Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 24 (9.7.1893)
- Date
- 1893-07-09
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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. Am unk (tat $ der- .MG de» Dichter»: ,Wie! eitunqSmittrl bietest du. »»- heißt es? die'beste Rettung ist egenwart de» Geiste»", während viele vwlgeschästige Leute r»nr• ein ande!es Wort brffrtftc:t Dichter« illustriren: ,Du kist sehr eilig meiner Treu, du suchst die Thür und läufst Hordei." Luch in den Kämpfen, welche Israel in der Gegenwart zu bestehen hat, vermissen wir vielfach bei denen, die in den vordersten Reihen stehen, die in di« vordersten Reihen fich -krängen, jede» Zielbewußtsein; e» geschieht Biele», nicht viel; ja, wäre e» möglich, unsere Feinde in Drucker- ׳schwärze zu ersäufen, ungeheure Quantitäten diese» St«ffeS stehen un» zur Verfügung. E» ist eine neuerdings ausgekommene, aber nur selten richtige Reden»art: ״Die» Wori war »ine Thal." Biele Leute berauschen sich in. ihren eigenen Worten, daß sie, wenn sie viel geredet haben, nun glauben, eine That vollbracht zu habm: auch das.ist ein lächerlicher Aberglaube unserer Zeit, dag man mit OklD Wesentliche» erreichen lau«. Vereine, Ausrut'e, Sammlungen und Bnsammlungen, ein gewaltiger Lpekräkel wie bei jener L'undschaftSreise in alten Zeilen, nnr daß dabei unendlich wenig herauskommt, und dazu entsteht der Schaden, daß die Gewissen beschwtchtigt werden, daß die Meinung sich verl>reitrt, man haoe ernstlich dein Feinde gewehrt. Wie derei ist in der Wüste, s» begehen auch unter uu» ״Männervon starkem Herzen" kiesen Fehler, Männer, die den besten Willen haben. Aber ei» verhängnißvoller Fehler bleibt e» de, noch, der Macht und Much de» Feinde» verstärkt. Wa» geschieht, um dem Abfall zu steuern, der un» verächtlich macht? Nicht»! Denn üi diesen Bereinen ^führen Männer da» große Wort, dir mit den Abtrünnigen in -engster Beziehung stehen, die selbst muh kaum wissen, warum sie Juden find. Wa» geschieht, um un» von morschen veralteten Ueberlieseruugen zu befreien? Nicht»! Die Koluidre-Formel z. B.» die ja au» einem peinlichen Wahrheit»- gefühl-entstanden ist, aber doch van der großen Masse miß- »erstanden werden kann, wird festgehalten, il» Hab« sie Mose am. Sinai verkündet. Auch von vielen unserer Führer im schweren Kampfe gilt: Wie betäubt sind die, die sonst starken Herzen» sind; wackere, wohlmeinende Männer lärmen und scher en, rennen und ,jagen und arbeiten wie die Kundschafter dem F eipde in die Hände »«säumen dabei da» Wichtigste: . die Kräftigung unsere» ,Charakter», die Stärkung unsere« Gem eingefühl«. ״Biele Rettung»mittel bietest du: wa!» heißt ei? Die beste Rettung ist Gegenwart de» Geiste»." B. R. Giwe ttirmmi! ' In der letzten Nummer veröffentlichten wir einen Wahlanfruf, welche unfern Glaubensgenossen drei Rathschläge über ihr Verhalten im Wahlkampf gab. Besonder» der erste Rath : ,Gebt Eure Stimme wie bisher dem fttatbibat«, Eurer po- ’ littschen Ueberzeugung"! war sehr nötig gegenüber den ver- ''verblichen Bersuchim, die Inden al» solche für irgend eine Apolitische Partei zu fangen. Da» Berliner ״Comitee zur Abwehr antisemükscher Angriffe" versendet-nun ein Zirkular, welches im wesentlichen einen ähnlichen Standpunkt einnimmt. Aber da» Comitee giebt einen weiteren Rach, den wir durchau« verkehrt halten, vor dem wir daher an ieser Stelle ausdrücklich warne« «ollen. Nämlich die Herren Aabbinrr und Lehrer sollen .in den Ma h l veisammlungen den ^>tisemitffchen Behauptungen al» Redner enij^gentreten. Der iher dieser Zeilen ist vor der Wahl in inier antisemitischen immlung seme» Kresse» den Judenhass«« entgegentrrtev. Aber sobald der Reichstag aufgelbst wurde, zog