Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 22 (26.5.1893)
- Date
- 1893-05-26
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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liefert find die Stami der dotai, »eiche als Gelehrte usfc KAwftler, all tltnttx und «I# große GeschüftSlent«, «U einfache Bürger durch patriotisch« Hin^be mck menschenfreundliche Thätigkeit zn rühme» fhüb. Hub man darf behaupte», daß, jeder Fortschritt, de» unsere Gesetzgebung machte, bis ih«» der Lollbefitz bürgerlicher Rechft gesichert wurke, auch die Einverleibung ihre« Geiste« und Genmthe« in da« deutsche Leben vervollständigte. Niemand aber fühlt das Leidige diese« Streite« mit so hei««« Schmerze, als der redliche Jude selbst. Sr hat seither friedlich mit dem christlichen Nachbar verkehr», als Genosse in der Politik, al» Freund im geschäftlichen Berkehr und im Hause, al» Berttauter, vielleicht als Lehrer in Wissenschaftlicher Forschung. Er hat in Gesellschaft mit ifen getrunken npb gelacht, war geehrter vrantzenge, wenn sein christlicher Freund die Tochter vermählte, und hat trauernd seinen Kranz auf den Sarg de« Christen gelegt, hat seine Sähu« für das Saterland in den Kampf geschickt und hat fich al» guter Deutscher gefühlt i» Liebe und «bueiguag. Jetzt steht er entsetzt, daß ein Abgrund geSffnet ist »wischen ihm und seinen christlichen Freunden, und daß immer noch da» alte, grausige Schicksal der Lorfahrrn über seinem Leben und der; seiner Zukunft Kinder hängt. Immer hat er in der Stille, ach wie ttef, die Schwächen und das geschäftliche Sehahren zurückgebliebener Glauben«- genossen empfunden und das Lächerliche ihrer Anmastnug verurtheilt, wenn sie ein unsicheres,Selbstgefühl ungeschickt geltend zu machen suchten. Wenn jetzt die Glocken da» Hohr Chrifteufest eiuläuten zum Gedächttnß, der Boten, welche einst die milde Lehre von der -Nächstenliebe in eine Welt voll von Selbstsucht und Haß getragen haben, so dringt ihm der eherne Ton al« Mißkftng in das Ohr. Er hat für dir Christen aufgehört, der Nächste zu sein. > Möge er gläubig der hohen Gewalt, welch« über ihm! wie über un« waltet, vertrauen. Nicht thatrnloS, denn auch I er soll helft», daß besser werde, um« in seinen Kreisen von starrem Hochmuth und verknöcherter Selbstgefälligkeit zu finden ist. Aber er soll derselben heiligen Lehre von der Lftbe vertrauen, welch« schon vor fast zweitausend Jahren*) den Samariter und den Juten al« Brüder verkündete, die seitdem das Menschengeschlecht aus Völkermord und geistiger Knechtschaft höher und höher heraufhob, um das Dasein aller StaatSgenoffru sicherer, tüchtiger »nd schöner zu gestalten. Dies« Botschaft von Judäa wird auch den Haß zwischen Konfessionen ' und Stmmnbäumen so überwinden, daß unsere Nachkommen deffel'-en dereinst lächelnd wie einer alten geschichtlichen Sage , gedenken." Äir bedauern, daß es urs an Raum gebricht, den ganzen formvollendeten Artikel Gustav FreytagS hier wiederzugeben, vielleicht wagen wir das Fehlende noch nach. Dft meisten liberale» Blätter bringen ihn ebenfalls. Da» ^Leipziger Tagebl." mit folgenden einleitenden Watten, denen wir uneingeschräntt zu stimmen: ..Di« Wiener ״R. Fr. Pr." verlffenili'cht ein« Pfinafttetrachtung mi b.T Feder Gustav AvqtagS, die berechtigte« «ufftyeu mtgtii Wird Dieser «0>t deutsch« Mau«, an dessen germanische» Ursprung und germanischn» Lmpsiudeu selbst der verbissendfte Sntiftmit zu zweifeM sich schwerlich ertthnen wird, hat am Pfiugsttage ein« »ernichtr-.-de Lbrrchuuug mit dem Antisemitilmu» gehalten. Gustav meint, daß e« »ich« möglich sei, über de« Haß, der di« Jude« Hab« und noch verfolge, etwa» Neue« zu sage«, denn Fürste« uad Swatämänurr, Gelehrte «ad Gebildete aller Stände hätte« ihn meurtheilt: trotzd«« kann der deutich« Dichter und Gelehtte, der drütfa>i« Wese« i« sei»«« Wetten wie kein Zweiter erfühl und verhmttildt hat, sicher sei», daß die muthigen und kräftigen Watt«, mit btntn tc am Pstngstsest« gegen Borurtheil und Hast gekämpft hat. weitb'n vernommen und überall einen tiefen Eindruck hinterlasse» »erd«. ׳ - Daß dir Lehr« von der allgemeinen Menschenliebe, di« keiue» Sitte. 