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Israelitische Wochenschrift · 1893-07-09 · 24 (9.7.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
24 (9.7.1893)
Date
1893-07-09
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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zu Münster und Minden habe« bereit« im zustimmesden ' Sinne geantwortet; von Arnsberg steht dir Antwort noch an«, doch hofft der Verband zweifellos auch hier auf bereitwillige« Entgegenkommen, so daß hiermit die Frage der Inspektion des jüdischen Religionsunterrichtes an den Volksschulen! Westfalens ihre rndgiltige und Weckentsprechendste Lösung gei funden haben wird. Aber auch für die ReligionSschulrn! ist durch einstimmigen Beschluß de« dirSjährigen Gemeinde- I tage« die Einführung der regelmäßigen Inspektion durch be- : währte Fachmänner nunmehr beschloffcn. Wir begrüßen diese Thätsache mit freudiger Genugthuung, weil wir in ihr die sicherste Garantie für die gedeihliche Entwickelung des Religions- Unterrichtes erblicken. Ter weitere Punkt der Tagesordnung: Antrag der Gemeinde Witten: .Der Gemeindetag wolle den Ausschuß mit der Verausgabe eines Schullesebuches für die jüdische Volksschule bezw. mit der Umarbeitung eines der vorhandenen Lesebücher für dieselbe beauftragen", wird nach eingehender Begründung durch Herrn Ostwal d-Wittcn und nach längerer ^ebatte angenommen, ebenso der folgende Antrag Witten, der j die Herausgabe eines einstimmigeu Synagogen-Gesangbuchcs ׳ mit Noten fordert. Tie Herausgabe bezw. Umarbeitung de« Lesebuches wird dem Ausschuß seitens des Gemcindctages zur beschleunigten Erledigung anempfohlen. Ten wichtigsten Punkt der Tagesordnung bildete d׳e . Borlage und Beralhung des von Herrn Rabbiner Dr. Vogel-! stein in Stettin' im Aufträge des Ausschusses ausgearbcitcten Stimmung eine ׳ganz vorzügliche. Den -aksertoast lackte MWW Sanitätsrat Dr. Blankenstein-Dortmund in A» H dendm Worten au«. Die Versammlung stimmte begeistert -in dag-? Hoch ein. Au« der Reihe der übrigen Toaste, di« von der freudig ,3 gehobenen Stimmung der Anwesenden über den schönen Verlauf J des BerbandStages Zeugnis ablegten. beben wir als besonder» s beachtenswert die Worte de» Herrn H i r s ch l a n d - (Men hervor» v welcher als einer der Vertreter der rheinischen Nachbar-Gr- " meinden auf dem westfälischen Gemeindctage dem Emvffnden Ausdruck verlieb, den die Verhandlungen de« Tage« auf thA gemacht. Die warmherzigen, begeisternden Worte des Herr» .v i r f ch I a n b fanden freudigen Widerhall in den Herzen der westfälischen Deligirten und wurde mit bransendeni Jubel aufgenommen. An da» Festessen schloß sich ein Festspiel, welches sowohl durch Form, Inhalt und Darstellung, als auch durch die kostbare und geschmackvolle Dekoration lebhaften Beifall erntete.'.Der Berfaffer des Fcstk2 ‘ ^-!״. F. eu :t d-Dortmund, wurde eben» so ivic Darsteller zu wiederholten Malen stür ׳lisch hervorv rufen. — So nahm der dritte Gemeindktag des westfälischen Gemcindcverbandes eine» in jeder Beziehung glänzenden Verlaus. Hatte einerseits die Gemeinde Dort »! u 11 d alles aufgeboten, um ihren Gästen den Aufenthalt so angenehm wie nöglich zu gestalten, so brachten ondersrits die Delcgirtrn diej-'nige Schaffensfreudigkeit und den Ernst mit, welch« die erst n Bedingungen erfolgreichen ArbeitenS sind. Wir zweii-t n der',alb nichr daran, daß der dritte ordentliche Gemeint c.ag des Verbandes der Synagogen- Gemcindrn Westsalei׳^ seine 1.. eichen Früchte tragen wird. Gebetbuch-Entwurfes, welcher bereits in vielen Uommissionssiyungen eingehend durchberaten׳ war und nunmehr dem Gemeindelag zur dcsinitivcn Beschlußfassung vorlag. Der Entwurf fand die einstimmige Zustimmung der Vcrsammlung, ein :iiesultat, welches mit lebhaftem Bravo ausgcnominc» wuroe. Und in der That verdient dies Ergebniß auch di: freudigste Anerkennung, weil dadurch der Zerfahrenheit, die in den verschiedenen westfälischen Gemeinden durch Gebrauch-der verschiedensten Gebetbücher herv-rgerufen wurde, endlich gesteuen wird. Mit d«r Drucklegung des neuen Gebetbuchs wurde der Ausschuß beauftragt.