er fichizlich zurück und besucht grundfalsch keine Bersammgleichviel welcher Partei. Denn in dem Wahlkampf sind die Rabbiner und Lehrer durchaus unberufen und überstüsfig, frlbst wo ei sich um Antisemiten handelt. Jetzt üoervchmen die Parteien den Kampf. Jetzt begreifen sie. daß e» ihr Jitterresse ist, dem Antisemitismus entgegenzu»rete». UebrrdieS reden die Antisemiten jetzt sehr wenig von den Juden. Do» war gut zum Hetzen. Aber kurz vor der Wahl würde da» Volk e» sich v.rbitten, init dem Talmud und der jüdischen Tiitenlrhre, mit dem Lol uiäre und dem jüdischen Eid grlangweilt zu werden. Jetzt verlangt es Auskunst über Stellung der Kandidaten zur Militärvorlage, zur Landwirtschaft, zum Handwerkerstand und demgemäß spielen fich die Antisemiten in ihren jetzigen Reden al» die Patrioten, al» die Retter de» Mittelstände» auf und versprechen natürlich goldene Berge. E» ist klar, daß der Rabbiner oder Lehrer in solchen Bersammlungen nicht» tu thun hat; er konnte früher nur negativ, widerlegend wirken, und kann jetzt erst recht keine positiven Ziele nennen, ohne sofort einer Partei zu verfallen. Bor und »ach der Wahlbewegung halten wir e» — trotz der Resolution der wrstpreußisch pommerschen Rabbinerkonferenz — für eine Pflicht de» Rabbiner», den Antisemiten überall unerschrocken entgegenzutreten, während der Wahlbewegnng ist e» eine gefährliche Thorheit! Jacob-Göttingeii. Der dritte Genreiudetag des Verbandes der GynagogeN'Oemeinden Westfalens: Am 2«. Mai fand im .Köln. Hofe" zu Dortmund unter überaus reger Beteiligung der westfälischen Gemeinden der dritte ordentliche Gemrindetog de» ״Verbände» der Synagogengemeindrn Westfalen»" statt. Lertteten waren 26 stimm» berechtigte Gemeinden mit 32 Delrgirten. Außerdem wohnten gegen SO Gäste au» den verschiedenen Gemeinden den Brr- Handlungen bei, unter anderm al» Vertreter der Nachbar» gemeind« Essen die Herren S. Hirschland, Schwarz, H. Hirschland und Geldern. Die Verhandlungen nahmen einen glänzenden Verlaus und legten ein schöne» Zeugnis ab für die einmütige Lpfer- Willigkeit umd da» redliche Wollen b«r westfälischen Gemeinden, aufdem Gebiete de» Kult»»- und Schulwesen» mäglichstr Einheit zu schaffen. Eröffnet wurde die Sitzung um S Uhr Vormittag» durch den ersten Vorsitzenden de» Verband«», Herrn Bauznier M. Katzenstei n-Kielefeld, welcher zunächst Herrn Ad. Elia »-Dortmund zu einer überaus herzlich gehalten«, Begrüßung-rede an dir Versammlung da» Wort erteilt. Hierauf wurde in dir Verhandlungen ringetreten. Au» dem Kaffen bericht heben wir hervor, daß die Einnahmen und Ausgaben im verflvffenen Geschäftsjahre mit 3723,37 Mark balanzirten. Der von dem Ausschuß vorgelegte ,Lehrplan für den Religionsunterricht an denhöheren Schulen" bi« zur Ober- Tertia bezw. bi» zur ersteu Klasse der höheren Mädchenschulen einschließlich wurde einstimmig angenommen und der Ausschuß mit den vorbereitenden Schritten zur amtlichen Einführung der Pläne betraut. Für die Volk»- und Reli» gionSschulen find, wir der gedruckte Bericht hervorhebt, bereit» im verfloffenen Jahre seitens der UnterrichtSkom misst on de» Verbände» einheitlich« Pläne im Anschluß an den vom vorigen Gemrindetog genehmig:«» Rormallehrplan auSgearbeitet worden, dir,' nachdem fie vom Ausschuß einstimmig angenommen waren, den Regierungen zu Münster, Minden und Arn»berg mit der Bitte überreicht worden, die Regierungen möckten die Pläne und die in denselben empfohlenen Lehrbücher einer genauen Prüfung nuierziehen und eventuell den ihnen unterstelltrn KreiSschulinspektoren die Weisung erteilen, daß fie bei künftigen Schulrevisionen der Prüfung im jüdischen Religionsunterricht dir Pläne de» Berbandr» zu Grund« legen. Die Regierung» fr ׳ -.־