Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 25 (16.7.1893)
- Date
- 1893-07-16
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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ttfctrum arbeitet die evaugelische AWön mit Hochdruck und Aufwand von großen Geldmitteln, um eiuiae Misch« Seelen — deren Verth in einen schreienden Miß» vnhältniß zu den an sie verschwendeten Mitteln und Mlchen steht — zu fäujen, waS dann uxdi et ordt mit dem Heberreugungrton einer heiligen That hinauspusaunt wird? Wozu die welmmsassende Thäügkeil der oongregeUo de Propaganda fide de- KathosiciSmus für solch unlohnenden, jedenfalls zweifelhaften Gewinn? Heine ist doch mit ״voller Uebrrzeuguug" Christ geworden, wie der ihn raufende Prediger ins Piotokollbuch eintrug; er war demnach ein gläubiger Protestant, wenn er auch seine Gläubigkeit nur dem Geoaraphre-Lehr« S> apoleonS verdankte, welcher diesem nicht gesagt hat, ״daß rS zu Moskau im Minier sehr kalt ist", — Paris wäre ihm auch noch eine Messe werth gewesen, er gravitirt vermöge dieses Bekenntnissein'S Katholische; für das Judenthum aber hat er nichts übrig, auch iri!« gar nichts, wie kommt der Berf. dazu, ihn in unsere Tasche zu stecken, und un» de»! Diebstahls zu berichtigen? Allerdings will der Berf. den jüdischen Freunden — nicht des Menschen, sondern: des deutschen Dichters Heine — das Auge öffnen und ihnen zeigen, daß di,׳ Berdienste Heine'» umS Judenthum auf derselben Stufe ständen, als die Ahlwakdts. Schon recht, aber unsere Glaub:nsgemeinschaft hat mit den Thaten Einzelner gar nichts zu schaffen, und die . Willensäußerungen der einzelnen Individuen im bürgerlichen und staatlichen Leben find ihnen nicht von der Religion dienri; nicht Mes, was ein Jude thut, tjut er als ,,Jude", die gebildeten Christen sollten doch endlich 1 uterschciden lernen, daß genau so wie nicht alle Christen immer christlich zu .. Werke gehen, auch nicht Alles was ein Jude unternimmt, eo ipso fpeciftsch jüdisch ist. Ter Vergleich zwischen Heine und Ahlwardt zeigt übrigens von einen sonderbaren Geschmackr, und ist als Abschreckungsmittel höchst ungeschickt gewählt. Ahlwardt ist der Schlinimste noch nicht, denn er olmnirl sich, so ost er nur irgendwie kann, und wir wollten, alle seine offenen und verkappten GesinnungSgenoffen ständen auf demselben Niveau. Die Tragödie würde bald zur Komödie! — Außerdem befinden wir uns, mit Heine'schein Scheidewaffer begoffen, in rech» guter GeseUschaft, denn nichts 'steht ihm hoch genug, daß׳« es nicht der Eingebung seiner nwoientanen Laune zum Opfer brächle, Go:t, MoseS, Christen- IhuM, Jesus, das Jenseits u. s. w.; Heine ist in seiner schlechtesten Stimmung ein etwas derber Prinz Carneval und man weiß inimer, woran man mit ihm ist: aber der Narr Ahlwardt ist — das auszudrücke» hindert mich das Preßgesetz, und ich verweise den Herrn Berf. an den hervorragenden Eeutrums-Abg. Herrn Tr. Lieber, dessen Autorität er wohl nicht anzweifeln wird, der wird ihm sagen, wer Ahlwardt in. falls er es noch nicht weiß. Ter Vers, meint, kein antisemitisches Lexicon leiste scviel an Beschinivfung des JudenlhumS, als .Heine. Zuaegeben, aber mit Borbehalt. Heine's Hiebe wirken wie eine schivache Nachahmung der bekannten Folter, die man gegen Biele unserer unglücklichen Väter in Anwendung krachte; inden, nian sie in hängende Stellung brachte, die nackten Sohlen mit Salz bestrich und diese von Ziegen ablecken ließ — ein besiebtes, neckische- Schelm stückchen der braven Inquisition — -wobei die atmtir Opfer sich beinahe zu Tode — lachten. Im Abc des modernen ansiseinitffchen Rit.erthums ist aber nichts wie ekelerregender Unflath auf Unflath gehäuft. Uebrigens War H. nicht der äffte Antisemit, der dem israelitischen Schooße -emsproß, und wird auch nicht der letzte sein; der Vers, möge - wir