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Israelitische Wochenschrift · 1893-05-19 · 21 (19.5.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
21 (19.5.1893)
Date
1893-05-19
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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tm :ung, daß hem Rechce rmd der Gerechtigkeit, bmfklt uß, daß Liebe und ui der Etntracht der S'eg zufallen mul 1 Je, einst auf Sinai verkündet, trotz aller Kä«pfe au» 1? ״ sterniß in Sonnenalanz übergehen werde, wollen wir fröhlich fier» da» Fest der Offenbarung. Aefchetifcher A»tisemM-««s ««u «b,If Pick. Eine wenigsten» dem Namen nach neue und interessante Abart de» Antisemitismus will ich heute dem geehrten Leser uwiaer vr-führen: dieselbe ist aber harmloser, unschuldiger Natur, daß wir sie un» gern gefallen lassen können. E« ist doch merkwürdig, welche Mühe man sich giebt, «m immer wieder etwa» zu ersinnen, wa» man den Juden— natürlich im Allgemeinen, denn generalistrt muß werden — zum Borwurf machen könne. 3$etn Einen gefällt die Nase nicht. — da» ist der R a ff e n antisemit; den Andern ärgert das Geld, welches sich in jüdischen Händen befindet — da» ist der Radau- und Geschäft» antisemit: und nun kommt Herr Adolf Wagner, Professor der Nationalökonomie an der Berliner Universität u. moquirt sich über die Kleidung der Jübinnen, — da» nennt er ״ästhetischen" Antisemitismus. Ah war nicht wenig erstaunt und belustigt, al» ich di» la». Ein so hervorragender Gelehrter, von dem man meinen sollte, daß sein Geis: immer und überall in den höhnen Regionen der Wissenschaft schwebt, hat noch Sinn und Interesse für die Mäntel, Jabot». Pelerinea, Frühjahr« - und Sommerhütchen unserer Domen! Ja noch mehr! Mit seinem, durch wissenschaftlich« Studien geschärften Blicke findet er genau de« Un» terschied herau» zwischen der auffällige», überladenen Tracht jüdischer und der einfachen, bescheidenen Kleidung christlicher Mädchen und Frauen. Ta sage man noch, unser« Gelehrten seien m »en äußerlichen Dingen so naiv und unerfahren, wie die Kinder. Herr Adolf Wagner beweist un» da» Gegenteil. Oder sollte auch hier, wiie so häufig im Leben, die Frage am Platze sein: Oü est In femme? Sollte vielleicht lne Frau Professorin oder gar da» schöne Professortöchterlein bei der jüdischen Nachbarin eine elegante Robe mit hohen, sagen wir — sehr hohen Puffärmeln bemerkt und nun den Herrn Gemahl oder Papa erzählt haben, wie entsetzlich auffallend, luxuriös und geschmacklos sich ״dieIudenfrauen" zu kleiden pflegen? Und der Herr Professor bringt da» eben Bernommene nach streng wissenschaftlichen Prinzipien in ein System und konstruirt darau» einen ״ästhetischen Autisemiti»muS-! — So erkläre ich mir den Hergang der Sache. Denn daß Wagner» absprechend«» Urtheil über die Kleidung der Jüdinnen auf ästhetischen Untersuchungen beruhen sollte, läßt sich wohl annehmen. doch sei dem, wie ihm wolle. Zugegeben, daß e» jüdische Damen giebt, die aus Koketterie und Putzsucht sich ntöglichst geschmacklos und auffällig kleiden, so auffällig, daß selbst ein ästhetisch angehauchter Universität»- Professor w e Herr W. darauf aufmerksam werden kann — wa» hat da» mit dem .Semi- oder Antisemitismus zu schaffen? Sind die christlichen Mädchen und Fraueu vieleicht weniger gefall- und putzsüchtig? Haben nicht alle llöchter Eva's ohne Ausnahme da» gleiche Bestreben» sich durch äußern Schmuck und Glanz, durch die bizarrsten Farbeuzusainmensteüungen hervorzuthun, um die Blicke der Männer auf sich zu lenken, nebenher auch ein Nein wenig den Neid ihrer Mitschwestern zu erregen? Herr Professor, die Geschmacklofigkeiteu, die Sie so sehr empören, sind durchau» nicht spezifisch-jüdisch, sondern allgemein und zum grüßten Theil von der launenhaften Modegöttin voraeschrieden. die so interkonfessionell ist die liebe Eitelkeit, die nun einmal i» der Natur de» Weibe» liegt. So lange daher keine genauen statistischen