Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 23 (2.6.1893)
- Date
- 1893-06-02
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 178 — : Centralausschuffe» bei deutschen Rabbinerverbandei (Dr. Unaerl erber u. Rippuer) Ausdruck. Hierauf erfolgte die Eonstituirung der aus 11 Mitgliedern bestehenden 8er׳ iammlung'). indem der in der Leitung bewährte Dr. Samb e r g e r den Borfitz übernimmt. Das erste Referat über ״Bildüng von Provinzialverbändeu jüdischer Gemeinden" hält Herr Dr.Bogelstein und hebt unter Hinweis auf dendurch die unermüdliche Thätigkeit des Borsitzmden zu immer größerer Bedeutung gelaugten Provinzialgemeiudeverband für Ostpreußen den Segen hervor, den solche Berbäade, besonders auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes. durch Jnspicirung desselben in kleinen tziemnndeu stiften. Nach der Diskussion, in welcher alle Betheiligten fich den Ausführungen des RefereiUen anschließen, wird folgend« Resolution gefaßt: ״Die Rabbiner fällen auch die Bildung von Provinzialverbänden in Westpreußen und Pommern anrege» und fördern." Heber den hierauf gehaltenen Vonrag bei H. Dr.Werner. I ״Sollen Rabbiner in öffentliche Versammlungen gehen und gegen die Antisemiten austreten" entspinnt sich eine sehr lebhaste Debatte, die zur Resolution führt: ״Nur wenn Männer von hervorragender Lebensstellung oder wissenschaftlichem Rufe gegen das Judenchum austreten, erscheint ei gerechtfertigt, daß die Rabbiner in geeigneter Weise die Bestrebungen des AntisemitiimuS öffentlich bekämpfen*)". Den dritten Gegenstand der Tagesordnung bildet ein sehr interesianter und mit großem Beifall aufgenommener Vortrag des Herrn Dr. Hahn: ״Warum ward und wird der Talmud verfolgt?" — Mit dem Vorträge des Herrn Dr. R ülf ״Vorarbeiten zu einer zu veranstaltenden Talinud- Übersetzung" und der hieran sich anschließenden Debatte schließt gegen 6 Uhr nachmittags der erste Berhandlungstag. Das ani Abend voni Vorstände zu Ehren der Rabbiner im Konzert- Hause veranstaltete Festesten, an welchen! auch km 40 Gemeinde- Mitglieder teilnahmen, nahm einen glänzenden Verlauf. Den ersten Toast brachte Herr I. Samuel auf Se. Majestät oen Kaiser aus, in welchen alle Festgenossen begeistert einstimmten. Es folgten sodann viele und geistreiche Reden der Herren Rabbiner, die wiederum von freudiger Genugthuung erfüllt sein mußten, aus den! Munde ztveier Vertreter der hiesigen Gemeinde, der HH. Rechtsanwalt Dr. Mann und Ehrenwerth, zu hören, wie dankbar sie für die durch die Verhandlungen empfangene Anregung seien und daß sie sich bemühen wollten, die Bestrebungen des Verbandes zu fördeim. In gehobener Stimmung trennten sich dir Festtheilnehmer 1 Uhr nachts, ui» anderen Tages ihre segensreiche Arbeit wieder aufzunehmen. Der zweite Berhandlungstag begann mit einem interressamen Vonrage des Herrn Tr. Goldschmidt. Derselbe sprach über den ״Religionsunterricht auf Gymnasien und ') Anwesend waren : die Herren Rabbiner Sam berger-Königrbeug, Goldschmidt-Lolberg, Habn-Stolp, Hoffmann-Neusteitin, Piek-Pyritz, Rippne»Slogan, Rüls-Remel, Silberftein-Eldtng, Unaerletder-Berlm, B o g «lst eia-SteNin, Berner-Dauzig. Staigt Mitglieder waren durch Familienoerhältniss« am Erscheinen verhindert. -> Mir können dieser Resolution durchau» nicht zujtimmen, hier g!lt der Grundsatz: המקום והזמן th bsn, er kommt auf den Ort, Zeit und Umstände an. Man kaun nicht verlangen, daß der Rabbiner in anttsemitsch« Radau-Bersammiungen geht, wo er leicht iusultlrt werden kann, aber in Orten, in welche der Antisemtrismal eben erst importirl, eine ruhig«, der Aufklärung bedürsiior Zuhörerschaft von Hetzrednern anfgewiegelt werden soll, da ist es Pflicht de- Rabbiners, Prediger-, ob« Lehrer«, durch Gegenrede ausklircnd za wirken. Freilich mutz er' sein Publikum kennen und wiffeu, da» e« belehrt sein will. I» groß«!, Stödten, wo es viel Janhagel giebt und die Kontrolle schwer ist, da ist'« besser, der Rabbiner kündigt besondere Bortrög« zur Widerlegung an, als bah er fich in jene Versammlungen beatebt, iu den«» dl« »!.gesagte Redefreiheit durch Stömngeu und Schlutzruft illusorisch gemacht wrrd. Auch nicht jeder Rabbiuer eignet fich zum öffentlichen Gegenredne-, e« kommt nicht auf di« Menge det Wissen« an. sonder» ans Echtnnieitigkeii, Getstesgegenmort, Beherrschung de« in Red« ftchenden Ms-ettals, Routine. Bekaiiulschost mit den parlamentarischen Regeln, auch eine Soft« von Satyr« hat fich 01» probat