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Israelitische Wochenschrift · 1893-06-02 · 23 (2.6.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
23 (2.6.1893)
Date
1893-06-02
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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3*״; einen!!rinnt Strauß ju pfliÜe« und sie den Lesern darzureichtN: Im kxoä. IV, 22 nennt Q9tt Israel ״meinen erstgeborenen Sohn", welcher Ausdruck nur bei der Annahme Ginn hat. daß Gott au ch die andere» Völker als seine Sinder ansiebt, die er mit väierlicher Liebe umfaßt. I^eviüeuo XIX, 34 schärft nachdrücklich ein, daß der Fremdling wie der Einheimische zu achten sei, und schließt mit den Worten: ״Liebe ihn — wohlgemerkt den Fremdling, der nicht deines Glaubens und Namen» ist. — wie dich selbst." Tie gleiche Vorschrift, daß es nur ein Gesetz, eine Lehre und eia Recht gab für die Einheimischenwie für den Fremden, enthalten unter Hinweis auf den Namen Gottes die Verse Xameri XV, 15 u. 16 u. a. a. O. Die Liebe zu dem Fremdling legt Moses den J-raeliten Ileuteronomium X. 19 vor seinem lode noch warm ans Herz. Des weiteren sei hier erwähnt das Gebet Salomobei der Einweihung des Tempel«, in dem er des Freniden ״welcher nicht deinen, Volke Israel angehört, sondern von fernem Lande kommt" (I Kegum Kap. VIII, 41 ff) liebevoll gedenlet. Und in diesem selben Tempel wurden alljährlich am Laubhüttenfeste siebzig Opfer für das Wohlergehen der anderen Völker dargebracht. Sollte Jesus, welcher sein Volk reformiren wollte und deswegen das betonte, was er für die Ethik als das Wichtigste ansah, sollte er alle diese Stellen nicht gekannt haben, ebenso wenig wie den Satz aus dem Propheten Maleachi II, 10. (Haben wir nicht Alle einen Vater, hat uns nicht Alle ein Gott geschaffen rc.)? —Wer diese Ungeheuerlichkeit behauptet, darf der sich in Wahrheit einen Christen nennen? Br. Selman hat es wahrlich nicht nötig, dem Christentum dnrch Zurücksetzung des Judentuuis ein Relief zu verleihen. Beide können sehr gut neben einander bestehen, denn die guten und edlen Meusäien in beiden Religionen streben eine« Ziele zu, und ohne den Willen Gottes gäbe ekeine verschiedenen Wege zu demselben. Als das Judenthum noch die einzige monotheisttsche Religio» war, befahl schon ein Lehrer des Judentums, daß «!an die Armen her Heiden — welche den Juden nicht so nahe standen, wie die Bekenner der monotheistischen Reli» gionen — unterstützen, ihre Hungernden speisen, ihre Nackten bekleiden, ihre Kranken besuchen, ihre Tobten begraben und ihre Trauemden tröstm müsse. Sann das Gebot der Menschenliebe weiter ausgedehnt werdm, als auf Heidm, mit bmcit dm Jude» jeder geistige Berühmngspunkt fehlte?" — Entweder muß Br. Äelman die Unrichttgkeit aller obigm Behauptungen und Eitate Nachweisen, oder echt maurerisch bekmnm, daß er sich geltet habe; — dm Bmder liebevoll auf seinen Irrtum aufuierksam machen, ist ja eine des MaurerS höchste Pflichten. In, Uebrigm verweise Äh dm Br. Selman auf die vor 8 Tagm erfolgte Veröffentlichung der Erklämng von mehr als 200 deutschen Rabbinern, und er wird es mir gewiß dankm, wmn ich ihn an, Schluffe an die None unseres oltm BmderS Lesflng erinuere: ״Wohlan, es eifrr jeder seiner mlbestochenm, von Borurteilm fteim Liebe nach! Cs strebe von Euch jeder um die Wette, die Sraft des Steins in seinem Ring an dm Tag zu legen! Somme dieser Kraft mit Sanfwiut, mit herzlicher Verträglichkeit und Wohlthun» mit innigster Ergebenheit in Sott zu Hülf!" Berichte und Correfpo«de«zen. Deatfchlmetz A. P. Berlin» im Mai. (Orig.