Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 14/15 (1.4.1893)
- Date
- 1893-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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uasireAusammengehörigkeit in etncm gemeinschaftlichcn Ganzen u.r» rauben zu lassin. Diesi wenigen AuüstelluMeu an dem Büchlein werden den Genuß, welchen e» im Uevrigeu dem Leser bietet, nicht stören. E» sind nur einig« Dornen auf einem Blumenbeete, ta« uns zum freundlichen Spaziergange einladet und als solche» sei die Schrift auf» Wärmste empfohlen. Berichte u»d Correspemdcuzen. Magdebnrg, 29. März. Es war vorau-zusehen, daß der 1. Leitartikel in vor. Nr. von einem unserer geschätztesten Mitarbeiter vielfach auf Widerspruch stoßen würde. Wir haben ihn al» .die Meinung eines Einzelnen" — wie 03 ausdrücklich in jenem Artikel (S- 99) heißt — aufgenommen, mdl wir in uns. Bl. auch Ansichten, denen wir licht in alle! und jeder Beziehung beistimmen, zum Ausdruck kommen lassen, wenn sic in ehrlicher Ueberzeugung und mit Gründen würdig vorgetragen werden. Vir geben ebenso jeder Widerlegung dieser Gründe vollen Raum. Wir ertheilen zunächst dem gerade von liberaler Seite so sehr angnftenen Herrn Verfasser d«S mehr geschmähten als mit Gründen widerlegten Artikels das Wort. Derselbe schreibt: ,Wie vir aus der heutigen ,Freisinnigen Zeitung" ersehen, polrmisirt die ״BolkSzeitong" heftig gegen unfern vorwöchentlich-n Artikel über die Stellung der Juden, falls die Regierung den gegenwärtigen Reichstag auflSse. Die desteWiderleguug der Angriffe wäre es, wenn die״BolkSzritung" den ganzen Arrikel oder dir wichtigsten Stellen desselben zum Abdruck brächte. Dann ergäbe es sich, daß die,.Post" und nach ihr die ״BolkSzeitung" sehr zu Unrecht die .Angst um das Ich" als ausschließlich maßgebend für un» hinswllt. Wir sind nationalen Er- Wägungen so gut zugänglich wie jeder andere Deutsche; Richter lehnt die Militärvorlage ab aus nationalen Ermäguugen, die ״Post" acceptirt die Vorlage aus demselben Grund«. ES ist daS alte Gefiunkere mit nationalen Redensarten. Da» Spiel der .Post" gegen die Juden ist fthr durchsichtig; rorn auf der ersten Seite steht hin und wnder einmal ein« gemäßigt liberale Aeußerung: aber alltäglich wird in den Beilagen jede antisemitisch« Notiz gesammelt nnd über jede antisemitische Versammlung sorgfältigst berichtet"). Weil bei der Militärvorlaqe kein politisches Prinzip in Frage kam mt, weil, wie wir hervorgehoben, Eaprivi keinen einseitigen Militarismus vertritt, darum können wir auf Seiten der Regierung treten. Daß wir kemen von der Tivoli- Partei wähl«» können und werden, ist ja doch selbst» verständlich und zum Ueberfluß auch noch in dem Artikel deutlich auegesprochen worden.**) Die .Post" redet verächtlich von der »Angst um da» Ich". Ist tms Angst um da« Ich, wenn wir Sorge hegen u« unsere Religion, um unsere Glaubensgemeinschaft, und einen Rath gebt«, bei dem sowohl da« allgemein deutsche wie das speziell jüdisch« Interesse gewahrt werde»? Wern Bennigsen, Rickert, Hinze d« Majorität hinter sich hätten, so zäb« es keinen Eonflikt zwischen dem Kanzler und dem Reirhetag."***) & R. (Siehe da» folgende Berlin I und Hannover.) *) Und «uf blcfc« Blatt der»st» sich «tt »t»e» Mast dir freisinnige» BUrm Bk *af eia vrastl? (Red.) **) Deuooch amtet H awfect dst.Bollszeit." »»ch bst.Kreisinnig« Zeit."»