Forschungsergebnisse auf diesen, Gebiete vorliegeu, halten wir eiae Unterscheidung der Damenloilette nach Eonfessionen für völlig uuberechtigt und wibegründet. jünger« mit sei» ästhetssche» Lmtthema der Annahme, daß eine Krau ihr zarte» im Spiel« gehabt haben müsse. Wagner selbst ist, wie «1 seinem Interviewer gegenüber in schärfster und bestimmtester Weise erklärt und wie er durch sei» öffentliche» Auftreten zumal iu den letzte« Jahren zur Genüge dargethan hat, i» Grunde gar kein Antssemit, obschon man ihn bei der gegen- A wärtigeu Wahlbewegung allzu gern wieder zu einem solche» ''1 ־ stempeln möchte. ״Ich bin" sagt er, christlich-sozial, aber den Antisemitismus, wie man ihn heute versteht, habe ich nie mal» vertreten. Ich halte den Anttsemitt-mu«, der die soziale Frage mit der Judenfrage verquickt, für falsch. Eine Lösung der Judenfrage würde die so zi a le Frage durchau» nicht lösen, und sie bliebe genau dieselbe, wenn wir. überhaupt keine Juden hätten. Aber die Leute schimpfe«; auf de» Juden und meinen den Kapitalisten. DaA^ hat ke nen Sinn. Daß man gegen die Auswüchse M Kapitalismus, gegen den unreälen Erwerb, gegen de» Börseuschwindel durch Steuen und Reformen wirken soll, — gewiß! Aber was hat da» mit den Iu de n zu thuu?" .. . A Wahrlich, man kann nicht treffender die ganze Berlogenheit,3 und Unhaltbarkeit de» AnttsemittSmu» brandmarke»», als dies - Waauer hier mit wenigen Worten thutl Wenn er ״da» jüdische Wesen» d׳e jüdischen Unarten nicht leiden maa, so ist da« eine reine Privatsache, die un« gar nicht» an zeht. Ob e« spezifisch-jüdische Unarten giebt wie auch j üdischer fett» viel», fach behauptet wird, möchte ich bqweifeln; man hat sich dieselben — so will» mir scheinen - wie auch so manche» Andere gewissermaßen theorettsch zurecht konstruirt, und Einer plapperf» nun dem Andern nach. — Seine Unterredung mit Herrn Hermann Bahr, de», Mitarbeiter der Wiener ״deutschen Zeitung", beschließt $crcjj Adolf Wagner mit folgenden Bemerkungen! ״Schaue« fiöj sich einmal die Jüdinnen auf der Straße an, wie die sich! Neiden und benehmen (?)! Da» muß einen gewissen Lp ttschen Antisemin-mu» erwecken —wir empfinden sie eben fremde Rasse, die gegen unseren Geschmack und unsere Ge»1 wohuheiten ist. . . . Aber freilich — Rach und Mittel ba»; gegen weiß ich auch nicht''. °* Nun ich will ihm daSMittrl nennen. E» besteh« einfach dar«: Streng objektiv, nicht subjektiv die Dinge zu betracht«», de» I| Menschen alsolchen, nicht nach ferner Eonfesstou zu,' beunheilen, sich nicht von einer momenwnen Gefühlsregung Hinreißen zu lassen, fonderu genau zu prüfen und zu erwäge», bevor man einen Borwurf gegen einen Einzelnen oder eine! Gesammtheit auSfpricht, und vollends sich nicht, wie e» bei, den meisten Antisemiten der Fall Ist, von unlauteren, selb süchtigen Mottven beherrschen und leiten zu lassen — — i dann gäbeeS weder einen sozialen noch einen ästhetisch«^ Antisemitismus! Berichte und Correspondenze«. Magdeburg, 15. Mai. (Or.^Lor.) Deutschland. vagveburg, 15. Mai. (Or.^Lor.) Zu unserm Ab wehr-Artikel in Rr. 16 d. Bl. ״Bon unsern Rockschößen ab!»schütteln- — sind un», wie wir dessen bei unserem Krise ohnehin sicher waren, au» dem letzteren vielfach« stimmungsschreiben zugegangen, wie andrrerieit» auch meh große Zeitungen ihn abgedruckt bezw. sich unserer une schränken Verurtheilung de» ״Berl. Tagebl." angeschlo haben. Leider können wir von der Stelle, aus welche im Interesse der allgemeinen Moral und de» Judenth insbesondere am liebsten Eindruck gemacht hätten, ״B. T." selbst, dir» nicht sagen. Da» Org aan der Frac . rgan Masse fährt in dem biSherigrn Geist und Ton fort, das haben wir nicht ander» erwartet. Ucbie Gewoh und Unarten, mit denen man groß geworden, wird man sobald lo», in der Regel stirbt mau mtt ihnen. Und. würde ja da» ״B. Tgbl." nicht wiedererknmen, plötzlich einen ganz anderen Ton «V

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