*! Eine längere Debatte riet Punkt 9 der Tagesordnung hervor, der die Beralhung über die zur Erhöhung der Einnahmen des Verbandes cinzuschlagenden Wege zum Gegenstand hakte. Herr I. Steinberg-Münster wies in seinem Referate auf die großen, unbedingt erforderlichen Ausgaben des VerbandeS hin, für oic eine größere Einnahme geschaffen werden müffe. Von den Ausgaben erwähnen wir besonders diejenigen zur Unterstüvung leistungsunfähiger Gemeinden behufs Einrichtung eines geordneten Religionsunterrichtes. Im verstosienen fahre wurden fünf Gemeinden unrerstüvt, während augcnblicklich noch mit sieben weiteren Gemeinden über ihre Unlerstützungsvedürftigkeit behufs Einrichtung des Religionsunterrichtes veryandelt. wird. Daß in Anbetracht der zu solchen Zwecken gemachten Ausgaben eine Erhöhung der Einnahmen deS Verbandes erforderlich;ei, wurde rückhaltslos anerkannt. Verschieden« der anwe'enden Telegirten zeigten infolgedessen sofort die erhebliche Erhöhung des jährlichen Beitrages ihrer Gemeinden an: andere stellten die Erhöhung dieses Beitrages in sichere Aussicht. Diese freudige Opferwilligleit verdient alle Anerkennung und wir können nur wünschen, daß sie bei allen Verbandsgemeinden eifirge Nachahmungen sindet. Nachdem die Tagesordnung erledigt war, wurde der dritte ordentliche Gemeindetag gegen 4 Uhr Nachmittags von dem ersten Vorsitzenden geschloffen. An die Verhandlungen reihte sick «in Festmahl, an welcheni sich annähernd M»J Personen beteiligten. Auch hier war die *) So »itl mit missen, ist in Stettin (unter dem fei. Dt. Treuensel») da« trefflich« Jot-tsch« Gebetbuch eingeführt. ob der Bogelstein sche Entwurf sich daran anlehul, ist aus dem Bericht nicht zu ersehen, und .--och wäre es auch für andere Gemeinden, di« nicht dem mestfLlsschen Verband« angehören, von Interest«, etwa» Näheres über den Entwurf, 3.׳ erfahren. (Red.) Beri chtx und Eorrespondenzen Deutschland. Magdeburg. Den verunhrilcndcn Auslassungen so vieler hervorragender deutscher Männer über den Antisemitismtt« reihen' sich ebenbürtig Aussprüche des Professor« der evangelischen Theo« logieLarl Siegfried in Jena an. Wir finden sie in einem «Theologischen Jahresbericht" Band XII., 1898, in welchem der berühmte Gelehrte die literarischen Erscheinungen des vergangenen Jahre» auf dem Gebiete des alten Testament», der hebräischen Svrache, über Talmuv. Judentbum u. s. w. bespricht, und zwar in der Abkheilung: Judenthum, Neuere Literatur, S. 98 n s. Bei der Beurtheilung der dort erwähnten antisemitische» Schriften sagt Profeffor Siegfried einleitend: .Die Pamphlet« der neusten Zeit zeigen, mag man über it-ren Inhalt denken, wie man will, «in« «nhetnüiche Steigerung der Erregung gegen die Juden So weit darin Berteumdung, böser Will« und Fana» tismus da« Won führen, wird vorläufig nicht« au«zurichten sein, bis .Bernunft wieder ansängt zu sprechen-. Sohl aber haben nach unsere« Daiürhalteu wohlgesinnte jüdische Männer darüber zu Rothe zu gehen, was geschehen könne, um berechtigten Klage« über da» Verhalten vieler Jude» aut dem Gebiete des' wirthschastlichen und önentlichr« Lebens die Basis zu entziehen. "5 ,0. Ungem-Sternbcrg (Zeitsragen des christlichen Botlslebeut) desiniit de« Aiiiisemüismus als .den Kamps gegen die w>»ergöttlich« ' j Ausgestaltung, die da» moderne Dasein unter der durch jüdisch« Eia- '3 stüsir vergifteten Herrschaft der naiuraUstisch-kapitalistischen Weltall- G schauung erhalten hat.״ Er tpricht sich nicht ganz deutlich darüber d aus, aber es scheint säst so, als meine er, d-ese Weltanschauung werde M sofort verschwinden, wenn man die gesetzliche Bleichberechtigung des | JudeuthumS wieder aushebe, was ihm nach Seite 46 ganz unbebenk- -A lich vorkommt. So steht es also, daß die christlichen und konservative» M Bolkskräftc ohne vorherige Knebelung des Judenthums sich nicht entja fallen können? -A .Wenn die Arrtisemiien nur den Talmud in Ruhe.losten wollten, W denn damit haben sie jedesmal Unglück.“ -M ..... Dalmann führt einige Beispiele schändlicher Quellen» stlschung an, di« sich in de» berüchtigte« Rohling« elenden Machwerke«'^ und m dem Antisemiten katechismus von Th. Fritsch finde». Eine -M Sach«, die nur durch die frechsten Lügen gestützt werden kan», «uh M man von vornherein für ein« verloren« halten. Zu den abscheulichsten dieser Berleumduuaen gehört bekanntlich »i« 9 von jüdischenRltualmorden. Die beste» christlichen Kam« des 3nakfl thums, wie Franz Delitzsch, Talmann, Strack und Wünsch« habeek^I gegen diesen rasendeu Wahn wiederholt ibre Stimm« erhoben. UM ZW so empörender ist es, daß jene Blatlügner, der «dl« Rohling natstrtstWW an da Spitze, den bethörten Masten diesen Unsinn immer wieda zureden suchen."- »i!M ו!״״ --n^׳ v'«׳

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