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Israelitische Wochenschrift · 1893-07-09 · 24 (9.7.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
24 (9.7.1893)
Date
1893-07-09
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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&VCi»ii1c spricht Siegfried Mi »der schm« h»k Ile» Uept" bei F«therrn v. Wackerbarth'. — Bei der Besprechung der Schrift: von P. Nathan: »Der Prozeß von Titzza ESzlar." sagt Siegfried: ,In der Einleitung ist den Wackerbarthschen Faseleien die Ehre einer ausführlichen Widerlegung zu Theil geworden.' Berlin, l. Juni (Or.-Corr.) Ein höchst intereffauter Rechtsfall, der innerhalb unserer Gemeinde sich gegenwärtig abspielt, hat ein allgemeine« Interesse. Ein hochgestellter Beamter jüdischen Bekenntnisses, Herr Professor F.. hatte ein Kind, das vorzeittg und todt zur Welt kam und vor Jahren auf dem jüdischen Friedhok bestattet wurde. Später ist Herr Faus der jüdischen Gej meinde ansgetreten, ebne, soviel wir wissen, -um Christentdum > überzugehen. Als ihm dann seine Frau starb, ließ er sie auf dem «oinmunalkirchhof in Berlin, der sonst von social hochgestellten > Leuten nicht gerade bevorzugt wird, bestatten: aber nun wollte er. daß sein Kind neben seiner Frau ruhen sollte, und beantragte beim Ministerium, daß, natürlich unter Beobachtung aller Polizeilicken Borschriften, die diesem Manne sehr genau bekannt sind, die SindeSleiche exhumirt werde. Die Gemeindebehörden glaubten; sich nicht ermächtigt, ans eigenem Ermessen in dieser Angelegenheit zu entscheiden und wendeten sich »m ein Gutachten an da« Rabbinat. Dr.IlngerleiderHot das Gutachten ausgestellt und das Kollegium nach einigen Weigerungen sich angeschlossen: dies Gut- | achten lautete dahin, daß die Erhnmirnng unstatthaft sei. Die! Sache kam zur erneuten Besprechung in den Gemeindekollegien und fast schien es, als wollte die Versammlung über das Gutachten de« Rabbinats hinweg dem Wunsche de» Herrn Prof. F. stattgeben, da erhob sich der Landgerichtsrath Marcus und verlangte die Ablehnung und dieser Herr gewann die Mehrheit für seine Ansicht. Prof. F. hat sich dabei nicht beruhigt und nimmt, : wie wir hören, die Intervention der Polizei in Anspruch, welche vorlänsig die Borlegung de» rabbinischen Gutachtens fordert: diese Forderung wird natürlich erfüllt werden und es ist abzuwarten welche weiteren Schritte geschehe». Derartige Forderungen treten auch an andere Gemeindevorstände heran und deshalb wird die endgültige Entscheidung über Berlin hinaus Bedeutung erlangen. Es liegt uns fern, das Gutachten des RabbinatS anzutasten, aber wir meinen, daß die Hinterbliebenen auch an dem Körper des Bestatteten den erste» Antbeil haben: den Hinterbliebenen gehört der Todte in der Erinnerung wie auch in seinen irdischen Resten: der Gemeindevorstand hatte sonach keine Beranlassung, ein Gutachten des Rabbinats zu verlangen, sondern er hätte e« dem Prof. F. überlassen müssen, ob dieser es mit seinen Begriffen von Pietät vereinbare, die Leiche zu exhumier». Dieser Herr hätte dann das Rabbinat fragen können, wenn er darnach Verlangen trug. Uns widerstrebt dieser Todtenkultus, der zu Leichenexdumirungen führt. Wir hätten dem Prof. F. gerathen und gebeten die Leiche seine« Kindes ruhen zu lassen.. Aber uns scheint, der Vater allein bat in dieser Frage zu entscheiden und eventuell den ' Rabbiner zu fragen, nicht den Gcmeindeoorstand. Berlin, 2. Juni. «Lr.-Eorr.j Welche Kenntnisse hohe Be- Hörden zuweilen dem Vorstände einer Synagogengemeinde Zutrauen mag folgender Vorfall beweisen. An den Berliner Gerichten stritten sich wackere Heiratsvermittler um ihre Provision und verlangten eine besttmmte Quote von HeiratSgut. Die durch den Heiratsvermittler glücklich gewordene Gaittn und Eltern wollten sich zu einer so hohen Quote nicht verstehen und auch die Mitglieder des KammergerichtS wußten nicht, was in solchen Fällen Rechtens sei- Hier wurden allerhand Sachverständige vernommen die da versicherten, daß die Sache nicht billiger zu machen ist. Aber diese Gutachten imponirten dem Sammergericht nicht, und die rechtsgelehrten Männer kommen auf die geniale Idee, beim Berliner Gemeindevorstand anzuftagen. wa» in solchen Fällen in Israel Brauch und Sitte ist. Der Vorstand hat sich selbstverstündlich für inkompetent erklärt: aber schon die Anftage ist symptomarisch. Berlin, 6. Juni. Die heutige ,Volkszeitung" bringt fplgende Mittheilunz: Etwa hundert Israeliten aller Gesellfchastsklasien hatten sich auf besondere Einladung Ende vorige^ Woche zusammengefundeu, uni über die prakttschen Mittel zu beraten, die geeignet