Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 21 (19.5.1893)
- Date
- 1893-05-19
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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- , w1 ,«׳* ״«»K Seit tanger Zeit feiern in. diese« Jgl« Judenthmn und ^hlrtprnheit gewriusam da» liebliche' Pstrgstfest, da» Fest, ' »ttche« »X a» di« Offenbarung am Sinai eriunirt, Reiche brr ganzen Menschheit den Frieden bringe« wollte, nnd wie Andel u>» da» Fest- Ist uu« Ruhe gegönnt »» einer sti»- V»»g«volltn Festesfrrude-»n h»ffmw»»vollrr innerer Erhebung?! Leider müsse» mir diese Frage verminen; selten hatten wir Ürsache, mit solcher Bangigkeit in di« Zikunst zu schauen, Fettmr w«d-diesen FiftdeXftst in , solcher iluruhe dränge», ctMMt von den gehässigen Fluten der WLfibewegnug, welche diesmal «ehr al« je über dasselbe znsammei!schlagen. Ach» die Menschheit, di« fich so weise and fortgeschritten dünkt, besitzt noch nicht da« genügende Verstäub, iß für die . FRedenkmisfiou, welche in den anrrtaunten ״zehn Sorten" ihr Htertiefen wurde; Mensch blickt auf Mensch» Machbar auf Machbar, Reich auf Reich mit Neid und Mißgunst, sie hären Nicht aus die Stimme de» liebevolle» Bate t, der ihnen zu» «ft: ״Du sollst nicht begehren", beuüge dich mit der göttlichen Einrichtung und suche nicht seine» Rathftslnß umzustürzen. — Sie «ollen nicht verstehen, daß die Rüstung de« Einen argen den Anderen nur dem Zwecke dient, da» Verbot ״Du Mllsi »ich» töten" zu übertreten. Ja. heißt׳ e«. r» kann der Laste nicht in Frieden leben, so e» des! bäsen Nachbar Xcht gefällt; ja, sagt Jeder» meine KrsgSbereitschaft soll dem drohende» Unftieden Vorbeugen» und dtkhalb, um den Ktiedcn »ach Außen zu wahren» wird de» Reiche« .Frieden '« Innern mstän. — Seltsame Ironie! Zu« dritten Male seit Bestand de» neuen Reiche» Ward« der Rrich»tag aufgelöst — nicht einmal au» dem ^Grunde, »eil Werk« de» Frieden» direkt bedrolü werden, sondern tweim ä l »eil militärische Forderungen nicht bewilligt wurden, ft hohe Rrich»regi«rung kann es sich w»I>l gefallen lasten, ^Wchln Vorlagen wirtschaftlicher Natur von! Reichrtage ihr ':nicht bewilligt werde«; sie besitzt aber nicht dft Genügsamkeit — und kau» sie wahrscheinlich nicht besitz, u — fich zu begnügeu, wenn ihr kriegerische» Begriuen nicht gutge» heißen wird. Bet aller Treue und Loyalität im Bewußt» 'sein, wenn da» Vaterland in Befahr ist. da» Letzte für seine Rettung prriSgrbe» ,» wollen, steht der Unterthamnverstand vor der räthselhafte» Krage, warum der zweikrlhaste Friede im U^nßern durch Bedrohung de« inner» Frieden» er» kauft werde« muß- Wohin wir blicken, nickt« al» Spaltung, »lcht» al» Trennung, die hundertköpfige Hydra de» Haffe» erhebt j Ach mit giftigen Zischen, und in dieser Stiu muag sollen wir : da» Pfingstfest begehe,, welche» Prirfterthnm fthrt. Heilig. \ feit predigt «ad die Menschen für di« selige Zeit erziehen will»! ״da ein Volk gegen da» andere nicht mehr dal! Schwert erheben »uh man de» Krieg ferner nicht lehren nirh" . - Mit schmerzlichem, aber berechtigtem Neid blicken wir | da aüf den befreundeten Nachbarstaat Ungarn, wo da» > Psiuastsest Gaben de« Frieden» verteilen, daN Panier edelsten j : Menschenthum» aufpslanzea und »useru»!filauben-geuoflen i die ersehnte Gleichstellung bringen soll. Israel, da» am Hinai dir Srkenntniß de» einzigen Gotte» zuerst empfangen ׳ hat. soll zuguter letzt — spät aber doch - seine vollen J ,scheu- und Glaubentzrechte erhalten, «ad darin liegt der j Punkt deffen» wa» dort erreicht wer»«« soll. Nicht! sl» ob wir auf den 8 2 de» Gesetzeutwure»*) viel Werth! legten — ach nein, .wir Jude« wolle» ja nur unsere «lau- Haft»» und Eristeurberrchtignng in völliger Gleichstellung gesichert sehe», wollen keine Proftlyteu machen l ud e» wird von 'diesem K nur der brsch'änktefte Gebrauch gemach! werde», aber zur vollständig»»- de» schönen Bilde» mm, er in diesen ihmru hinmegepaßt werdru. Dft Hauptfach k bleibt für dft »xrische» Juden, daß die Motiv« der Regiirung e» hewor- - V die lt-beettt cke »«,der israeltWie» Retigtv» »«, וווו «rifitichen •luta 1k israelisch«, 1-» 14MU