Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 19 (5.5.1893)
- Date
- 1893-05-05
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/6492344-5935087-5962212--1555-5375649- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
«echselt, — und der Jude für di» Maßen dir zunächst erkennbar« Repräsentant der Gel-Herrschast sei. x»8o Hab« ,war di« antikavitalistisch« Bewegung nur durch da» Ventil de» Jo-imhaffe» s« Atmudert werden können, daß st« vor dem Einmünden in di« Socialdemokratie bewahrt blieb: ferner sei damal, dt« Mehrheit (?) der Parlament» tudenfetndlich <?) gewesen, er Hab« aber trotzdem weitsichtig die Rechte -er Juden nicht geschmälert. Die Aera Ahlwardt sei die Folge der ietzigen nnprvdukttve» Politik, die feiernde Kraft '»che «ine Entladung im antisemitischen Sport. Er wäre mit Ahlwardt ohne Gerichte und Kommissionen rasch fertig geworden. Dar Geheul aegeu die Jaden sft Feigheit, man wolle nur die Nothrofe de» Volke» Sbertönen. Er habe nie »m Beifall >weder bei Antisemiten noch Juden gebuhlt und geselle sich auch brnte keiner der beiden Partien zu. Gesetzliche Mittel -egen di« Juden seien zwecklo», allinälssich würde die ver> mischnng und Kreuzung der Raffen da» Ihrige thun. Di« Br harrlichkeit, mit der bald Juden bald Antisemiten al» allergesöhrlichste «etnde de» Reiche» «»»gegeben würden, »oährend an mancher entscheidenden Stell« da» Gefühl der Verantwortlichkeit fehle, während Polenthum, Freihandel, Lentrum und Socialdeniokratie sich za ver- Än Mahlzeiten rüsten, erinnere ihn an Männer, di«, weil fir mit umringenden Raubthieren nicht anzubindrn wage,», ihren Beiden - math an einem Mückenschwarm aurtoben!" Enthüllung, das Fürst BiSmarä 1880 die antikapitalistische Bewegung nur durch da» Ventil des Juden- Hasses habe mildern können, ist insofern bemerkenswerth, als Fürst Bismarck damit seine Mitschuld an der von Stöcker -entfesselten roüsten Agitation unumwunden eingesteht. Heute wird Fürst Bismarck sich längst selber gesagt haben, welch große Thorheit er beging, den Teufel mit Beelzebub aus» treiben zu wollen. Taß der müdrrne Antisemitismus nichts fei al» eine antikapitalistische Beilegung, deren Früchte die Sozialdemokratie rinzuheimsen hofft, da» gesteht selbst das Stückerblatt ״Volk" in seinem neuesten ״Manifest" ein. jtifa, 30. April. (Or.-Eor.) Sie laben in vor. Nr die absprechenden Ürtheile der katholischen Blätter über die .Iüd. Presse" und »Zeit. d. Judenth." gebracht, die heutige Nr. der ״Köln. Volkszeitung" -fügt unter der Rubrik ״Jüdische Herausforderungen" noch ihr Verdikt über den ,Israelit" hinzu. Sie schreibt: ״In jüngster Zeit konnten wir mehrere Aeußerungen von jüdischen Organe» anführen, loelch« di« bekannten, vom Journ.">und dem ,^vrrltuer Lagebl." verübten Berletzungen de» christlichen Befühl» mißbillige». Jetzt sieht stü die ״Berm." veranlaßt, «in >«ligiöse» jüdische» Blatt vorzusührrn, welche» nicht nur kein veruriheilend«» Wort für den skandalösen ,Oster"-Antkel de» ״Kl. Journ." bat, an de» e» speciell -anknüpft, sonder» die an diesem Artikel von Teile« der ״Berm." geübt« Kritik zu einem Ausfall auf die christliche Prest« benutzt. Da» »ikentral» Organ für da» orthodox« Judenthumläßt sich folgendermaßen ver» nehmen.