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Israelitische Wochenschrift · 1893-07-16 · 25 (16.7.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
25 (16.7.1893)
Date
1893-07-16
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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slawisch«» Völker lenntn fann, «in Gefühl, das sich verdoppelt, wenn «s zum Narionalgesühl wird, weil «S da« Natürliche Widerstreben des 'Sinzelnen, sich über seinesgleichen erhaben zu §cigtr, zunichte mach! und im Zusammenwirken der Menge in verstärktem Maße und uneingeschränkt zur Wirkung kourmt. Eine weitere Ursache hängt mit der Aufhäufung von Erinnerungen zusammen und besteht in dem Haste der alten Römer gegen das hebräische Lol', welches vor allen anderen ihnen Widerstand zu leisten wagte, ein Haß, der noch wuchs, alS die Römer mit dem Entstehen des Christenthums aut religiösem Gebiete die Oberhand gewannen. Und dieses Gefühl des Haffes verhundertfachte sich im Mittelalter, als die klerikale Kaste, welck« die Herrschaft über den europäischen Geist an sich gebracht hatte, dasselbe zur Pflicht und zum Ritus machte. So ist es denn nicht zu verwundern, daß ganz Europa uneingeschränkt und rücksichtslos an einer Berfolgung theilnahm, die nicht nur die Freude am Bösen gewährte und das begreifliche Vergnügen leicht zu erringender Bereicherungen, sondern außerdem noch als verdienstvolles Werk gepriesen ward, und daß sich die Spuren des so heftigen Hastes bis auf den heutigen Tag in Folge der hereditären Fottpflanzung erhalten haben. Und je unbewußter jenes Gefühl in Len Nachkommen der Verfolger zuoi Ausbruche kam, um so intensiver wurde es. Zu alledem füge man noch die abgesonderten Quartiere hinzu, die Verschiedenheit der Gebräuche, der S Peisen, der Dialekte, der Konkurrenz im Handel, die häung zn Eifersucht und Neid Anlaß gab, Umstände, die dazu beitrugen, die wirkliche und die scheinbare Ungleichheit zwischen Inden und Andersgläubigen zu erhöhen und bei einzelnen Personen die Herabwürdigung und Unterdrückung der Juden wünschenswerth und nützlich erscheinen zu lassen. Und schließlich darf auch die psychische Epidemie nicht unberückfichttgt bl-iürn, welch« zur Aneiferuug und Erhöhung des Haffes und zur Verbreitung und Uebettreibung aller niärchenhaften Ueberlieferungcn im Volke jederzeit in so hohem Maße beigetragen hat. (Schluß folgt.) Etwas über Heiue's Denkmal. von Dr Einger-Cobieuj. Was ist uns Hekuba? Was geht uns, in unserer Eigenschaft als Juden, Heinrich Heine an? Hat er, ttotz seines Uebertrittes zum Lhnstenthum dem Judenthmn in seinen Schriften soviel Treue bewahrt, daß er uns nur einen Stoß mit seinem satirischen Pferdefuß geschenkt, uns mit seiner dornige« Peitsche weniger gegeißelt, uns weniger mit seiner Schellenkappe um die Ohren gehauen hat, als die Gläubigen in den beiden christlichen Lagern? Nichts von alledem; im Gegentheil, er wollte mit flaminenden Brandmalen seiner beißenden Lauge unfern ganzen Körper siech machen, er hat uns schlechter behandelt, als seine Adoptivreligion. denn er hat auf unser Elend nur Spott gehäuft — wenn wir uns auf dem Bode« krümm.en, schlug er eine höhnische Lache auf: alles hätte er «n» verzeihen können, selbst unsere Schuldlosigkeit an seiner Geburt in! Schoße des Judeitthums, aber er konnte «S mt3 nicht vergessen, daß wir der Welt daö Ehristenchmn gegeben, daß wir die Ersten waren, welche der heidnischen Sttteulosiafeit den Stoß versetzt haben, den sie nie überwinden wird. Lus «Beta! erhellt, daß uns nicht her Beruf ulnewohnl, Heine aus unsem Sttzild zn «hebet, seine zügellose Laune ans unser Eont» zu^ schreiben und ihn als Wohlthäter de» Judenthums zu glorisicirru. Wenn nichts destoweniger Jude u es über sich gewannen, für die bekannte Denkmalsfrag'e sich zu