Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 21 (19.5.1893)
- Date
- 1893-05-19
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Ti« Spaltung ist eingetrrtm; .sie könnt« kein« -Wes. »sch». der ausmerksam den Vorgängen innerhalb der Partei gefolgt »ar; mir hatten in unfern beide» WahlarttÜn t* deuUich auSgesproche». daß die Mllitärvorloge eine große Zahl von Freunden habe uuter den freisinnigen Parlammtarier«. Damals haben die radikalen Zeitungen, die natür» lih Alles beffer wissen, uns mit den heftigsten -uldrücken gescholten, all wir die Ansicht äußerten, ״e» gäbe keinen Tonflikt zwischen dem ReichSrag und Reichskanzler, wenn Benntg. sen. Rickert und Hintze die Majorität im ReichPagt hätten." Jetzt zweifelt Niemand mehr, daß Ricke«, den unsere Gegner gewöhnlich als den Führer der Judenschutztruppe bezeichnen, mit dem Kanzler schon im altm Reichstag fast -einig war und sicherlich im neuen Reichstage sich einigen wird. Ueberhaupt steht die ״freisinnige Bereinigung", deren Führer stets am wärmsten für die Rechte der Juden eingetrete» sind, von allen Partei» der Regierung am nächsten. Di« Tonfervattven hätten nicht-dagegen gehabt, wenn Laprivi über die Militärvorlage gestolpe« wäre; die Agrarier find die erbitt.rten Gegner des Minister«, der die Aetreidezölle herabgesetzt hat; die Ranonalliberalen können eS nicht »er. gessen, daß Bismarcks Sturz die Vorbedingung von Caprivi'S Erhöhung gewesen ist; das Centrum bekämpft die Militär- Vorlage auf- Aeußerste; die freisinnige Bereinigung jedoch, die Pa«ei Rickert-Bamberger. steht auf Seiten de- Kanzlerln der Frage der Handelsverträge, während die Tonfervattven ivn befehden, und wenn auch in dem Wahlaufrufe der freisinnigen Bereinigung die Zustimmung zur Miliärvorlage noch nicht klar ausgesprochen ist, so bedeutet die-nur so viel, als daß der Versuch gemacht werden wird, dem Reichskanzler etwa« abzuhandeln. Welche Partei aber ist unS Juden so sympathisch als diejenige, an deren Spitze Ricke« steht? Was wir vor Ostern als unsere Vermuthung aussprachen, ist jetzt offenbar geworden. Die besten Freunde der Juden sind auch die besten Freunde der Reg erring und wir dienen der Regierung und un« gleichniäßig, wenn wir diese Partei^ zu stärken unbemühen. Wir müsten unS darauf gefaßt machen, daß die Gleichberechttgung der Juden im neuen Reichstag angetastet werden wird ״den Ahlwardl sind wir lo-, die AhlwardtS find geblieben." Die Gleichberechtigung ist im Gesetze ^verbürgt und kann nur durch ein Ersetz wieder zurückgenommen werden, Dafür ist der Reichstag t ie entscheidende Instanz. Aber für viele Mitglieder des Parlaments ist die Ansicht der Regie- «mg wenn auch nicht beitioimend, so doch mitbestimmend. Sodann füh« die Regierung die Gesetze aus fwtb sie läßt sich dann in Deutschland nicht viel dreinreden. Auch die deutsche Regierung ist menschlichen Regungen zugänglich und «S wäre nicht zu verwundern, wenn die Animosität der maßgebenden Kreise gegen die Juden wüchse, sobald "die Judm In einer so hochwichttgen Frage, wie die der militärischen Bertheidigmlg de- Landeschroff oppositionell wären. W r können als Wähler unser Auge nicht verschließen geg n die Strömungen, welche die Judenemanzipatio» beseittgen wollen. Bei früheren Wahlen kam diese Angelegenheit nicht