Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1893-05-19 · 21 (19.5.1893) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
21 (19.5.1893)
Date
1893-05-19
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/6492344-5935087-5962214--1574-5375666
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

*■** gnälkl, mb a mter _. ftäbi £otd geleitet, •Mttab Wr affe Bttt Mm Juhialt mw ca. 64 Mark mit godi&ta» die Bafammlong zunächst obigem Späterhin winde der vorgenannte Beschluß der Lerfamm» tnsg aMehodeu uj1& dafür dem Anträge zugeftimmt, das Held rrn Dt. Danneil zu belaffeu. jedoch mir dem ausdrücklichen!satzk io dem Sinne, daß fein Lorirag »ach Ansicht der Bet* amlnng da» Seid Sicht werth sei. Nachdem noch der bi»herige ' StagSabgeorduetc L ore n » e n gesprochen «exctff schließlich der _inet Här Dr. Stern au» Kiel da« Wort, welcher in ßrßndlicher und sachlicher Weise den Standpunkt de» JudeMhum» deleuchteie gegenüber dem Antisemitismus. Die Stellungnahme der Versammlung rum AntisemttiSmu» Äußerte sich in einstimmiger Annahme svlaeoder Resolution: ,,Die am Dteusttm. S. Mai 1866, in der Tonhalle zu Rendsburg Versammelten haben den Vortrag de» Geschäft»» autisemiren Dr. Danneil au» Bieleseid mit steigender Ent» rüftuna angehSrt. Sie weisen den Süttifentintmu» alt eine aller Kultur Hohn sprechende Verhetzung zurück und brandmarken ihn al» eine Schmach de» Jahrhundert»." Jedenfalls ist die Idee, de» Antisemiten da» Eintrittsgeld wieder al»uknövfen. ganz vortrefflich, und sie sollte überall Rach» ghmung im den. Diese Hetzapoftel reden kr»»er» (umsonst, ver» geben»), mögen sie doch auch gratt, (umsonst, unentgeltlich) rede«. Biel, 16 Mai. Sester« Abend trat der Wanderbetzapostel Dr. Toaueil auch hier auf, mit dem möglichst ungünstigen Er- נ!«. Denn wie der Abg. Rtckter im Reichstage mit dem Rektor, verfuhr der Rabbiner der israelitischen Gemeinde, Dr. M. teilt, mit dem Pastor aller Deutschen: da» beißt, er verfolgte ihn mit der Waffe aktenmäßigen Beweises in die letzten Schlups» Winkel seine» Baue» und entlarvte ihn, nach den verschiedensten Seiten diese» gentilen Charakter» hin, in unentwindlich überzeu» gender Weise. Schlag auf Schlag Hagelten die vernichtenden, unwiderlegbaren und unwiderleateu Anschuldigungen auf׳ da» Haupt de» AntisemitenpredigerA hernieder: und diese Anschuldi» gangen, durch welche der Herr Redner den HLlfloS Dasitzenden alo Ignoranten, Lügner und Denunzianten zeichnete, machte, um so mächtigeren Eindruck, al» er jede» einzelne Aktenstück noch Lerlesung auf den Tisch de» Hause», d. d. in die Hände de» י :rrn lkrtminalkommiffar» Kleinschmid niederlegte. Ungeheure irerkeit erregte er. al» Dr. Stern diesem Hetzapostel etn von siaer Bibliothek entlehntes Eremplor de« Schulchau Aruch vor Augen hielt und konstatirte. saß Dr. Danneil überhaupt nicht im Stande war, eine Zeile zu lesen. Länger und länger wurden die Gesichter der Antisemiten, deren Versuche, den Redner zum Schweigen zu bringen, durch die von demselben in die Bersammtaug hineiaedonnerteu Worte vereitelt wurden, daß. wenn er so Erhörte Beschuldigungen gegen einen Monn ausgesprochen, man ihm dock Zeit lassen müsse, seine Anklage zu beweisen. Und dieser Beweis ist gelungen auf das allergnindlichste: da» sah auch Dönueil ein, der, ohnmächtig nwc.s Uu erwidern, sich dieser Berpstichtung üderhob, indem er schließlich, den Redner nuterbrechend, die Beriammlung schließen wollte- Doch dieser Sewoltstreich rief eine Empörung tm Publikum hervor, e» ent» stand auf der Bühne wie im Zuhörerraum ein solcher Tumult, daß der Sriminalkommiffar sich in die Lime versetzt sah, die Bersamm- 1mg im Namen de» Gesetze» zu schließen und damit der Kieler Danneil-Aomödie hoffentlich für immer ein Ende zu setzen. Ceftenti1b<tl»Mtn. Böte» IS. Mai. Es gehört mit zur Signatur der Zeit, daß tm Organ de» österreichischen dient» und Feudal» Adels, dem .Vaterland", gegenwärtig eine Polemik auSgefochten wirb, in welcher der Anttsemitismu» die Juden nicht al« Rare und nicht vom wirthschastlichen Standpunkte, sondern ganz bintt al» Eonsesfion angreift. Man tischt da» Märchen vom «kutritual auf, und man wählt die schwer angreifbare Form, daß man nicht alle Juden, sondern nur eine Seele, die Chasstdim, de» Ritttalmorde» beschuldigt, in der sicheren Er- Wartung, daß die große Mafie die Beschuldigung auf alle Juden übertragen werde. DenHöhepuuki hat diese» Treiben damit erreicht, daß der Pfarrer Deckert von Weinhau», der selbst kurz vor Ostern eine Broschüre über den sogen. Trientiwer Blutmord im 15. Jahrhundert herausgab. gestern im ,Vaterland" den Brief de« unrühmlichst bekannten, au» Deutschasogewiesenen Lonvertiten.' Paulu» Meyer, veröffentlichte Welche.