-Lorr.) Einzelne liberale Zeitungm, deren, euergische Bekämpfung des Antisemitismu2 alle Anerkennung verSient,. gehen meine- Erachte»« in ihrem Eifer z»««it, indem fie jede noch so duum« und freche Aeußerung irgend eine- ^sturen antisemitisch«» Wiukelblätt- «henr wortgetreu »üeder-ebm. Denn abgesehen davon, daß ״״-*־ j au» diese» Albernheiten viel,» viel Ehre erweis »km! dieselbe, «ch mi der leisest» veachtmeg würdigt, Pu l Sach« auch »och «ach der praktisch« Seite hi» timt j theil, der keineswegs zu unterschätzen ist und in jädis! Kreisen vielfach in unliebsamster Weise empfunden wird. Der- : größte Theil der Zeitung-leser erfährt nämlich erst au» den ' liberalen Tage-blättrr», was besser in den zumeist unter AuS-! schluß der Oeffenilichkeit erscheinenden Winkelblättchrn ringe»! sargt und begraben bliebe. Und e» ist noch sehr fraglich, was auf Biele mehr Eindruck macht, ob dir betreffende - Roti jselbst, oder die daran sich knüpfenden Abwehrbemerkung»; wenigstens hat Schreiber diesewiederholt Gelegenheit gehabt,! sich zu überzeugen, daß gerade da» Gegentheil von dem bewirkt wurde, was eigentlich beabfichttgt war. Wozu als» durch derartige Eitate den unleugbar vorhandenen ,latent»" Antisemitismus unnöthiger Weise erwecken und steigern! Ebenso erachten wir e» für ein» Fehler, über jede anti» semitische Volksversammlung getreulich Bericht zu erstatt», wie dies noch immer seitens mancher liberalen Zeitung ge» schieht. Es ist zwar stets daffelbe läppische Geschwätz, da« da zum Besten gegeben wird; bald mehr, bald minder unsinnig und frivol, und man sollte meinen, daß cs jeden Mensche«, selbst den einfältigsten, schon anwidern müßte; aber leider giebt cs noch Biele, gebildete und ungebildete, denen eine gemeine Aeußerung gegen Inden immer interessant und will«, kommen ist, und mag der Bericht d» betr. Neduer und feine Tiraden noch so lächerlich machen, ein Tropfen antisemitisch» Geistewird beim Lesen desselben stet« mit ausgenommen und übt seine unheilvolle Wirkung. Damit soll indeß keineswegs gesagt sein, daß man jede judenfeindliche Aeußerung und Handlungsweise einfach todt- ן schweigen müsse. Soweit eS sich nm Klarlegung des Sachj verhalt«, um Charakterifirung von Personen und Thatsach» und um Abwehr ungerechter Angriffe handelt, ist e» allerding» für alle diejenig» Blätter, welche den Kampf für Recht und Wahrheit auf ihre Fahne geschrieben haben, ,:»bedingte! Nothwendigkeit, sich mit diesen unsauberen Angelegenheit» zu! befassen. Im Uebrigen aber ist. vornehmes Jgnoriren der! kleinen und große« antisemitische» Maulhelden, ob sic red»! oder schreiben, da» beste Mittel, fie schließlich zum Schweig»! zu bringen — und das wäre schon ein wesentlicher ,svttschritt kur Erreichung de« konfessionellen Flieden-, den wir anstreb»^ j Berlin. ES war bisher schon allgemein angenommen und׳ j eigentlich nach d» Traditionell unserer Berwaltung auch selbst» verständlich, daß z. B. für die Anstellung von GerichtSaffeffor» zur größer» Bequemlichkeit der maßgebend» Person» ein«. Liste der jüdischen Anstellung-berechtigten neben der christliche« Liste angrfettigt war. Das, wie gesagt, wäre nicht auffällig» Aber nun hört man. daß daneben noch eine dritte Liste existirt und zwar derer, die im Judenthum geboren und später zu« Christenthum übergetreten sind. Da» ist jedenfalls ein Symptom unserer Zeit. - Berit«, 27. Mai. Während unter den ,Freisinnigen eine ,reinliche Scheidung" vollzieht, macht sich nn anttsemi,,^« Heerlager eine recht unrein l iche geltend. Die Führer werfen sich in ihr» Blättern gegenseitig Berrath, Schacherei Und ähnliche' schöne Dinge vor. Auf d» Vorwurf de« geldgierigen Geschäft«», antisemitismu», den Stöcker gegen die »StaatSbürger-Zb erhoben, erwidert heut« diese: ,Die ״StoatSbürger-Zewmtz^' sich seit Anbeginn der Bewegung de« »attoaal» «ufsckwuu! id. h. der antisemitischen Hatz) in den Dienst derirlben gestellt! ist ihr treu geblieben bi» »um heutigen Tage. Dir flmncn fy Stöcker heute sogar verraten, daß die Folge diestr Haltung »Staat-v^Zeitg? ein ganz erheblicher Abonnenten-Rvckgang , der wohl auch nickt zuletzt durch die Herrn Stöcker ja t. bekannt» lttterartschen Quertreibereien und d von ihm selbst ja iuscenirt« Schlenderkonkurpg verursacht wurde.'"— Stöcker, dieserUrtentone, al» 6״1יeiner ״Schleuder-Konkurrenz", d« in anttkemittsä flott» sonst nur mit dem Beiwort ״fil* ' ' rtsttscher kan» sich oer Kamvf der Arier״ gestalten! — Auch AblwarLO»

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