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Israelitische Wochenschrift · 1893-04-01 · 14/15 (1.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
14/15 (1.4.1893)
Date
1893-04-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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jüdische« ^kwriwfccfefai* in gfranffatt a. M. zma Bortrag Ikbracht hat, und daS — wir »olle» e» vorweg betonen — W«n» der Flut der in letzter Zeit über un« hrreingebrochrnen Brochürrnond Rathschläge-Wogeu zu den in erster Reihe -» würdigenden und zu berücksichtigenden zu zählen ist. n Vornehme Sprache und edle Besinnung Beherrschung des Stoffes, ernste« Nachdenken und Anerkennung gegneri'cher ' Anschauung! — da« erste Kemrzrichen de» freien Gedanken- ' «o»ge« — ziehen sich durch da« ganze Schristhen und werden Hm wohlwollende Leser auch in den Kreien verschaffen. Welche nicht ganz auf dem Standpunkt des Autors stehen, ' Kjlb die mit mehr oder weniger Recht den v.mstand tadeln *Werden, daß in demselben dem universellen und einheitlichen ׳ Gl-aracter de« Zudenlhum«, den der Ortaodoxi : und dem Fort- ^schritt gemeinsamen Momenten in ihrem relgiösen Leben z» wenig Rechnung getragen wird. Die Brochüre konnte sich gleich ihren Schwestern, nicht von dem — Boruriheil frei maäien, dag nur in dem Preisd geben ehrwürdiger Institutionen neben veraltete» Einrichtungen *■ allein da« Heilmittel gegen die grassirrnde Seuche oc« AntisemitiSmuö liege, und in dieser Aeußerung die besten Absichten |H beeinträchtigen, ja ganz illusorisch zu machen. Innere Gegensätze girbt es bei den Bekenne«! aller Religionen, warum »erden diese gerade im Judrnthum immer wieder, auch von gebildeten, ruhigen Denkern, auch in ungelegenster Zeit hervorg»errt und dadurch noch mehr verschärft, wlhrend e« doch gilt, für die Zwischenzeit, bis alle unter einea Hut gebracht worden, Kampfe«- und Abwehrmitrel gegen der geineinsamen ttind zu ersinnen, damit der verderblich« Sauerteig au« unserm olkSlrben weggetilgt werde? Ein Mose« fehlt un«, der mit dem Gottesstabe da« Meer der im Laufe der Jahrhunderte künstlich zusammengeleiteten Borunheile durchbricht und un» Befreiung bringt, eine Freiheit wie die für unsere Bäter in Egypten, «ine Freiheit, welche Allen zu Gut« kam, sowohl!denen, welche vorwärts drängten zu der Höhe lichtvoller Sn- , fchauung, all auch denen, die vom abergläubischen, kindischen Gützendieuste sich nicht frei machen konnten und ihren Gott in der in Egypten gesehenen 'Nestalt eine« Kalbe« versinnbildlicht sehen wollten. Schreiber diese« ist gewiß — um nur ein Beispiel an- -»führen — einer etwa« breiteren Basis fir die deutsche Sprache in unserem Gotte-Hause nicht abhold, aber er giebt sich auch der Täuschung nicht hin, daß durch diese« Durchj! brechen de« einheitlichen Bande«, da« die Aunenwelt gar nicht« ' angeht und mit unserm Patriotismus tbensomenig etwa» zu schaffen hat, wie etwa der gleichmäßige Gebrauch der lateinischen Sprache bei den Satholikn deutscher, stavifcher, romanischer und orientalischer Zunge, nicht«, aber auch gar nicht« erreicht wäre, der Jndifferentismu« in unserer Mitte nicht gehoben Würde, jedensall« aber auf den Ausgang unsere« Kampfes «gen den Antisemili«muS ganz und gar oh,e Einfluß ist. 'Da überdies vielMuthdazu auch nicht näthig ist, was soll dieser Paffu«, welcher die Beschränkung der hedr. Sprache fordert, in einer Abwehr-Brochüre? Ihrem Tharaeter viel entsprechender ist tu» Verlangen (S. 19), an« unserm Aultu« alle« da« auSzusäjciden. wa« so «»«gelegt werden könnte, als ob wir un« al« besondere« Volk.betrachteten und un« zurücksehntea nach dem Lande, in dem einst nnserr Boifahren wohntet«. Nur über- Acht der Herr Berf, daß die- -um grüßten The^e, namentlich »« freisinnigen Gemeinden. an die er koch vornehmlich sich »endet, bereit« geschehen ist. Aberwa» hat e« un« genützt? Stammen denn die Borurtheile und Anschuldigungen gegen -«» au« neuerer, oder nicht vielmehr au« alt:r Zeit? Wir könnten und dürfteu noch so viele ״Erklärungen* «chgeben, alle« Alte über den Haufen rvcrsen, man würde »« nicht glauben, oder doch sich den Anschein