9«.!׳ »»acht zwilchen Ein heim-scheu und Fremde», uv, ca. i'»X> iiltec ist, braucht unseren Leser« nicht gesagt zu Werden. (Red.) , 23 mä (Ot^eatz.)' «m m2 hat brr gelehrtest» und scharsinnlgst» »^Mlmndist llchtzarn», Rabbiner Lasar-Kür st in Ghängtzb»-Ha« Zrttliche gesegnet. Er war vor 72 Jahren in G ü n •י h» Rasant, (in dem Gebuttsorte de» Rabbiner« «ose» Gäu«, dtf Rotor» k» derühmten Rabbiner« Akt ba (Sün») E g e *3* Pose») geboonr, und hat berttt« vor 50 Jahren al« junge r-Mann durch ftrnen Scharfsinn de» Namen: »R. Lasar GWRWstWWWWÜWW er wurde der Schwiegersohn de« frWWw» TWtzWWRI späteren Schütt -Szerbahelyer Rabbiners L i jT® a nV Neusatz, de» Bersassers einer Schrift gegen die Bor» rücknng ber Almemor». (Prrßburg 1848.) Durch Selbstunter» richt und großen Fftiß hatte Rabbiner L. Fürst auch ein be» deutend«« Raaß profanen Wissen» sich erworben und hielt regelrechte deutsch« Botträge» »»durch er fich frühzeittg die Abneigung der Ultrootthodoxen zugezogen hatte, und selbst sei» Schwiegervater hatte in seiner Gemeind« schwere Kämpfe deshalb zu bestehen, weil er de« ״dentschrrdenden Lasar Fürst* zum Sckäoiegersohne gewählt hatte. Fürst fnngitte in Gyön» gyös ca. 40 Jahre und hielt in ftüheren Jahren ein« ziemlich frequentitte Jeschiba; mehrere seiner Schüler fungtren in Oesterreich-Ungarn und in Deutschland al« Rabbiner. MnuMn. .3 V>k«reflt. Nachdem die Juden von allen Staatsschulen ausgeschlossen wurden, ist nunmehr die Rrgftrung einen Schtttt weiter gegangen und beauttagte die Ausschließung derselbe« ׳־- aus sämuttliche» öffentlichen Spitälern, welche ebenso, wir dft jj Schuft», von den Beiträgen der Juden ebensogut wie der Christen J erhalten werden. j Da« neue Sanitätsgesetz, welche« bereits den Senat J pasfirt hat, enthält die Bestimmung, daß dft Voranssetznng zur Erlangttng einer Anstellung im Sanitätsdienste rumänische Staatsbürgerschaft und eine Militär-Charge sei. Dieselbe Ouali» fication ist nothwendig zur Anstellung als Gemeindrarzt, Thier» "z arzt, Chemiker und Apotheker in den Spitälern. - 1 Att. 82 bestimmt, daß nur rumänische Staatsangehörige ' da« Recht zur Zulassung in Staats-, Landes- «nd Gemeinde» spitäler haben. Weiter« wird bestimmt, daß Fremde nur gegen Bezahlung von Gebühren Aufnahme finden könnrn und daß die Maxi- \ mahlzahl derselben auf zehn Prozent des BelrgraumeS ftstge» ־■ setzt werde. Der Titel eines Pharmaceuten giebt noch immer nicht da« Recht zur Eröffnung einer Apotheke, hierzu bedarf es einer speciellen Conzesfion de« Ministers de« Innern. Durch diese Besttmmungen sind die Juden von sämmtlichen öffentlichen Spitälern ausgeschlossen. Es ist die« um so bemettenswetther, al» in den beide» kleinen Spitälern der beiden jüdischen Gemeinden in Bukarest: (Aschkenafim und Sephardim), sowie in dem großen Spital« > der jüdischen Gemeinde in Jassy chttstlich« Patienten in libe» -j Tater Weise ausgenommen und verpflegt »«rden. «Marita. Ghie«-». (Kongreß aller Religionen.) Am 26. und 27. März 1893 tagte in Chicago ein Eomitte jüdischamerikanischer Delegaten, um Borbereitung für die Betheiliguug de« Judenthum« an dem während der Weltausstellung zusammentrttenden Pottameme der Religionen zu wessen. Diese« Komifte veröffentlichte ein Zirkularschrttben, da« wir hiermit in möglichst getreuem Wortlaute in deutscher Sprache wftdergeben: An unsere jüdischen Brüderl »Wir, die Vertreter der Union der jüdischen Gemeinde« Amerika'», der Centtalkonferenz der amerikanischen Rabbiner, und eines Chicago« Lokalkomitee'», entbieten den Juden und den Freunden der Juden in allen Ländern unsere beglichen Grüße. Der Weltkongreß, ei« Zweig der Columbia-Ausstellung, hat׳^ die Bekenner de» Judenthum» offiziell eingeladen, sich in dem! Kunftpalaftr vom 1L bis zum 28. September > ft mente der Religionen ftäch Dfi«»aftn