heben, wie ihr.Wunsch nach Auerkeuuuug der. israelitische« Religio« ein berüchtigt«» und kei» Grund vorhanden sei, den israelitischen Mitbürger» ihn zu verweigern. Wa» dort von ״ früher, aw gesetzlich gevwrlt erwähnt - wird; »daß die Mairtken , ihrer Geistliche» al» ösftutliche Urkundea anerkannt wer»«»"» ״daß du Staatsbudget für israelitische kirchliche Zwecke von Jahr zu Jahr eine grwiffe Summe al» Unterstützung fest» gestillt wird" und ähnliche schön« Einrichtungen, welche «» al» eine Anomalie erscheinen laffen, daß für die b:reits faktisch rrzipitte israelitische ״Konfession" nicht rin -rtikel im Gesetzbuch zu finde» fei, ״welcher fich mit der i»rael׳tischen Religion ak» solcher und deren staatsrechtlicher Strikmy; be» schästsgen würde" — erscheint den Juden in Preußen al» etwa« fast Unerreichbare» und läßt flr ersehnend seufzen: O, könnten wir doch der Offenbarung iheilhaftig werden, tvelche unsere GkaabenSbrühet in Ungarn bereit» vor fönfund» zwanzig Jahren beglückte! Allein, so seltsam e» Uingt, e» giebt Leute in unserer eigenen Mitte, welche diesem Gesetze genau mit dense btr: Ge» fühlen gegenüberstehen, »ft Lieft den Berg Sinai bettachtete»; deffeu Heilslehren sie nicht vor dem frevelhaften Verlrnge« schützen konnten, .,wir wollen un« ein religiöS-konservative» Oberhaupt wählen, um nach dem finsteren, stanen Aegypten zurückzukrhren!" E» find Lem«, welch« jedem freiheitlichen FrühlingShoukye abhold, für da» winterliche Ghetto schwärme«, welche» Luft und Licht bei ihnen nicht eindringen ließ, und s. Z. konsequenter Weise gegen jede Emanzlpatton agitiren , oerr» Segnungen fie trotzdem ״mit geduldiger Ergebung" über fich ergehen ließen. Mit dem Judenthum im mottigeu Kaftan coquettiren fie heute noch wie damal«, well e« ihrer Herrsche sucht mehr Nahrung giebt, e» ist ihnen auch bequem», alst da» tagerhelle frische Judenthum, da» den Zeitgeist aus sich einwirkeo läßt, welcher e» neu« Lebenskraft einathmen, es i« anmutiger Jugrndschönc erblühen läßt. Man sollte e» kaum für möglich halten, daß rin!׳rtha» boxe» ״Leuttalorgan" über die in diesem Gesetzentwürfe nicht erwähnte innere Organisation zwischen Orthodoxe und Li rerale " seiner Ansicht dahin Ausdruck verleiht, ״daß diese so hochw'chtige Frage von Selten de» ob feiner Liberalität allgemein geschätzten Kultusminister« Grafen Csaky in echt liberalem. Sinne zu Gunsten der Orthodoxen gelöst werden, wird." Man weiß nicht, ob da» ein unzeitiger schlechter Litz» oder Heuchelei Ist. ״D» liberale Sinn de» Minister» soll dft Magd der Orthodoxen sein"', — er soll nickt ein» mal Licht und Schatten gleichmäßig verftilen, hoffen dft Herren, fie allein »allen au» der liberalen Biene den j^onig saugen; die Anderen haben nicht mit am Sinai gestcnden. Diese verdeneu keine Berücksichtigung, selbst wenn st; dft Mehrheit in sich vereinigen, dean die Otthoboxen in Ungarn ׳ bilden doch nur — nach dem Nu-spruche d«S Minister», ans den die vorerwähnte Aeußerung fich bezieht — ״einen gut,« (-) Teil der JSroellftu. welche dft Kongrcßbofl» nicht aeecptitt haben, also nicht, wie man nach den, Lorhergesagten aan,:hiueu > sollte, ein« nennenSwerre Masse. Wenn e» den Herren paßt, so handeln fie sogar ״klassisch" im Sinne de« Satze»: ,,Nicht in Stimmenmehrheit liegt de» Rechte« Probe". Glücklicherweise ist da» ganze Wohl und Wehe de» Juden» thilm» nicht von ihnen abhängig, wenn fie auch in der Lage find, unberechenbaren Schaden durch derartge Ausfälle und AuPipfungee anzurichten. Möglich, daß fie blo« nicht anffen, oder bedenken, wa» fie reden; sedenfall« vergessen fie, daß der hiiamlische Vater nicht im SBoltenbuntct, sondern in lichtrollatt und leuchftude« Glanze erschien, in Licht gehüllt, welche» allen Menschen zu allen Zeiten erstrahlen solle. , Hoffen wir, daß die Segnungen, an welche wir in diesen Tage» gedenken, unser thenre» Vaterland, deffen E »gkeit wir mit dem Vlnft unserer Kinder kitten geholfen haben» auch, jeist ln schwerer Zeit beschatten werde», daß «» auck» di:se« Tagen der Prüfung ln strahlende« Glanze hervarß «ck sich bewähren werde «lr et» starke», sstldrwußte ÜiheüWG der