der Colonisations- Berein daS Land an und half den Colonisten. daß diese den spärlichen Rest der Ernte noch einbringen konnten. 20 andere Familien in Minigotes, welche aller Mittel baar, es zu keinem Erfolge bringen konnten, hatte der Berein schon früher Farmen in der Colonie Clara angewiesen: diese wohnen jetzt in der Gruppe Miguel, welche einen vorzüglichen Humusboden von 1 m Ticke hat. Tie Colonisten in Entre Rios sind hauptsächlich von Mcisesville dorthin überwicsenc und vor 10! Jahren aus Constannnopel eingewanderte Familien. Bon Letzteren hat Oberst G. ke.nc hohe Meinung, da sie in religiöser Beziehung äußerst sa na tisch sind. Die Colonie hatte in diesem Jadre durch Dürre und Heuschrecken sehr zu leiden. Letztere haben schon 4 Jahre nacheinander große Verheerungen angerichtet. Oft verstreichen aber auch 10 oder 12 Jahre, ohne daß diese unheimlichen Gästesich blicken lassen. Herr Ke» gan erhielt von Lberst G. den Auftrag, Entre Rios in Gemeinschaften (commnnes) unter eigener Verwaltung einzutheilen. Zu diesem Zwecke müßte aber jede Gemeinschüft erst vollständig eingerichtet werden können, was vorläufig noch an der Schwierigkeit scheitern dürfte, welche die Ausrüstung jeder Familie mit 8 Zugochsen, 2 Kühen, 2 Pferden, dem nöthigen Ackergerät, Pferdegeschirr, Wagen, und was die Hauptsache ist. einem Wohuhause. im Gefolge haben würde. Die Colonie E l a r a hat 30 — 40 Wohnhäuser in einer durchschnitlichen Entfernung von 125 m. In Carmel liegen die Häuser an beiden Seiten des LeniralwegeS und haben Gärten und Wiesen in der Nähe. In Rachel, I d a, (nach Mrs. Goldschmid so benannt) Baron Hirsch, Miguel, Rosch Pinna liegen die Häuser an beiden Seilen einer Wiese von 1000 Meter in Umfang mit einem sie dnrchschneidenden Bache mit einem Wasserbassin in der Mitte. DaS Klima in den Kolonien ist vortrefilich, ebenso der Gesundheitszustand der Colonisten. In San Antonio, har in 15 Momnen unter 100 Familien sich kein einziger' und in C l a r a haben sich unter 300 Familien in demselben Zeiträume nur 2 oder 3 Sterbekälle (einschließlich Säuglinge) zugelragen. ף־ Was die Zukunft betrifft, so hält Oberst Goldschmidt dafür, daß ( sich über diese noch kein Urteil fällen läßt, bis alle Colonien voll» ständig eingerichtet sein werden. Biele der Colonisten, welche >}' früher die größten Schwierigkeiten bereiteten, sind jetzt die fleißigsten Arbeiter. Voraussichtlich werden diese es auch zu etwas bringen. — lieber oie Fortführung des ganzen Colonisations- Werkes conserirt Oberst G. jetzt uiit dein Baron v. Hirsch. — Dem Privat briet eines argentinischen jnd. Kolonisten Jsrael David Fingern! an 1!*> entnehmen wir noch Folgendes: »Heber ein Jahr ist berri.s verflossen, scitdein wir uns hierselbst niedergelassen und in der neuen liebgeivordenen i Heimath uns häuslich' eingerichtet haben- Das Klinia ist ׳', vortrrfflich, die Luft sehr rein, kräftigend und erfri'chend, so . daß unser Gesundheitszustand nichts zu wünschen übrig läßt. . ij In den meisten Kolonien, welch« in A n to n i o ansässig, ist seit? Pessach vorigen Jahres Gottlob noch kein einziger Todesfall vorgekommen. Rur in Rosch Pinna ha« sich neulich ein beklagenswerteS Unglück erreignet: ein junger Man», der bereits in Rußland an Epilepsie schwer litt, wurde gerade von furchtbaren Kräinpfen heimgesucht, als er auf einein feurigen Pferde rltt, so daß er zur Erde stürzte und aus der stelle leider todt liegen blieb. In unserer Riederlassung :. allein wurden im Lause dieies Jahres 18 Kinder geboren, die voraussichtlich einer schöner», verheißungsreichen Zukunft entgegengehen, als wenn sie in Rußland das Licht — oder richtiger die Finsterniß der Welt erblickt hätten. - : DaS hiesige Klima ist ganz besonderfür Brustkranke und Lungelneidende günstig und heilbringend. Auch ■) ich. der ich fieberkrank und schwach das heil. Land verlassen hatte, so daß die bedeutendsten Aerzte in Consta«- tinopel mich für unheilbar erklärten, fand hier voll- ״־.: kommene Genesung und bin vollständig wieder hergestellt.׳ > Dir Cholera, die hin und wieder in Südanierika und andern Theilen auftritt, bleibt fern von uns und hat in diesen Pro-; vinzen noch niemals graßirt. Der Boden ist vorzüglich, fett und sehr fruchtbar: er ist pechschwarz bis zur Tiefe von 1 Meter. Es dkdeihen hier ebensogut sämnitliche Arten von Erd- und Feldfrüchten, als auch Datteln, Feigen, Weingärten und sämmtliche Bau»- ׳ fruchte. Mit dein Anbau von Tabak haben wir ebenfalls ׳) begonnen und verspricht de! Erfolg ein sehr günstiger zu י werden. In unserer nächsten Umgebung befinden sich zahlreiche Waldungen und fischreiche Flüsse — mit einem Wort: cS ist ein reich gesegnetes, schönes Land in jeder Hinsicht. Und י dennoch wird auch uns, wie keinem Sterblichen, des Leben- £ ungetrübte Freude leider nicht zutheil! Der gefährlichste Feind '׳’ der Feldfrüchte und Saaten, die Heuschrecken, richteten auch in \ unsern Gärten furchbare Verwüstungen an; doch hoffen wir, daß es uns niit der Zeit vielleicht gelingen wird, uns vor ׳ dieser Plage zu schützen. Gegenwärtig beginnt hier die Wintersjj zeit, die aber hier nicht wie in Europa durch Schneestürme und -4 Eis sich zu erkennen giebt. Wir arbeiten daher ununter- -4 brachen das ganze Jahr hindurch in den Gärten wie auf \ dem Felde. Jetzt (ini Monat Mai) sind wir alle am meisten 4 mit Feldarbeiten überhäuft; jeder von uns besitzt vier Paar 3 starke Ochsen zur Arbeit. '3 Die Bevölkerung ist sehr friedlich und gemüthlich; die H meisten sind Spanier, Italiener, Franzosen und Deutsche. 4 Die großmüthigen Indianer sind meistens Arbeiter und Tage- Ä lvhner; eigentliche Wilde giebt es hier nicht. Strenge aber 4 gerechte Richter und GesetzeS-Wächter halten die Ordnung j aufrecht und sorgen für Recht und Gerechtigkeit. Selbst die Schrecken der Revolution beunruhigen unsW nicht im geringsten, da unsere Brüder sich bekanntlich wenigM oder gar nicht um politische Angelegenheiten kümmern. DieW *)No« de» Heb ritsche« übersetzt »cm >» Zadeck.