Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 24 (9.7.1893)
- Date
- 1893-07-09
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6492344-5935087-5962217--1597-5375686- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
oer Jude in biefer Zeit die Rechen der Ncgieruug«freunde verstärken. Und die Militärvorlage erweckt keine Fragen, die unser Gewissen bedrängen, die ei» Opfer der Ueberzeugung fordern. Daß so viele freisinnige Männer sich nun offen zu dieser Borloge brennen, ist ein deutliche« Zeugniß für den liberalen Geist, der in der Vorlage zum Ausdruck kommt. Da« Rein ist in dieser Angelegenheit ungleich schwerer zu verantworten ol« da« Ja. Denn die Zustimmung stützt sich <״-' *>•* Autorität aller Sachverständigen. Wir wiederholen den Rath, den wir vor Monaten gegeben haben: Wählet sreißzmig! Wählet rcgiern>>t» feermdUch! So verbinden wir auf« innigste die Liebe zu den beiden Gemeinschaften, denen wir angehören, der Vaterländischen und der religiösen; der Antisemiti-mu« hat nun einmal so viele Herzen verwirrt, da« ist zum kleinsten Theil unsere Schuld, zum bei weitem größten Theil unser Unglück. Jede« ehrliche Mittel ist erlaub, oresir Tesahr zu begegnen. Die Regierung de« Kaiser« soll wissen, daß sie auf u»s und unsere Stimmen zählen kann. . 8. R. La» geschäftige Nicht-Ihu«. Ein« religitt-politlsche Betrachtung znm Labdath Hclilacli l cho. Oft begegnet ti, daß Menschen in Momenten, wo er darauf ankommt, einen Entschluß zu fassen, sich einfach damit begnügen, einen Beschluß zu fassen, daß sie e« schon für eine Thai ansehen, in großen pomphaften Worten irgend eine Meinung oder Hoffnung auszusprechen. Eine größere Anzahl von Leuten schließt sich zu einem Vereine zusammen, dieser Verein sendet e1׳!en Aufruf in'« Land, ti bilden sich, diesem Aufrufe folgend, da und dort neue Vereint, da giebt es Wahlen und Würden nno gegenseitigen Verkehr, Gelder werden eingesaminelt, es entsteht eine Vielgeschäftiakeit, die eine Fülle von Zeit und Arbeitskraft in Anspruch nimmt, und wer den Apparat in Bewegung sieht, ohne in da« innere Getriebe hineinzuschauen, der glaubt, daß Große» geleistet wird, während in Wirklichkeit nicht« geschieht. Denken wir nur daran, mit welchem Lärm, mit welchen Kunststücken zuweilen Wohlthätigkeit in Szene gesetzt wird. Man liest und hört eine ganze Zeit lang von den Borbereitungen, den Armen zu helfen, von den Sitzungen und Beratungen, von 'den Eifersüchteleien und Rangstreitigkesten, die den Erfolg gefährden, und wenn alles vorbei ist. dann haben sich diejenigen, die va« Unternehmen in’« Leben gerufen, ergötzt, geärgert, unrerhalten, die Zeit vertrieben. Radelstich« empfangen und gegeben, nur die Armen sind dabei fast leer ausgegangen. Roch schlimmer ist eS, wenn große, allgenleinsittliche Zwecke erreicht werden sollen. Es ist lächerlich und traurig zugleich, wie Menschen scheinbar alle ihre Leben-kräfte zusammennehmen, um einen Strohhalm aufzuheben, wie erne scheinbar mächtige Bewegung nur in Worten auStönt. Und diese Bielgeschäftigkeit hat ihre groben Rachtheile, denn so viele beschwichtigen damit ihr Gewissen, als hätten sie wirklich enva« gethan, ein gute« Werk gefördert, einem bösen Feind gewehrt, während sie in Wirklichkeit nur Staub auigennrbelt haben. Solch' ein zielloses Thun mü allen seine» bösen Folgen, solch' ein geschäftige« Rennen und Jagen ohne jebtn vrrnünstigen Zweck zeigt ur« der dieSwöchentlich« Schriftabschnitt, und er zeigt un« auch, wie diese Verlogenheit, diese Thitig- Im, die über ihre völlige Wertlosigkeit sich und aildere täuschen möchch, in Tod und Verderbe» führt. E« geht viel vor, Kundschafter sollte» ausgesandt von de» Israeliten, die an« Aegypten «zogen waren und jetzt an der Grenze