׳ behauptet, al» vierzehnjähriger Knabe Zeuge eine» Ritualmordes gewesen zu sein, den er mit den geouenhaftesten Einzelheiten emählt unter Angabe von Rmuen und Orten, sie sich der Lovtrole entziehen, weil Paul«» Meyer lDssöt^j tenter dem'IS. «uß-ft 1898 ei»׳ gegeben, tatbalchgr e» heißt:er dnechzsehe vieDSekt. nmaüfk Anderer znltche»;man habe ihm wvderholt ue einer Lebensstellung verhelfen wollen, er habe sichaber 0C nüntbglich gemacht. In Stettin habe er al» ein seine» Glauben» willen vertriebener Lyrist die Hilfe eoaaef geltscher Geistlicher und zugleich die von Juden« Anspruchs S" " "" .. 1 über Paulu» Meyer die' Mifstonsschrist .Äalhonml", Hmtw»" burger Blätter, Pastt-r von Bodelfchwingh m Elberfelds weicher besten Au»weisung au« Elberfeld veranlaßte, undes schließlich da» Stöcker'fche Organ ,Da» Volk". Ein Menschs/f welchen die deutschen Antisemiten von sich abschütteln mußten^ wird also vom Pfarrer Deckert und dem ,Vaterland" al») Kronzeuge für de« Ritualmord ausgestellt! Der vom Pfarrer Deckert publicirte Brief de» Paul«» Me ist gestern hier nnbeanstoodet im ״Vaterland" ersctaenen. währr-^» gleichzeitig da» Amtsblatt da» Erkennmiß de» Prager LaNdickS^z gerichte» oerlautbarte, durch welche« gegen die vor Osterner» Wenene Broschüre Decke«'» über da» Blutrituale da« Verbot der Wetterverbreitung ausgesprochen wurde. Au« Ungar«. 12. Mai. (Or.-Eoe.) Die Semttuiß der ungarischen Landessprache hat so sehr zugenommen, daß 89■ Prozent der Juden die ungarische Sprache verstehen, deren- Beherrschung für den Rabbiner hierzulande eine Nothwettdigkeil geworden ist. In der Heranbildung von der ungarischen ׳ Sprache vollständig mächtigen Rabbinern liegt aüch der Schwer- - Punkt der Aufgabe de» Lande»-Rabbiner-Seminor», wetw ef-i durch die neu - ersehende Wiener theologischen Lehranstalt ' keine Einbuße erleiden soll. Wien übt einen mächtige».^ Zauber au»,e» ist eine deutsche Großstadt und hat ein wtchl-I oraanisttte» Schulsystem. Doch beide Lehranstalten sind Zwetgv ' desselben Stamme«. Die hervorragendsten Lehrer an beide« theologischen Instituten sind Schüler de» Breslauer Dreige». stirn» Frankelsrätz-Josil. — Da» ungarischeJudeuth««׳ geht mit der Reeeption einer großen Zukunft entgegen, und- ׳ der geistliche Stand wird durch die Gleiehberechtigung st« Staate sich heben. Wie ich höre, soll die Reeeption auf sämmtlicke mit dem konfessionellen Leben zusammenhängend^ Institutionen ausgedehnt werden, so wird die Ruhe und Ordnung «ährend der Andachten im Gotteshause in der: Nähe derselben gesetzlich überwacht, die Seelsorge iu di« Armee geregelt, >ede konfessionelle AuSnahme-Besttmmung beseitigt, da» BegrSbnißwesen geordnet und der Anschluß an eine Reiigionsgemeiude zur Pflicht gemacht «erden. — Bei der Verstaatlichung berjeft jn Händen der Rabbiner befindlichen LivilstandeS-Regtster(Malriken) sollen die Rabbiner durch die Landeskanzlei materiell iür den Ausfall ihrer Einnahmen entschädigt werden. Die DistriktS-Präsidettteu haben da» Verdienst, diese Eventualität in» Auge gefaßt zu haben. Sie haben in ihrer jüngsten Versammlung den Unterrichts» Minister Grafen Estky für die Gleichberechtigungs-Acte der Gefchgebung gedankt und beschlossen einen Verein zur Pflege der Jüdischen Litteratur im ungarischen Judenthmn zu be» gründen. »Ae»»r«dstt»a. t*. sui. (Eine RewiaiSzeus) A4 rosem: ״jüd. Reklame-Macherei" möchte ich bier ein Geschstmchen erzählen, welche« sich vor etwa einem Bierteliahrbuodert « Ber» li n zuaettagen und welches zeigt, welch innige» Verständniß und welch «ine» Gefühl für jüdische Geweindeongeiegenheilen der selige M. Gottschalk L e » y defeffen hatte. E» war in der Mitte der zweiten Hälfte der SechSziaer Jahre, einige Monate nachdem der selige G. Leun» von Bel» gar» stt Pommern nach Berlin übergefiedelt war. In Berlin gingen die Wogen der jüdischen Gemeinderepräsentantenwa-len sehr hoch: der Gemeiadevorstaud machte die größte Snftreumttge». am die - zur Wahl de» seligen Dr. Abraham Geiger zum Gentetade-Nab» ' diner nwthweudige Masorttät von *׳• der Gemeinderepräfeutaate» . zusammen zu bringen: aber auch die Eonfervattven waren rüh» rig gemefen, um da« Vorhaben de» Ge eitetn. Die Eonst.oattzen hietten im rache» Lachmaua, Dt. A. Seiger io der «emeindevorOmdes-t»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.