auf die Tagesordnung. Heute ist sie durch da«. Betreiben der Konservativen auf die Tagesordnung Mid» Stimme gebe,. dir tzeist ktztitzmDiSm«, die! dem J»te» sollte tztz» es verapje», ton ff f&t . $or§t ist, dipse Sistpßaahe auMgtzchechweuj er D Stimm» da, Geysicht der« iWMkftz Gls, djt Pe bi Ges>tz^b»»g bestesP h« GlztchßenGtiPuG cha Meßorv gegenüber tzllen Angriffen vercheidigea? L» wäre sguderbar, dem Jade« znzumuthen, daß er als Wähler vergesse» soll, wa« ihm das Höchste fft pud was gpch da, deutsche Bott i» dm letzt« Jatzr« «mst erregt Hat. Glücklicherweise has sich jetzt die Situation zu Gunste» der Juden gekärt. Jetzt braucht sich «ich der deutsch-fach» sinnige jüdische Wähler nicht »on bat jKtaacm zu trennen^deae» er bisher sei» politisches Berirauen geschmv hat und kau» dennoch der Regierung uud dem kaiserlich» Willen entspreche«^.- Dem Deutsch» jüdisch» Bekrn«t»rffeS giebt ei politisch kein höheres Ziel, als in Recht und Pflicht in Rech und Glied zu steh» mit all» ander» Deutsch» und dem Baterlonde j» dienen; kein Reichchum, kein sonstiger Erfolg könnte uns träft», weon die Bestrebung» der« siegten, die unzurückdräng» wollen. Werdiemttrrmmmt, ist uusrr Feind »nd wir bekämpf» ih« auch mit der Waffe de« Stimmzettel« und wir find wiederum zu jede« sittlich möglich» Opfer be» reit, uw da- Recht he- BürgerunS zu erhalt», um «u» Freunde zu erwerben, die für uuS streit». Wir wollm dem Katfer, der Regierung willig Folge leist», soweit nufere dcrzeugung e» .-»läßt, uud mllhl« mit Freud» fteisinuige Männer, die auch Freunde der Regierung find und ihr die verlangt» Mittel zu« Schutz de« , LaudoSündzur Erhfftuug des -Friedensicht versag» Aber bei der Wahl zweier Uebel ist einem Jude» der Antisevnt dagrößere und wen» ei» prrußffcher Laudrach und Geheimer Regierung-rach sag» durste: Besser ei» . Ahlwardt als ei« D»ffchfreifim»iger, so muß er eine« Juden sicherlich ertaubt sei», zu sagen: Bester ei« Sozialdemokrat, 7 al» ein Antisemit. Hoffeatluh wird uns der Wahlkampf Nicht ׳ in solche Berleg»heit bring», sondern wir werd» wähle»;3'־ können: gerechte und dämm auch gegen' ihre jüdisch» Mitbürgec gerechte Freunde der Regierung und der Müitärvorlagf.^ Diese Militärvortage ist uns sympathisch, zunächst weil der Kaiser und seine Räthe sie woll», weil sie ohne die Be» größerung de- Heeredm Fried« und da- Vaterland für , gefährdet eracht», sodann weil diese Vorlage die allgemeine Wehrpflicht verwirklicht, weil sie die Last» de» Einzelne»;-? durch die Einführung der zweijährig« Dienstzeit erleichte» wir glaub» «icht, daß eS dem Lauzler uud Kaffer gleichgültig? ist, die Steue» und die periönlich» Last» zu erhöh»; vhuei die BaterlandSliebe derer anzuzweifeln, welche die Borlagr? bekämpf», sollt» wir die Beraittwoctung fürchten, die «uckM der schroffen Oppositton geg» diese Borlage entstehen könnte^ Bei der jndenfeinklich» Erregung der Gemifther, die sei Jahr» auch von dm oberst» Gewalt» in Prevßea und iy» Reiche künstlich genährt Word» ift,,.siad für die die Gefahr» «icht zu unterschätzen. Di» Lieb« zu« terlaude uud die Liebe zur eigen» Religion und unserer relig öse» Gemeinschaft erheisch» e«gebieterisch^ daß wir Jud» i» Deuffchland da- Feuer «icht sondern dämpf», daß wir den Konflikt »icht versä solcher», soviel a» uuS