-" (Es folgt nunmehr ein längerer Artik:l aus dem .JSr." — ohne Angabe der Nr. —, den hur wnderzugeben es an Raum gebricht.) Es heißt dann weiter: ״Die ״Berm." betont gegenüber dieser Au»!affung, daß e» nicht «1» reform-jüdische», sondern «in da» orthodoxe Judenrhum vertretend« Blatt ist, welche» diese anmaßend«, herautsordernde Sprach« mit ihre» hämischen und nicht»«ürdig«n Insinuationen führt ״Un» freilich", so fügt die ״Beim." hinzu, ״wundert diese Erscheinung uicht; denn der »JSraelithat sich stet» durch eine, den Haß aeg:n da» Lhristenthum bald offenbarer, bald versteckter bekundend« Tendenz in besonderem Maße hervorgethan, und kaum eia andere» specistsch jüdische» Organ hat der christlichen Presse so viel Anlaß zur Zurückweisung eben so aamaßender und überhebender wie ungerechtfertigter Angriffe gegeben, al» eben der .JSraelit".*) Zum Schluß schreibt die ,Köln. BoltSzeit.": »Inzwischen geht uu» di« neueste Nr. der,Israelitischen Wochenschrist" zu, welche neulich di« bekannten nlchtSwücdige» AuSlassunaen de» .Bert. Tagebl." zurückgewiesen hatte. Aus u>1«re Frage: »Wo war denn di« .JSr.Wochenschr." früher?- antwortet tie.JSr.Wochenschr.", sie Hab« schon wiederhalt ihre Stimme gegen dera tige Beschimpfungen, so «eit sie zu ihrer Kenmuiß kamen, erhoben. Die »Wochenschriftweist dabei auf ihr« Nr. 36, Jahrgang 23 hin, worin sie (unter .Neiss«-) *) vir könne» hierauf erklär«», daß wenn auch der ^Z»r." st ch da» .Lentrnl-Organ skr da» knhodox«Judembumneunl, er hierzu Har kein Mandat Hai, 'und daß ebensowenig wie für da» »Kl. Journal" und ״Perl. Tagedl." keine Nicht»»- im Judenchum für dl« U»»- lassa»gr» de» ״J»raelit" die Berantwortlichkeit iidrrntmntt; «er die Berhäktniff« der specistsch tüd. Blätter näher tarnt; weiß, daß je re»- mal nur der Serseine» Ailttel» für da» v«m»w»rtliq ist, wa» er jchrAbtt vir verwesen aus de« Lettartüü ^.g»d« Presse" i» -ür^e^Nr. sich ebenfalls gegen einige sogen. .Judenblätttr" au»«lass«a und hervor» gehoben habe, daß auch da» jüdisch-religiös« Bewußl'ein gar oft durch da» ,Berl. Lagebl." verletzt würde. Bo» der »J«r. vockeaschr." liegt srtzt bereit» di« Nr. 18 de« 24. Jahrgang» vor. Man kann daher nicht sagen, daß sie mit besonderm Eifer gegen die doch wahrlich nicht seltene»(?) anti-christlichen Ausschreitungen ladt scher Organe vorgegangen sei." Wir bemerken hierzu, daß wir nur Beispiels halber auf die Nr. 26 deS vor. Jahrgangs hingewiesen hatten, wir hätten noch andere Nummern au» früheren Jahrgängen ansühren können, aber wenn die .Köln. Volkszeit." trotz unseres Proteste» etliche Bvlsen- und sonstige liberale Berliner Blätter nach - wie vor ״jüdischeOrgane" nennt, so müssen wir erklären, daß wir alle diese Blätter unmöglich controlliren und rectifiziren können. In früheren Jahren fiel es auch Niemand ein, gewisseliberalepolitischeZeitungenfür,jüdische"zu erklären, diese Mischung und Verwechselung politischer und religiöser Begriffe und die Nufbürdung der Berantwortlichkeit Aller für Einen, ist eine Erfindung des