erwiesen. (Red.) Rralgymuasien", buchte in feffeluher Weste seiue vei« fahrwrgen um Ausdruck und machte Vorschläge, iu Weise der Jugend Unterricht «rlheilt werde« müsse-, um für: de» späteren Kampf de» Lebe«» neben dem modernen Wifleul. auch mit dem seiner Religion ausgerüstet zu sein.') 5ml zweiter Vortrag folgte von Herrn Dr. Rülf: ״Abfassung einer ReligionÄehre in allerwrzester Form." Die Bersammlung nimmt von den intevestanten Ausführungen de« Redners Rosiz und stellt es demselben anheim, ein solche» Lehrbuch auszuarbeitek, um es einer späteren Versammlung vorzutegeu. Der Bortrag de» Herrn Dr. Werner ״Gründung jüdisch-׳ literarischer Bereiue" wurde auf Antrag desselben der vorgerückten Zeit wegen von der Tagesordnung abgesetzt. Aufl Antrag des Herrn Dr. Bamberger beschließt dir Ber- ' sammlung, beim LentralauSschuß anzuregen, dahin zu wirken, ׳ daß die dem Verbände noch nicht angehorenden Rabbiner sich ׳ demselben anfchließen möchten. Mit dem Berichte de« Herrn , Dr. Werner über die Hilfskaffe für die Beamten, dere« Wittwen und Waffen, in dm Provinzen Pommern, Ost- und' Westpreußm schloß der Berbandstag seine Sitzung, um einer Einladung zum Mittagsmahl« in dem gastlichen Hause des Herrn Rabbiners Dr. Vogelstein zu folgen. Mögen die vielfachm Anregungm, welche die HH. Rabbiner gegeben, ' auf fruchtbaren Boden gefallen sein! » Dees»««. 27. Mai. Durch das vor einigen Tagen in ihrem verwmdet und _ _ »war einer Anzahl größerer (Familien-) Wohnungen hiesige würdige unbemittelte Familien. Diese Bestimmung«» ~8״14 der Verstorbenen tragenden Henriettens zum Anbau von einer für hiesige würdige unl wie die ganze gen. ErbschajtSsiname rührt noch von dem verstorbenm Satten Wilhelm Schie, < langjährigem Sen Vorsteher und Chef de« seit einigm Jahren rinaegangeuen Bank» Hauses M. Schie, später Nachfolger) her. Die Verstorbene indeß hat aus freien «stücken eine Summe, die fich durch ZinS und - ZinseszinS auf eine Viertel Million Mark beziffert,Lum Neubau einer . Synagoge bestimmt,die Herr Commrrzimrath Londt dem Semnnderach übermittelte. Da indeß unsere Synagoge durch einm . kürzlich voraenommenm umfaffmden Umbau noch 20 bis 80 Jahr Dimke leisten wird.so wird die Summe einstweilen verzinsend ׳ angelegt. Oefterreich-Ungarn. Der heuttge amtliche Bolizei-Rapport meldet: »Auf Requisition des k. k. Landesgerichtes in Sttafsachen in Wien wurde hmte Nachmittags der aus dm Zeitung« Polemiken über einen angeblichen jüdischen Ritualmord bekannte Paulus Meyer, gewesener Talmudschüler, jetzt angeblich Schriftsteller und Orimtolist, zu Wraczlawek in Rußland 1862 geboren, noch Wilna in Rußland zuständig evangelisch (seit 1. December 1887 getauft), aus Leipzig zugereist, hier VIII., Cottagestraße Nr. 7 wohnhaft, verhaftet und dem genannten Gerichte eingelicscrt. Das Landaerlcht in Leipzig, auf deffm Ansuchen Paulus Mever wegm Vergehens der verleumderischen Beleidigung durch nach 8 187 R.-st.-> ' ' - ־ ׳ ... _>tqu _ behufs Auslieferung verhaftet wurde, ist die Presse >) Wir find dem Herr» Berichterstatter sehr dankbar für den — wahrscheinlich alle» jüd Blättern zugehendm — Bericht, aber wir wären ihm noch viel dankbarer, wenn er un» etwa« mehr über den Inhalt der verschiedenen Vorträge mitgeiheilt hätte, denn mit dm ziemlich abgegriffenen Bezeichouugm .interessant", .mit grobe» Beifall, ausgenommen-, .sehr anregend" ist unser» Leser« wenig »der gar nicht gedient. Wir HSttm z. 8. die -Anfichim und Vorschläge des Herrn Redner« über dm Religiontunteriicht aus Gymuafim in Fvim von Thesen grm aufgestellt gesehen. Rach unsem ebensall« zie«tich reichm Ersabrunam auf diesem Gebi«»« haben sich die Erwaitnngm, die «an an dre Etnführnug de« süd. Religionsunterricht» an dm höhere» Lehranftatten geknüpft hat, nicht erfüllt; da« feste Gefüge der Gmretndr- Religion-schule, in der fich bi» dahin die jüd. Schüler aller städtisch» Echnlrn zusammmfandm und auf di« ihrem Wisse» «nlsprechendm Klaffe» verthM wurde», ist gelockert, das Schülermotertol zrrsplutert, di« Klaffenetntheilung »vd Versetzung «uh sich nach de» Klassenziel der betr. Schulen uud nicht »ach dm Leistung« und Fortschritt» iu der Religion rtchtm und — was das Schlimmste ist — manch» Ellern begnüge» fich mit diesem hschstens zweistündig» Unterricht i, jüd^. Geschichte und Religien und entziehen dt« Kind« dem hebrüsichm ׳ Unterrichfl i» der ReiGioneschnle. Tamit sind aber all« UMMWUtb noch lang« nicht erschöpft.