geben, all sandte man un« nicht, und da der Neid, diese Triebfeder Mer falschen Anklagen gegen un«, der Schein;ründe bedarf, wie die« jetzt schon, ja i» hohvt^errenhause geschiebt, wem! Alle« gethan ist, von un« vrrlangn^ daß wir »n« job unseren Geheimgrsetzen lossagenM Wa» dam,? Wer wird unser« Behauptung olauben, daß w׳r soche gmcnicht besitzen? Den Juden gegenüber ist e« ja erlaubt, Behauptungen aufzustellen, di« man nicht zu beweisen brauche sondern deren Un Haltbarkeit von ihnen zu beweisen ist, und da nun Behauptungen viel billiger und leichter zu beschaffen sind, al« Entgegnungen aus alle Albernhntea. so werden wir immer im Nachtheile bleiben, wir mögen abschaffe« und perhorre-ciren, iooiel w!r wollen. Gleich überflüssig war die bekannte Erklärung der deutschen Rabbiner, die der Schreiber dieser Zeilen gleich vielen Lollegen nur mit Widerstreben unterzeichnet hat. Und selbst wa« diese Erklärung besagt, wie ist e« ausgenommen worden? In einer aller Gerechtigkeit hohnsprecheuden Weise. Sonst ist man gewöhnt, daß zur Begutachtung über einen Gegenstand Sachverständige herbeigezogen werden» welche die Materie beherrschen, denen gegenüber alle anderen Aussagen zurücktrrten müffen; den Talmud hingegen erlaubt sich jeder Therüte« und jeder Krautjunker, der sie heimischen Penaten nur vcrlaffen hat, um bei der Lavallerie Pferde zu drrssiren und Menschen zu schinden, der nie ein Talmudexrmplar gesehen ho. und deffcn Aenntniß seine« Inhalte« nicht einmal die Gefreitengeschveige denn die höchste Adel«- würde, die Major«-Gre:1ze, erreicht hat, mit größter Kaltblütigkeit zu — ttainircn! Der Sachverständige ,!der, der Ribdiner, wird — Partei in der Sache genormt, blo« u« ihn unglaubwürdig zu machen. Bemängeln muß ich folgende Stellen, die der Berf. bester weggelaffen hätte, uw da» viele Gute, da« er bietet, nicht zu beeinträchtigen: Wir können e« absolut nicht begreifen, und verhalten un« dazu schärfer als bedauernd, wenn jemand äußerer Gründe halber seine Religion wechselt. Die Mild«. welche der Herr Berf. hier walten läßt, theilen wir nicht. Wir könne» einen solchen Abtrünnigen toleriren, aber die Fahnenflucht begreifen können wir nur, wenn innere, religiöse Motive bei ihr zu Gevatter gestanden. In heutiger schwer iewrgter Zeit ist ein Uebcrtritt aber immer verdächtig; die Berfügung über die religiöse Zukunft seiner Kinder aber eine engherzige Feig» heit unter allen Umständen und — nutzlo« s:lbst bl« zu» zehnten Glied«, wenn die Kinder sich nicht den Hetzern gegen die Bäterreligion in die Arme »verfea. Letztere« giebt Herr Auerbach rückhalt-los zu. Daß die jüdischen Zeitungen matetü mataadir nur dasselbe thun. wie die Kirchlichen Anzeiger fir die Ange-. hörigen ihrer Diözese!, und den Juden erwiesene Ehren al» Gegengewicht für die von gegnerischer Seite sorgfältig gesammelten und verzeichn«»«! entgegengesetzten 'Belichte ngistriren, ist doch nicht zu tadeln, weil e« für st: «ine Leben«, frage ist. Enthielten die jüdischen Zeitungen nur trockene Artikel über Gegenstände, die den mnften Judei doch frrnrd sind und brächten nicht die, Mangel« einer Leatralstätt«, n» alle Fäden zusammenlaufen, auch für deo späte:n lSeschicht«- schreiber nothwendigen Berichte au» de» einzelnen Gemeinde». '.' dann würden sie noch weniger Leser al« bisher finden und nicht einmal die Dcuckkosten decke» können. Und je schwerer e« ,st, es allen Menschen recht zu machen, um so maaaig-׳ faltiger muß eine jüdische Zeitung »»«gestattet sein, denn die , meisten Glaubensgenossen sind gegen solche; al o auch gegen jüd. Redacteure anspruchsvoller al« gegen christliche. Unabsichtlich scheint dem Autor auch ein AuiSdrnck auf (2. IS) entfahren zv sein, daß nämlich die Orthodoxie die Eirkel de« reinen GermanrnthumS w.'niger störe, al« d« Freisinn —; ich denke, diese Lirkel zu stören ist keine« gebildeten Juden Absicht. Wir «allen al» Deutsche unser» verdienten Platz in der Peripherie de« deutschen Kreise«; innerhalb dieses Kreise« trennen wir un« nmo,z. so, »ie:tzjp andern Loofessioney und 1UUftHITMii oft**: Wp

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