de« verheißenen Lande« stehen, um Schwäche«! und Vorzüge diese« Lande« zu erforschen. Da müssen natü>8s lich Wahle» startfinden; «§ werde« die vornehmsten MSaner, ui dem Geschäfte gewählt, die Fürsten der zwölf Stämme i Israel«: lag da nicht di» Sache in den besten Händen?3 Und sie machen sich die Arbeit nicht leicht, vierzig Taget ziehen ste in dem steinen Land« umher, wir viel Klugheit mußten sie aufwenden, um nicht entdeckt zu werden, wie viel schlaue/ Künste mußten sie spielen lassen, .um wieder heil au« brat׳ ' fremden Lande heimzukommeu. O, sie hatten ihre Aufgabe gut erledigt, Weintraube«^! brachten sie nach Hause von erstaunlicher Größe, die I«rai> , Htm hatten wahrscheinlich etwa- Aehnluhe« noch nicht gesehen,׳ ' und sic erzählten allerhand seltsame, jedoch ün Kerne keineswegs! erlogene oder unwahre Dinge; aber der Ton macht die Musik; 1 die ganze Art de« Berichte« bewirkte, daß da« Herz oe«! Volkes verzagt, und die so stug und vorsichtig eingefädeite und geschickt und erfolgreich durchgeführte Kundschaft endigte^; damit, daß Gott über alle damals erwachsenen Israeliten; die Strafe verhängte, vierzig Jahre in der. Wüste lunhcrzll-! wandern und dort zu sterben. Aber war diese ganze Kundschaft wirklich notwendig,' war nicht vielmehr von vornherein alle Klugheit, Sorgfalt, Tüchtigkeit an ein durchaus UeberflüsfigeS verschwendet? Der . Talmud wenigstens ist dieser Ansicht und sagt: ״Auf Mose und. Aron, die die Kundschafter aussandten, paßt da« Wort de«' Psalmisten (c.76,6): ״Betäubt waren damals die Männer starke»^ : Herzens, sie waren wie schlaftrunken " Die Kundchafter׳ halten von vornherein keine andere Absicht, al« da» Kanaan schlecht zu mache», nur daß sie, nach der Meinung l R. Meirs, wie alle pfiffigen Verlruinder, sich an die Regel hielten,'s mit der Wahrheit zu beginnen, um dann für die Lügen! bester» Glauben zu finden. ״ Furcht und Feigheit waren die Urheber de« ganzen i -Plans. Die Israeliten standen an der Pforte Kanaans, so י > lange harten sie in Aegypten gelebt, in der nächsten Rach-'; barschast Palästinas: konnte es ihnen unbekannt scin, daß das Land fruchtbar und gesegnet war? brauchten sie erst 00«3 Kundschaftern zu erfahren, ob es fett sei oder mager, ob gut sei oder schlecht? konnte es vernünftigerweise auf ih Entschliiffe entscheidend wirken, wenn sie die Früchte Lande« sahen? Da« waren wohlfeile Knüste, um die Reu-ß gierde zu befriedigen, oder um den Furchtsamen Scheingrö für ihre Furch» zu geben. Sodann sollten sie nach der Anweisung de« Mose künden, ob das Bolk stark sei oder schwach, ob es befestig Städte im Lande gebe, und nun kamen sie nach Hause und' lehrten ihren Landsleuten das Grusel, indem sie von b(ttjj EuakS-Kindern berichteten. Israel hatte sechs hunderttausend^ kriegsfähige Männer und fürchtete sich vor drei Riesen. War es denkbar, daß die Kananiter sich nicht wehre»? sollten, daß sie nicht so gut wie andere Völker aufgerichtet hatten gegen Angriffe von außen? Wa» haben die Kundschafter erzählt, waS Mose und die Israelit, nicht int Wesentlichen vorher gewußt hatten? . Ja, wenn sie einige wenige Leute nach eine» bestuuustenj Grenzorte gesandt hätten, um die Schwächen diese« zu erforschen, da« wäre vernünftig gewesen. Aber bi« schaft-reife, wie Mose sie plante und wie die Fürsten Jsrae sie ausführten, war von vornherein verfehlt, war ein Prob der Furcht und diente der Furcht, und unsere Asten wd die« ,viel Lärm um nicht«' mit den strengen Worten: , waren betäubt die sonst starkherzige» Männer, .sie waren/ schlaftrunken", aber sie deute» damtt an, daß selbst Männer sich zuweilen dazu verführen lasten, durch ei«e räuschvolle Scheinthätigkest den Eindruck zu geschähe etwa«, während da« Rützstche und »ersännst wird.