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Israelitische Wochenschrift · 1893-04-21 · 17 (21.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
17 (21.4.1893)
Date
1893-04-21
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Natürlich ist der Gegensatz nur z»ischm Judenfeinden pur •xoellraoe und — Juden. Ergötzlich ist die Probe der Antisrmitenweisheit, welche derBerf. uns zu» Besten giebt. Der Antisemit»-Katechismus beginnt mit der Frage: ״WaS versteht man unter Antisemitismus?"' und antwortet: »Anti" Heist ״gegen". .Semitismus" bezeichnet da« Wesen der semitischen Rasse. Der Antisemit-mus bedeutet also die Bekämpfung de- SrmitenthumS." Wie gelehrt diese mit teutonischem Selbstbcwußtsein vorgetragcnen Worte sich ausnehmen!»Und bedeutet denn wirklich der Antisemitismus die Bekämpfung der ganzen groben semitischen Rasse? DerBerf. charakterisirt in kurzen Zügen da« Wesen der verschiedenen Hauptträger der iemitischrn Rassen, der Babylonier, der Assyrer, Araber. Phönicier und — lut not laut — der Israeliten. Gaben und geben diese semitischen Stämme - wir nenn» zunächst nur die erslen vier — Anlab zur Beängstigung und Bekämpfung? Zu einer so ungeheuerlichen Behauptung wird auch nicht der incarnirtest« Antisemiten- Häuptling sich zu versteigen wagen, auch wenn er sich nicht vvrAugrn hält, was rach den unausführbaren Ausführungen des Verf.'s die Cultur. die Eivilisation und Gesittung der Menschtieit diesen Ausläufern des semitischen Stammes zu danken hat. Abgesehen ist rS nicht auf die semitische Rasse schlechthin, sondern einzig und allein auf einen winzigen Bruchtheil dieser Rasse, auf die Israeliten, resp. auf einen ganz verschwindend kleinen Theil drrjelben, auf die Minoritüt der Juden. lieber die Eigenart dieser Angehörigen des semitischen Stammes sinicht sich der christlich-deutsche Vers, auf S. 14 seiner Schrift aus. Er vermag aber dabei das Bekcnntniß nicht zurückzuhalten: ״Außerdem haben die Israeliten nocd das unsterblicke Verdienst, im Gegensätze zu der sic von allen Seiten umringenden heidnischen Vielgötterei der Welt die Verehrung des einen Gottes geschenkt zu haben". Ter waschächte Antisemit wird freilich auch daraus ein Argument gegen die Juden obleiten. In ihrem Monotheismus wird er am Ende nur «in anmaßendes Produkt exclusiver jüdischer Monopolwirthschaft erblicken. Es giebt also in Deutschland nur eine anti-jüdische und nicht eine anti-semitische Verhetzung. Warum wird der Mund so vollgenomme.1 und immer von einer ״antisemitischen Bewegung" mit größtem Geräusch« gesprochen? Dieses schöne Schlagwort ist das Aushängeschild, ist der Köder zur Irreleitung der Massen, ist .Kaviar für's Volk". Es steckt doch Methode in diesem Wahnsinn. Die Faiseure der antisemitischen Eampagne halten sich genau an den satanischen Rath des Mephistopheles, wenn er sagt: ,-Rur muß man sich nicht allzu ängstlich quälen; ״Denn eben, wo Begriffe fehlen, ״Da stellt «in Wort zur rechten Zeit sich «in. ״Mi» Worten läßt sich trefflich streiten, ״Mit Worten ein System bereiten." Das hindert aber nicht, daß mit den Worten hier in ganz gewissenloser und unverantwortlicher Weise geflunkert wird. Der Genius der Wahrheit, des Friedens und der allgemeinen Menschenliebe muß trauernd sein Antlitz verhüllen. Es ist unstreitig wahr, was der Vers, auf S. 32 sagt: .Die ganze Judenfrage ist also, wie so manches aus dieser Welt, ursprünglich eine Machtfrage. Aber da» ewige Sittengesetz veilangt, daß an Stelle der Frage nach der Macht die Frage nach dem Recht und der Gerechtigkeit trete.-So lang« noch ein Mensch durch seine bloße Geburt zu einem minderwertigen Wesen herabgedrückt wird, so lange ist eine wahre Cultur und ein wahrhaft sittliches Leben der Völker unmöglich." Die Glanzleistung dieser vortrefflichen Schrift gipfelt in dem Abschnitte über die Zusammensetzung der antisemitischen Massen. Mit historischer Genauigkeit, mit photographischer Treue, (wenn wir so sagen dürfen) mit psychologischer Feinhe t iverden uns die verschietunen Elemci le des großen antisemitische» Heerbannes und seine brutalen egoistischen Motive dargesicllt. .Wer leistet dem Anrisemitenirvsse Gefolgschaft? Die lieben Eoncurrcnten unter den nichtjüdischen Kauflenten, Gewerbetreibende» undH Handwerkern, die große Klasse der Junker, die ihre Adels-I Privilegien nicht mehr aufrecht erhalten kann, di« Männer 1י bürgerlicher Herkunft, die sich in den konservativen Partei» Z zu rückschrittlichen Anschauungen bekennen und in letzter Zeit .