wären, de« ״im An»«chsen (??) begriffeiten" Antisemitismus wirksamer, als bi» jetzt geschehen, entgegenzuwirken. ES wurde betont, daß man sich auf die liberale Preffe in dieser Hinsicht nicht allein verlassen könne und daß die verschiedenen Vereine zur Abwehr deS Antisemitismus mit ihrer Agitation ״meist nur jüdische Kreise beeinflussen", womit wenig genützt sei. Verteilung von Druckschriften und Broschüren werde dem Antisemitismus wenig Abbruch thun. Was vor allem noth thue, sei lie Begründung einer Eeniralstelle, bei welcher jeder Israelit über etwaige Unbill, über Schädigungrn, die ihm von antisemitischer Seite verunacht werden und über Zurücksetzungen, die er aus konfessionellen Gründen zu erleiden habe, Beschwerde führen könne in der Gewißheit, Schutz und Genugthuung zu sinden. Als Organ dieser Eentralstelle will man eine täglich erscheinende Zeitung gründen. Der Durchführung dieses Planes aber stellten sich zur Zeit noch gewisse Schwierigkeiten entgegen. Die ״Volkszeitung" meint: ״Tie Existenz eines solchen Organs hätte vielleicht die eine Wirkung, daß die Antisemiten dann um so eher anfhören würden, diejenigen politischen Zeitungen, welche den Antisemitismus aus allgemein menschlichen und sittlichen Gründen bekämpft», als ,,Indeiiblättcr" zu bezeichne», im Uedrigen aber nur Wasser aut die Mühle der Antisemiten treiben. Werdet ihr als Staatsbürger zn unrecht angegriffen, gehetzt, verleumdet, so wehrt Euch vom Standpunfte de» Staatsbürgers aus. d. h. mit den Waffen der Humanität, des Rechtes, der gesunden Vernunft. Der Verteidigunaskampf aber ivird eine Karrikatur. wenn er auf der schmalen Basis der konfessionellen Zugehörigkeit zu einer bestimmten religiösen Richtung geführt wird." Dülmen, 25 Ma.. (Bericht über die Konferenz der israelitischen Lehrer Rheinlands und Westfalens.« Als Versammlungsort für die am 28. und 24. Mai d. I. stattgehabte Konferenz war Gelsenkirchen gewählt worden. Wie der schöne Verlauf derselben bewies, ist diese Wahl eine überaus glückliche gewesen. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Blumenfeld-Esse», eröffnete die Sitzung mit Gebet und herzlichen Worten der Begrüßung. Als Vertteier der Synagogengemeinde Gelsenkircheu erhielt da« Wort der erste Vorsteher. Herr H- Spiegel. Derselbe begrüßte die Versammlung und übermittelte den von der Gemeindevertretung bewilligten Bettag von löO Mk. der UnterstützungSkaffe. Auch der Vorsitzende des Schulvorstandes, Herr R. Äols, hieß die Versammlung bestens willkommen. Die Präsenzliste weist die Anzahl von (12 Konferenzbesuchern auf*». Nachdem die Herren Dubl on-Dülmen und Stein weg- Dortmund als Schriftführer gewählt worden, erstattete Herr Blumenfeld den Bericht über den Stand der Kaffe. Seit dem l. Jan. sind eingegangen: An Zinken.886,15 ji, An freiwilligen Beiträgen . . . 2602,80 ״ An Mitgliederbeiträgen.... 261,00 ״ Summa: 8249,95 so daß der Äasseitbestand sich auf 75,628,90 .* beläuft. Der Vorsitzende gedenft hierauf in ehrenden Worten der verstorbenen Wohlthäterin des Vereins, der seel. Frau Friederike Meyer-Berlin und bringt ein Schreiben der Frau Dr. Max Weigert Berlin, Tochter der Vorgenannten, zur Verlesung, wonach diese der Unterstützungskaffe zum Andenken an ihre Mutter die Summe von 1000 Mk. mit der Bestimmung überweist, daß die Zinsen des KavttalS alljährlich im Sinne der Verewigten, h. an dte Unterstützungsbedürftigen zur Verteilung kommen sollen. *) «btaba m-firttititfl, Atexander-Lresrld. Andorn-Creseld, Baunl-Rhrir-, Brrlinger-Dülteu, Block-Bort, Blumenfrld-Effen Braunschwriger-Ahau*. Brisch-Mghlhetm a. Rh., Burbaum- Lreseld, Larsw-Emuiench, Cohen-Ree», Dublon-DAmr», Eber- Neheim, Emmanuel-Burgstetnfurt, Soldberg-Steele, Soldftein- Grevenbroico,«o tds ch m idr-LSlu, S o ssel-Lamen, « o 11 s ch a l k-Zkauten! a. Rh , Sras-Esseu, Sumpel-Dortmvnd, Hossinann-Haltern, Kahn- . MoerS, «l-nn-Hohealmrdurg, ftatz-Hattingen, 1iatz-Herne, «aufmann- '! Esten,Kansmann-Sesentirchen,Kl erftadt-Gelieutirche», Laudheim-! Bochum, Levi-Neuh, Leuisohnltemven Rh., Löd-llülu, Ldben- : stet n-Düsieldorf, Dr. Ld n> en b erg-Hamburg, 2 Sn> enberg-Warburg, ■ Meubel-Uuna, Weyer-Dünen, Moch-Biersen, Moses-Rheydt,! ÄtSudhelm-Hamm, Ruhbaum- Padberg, Lslermann-Bochu«,! Ost wo Id-Witten. Plaut-Wattenscheid, Rosenbusch-M Sladbach,! Rothschild-Duisburg, Salomo «-Iserlohn, Samuel-Oderhouseu, l Seetig-Srevenbroich, Epier-Locholt, Spier-Wesel, Steinweg. 1 Dortmund. Steinweg-HWkba, Stern-Di» »laten, Stern-Hbrde, Tanneubaum-Recklinghausrn, Lreu-Mauster WaUrnstein-Lreseld.! Weingarten-Elberfeld, Wrrtheim-Beverungen.

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