Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 14/15 (1.4.1893)
- Date
- 1893-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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matterem Schimmer strahlt; wie klammert sich der Geeit mit dem Reste seiner Kraft a» diese« schöne Leben, um wie lieblicher dünkt chm der Frühling der Natur im eigene« Herbste; wie ängstlich pocht das müde Her^ wem» der letzte Schritt brvarsteht, wenn wir vor der Pforte stehen» die der Mensch nur im Wahn sich selbst öffnet» die sich aber deunoch vor jedem austhut and hinter jeden sich schließt. Für jeden Einzelnen geht die Welt unter, wenn er nntrrgeht. Der hochbetngte Mann, der viel erlebt» der viel erfahren hat, der regen Antheil genommen an allen Bewegungen -er Zeih der Leid und Freud, Hoffen und Zagen der Genossen tief mitempfindet, er ist gespannt, wie sich gar Biele«, was unklar auf und niederwogt, klären und ent» Wickeln wird, er ist für sich zur Ruhe gekommen mid begehrt nichtmehr; aber diese Menschen um ihn herum, wie wird es diesen ergehen? Da kommt ein Stoß und setzt allen Fragen ein Ziel und zerstört eine Welt, indem es einen Menschen tiidtet. Girbt es keine Rettung vor diesen Wogen, die das Einzelleben davontrageu? giebt es keinen Halt in diesem Strom der Zeit? Die Hagada, jenes wunderliche Büchlein, das der religiös gestimmte Israelit an den Paffa-Abenden seiner Familie vorttägt, das mit seinen lieblichen Worten und Weisen das festliche Mahl so schön umrahmt» lehrt uns einen kurze» Satz, der unS darauf eine trüslliche Antwort giebt: הכלל כפר בדקר p רפי שהוציא את ממו .Wer von der Gesammtheit sich an-schließt, leugnet den Grund," der zerstört den Grund, auf welchem der Mensch dem Schicksal Trotz bieten kann, der vernichtet den Grund allesittlichen Lebens. Rach der Hagada ist eS der Böse» der TtTl, der sich von der Gcsammtheit ausschließt, und damit ist in der Thal, der Lern aller Bosheit geiroffen. Der Gute fort: Ich will so leben, daß das Allgemeine da» bei bestehen, ja dadmch gefördert werden kann; der Bös« sagt: Den Segen der menschlichen Gemeinschaft, den werde ich mir schon zu Nutze machen; aber ich denke nicht daran, durch eine Gegenleistung mir diese Vortheile zu verdienen. Dieser schlaue Kalkül hat nur einen Fehler, er vergißt, daß eines Tageeinmal Alles aufhört, und es kann unmöglich ein Wonnegefühl sein, wenn einer sich in der letzten Stunde agrv muß, das Aushören deiner Persönlichkeit ist ein Bor theil für dir Gesammtheit. Tiefsinnig sagen die Alten: צדיקים במיתתן קרדין חיים Die Gerechten heißen Lebende, auch wenn sie todt^siud." Mau rat von jeher die Baterlandsliebe gefeiert, sie hat treffliche Männer zu hohen Thateu der Selbstausopftimng begeistert. Was war der Trost des Patrioten, daß er frohgemuch dem Tode entgegrnschritt? der Gedanke, ich lebe fort in dem Bolle für das ich mich opfere. Für ihn ist der Tod kein Urbcr» schreiten in das Nichts, sondern ein Uedergang in die Volksseele, die ihn,und seine That in ihren Besitz aufge-- rammen hat. Jede gute That wird ein Engel, sagen di« Alten, d. h. sie gewinnt rin ewige« Leben in den unendlichen Wirkungen dir von ihr auSgeheo. Das ist da» Dauernde in der Flucht der Erscheinungen, die Gemeiaschash in der wir leben, für dir wir leben. Der Einzeln« lebt siebzig, wenn es hoch kommt, achtzig; ein Volk, aber ei« Rrligiousgemeinde vollenddie Menschheit hat eine große Dauer. ' A— Was bedeutet denn dieses Passafest, das wir Jsrae» liteu feiern anderes, als das Bekenutniß eines jeden Lin» ל י zelnen unter uns: ich lebe nicht nur mein eigenes Das^n sonder» zugleich die drei nud ein halb Jahrtansende von . ׳ Aegypten bis zn« heuttgen Tage, ja ich hoffe eine Zukunft׳ weit über die Grenzen meiner eng begrenzten persönlichen '■׳ Existenz hinaus; ein Israelit sein da« heißt «in Wesen dar» stellen, da« sich anveiht an die große geschichiliche Existenz ׳ * von Jahrtausenden und da« in dieser Reihe viele kommende Jahrtausende erhofft. Darum ist es so recht, sich anzuschließen an die Gesammtheit, und es ist fast ein Selbstmord sich von ihr loszusagen. — Der Tropft» und der Sttom. der v Tropft» kann in Nichts zerfließen, der Strom bleibt. Was also lehrt uns dies Fest, das jeden Israeliten, der durch des Festes Sinnbild den eigenen Sinn bildet, aaschließt an ein« unendliche Reihe, die einstmals in Gosen begonnen hat und jetzt durch alle Lande, durch alle Zeiten sich fortzieht? »Wer sich loSfagt von der Gemeinschaft, leugnet den Grund"; die erste und nächste Gemeinschaft ist die Familie. Sorge *; für dein Haus, erfülle die Pflicht gegen die deinen, gegen י Weib und Kind, gegen jeden, der deines Blute« ist, und wenn dein Blut erstarrt ist, so lebst du noch in deiner;~4 Familie, in den Genossen deines Hauses, die du gefördert hast Auch die religiöse Gemeinde ist ein Bund, der läuger;,י dauert als wir. So viele unserer Vorfahren haben diese» engem Verbände Kraft verliehen, indem sie ihm von ihre« Ueberfluffe fromm gespendet haben, so manche jüdische Ge» meinde lebt zum nicht geringen Theil von den Schätzen, dft . die Borzeit ihr aufgehäust hat; soll sich die Gegenwart von ל der Borzeit beschämen lassen? Wer «S sodann vermag, der wirke für den Staat, fü ganz Israel, für die Menschheit. Das wäre des Festes schönst« Frucht, wenn da» schlichte Wort der Hagada: der ist ein Bösewicht, der sich von der Gesammtheit ausschließt Herrschaft gewönne! die Hunderttauftade die aus Aegypten; zogen, «erden in der heiligen Schrift: 77 באות« .Heerschaare»;1 Gottes" genannt, warum? weil sie einmüchig waren, weil sie gemeinsame Ziele hatten. Da« ist der HimmelSthau, den 5 das Fest spenden soll; wir beten um Thau für die Saaten aber der Thau, der die Herzen erfrischt, den müssen »tr uns selbst gewähren, indem wir uns bewußt werde» ji des hohen Segens und der ernsten Pflicht, einer Gemeinde avzugehörea, die uns trägt, und dir wir tragen und stützen sollen, dann gehören wir, und sei unser Beruf noch so schlicht, 2־ daun gehören auch wir zu den 77 צבאות ,zu den Heerschaare»' Gottes." B. TL סך Aer Antisemitismus?J _ und das freisinnige Andentsinm.*) yl Besprochen von Dr. Einger-Loblenz. 'jA QUntct diesem Titel hat Herr Fritz Auerbach ״ei« Wort an die freidenkenden Juden" erscheine» lasse«, das «cjD zuerst einer Versammlung des ,Freisinnige» Vereins “־־™ *) ftiMffmrt a. 9t Berleg mr Mehl«« ch «Oldschmw»