Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 13 (24.3.1893)
- Date
- 1893-03-24
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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■/!״״* ■ VCCIwjtt 7 »UM M-O^VksPWWWkUAEM SwHdUMl. Mcktzdetnrß. (Wie die Antisemiten lügen.) Wir haben Krnntuiß von einem Schreiben «Hilten, welche» ein׳ Mitglied dediesigen AntiftmiteavereinS — das in feiger Weise seinen Namen nicht nennt, sondern sich ,Cm« Germaou•* unterzeichnet — au einen hochverehrten Reichs« und Land«!agSabgrordneten richtet, worin dieser »deutsche Mitbürger" u. A folgendes schreibt: ,wenn Sie glauben, daß die geschraubte Erklärung der 2\t Rabbiner auf Leute, di« sich eingehend mit der Sadp beschäftigt haben, irgend welchen Eirbrnck gemacht hätte, so irren S»e ge» waltia. Im Gegentheil l Oie Erklärung in ihrer ganze« Magerheit (?) macht «inen recht verdächtige« Eindrurk Li« zeugt von einem brsen Gewissen. Ich will Ihnen rnal «ine klein«, von mir erlebte Geschichte erzählen: Weihnachten zstzi gab der hiesig« antisemitisch« Reform oerein «in Flugblatt heraus, auf welch«« auch di« antisemitifcherseit» immer als Waffe gegen da» Iubenthum benutzten lalmudstellen prangten. Da» Blatt wirkte wie rin« Bombeunter de« hiesigen Juden. Sie drängten ihren Rabbiner, den Herrnvr. Rahmer, zu einer Erklärung, nicht über die betreffend« Stell«, sondern nur zu einer Erklärung im Allgemeinen. Diese erschien «such in einer Vecember-Nr. der,Magdeburger-Zeitung <891". Sie war ähulich wie di« Erklärung der 2s« Rabbiuer, d. h., sie stellt« die iüd. Sittenlehr« in «in aurge^ichnete» Licht und trieft« vor Stenfwenlieb«. Der Herr Rabbiner tauft«, da ihm, scheint'», noch einiger WM verblieben war, da» antil. Flugblatt i»luchblatt", und dies« Iudentaufe war auch da» Einzige, wa» an der Erklärung de» Rabbiner» Herrn vr. Rahmer bemerkenswerth gewesen war, über die betr. I^almudstellen erfolgt« kein« Anslaffmeg. Na» ersollte, wie die» auch nicht ander» zu erwarte» war, «ine Erklärung de» hies. Reformverein», worin die wahrbeit (?) der betr. Stellen aufrvcht erhalten und der Rabbiner wiederholt gebeten wurde, sich über di« betr. Stellen zu äußern. Die Antwort ist der Hr. Dr. Rahmer bis heut« schuldig geblieben. SePiaati eut." So weit der Cm• Germanu» auS Magdeburg. Wir registriren einfach die in dieser .Geschichte" enthaltenen Lügen: 1. Das betr. Flugblatt wirkte nicht wie eine Bomb« unter den hiesigen Juden, sondern erregte-nur ihr Gelächter über die Leichtgläubigkeit derer, die sich dergleichen als .jüdische Sitteolehre״ etwa aufbinden lasten. 2. Die Juden drängten auch ihre» Rabbiner nicht zu einer Erklärung, sondern nachdem eiu Richtjude ihm eio solche» Flugblatt au»geliesert hatte, hat derselbe völlig spontan — die hiesigen Juden sehen eS nicht einmal gern, wenn man über dergleichen antisemitische Angelegenheiten in ästeutlichen Blättern diScuttrt — eine Erklärung in der ,Magd. Zeit." veröffentlicht, worin er al» .Kenner de» Talmud" jenen NnSzugaiiS de« Talmud als eitel ,Lug undTrug.Fälschnug und Verleumdung erklärte" u.zw. nur zur AuMruug für die christlichen Mitbürger, welchen mau ausschließlich das Flugblatt eingehändigt hatte. 3. Es erfolgte einige Tage darauf in einem Abendbl. der »Magd. Zeit." eine ,Entgegnung" deS deutschen Reform« verein», in welcher aber «ich nicht et« einzig« Kiele vorkommt, worin ich.wiederholt gebeten wurde, «ich über die beir Stelle zu Lußeru" —sondern c» wird im G«enrheil meine Glaubwürdigkeit in »brrde gestellt. ES heißt darin: .Ern Rabbiner ist in Sachen, welch« daSJudenthum betreffen sicher kein unbefaageaerZeug«....Die verruchtesten Tulmudstelle» werden von de« Rabbiuer» abgeleugnet." Nachdem dann meiner,Erklärung" einige anerkennende Worte grollt werben, wird ausdrücklich betont daß man »nicht zumSrreit mit derFeder aufrufr" und das nennt der Civio Germanu,»wiederholt gebeten sein» mich zu äußern." Mir war im Gegentheit hrerdurss wiederholt (einmal durch die Verdächtigung meiner Glaubwürdigkett und durch di« ErkläNing, daß man keinen Streit m.1t ^er Feder wünsche) jede weiterr DiScussion «bgeschnitteu. Aber damit ist die .Geschichte" noch nicht zu Ende, ,sch habe tioch eine vier.ch Lüge zu verzeichnen: 4. jort מי schuldig geblieben" — so schließt der Ciriu Sarsanu», sich in dem Briefe einen ^Freisinnigen" nennt, seine Epcf vom 20. Februar cc. — Wir kännen nur arnehmen, daß' der biedere Germane einige Wochen des vorigen Jahre« hindurch geschlafen oder die hiesigen Zeitungen nicht gelesen hah^ sonst müßte er ja wissen, daß ich gerade in Folge dieser ,Entgegnung", die die Fortsetzung deS Streites mit der Febers mir abschnitt, zum öfftntlichen Worte griff und in den hies. ,״ Zettungen zwei Vorträge über den Talmud und seine Sitten-, ‘ lehre ankündigte» zu denen einem Jeden der Zutrttt ge-H stattet war. Es wohnten auch viele chrsttliche MttbüqjNk A den Borträgen bei, — wie man mir sag«, auch der Führers des hies. deutschen Reform-Vereins —, die hiesigen Zeitung ’ berichteten ausführlich darüber, auch Berliner Taged entnahmen ihnen Referate, und doch schreibt der hiesig Civis Gerrnaurw mit eiserner Stirn: »Die Antwort der Herr Dr. Rahmer bis heute schuldig geblieben" -~i und dahinter ״Hapienti sa'.w — der Herr Abgeordnete soll auS diesem Schweigen oes Rabbiners entnehmen, daß dieser l Wort der Widerlegung fand, — ein Zeuguiß ax »ilantio. Wen» das germanische Treue und Wahrheitsliebe ist, •׳ dann muß Germania ihr Haupt vor Scham über solche »«---י geratheue Söhne verhüllen. — Noch ein» zum Schluß! Wenn der eine oder andere Rabbiner auf dergleicheu ׳ plumpe und schmutzige Anzapfungen eiümol nicht antworte^ so liegt in diesem Schweigen durchaus kein Zugeständchß,. eS überwindet nicht!eser den Ekel, in eine« Augiasstall Heu-^Z abzusteigen: chn zu reinigen, dazu gehört mehr als eia Herkules. Merkt». Beim Reichstage ist von den Lbgg. Freiherr» v. Hammerstein, Frhra. v. Friesen uad Dr. Mehnert, unterstützt von 30 Mitgliedern Ser deutsch-konservativen Partei, nachstehender Antrag eingereicht: ,Di« Uuterzeichueteu beantragen, der Reich•»•- »oll» nachstehende» SefetzrMumrf den hohe» verdündeten deutschen Re-ierua-eu zur Genehm«-»ng erlegen: Entwurf, lvir lvilhelm, vv» Gotte» Gnaden tt-, destimme» hiermit: I 3. Denjenigen 3»ra*Iitrn, welch« an» einem anderen Staat» nach ventschlan» «inwanbern. stnd vom.an da• tirrmath•recht : und di« damit in Verbindung stehenden bürgerlichen Recht« nur «tt, Zustimmung de» Snndeseath» zu ertheilen- 8 2 Die Gesuch« von Israeli««», «elch« au» einem andere»; Staate nach ventschlan» «imvandern, find deshalb vom.dem , Bundesrath« zur Genehmigung aorzntegen. 8». vie odeu näher bqttchneten Gesuch« stnd uur in Ausnahme fällen zu genehmigen." Wollen die Herren vielleicht auS dem große« deutschen ■־’ Reich ein Annex zum halbdarbarischea Rumänien machen? Fürchten sie nicht die Folgen solcher Sperre auf dem Le« der Rekrimwatione«? Wie, wenn beispielsweise Amerika dm Einwanderung von Angehörige« deS deutschen Adels verbötedie nicht auf dem Atlantischen Ozean, sondern in Deutschlands Gchiffbruch gelitten haben, oder wen« andere Kulturvölker in gleicher Weis« nach dem Muster deS ,an der Spitze.der ■י Zivilisation marschireudeu Deutschen Reiches das Recht der'׳ ‘ iateraatioaalen Freizügigkeit be»chränkea wollen? Wie de» schränkt stnd doch diese genialen Leute au« purer Judeufuvcht?^ Merkst«. Ja einer Erklär««- d«S Grafen Mirba ch findet ׳ sich ein Paff»«, der deuttich zeigt, chaß es auch in konservatner. Köpft» zu dämmern beginnt. ES heißt darin: ,Wir fürchte», da« jede schärfere antisemitische veunguag, au 1 stch die Lesttztofen dach auch recht stark brtheiügru, »icht die« dt« fitztttde«, sich l«he leicht gegru jeattchea Lefitz rtchtt» Wird »»» zahlreiche Änitsemtke» sthtretzlich uur «tue besonder«« Uea Esztulbemokraten »erd«»." Diese ״dämmernde Erleuchtung" ist inzwffche, Koaftrvanoen zum .,klaren Licht" geworden; Ahlwarvt ihnen den Staar gestochen, in ihm zeigt sich der AntiftmitiSv in seiner wahren Gestalt, in seinen eigentliche« Ziel« wohin diese führen, da« haben die letzten unerhörte» s Verhandlungen im!strich stage gezeigt — zum offen»! verrath. Die ׳ prosessionSmäßige Verlrumdm« untz!E-ag^«D