Antisrmismus, welche Windhorst schon für verkehrt und verletzend erklärt hat; in seiner Rede vom 20. Nov. 1880 sagt er: »Liner der Haavttmnkte, worüber die Juden sich beklagen können, ist nach meinem Dafürhalten der, daß man, wenn ein einzelner Jude oder «in« Mehrzahl von Juden, ein Shell derselben etwa» gethan hat, wa» mtt Recht gerügt werden muß, daß man die» verallgemeinert und generell hinstellt, a!» al» ob e» di« ganz« Judeuschaft träfe. Da» ist grundverkehrt und grün-verletzend. Mögen die kath. Blätter dieses wahre Urthcil ihres im besten Andenken auch bei uns Juden stehenden bedeutenden Führers beherzigen und gegen uns gerecht sein. Nerei«, 30. April. (Or.-Corr.) Am Donnerstag den 26. d. M. fand in den Sälen des ״Vereins junger Kaufleute" die diesjährige General-Versammlung leS ״Centt.alvereinS für die Interessen der jüd. Gemeinde in Berlin" statt. Zunächst tagttn die fünf Brzirksvereine in den Nebensälen, ivorin dieNeu- und Ergävzungswahlen vorgenommen wurden, um sich bald darauf in dem großen Saale zu vereinigen mb die Harnt- Versammlung abzuhalten. In derselben gab drr Vorsitzen« einen Bericht über die Verhandlungen der gegnerischen Partei vor der Repräs-ntanteuwahl im November v. I. und über das Wahlresultat, wobei, wie wir s. Z. berichteten, von den aufgestellten Candidaten elf Herren als Repräsentanten gewählt wurden. ״Wenngleich nun diese 11 von 21 Repräsentanten die relative Majorität besitzen, so sei es doch keineswegs sicher, daß wichtige Beschlüsse über Synagogen und Schulen im Sinne unseres Vereins ihre Erledigung finden. Denn der Hauptfaktor in der Gemeinde sei doch der Vor st and —der im November dieses Jahre» zum Theil neugewählt wird. Bleiben die heutigen Machthaber im Amte, so bleibt auch das System dasselbe, ttotz unserer Repräsentanten! Unser Verein wird aber nicht eher ruhen, bis alle ansere billigen Forderungen erfüllt sind. Wir wollen nickjt allein erne Religionsschule im Westen (die der Vorstand jetzt plant, Rabb. Dr. Weiße soll der Dirigent derselben weiden, ob derselb« aber der Aufgabe in pädagogischer Hinsicht gewachsen sein wird, kann er die Zukunft lehren), sondern besonder» im Osten und Norden." Herr Scheyer beleuchtete nunmehr die Brrhältnifie im Besonderen und gab ein erschöpfendes und klares Bild über alle Vorkommnisse innerhalb de» Gemeindelebens. Er beklagte u. A. daß itt sämmtlichen Betsälen, die der Vorstand an den Herbstseiertagen in sämmtlichen Stadttheilen errichtet, die Liturgie der neuen Synaaogen eingeführt sei; man solle doch mindestens für d«ese Betstätten im Westen und Osten das SachS'sche Machsor benützen können. Der anwesende Repräsentant, Herr Leichtentritt, äußerte sich auf die erwähnten Wünsche und Beschwerden dahin, daß dieselben auch innerhalb de» Repräsentanten-Collegil-.ms schon Gegenstand der Berachungen waren und mit der Zett alle ihre Erledigung finden würden. Sodann kam wieder die leidigeKoscher-Fleisckj-Angelegenheit zur Diskussion. ״Gebt un« (billigeres) Fleisch!" d. h. Helsen Sie ueS die Ertrasteuer, die die Fleischer an die Gemeinde bezahlen müffru, beseitige«, damit die ärmere Bevölkerung