ab« ehrlich die Frage beantworten, würde er auch nur den kleinen Finger gerührt haben, ein Denkmal zu verhindern ' für einen Mann, der ausschließlich da» Judenthum de-' chimpft hätte? Gewiß nicht, er will sich unsere Bundes- /Genossenschaft nur sichern, weil sie seinen Zvecken dient; die» _ ist kein-genügender Grund für uns, seiner Werbung Gehör zu sthenkn. Bon seinem Standpunkt aus betrachtet, hat Herr Dr. St. Recht; umsomehr wundert es mich, daß er sich zu eine« Jongleurstückchen erniedrigt, um nicht zu sagen: zu ein« wiffenschgftsichen Unterschlagung. Tr berührt m rhrerr Male — also kann von einem Berschen oder Zufall nicht die Rede sein — den nicht an Wohlgerüche Arabiens erinnerten Scbluß auS dem Gedichte ״Disputation", wo Heine von einem Rabbin« etwas sehr despectirlich spricht. Warum vergißt d« Berf. des Genoffen jenes Rabbi in d« Heinr'schen Satyre über die einst beliebte Farce des DiSputirenS zu gedenken? D« Schluß des Gedichtes lautet bekanntlich: . . . . ״Daß d« Rabbi und der Mönch" .... Heine ist eben imm« d« liebenswürdige Taugenichts und behandelt uns nichtschlecht«, als die Christen — etwas Bessere» wünschen wir uns nicht, — wir sehen also nicht ein, warum Juden sich ausschließen sollen, wenn erleuchtete Christen diesem Heine vorurteilslos gegenüberstehen und selbst katholische Fürsten und Fürstinnen gern an d« Sammlung fürs Denkmal sich betheiligt hätten, wenn, ja wenn Heine nicht eben in Viel.« Recht behielte .... Nicht als Juden stehen sie d« Denkmalsfrage sympathisch gegenüber, sondern trotzdem sie Juden sind. Wir können sie deswegen nicht tadeln. H«r Staarsteck« hat in frommem Glauben gehandelt, das »«dient Annkennung; wenn andere Menschen seine Ansichten nicht teilen, möge « sie mildr beurteilen. Nicht d« Jude Heine soll eia Denkinal «Hallen .. auch nicht der C hr ist Heine, — diese haben es nicht ««dient. Der deutsche Dichter Heine jedoch ist ein« Ehrung der deutschen Ration, d«en Wunden « in unnachahmlicher Schärfe, wenn auch nicht mit gcwählten Worten bloslegre, die er nicht heilen konnte, ab« den! ärztlichen Auge näh« rückte, wohl würdig und wird ihr« auch theilhaft wcrden! Neuestes aus Argeutiuie« über das Colouisatiouswerk des Baron Hirsch. Oberst Gvldschmid, der treue Sendbote des Baron Hirsch, ist nachdem sein von der Königin von England — er ist Adjutant des Prinzen von Wales — ihm gewährt« Jahres-Urlaub abgelaufen, aus Argentinien nach London zurückgekehrt und — selbstverständlich — bereits üb« die jübischen Kolonien interviewt worden und zwar von einem Mitarbeiter des ,.Jewish Chronicle", das £<m der ausführsich berichtet. Wir theilen aus diesem Berichte* im Folgenden das Wesciir.ichstc mit: Bei seiner A. fünft im April v. I. fand Oberst Goldschmid bereits Stur 1000 Familien jüdischer Kolonisten in Argentinien, ohne die rc 30 Familien, we!c;e sich schon länger als 2 Jahre vor d« Gründung des Colonisations- Verein» in Mauricio angesiedelt hatten. 5)0 derselben wohnten in eisernen Baracken in der Umgebung d« Verwaltunasgebäude in Mauricio, 300 in Scheunen und Lchupper! in Moisesville und die übrigen in 3 Coionien zerstreut in Entre Rios und zwar ebenfalls in temporären Wohmmxen. In Mauricio war kaum d« Versuch geuacht worden, die. Leute zu beschäftigen, da es an Zugochsen Md dem ndtigen Ackergerärh fehlte. Man hatte eben mit den Bau einig« unprakiischen Häuf« begonnen,.zu welchen! die Grund.- stäke zu einen übnmäßig hohen Preise «ftcnbfn waren. Es wurden daher, um das ganze Unternehmen nicht zum Scheitern zu bringen, die geschloffenen Anträge mied« gttüst und wohleingerichtete Feldhünen aus in d« Sonne getrockne*en Ziegeln mit Rasen od« Strohdächern «richtet. Oberst Goldschmid, übe, wand bald dir Schwierigkeiten, welche ihm i.jr-ria -- - *) Aach einer Ueieiietzang de» Herrn L f« Nee». , S.4i£.־.i!3S5!