« «ine» sstche» ..U1,p»»"1» impmiren «» widerstrebe »»4 et» jeiests sstbahir» liberale r gdtuaat» mit bem richttgea Lori ta dezeichne» dm.) —) BW uuparistüscher hm dst.Norddeutsche «ll^m. Zeit.", da« Orgo» Taprks'o, da» »riisti gewürdigt. i,de« fi, u. >. dst «trist hrrvarhrt»: .hier lammen «ich» Gr»»»s Bxniftt sich U» ei» sützeiuArag«, hstr haNdelte« »der Mehr de» »etduufüuust» »ad drrLriftmv»." Magdeüurg. In einem^lrtisil, frage" schreibt ern Mitarbeiter der ,Gegenwart" unter Pseudonym Taliban u. A. Folgende«: ״Thatsächlich aber neigt der Jude seiuer Geschichte uitd seiner Entwickelung »ach zum aufgeklärte» EonservatiSmoS; nur so lauge er um sein« Existenz und sein« Menschenwürde kämpfen muß, opponirt er stramm. Da» ist, man sage, wa» man wolle, an sich ebenso erklärlich wie berechtigt. Der Jude, und ich denke an den gebildeten Juden der jungen Generation, vornehmlich an den jüdischen Studenten, ist bd» geisterungsfähig. aufopferungsfreudig, wie nicht viele seiner christlichen Lommilitoneu; unter den jungen Juden finde» sich Feuerküpfe und Feuerherden zu Hunderten, die für «ine große Idee sterben können nne wir. Wer in jüdischen Jtmfar verkehrt — und wer dürfte sich consequent nennen, wenn er nie mit Juden Umgang gepflogen hat, seinen Feind also, gar nicht kennt? —, der wird mir bedingungslos beipflichst». Ich glckll be, daß wir Deutschen im Begriff sind, un» an der Zukunft zu versündigen, wenn wir die doch unserem Bolke gehörige jüdischeJntelltgenz zurückweisen, oder aus oppositionelle Bahnen drängen: ich alaube, daß wir unS eia klägliche» ArmuthSzeugnih ausstellen, wenn wir e» nicht über un» ver» mögen, für da« Vaterland die Geisteskraft von Leuten jit benutzen, die doch wie wir vom Vaterlaude geschirmt werden, di« wie wir dem Batcrlande ihre Existenz verdanken. Der im guten Sinne moderne Jude ist so ganz ander» al» der alte, nur äußerlich emancipirte Ghettogefangene, als sein noch im Sefängnißschmutz steckender, schüchtern Bruder.' Er ist ein so kostbares Bildungsferment, ei» so unentbehrlicher Factor für deutsch« Hochkultur. Wa« die Kreuzzüge dem deutschen Mittelalter, da» könnten die Juden unsere« Jahrhundert sein. Der junge Jude hat, wenn schon vor wett«, nichts, so doch einen angeborenen Respekt vor neue» Idee»; mit Lebhaftigkeit geht er «uft sie ein, wo der ihm an Bilduq^ gleiche Thrist kalt und gleichgültig bleibt. Er ist bereit, י־* ׳ Welt zu reformiren, den Armen und Bedrückte» zu helft und tvS Wichtigste von allem: nie und nimmer neigt Jude, den man di« Monarchie nicht geradezu Haffen gelehrt' bat, zur Gleichmacherei, zum RepublikaniSmu». Dem Morgen* länder steckt di« Scheu, die Ehrfurcht vor dem Thron im Blust, und die Schuld de« KvniathumS ist «», wenn e» sich au» den Juden Feinde gezogen hat. Wa» der Talmud über die königlich« Würde sagt, mag jeden U »gläubigen überzeugen. Ich ssthe (schon al« freier Mitarbeiter eine« ausschließlich von Lhrisstn geleitest» und ganz una bhängigen Blatte») über; dem Beroacht der ״Judenkaechtschast" erhaben, und so darf/ ich denn behaupten, wa« eigentlich nicht mehr erlaubt ist: in jedem unverdorbenen, unverhetzstn Juden lebt die aristokrarisch.׳ Gesinnung de» bürgerlichen Patriziat», da» st besser al» viele andere Klaffen weiß, aber eben darum au den Befferen, den Herrscher über sich, aaerkenui." I. Werkln, 29. März. Geehrter Herr Redakteur l Soviel sich auch gegen Manche», wa« in dem schönen warmheaiß geschriebenen Leitattistl de» geistvollen L. R. in vor. Nr: über da» Vrrhalstn der Juden bei den etwa bevorstehend( Wahlen gesagt ist, einwenden läßt, berechtigt fft der Eta»! punkt jedenfalls: Wir Juden können nicht io einer Frag«, denn Bejahung di« Staatsregierung die Wohlfahrt de» Laos dir Sicherung de» Frieden» erblickt» un» dem Verdacht 1 sitzen, al» hätte« wir kein Herz »der kein Berständniß de» Vaterland«» Wohl. Da« sihlst gerade noch! Da ich jüngst auch in Harden'» ,Zukunft" Rr. 2ö (v. 28. März S- 828) folgenden Appell: ,Demiche Jude»! sind das dst wahr»» Vertreter (tum Jute dst Euch hinter» »ölst», z,, de» »urionast» zutrag«» und di« es der Negierung »«»tlgiich mache», mit st» NachdrMk Ihm LmoriUil Euch var der autifemitischeu bewahre»? U»d wollt Ihr Eure» Kein de» »cs Schauspiel Herr Uhlwarst für, Herr Bamderger oder gege» dst läge stimmt?" — La» geht »immermehrl