ereifern, haben sie damit gezeigt, daß sie Borutleilstosigreit genug besitzen, dem veurschen Dichter zu vergeben, was er gegen das Judenthum, dein er seine Geistesschärfe, verdankte, gesündigt, an dem ungezogenen Liebling der Musen nunmehr, zumal da er sich gegen Angriffe nicht niehr schützen kann, nur die liebenswürdigen Seiten zu erblicken, den Mann zu ehren, der keiner Religion airgegehörte, sondern ein enknnt terrible aller Religionen war und den sie bei seinen Lebzeiten niemals für sich reclamirien. Allein dieses Denkmal, besten Heine gar nicht bedarf, über besten Ablehnung er sich sicherlich am köstlichsten amüstreu nmrde, weil ihm dadurch der unerbetene Beweis auf dem Präsentirteller entgegengebracht wurde, daß manche sei» ner Urteile auch jetzt noch nicht gegenstandslos geworden sind, — diese Denkmalsidee läßt viele ftomme Herren, welche befürchten, daß sie in einer andern von ״Ueberbergdärsi" entserut liegenden Stadt nnü>er auftauchen könnte, nicht schlafen, und diese Angst hat eine Richtung in der Ltteratur gezeitigt, einen Antiheinismus, von welchem Gistbaum unS eineBlüche zugeflogen ist. Herr Dr. Staarstecker hat aus Heiue's sämmtlichen Werken ausschließlich de!« Mist zusammengesucht und ihn als ״Bausteine zun, Heine-Denknml" unier der Ueberschrift ,Heinrich Heine als Antisemit und Nihilist" (im Verlage von Bachem in Köln) zusamniengetragen. So ein» fettig Herr Dr. St. auch in seinem Büchlein verfährt, indem er nur die schmutzigen Stellen uns unter die Rase reibt, di«, als einzige Grsttesprodukte Heine's,sicherlich keinen Aufrnf zu Gunsten eines Denkmal» für ihn veranlaßt hätten, so׳ wenig der Vers, der solchem eingestteuren Pfeffer mit böser od« allzuguter Laune erdrückende» Menge von Erzeugnisse» demit dem Kusse der Grazien beglückten Genies Berücksichtigung schenkt und verdiente Gerechttgkeit widerfahren läßt, -sein Recht zu diesem Vorgehen und sein guter Glaube, für ein« gute Sache die Feder geführt zu haben, darf nicht in. Zweifel gezogen werden. Aber — den protestantischen Unter» zeichnern des Aufrufs, namentlich dem gottbegnadeten Dicht« Einil Rittershaus, die Beantwortung der an sie gerichteten Anzapfung des Verf.'s getrost überlassend — wir fragen nochmals: Was hat das Judenthum mit Heinrich Heine zu schaffen? Mit welcheor Rechte zählt der Vers. ihn zu uns und belegt ihn mit Kosenamen, bei denen das Epitheton ״jüdisch" eine hervorragende Rolle spielt und d«en Jdenttsicirung mit dem Judenthum wir — mangels aller Beweise mtt den sasttgsten Lrastausdrücken garnirt — von gewisser Sette betonen zu hören, bis zum Ueberdrusse gewöhnt sind — ein« Sorte von Polemik, sie des Reizes der Neuheit entbehrend, vor gebildeten Leuten, welche uns für die Gabe des Ehrifteuthums dankbar sein sollten, doch endlich verschmäht werde« dürfte, weil sie verbtttert, in absteigender Gradmestung abstumpft und selbst für die gute Saat unempfänglich macht? Wenn Jemand die Taufe empfängt, find dann nur seine Vorzüge christlich, seine Fehler aber bleibeojüdisch? Diese» Armutszeugniß sollte ein Ehrist ta Taufhandlung nicht# ausstellen! So ein Jude das Ehristeuhtum anuimmt, find seine nachherigen Aussprüche nur autoritätskrästig, wenn er. gegen seine und sein« Väter Vergangenheit wüthet? wenn « sich ab« beikommen läßt, in Passivität zu verharre«, od« gar der Wahrheit di« Ehre zu geben, dauu will man ihn uns wird« aufhalsen? Da» kann doch unmöglich der, Erfolg de« Bekenntnisses zur christlichen Demut, Wahrheit»-' und Menschenliebe sei»! Nt das, Sakrament der Taufe unwirksam«, wenn ei» erwachsen« Mann im Vollbesitz« sei»« Upterscheidunys» und Eatscheidimo-kräfte sich ihm unterzieht, als wenn er» ' nicht zu» Bewußtsein erwachtes derSelbstbestiwmuug n, ו üf» ohne

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