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Israelitische Wochenschrift · 1893-04-28 · 18 (28.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
18 (28.4.1893)
Date
1893-04-28
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Aas Aschenöröoek des Hteligionsunterzichls. von Bernhard Traube ab erg In Berlin/ i Mjt Reckt klagt man über den MaterialismuL! der Zeit, der die auf der Hetzjagd nach Älück begriffenen Menschen iiicht zur inneren Rübe, zur Einkehr i1׳ sich selbst, zur würdigen Schätzung unserer vielhundcrtjährig ausgestapcl:en idealen Güter kommen läßt. Die Ueberlrgcnhcit. die dein Heldmachen überall und an allen Orten über den Besitz von üicht in baare und blank« Münzen umzusetzender Bildung zugesta rde» wird, drückt dem heutigen Geschlecht den bezeichnenden Stempel aus und characterisirt cS als ein vom Moder schlimmsten Eigennutzes angefrcsseneS." Diese Erscheinung kennt keine »ationalen Schranken und keine politische» Unterschiede, keine EtammeS- und Rafserücksichten, im äußersten Norden wie im fernsten Süden, alles was irgendwie sich hat r on moder- »er Tullur übertünchen lassen, macht den Tanz uir's goldene Kalb mit. ES wäre verwunderlich, wenn die Inder sich nicht on diesem Tanze beiheiligten. Die Folgeerscheinungen desselben, die Lichtwie die Schattenseiten, können auch bei uns nicht ausbleiben. Der MäteraliSmuS mag schließlich auch als einer jcier Geister angesehen werden, die das Böse wollen und das Gute schaffen. Al» Triebfeder der ungeheuren technischen und anlieren himmelstürmenden Fortschritte, die unserem Jahrhundert sein Gepräge geben, hat der Jntelessrninstinkt wohl t>as meiste beigetrügen. Ich denke hier aber nicht an diese Lichtseite des MaterialiümuS, sondern an die Kehrseite der Medaille; der MateriariSmuS läßt in seiner unersättlichen Begehrlichkeil und in dem Heißhunger nach äußerem Besitz die reine, uneigennützige, von keinen Nebenabsichten getrübte Begeisterung für daS Hohe, Wahre und Edle zmücktrctcn und ermatten. Kunst und Wissenschaft, die wieder dem MalerialismuS Borspanndienst leisten müssen, werden daher in imposantem Maßstabe von ihm gefördert und gepflegt, dagege r diejenigen Zweige menschlicher Bildung und Erkenntniß, denn Studium nicht mit Wucherzinsen im gewerbliche» Leben vergütet wird, hintangrsktzt und arg vernachlässigt. Wenn dir Religion sich der Huld dieses genaltigen GebietrrS der Zeit nicht zu erfreuen hat, so ist das keine besondere Abneigung, mit der er gerade diese verdientes!e GemüthSbildnerin verfolgt, sonder» ein allgemeines Eharakteristikum dieses Herrscher», dag er sich mit Dingen, die ihm keine umsetzbaren-Wrrthe schaffen, recht wenig und recht stiefmütterlich befaßt. Warum sollte er mir der Religion eine Ausnahme machen? Der Materialismus ist wie der Erzeuger manch anderen UebelS auch der Bater der religiösen Gleichgiltigkeit «ud d«S religiösen Kaltsinns und eS ist wiederum ganz natürlich, daß die bedenlliche Llahrnehmung bei uns Juden eine besonders auffallende Schärfe gewinnt. Der Mangel jed- Weden straffen Kirchenregiment« und staatlicher Einmischung, die in religiösen Dingen bei uns sich keiner Stmpathie erfreuen würden, bereitet dem JndifferentiSmuS einen nur zu aufnahmefähigen, günstigen Boden. Wa» wird nun nicht geklagt über diesen Stumpssinn, über diese Kaltherzigkeit» über diese Interesselosigkeit an Borgüngen auf dein Gebiete der Religion, was für Vorschläge werben eisonuen, was jür Waffen geichmievet, uiu dem beutegierige» Lindwurm den Garaus zu machen? Und doch wird einer Waffe, blank und wuchtig, die uothälig in unserem Arsenale ruht, noch viel zn wenig das Wo« geredet. Es ist rin gewaltiges Geschütz, da-; das dickste Gemäuer träger Tl)eilnahn1l0sigkcit erschüttern und ins Wanken briugru kann. Ich mein« de» Ge sch i ch t» u n t« rr > ch t, d.r wie ein verstugencS, hc.mathloscs Kind nur ,ine flüchtige Aus, ahme >!