ני — was da« Bedrohlichste an dieftr Erscheinung ist, — auch H mancher Bauer, der sich darauf verläßt, was der Herr 3 Pfarrer gesagt bat. und was yi allen möglichen Schrift» י^י Schwarz auf Weiß zu lese» ist." Wir würden den Eindruck .^ dieser Darstellung nur objchwächen, wollten wir einzelne Theile herauSgreifrn. ES empfiehlt sich, mit Bedacht diese« ganze יי Kapitel wiederholt zu lesen. Ganz vortrefflich ist die Meister» hafte, nach allen ׳seiten psychologisch vertiefte und exakt gewürdigte Darstellung jener SpccieS der Antisemiten, welche! in den Reihen der sogen. Junker sich erheben. Auch mit trn s antisemitischen Führern muß der Vers, sich kurzftiuScinander» setzen, obschon hier ״der Menschheit ganzer Jammer ihn an» ■; faßt" und auch wir einen moralischen Horror hier zu über»; winden haben. Der Vers, sagt uns nichts Neues und auch die Leser dieses BlattcS wird es durck>a»S nicht überraschen» wenn daraus hingewicsen wird, daß die rnragicrten Führer der Antisemitenbcwcgung .manche sittlich« Blöße schonend verhüllen müssen." das viele dcrsclbe» arg Schiffbruch gelitten, daß sie nunmehr unter de» catilinarischeuExistenzen, prob« lematischen Naturen, Basiermann'schen Gestalten rangiren. Wie jagt doch der Dichter? ״Mir blutet das Herz, wenn ich sehe, wie sich das Eulengeschlecht zum Lichte drängt " AlsBeitrag zur Naturgeschichte der sitttlichenQualität der hcrvorragensten Antisemitenhäuptlinge registrirt der Vers, folgende Thatsachrn als Ausbeute eines halben Jahres: .1. Der Rrdakteur eines vielgrlesencn antisemitischen Blattes wird wegen gröblicher Beleidigung mehrrrer Beamten zu 2 Mo- - naten Gefängniß verurtheilt. 2. Ein hervorragender antise» ' mitischer Führer wird wegen Unterschlagung zu 2 Jahr» Gefängniß veiurthcilt. 3. Der Vorsteher eines großen antisemitischcn Vereins muß wegen Unterschlagung flüchte«. 4. Einer der bekanntesten antisemitischen Führer wird Wege« Keleidignng zu b Monaten Gefängniß verurtheilt. 8. Ein von Len Antisemiten oft als Gewährsmann angeführter Judenfeind wird nxocn Urkundenfälschung zu 2 Monate« Gefängniß verurtheil:." Sapieuti »at! —Der Vers, schließt seine überaus lcsrnswcrthr Schrift mit den rrmuthigend» Worten: ״Daß die Gerechtigkeit und Wahrheit endlich doch bald siegen müssen, st ja ohne Zweifel, da in dieser Well einmal alles Äcrunzenr auf die Dauer nie wieder ganz verloren geht. Aber, wie schon gesagt, bewegt sich da« Leben der Völker wie auch die Entwickelung aller Cultur in Wellen- Um». Meinen Mitstreitern für Wahrheit, Recht und Duldsamkeit rufe ich daher zu: .Verzaget nicht! Der Nebel muß schließlich doch der Sonne ivelchen I" — Die Israeliten haben schon schlimmere Tage grsehen und Schlimmere« überstanden; sie werden sicherlich auch dies überwinden." Diese Zuversicht hält auch uns aufrecht. Wir glaub» an den Adel des Menschengeschlechtes und an den endliche« . Sieg des Lichtes über die Mächte der Finsterniß, der Ünduldsamkeit und des Rückschrittes. Wir wünschen dem geehrten Vers, noch oft mit glänzendem Erfolge aus diese» Wege zu begegnen. Möge sein der Wahrheit und Wisse«- schüft, der Menscher achtung und Menschenliebe geweihte« Vorgehen Schule machen! Ser Keginn des Schuljahres. Ei»r religiöse Betracht»»«. ' ~ Die Menschen haben mannigfache Jahresanfänge; noch Jj ute befolgen wir als Bürger die Anordnung de« mächtige» ömers und beginnen unser bürgerliche- Jahr mitt» im .-Z Winter; als Israeliten feiern wir Neujahr im Herbste, weu» I der Kreislauf von Pflügen, Säe«, Blühen, Reiftn und M Ernten sein Sude erreicht und aufs Neue beginnt, und dies« >3 Einrichtung muß wel am ehest» an die Natur sich a»«

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