> unsere» Sck-ulziuimern uuk> vamil in den Herzen hrr Jugend siudet. Und doch spllte ihm im K-rmps« gegen ,Zen »m sich leckenden JndifferentiSmu», her je. jetzt aus Per ganzen Linie entbrenns, eine größere Rolle zugewiesen werden! Unter allen "empfohlenen Mitteln gegen die Zritkrrnkheit der religiösen Stupidität ist er das nachdrücklichste und mcrthvollste, daS am meisten Erfolg versprechende, und unbegreiflich erscheint es, daß man cs so »»genutzt und »»beachtet in irgend einem Schlupfwinkel versteckt liegen läßt, ohne uns seiner Heilkraft irgendwie zu bedienen. Es mag sein, daß man vor Kurzein noch eine» io die Trefflichkeit der Geschichte rühmenden Lobredncr des Vorwurf- ' der Uebertrcibung zeihe» würde, jetzt indrß, da die socialen und politischen Heillünstlcr sich ihrer bemächtigt haben, ist rin solcher Borwurf nicht z» besorgen. Sir soll ja gegen die schlimmsten Laster, gegen alle Gebrechen der Gesellschaft von unfehlbarer Wirkung sein, und ihr soll keine, noch so geartete Krankheit widerstehen. Mau kann billigerweise nicht verlangen, jeder müsse nun ohne Widerspruch auf diese» Dogma schwören, wie man noch wcniger zugeben wird, daß zu diesem heiligen Zwecke daprosane Mittel tendenziöser und parteiischer Folgerungen, die die Geschichte als Allheilmittel hie und da nothweudig erscheinen lasse» könnte, gestattet werden darf. Soweit der unmittelbare Ausdruck geschichtlicher Thalfachen uns Lehren eitheilen und unsere Begriffe corrigiren uud läutern kann, soll man diesen Wissenszweig in den Dienst religiöser und wirthschastlichcr Erkennlniß stellen, aber man hüte sich vor einseitiger Voreingenommenheit und salscher Nutzanwendung. Nun, eine derartige Befürchtung ist namentlich bei der jüdischen Geschichte vollständlg ausgeschlossen. Jede unter dem Gesichtspunkte einer gewissen Parteilichkeit vollzogene Ausschlachtung der Thatsachen schwächt nur die rein.׳, nackte Wirklichkeit ab. Die Geschehnisse an sich im Verein mit dem lebhaften Vortrag des Lehrer», sind ohne Anwendung besonderer Kunststückchen im Stande, diejenige Wirkung auf Herz und Gcmüth hervorzurusen, die wir im Interesse religiüser Begeisterung wünschen müssen. Je naturwahrer, je ungetrübter die klaren Quellen der Ereignisse selbst sprudeln, desto gewaltiger die Erregung, desto inniger die Theilnahme desto herzlicher das Mitempfinden. Keine Schönmalecei und keine Hellfärbcrei, keine Raisonncments und keine persönlichen Ingredienzien, um die Sache schmackhaft zu machen und den Appetit danach zu reizen. ״Es trägt Verstand und rechter Sinn mit wenig Kunst sich selber vor." (Schluß folgt.) Berichte und Correspondenzen. Deutschland. ZterN«, 25. April. (Or.-Eor.) Mit seltener Einmüthigkril haben die drei Hauptorgane de» JuventhumS die frivolen Oster-Artikel de» ״Kl. Journals" abgewehrt und gegen die Zumuthung der christlichen, besonders der katholischen Blätter, welche das Gesammtjudenthum dafür verantwortlich machen wollte, protestirt. Da Sie. geehrter Herr Redacteur, wie Sic im jüngsten Lrieskasten andeuten, nicht in der Lage sind, die Ausnahme, die diese Abwchrartikcl in den katholischen Blättern gesunde», zu controliren, so gestatten Sie mir ein kurze- Res ums aus den beidcn führenden katholischen Oraanrn ״Germania" und ״Kölnische Volkszeitung". Aus Herrn D». H kbcshcimcr's Briese an die ,,Germania" und die derb: Abfertigung, Hc dieselben daiin rrsahren haben, will ich hier nicht näher eulgelfcu. lieber de» A nikel der Mosse-Karpelles'scheu ,Leit. d. JudenchumS' äusrert sich die ״Germania" wie solgt: ,Der ganze übrige Jnha-t d«S Artikels aber >st weiter nichts, als Uiag« and BejUn-erde darüber, tafc mir ble Juden zur Ltnkehr bei sich jeldsi ermahnt haken/ — ckS »erde» sodann mehrere Stelle» daran« angesührt und |4׳m Schtuh helßt es: .Wenn t» aber noch eine« Beweise« dafür bedurft HSile, wie sehr «S aus jüdischer Seite an Bescheidenheit und Seldsterkenninth «ach mangelt — di« »orsteher.de

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