Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 13 (24.3.1893)
- Date
- 1893-03-24
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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•*««•.sa. ,1wsa<v'i'.4'?0&־j| v ׳ y vs-w!»**•' « A«öe»t-«m tmb NtmetalK-««». vetrachiung pon Dr. 6l»ger, «0W״j. ״___ Partei schon vor Jahqchntru gestellt hat, nämlich Rlir■ zweijährig« Dienstzeit, aagenamwen; dieser Erfolg ist »ich» ymag anzuschlagen, weil er einen Bruch mit alten ( ^militärischen Traditionen bedeutet, und gegen die konservative Partei durchgesetzt worden ist; endlich ist die liberale Partei «iurSweg« einig in der Ablehnung der Vorlage. Der Libe» imIiSmo« eine- Bennigsen ist unantastbar. ^xlbstRickert scheint nicht völlig die Ansichten Richter« zu theilen. So werden wir, fall« da-Land wegen der Militärvrrlage befragt "wird uudwir Juden der Regierung zustim men, nicht inBrrlrgenhert j. ׳ ,irrathen, etwa einen Judenfeind unterstützer zu müssen. Es giedt unter den konservativen eine ganze Anzahl von Müonern, denen der Mann und der Prozeß Ahlwardt die Augen geöffnet hat, die die bestehenden ReckstSverhältnifse '.J nicht zu Ungunsten der Juden ändern wollen; e« liegt für -!1116 kein Ärund vor, solche konservativen Reich-trgskandidaten iju verwerfen, die dir Judenemancipation nicht rückgängig «achen wollen, die die Hetze als de« deutschen Namen« un- ~־ »ükdig brandmarken und im Uebrigen die militärischen F«rd«rungen der Regierung al« berechtigt annkennen. Vollend« werden wir mit Freuden für die Gemäßigtliberalen stimmen. Schmerzlich wird e« einen Juden, der sonst zu den streng Freisinnigen gehört, berühren, bei diesen Wahlen sich »an seiner alten politischen Partei zu trennen. Aber abgesehen davon, daß hier nicht principielle Gegensätze »um AuStrag kommen, so zwingt un« die Rücksicht aus dir Selbsterhaltung, die Pflicht, die Juden vor Schaber zu wahren, «er Negierung entgrgenzukommen. Wir wiflen, daß dieser ^Schritt Mißdeutungen, besonder« seitender Antisemiten, die sich vor der Welt als Generalpächtrr oller Tugend ge» derben, auSgesrtzt ist. Es ist auch nur d?e Meinung eine« Einzelnen, der sich mit Niemand berathrn hat, die in diesen geilen zum Ausdruck kommt. Aber nachdem da« Gro« der konservativen und einfluß» reiche Organe der Eentrum« die schlimmsten Schrecken de« Mittelalter« über un« heraufbringen wollen, nachdem eine Hetze ohne Scheu und ohne Schranke gegen na« i« Lande tob«; dürfen wir die Regierung nicht reizen und dadurch un» ttbsehtare Gefahren über uu« heraufbeschwören. Die Liberalen sind unsere ehrlichsten und besten Freunde; sie werden e« \ ■m ehesten würdigen, daß wir diesmal beim Wählen — keine Wahl haben. B. B. Hi*■ - r/,j f' im• hiC . -- Daß die Juden alle Uebel verursachen, ist im Mund« Lnt edlen Tivoli-Eonservativ-Antisemiten ein solch' gangbarer u-sprnch, daß e« thatkächlich auffällt, wenn irgend etwa« ^Grausige« ohne Beihülfe der Juden geschieh;. Noch aus- Mlliger ist «», wenn solche Aeußerungen im Stande sind, ^fiuen ruhigen Mann wie den At^. Bamberaer, der sich Awch niemals ftüher bei Gelegeuhmt von Anarifien gegen da» p Mweuchum au« dem Gleichgewichte bringen ließ, den Handschuh «ufzonehmen veranlaffen, wie die« der Fall rvar, alSj Äref i Mirbach de« .Juden' vamberger für die Goldwährung verant- I wörtlich «achte. Hr. Vras Mirbach hatte doch recht; er ist nun einmal Gegner der Goldwährung — war er allerdings nach Mm bekannten Sprichworte durch Schweigen ku ffrr al« durch “־Vn beweisea könnte — und zeigte bei seinen heftigru «fällen nur seine logische FHgkeit: Da der General» chSkouzlrr den Antisemitismus und Bim« tallismu« «in immengehSrige« Gespann nannte, was log näher, al« rau« zu schließen, da« Semiti»mu« und Goldwährung " »ll« Begriffe sind; di« einander decken, und Herr Graf toi wird gut thuu, in den Stunden seiner Sonntagsseipeu Stammbaum zu Rathe zu zich.-n, ob seine« «״Ur-Altergroßvater« Blaublut die geruunisch-chemische ro AdelSpevbe zu bestehen im Stande ist-. Da« muß abt1 schleunigst geschehen, denn da« Vaterland ist in höchster Gefahr, und so schön es auch wäre, wenn jeder Mensch sein oldent« Huhn im Topfe hätte, die gute Stimmung der irunobcsttzer gebt aber über Alles. Urin der Abg. Bamberaer hat auch Recht. Der Zweck dieser Zeilen ist, aus den vielen Beweisstellen etliche au«»nlesen, welche erhärten, daß die Semiten auch da» Silber nicht verschmähten, ebenso wir e« von jeher Antisemiten gab, die di« Goldwährung vorzogen — und umgekehrt Einem ou dit zufolge lies Labander älteste Antisemit, dem Knecht Abrahams nur deshalb so freudig eatgegen, weil dieser der Rebekka nur goldene« Geschmeide zum Geschenk machte, also ein Mann nach dem Herzen Graf Mirbach'-. Zweifelhaft hingegen bleibt es, ob Haman nur au« dem Grund« — dem König Ahasveru« für Erfüllung seiner perstsch-socialen LiebliugSideen — die Juden vernichten zik dürfen. — zehntausendkikarSilber« bot, weil er von de» minderwerthigen Silber nur soviel hatte zusammenstrhleir können, oder weil ihm für seine noblen Passionen nichts zu theuer war. Wenige Beispiele .verden ergeben, daß bei den alte» Semiten ziemlich dasselbe Berhältniß vorherrschte. Abraham schon bezahlte dieHöhlr Machpela mit 400 Seckel Silber-, war also Anhänger der Silberwähruug, das Gleiche kann auch von den Söhnen Jakob« behauptet werden, welckL Josef für 20 Silberstücke verkauften. Die Gettoidespekulatioir, zu der dieser Joseph dem Könige rieth, wurde auch nickst genügend auSgenützt, denn dir Brodsrucht wurde auch mit Silber befahlt. Al» dann dir Israeliten an» Egypten zog»׳«, ließen sie sich ihren rückständigen Lohn in Gold und Silber au-brzahlen, ein Beweis, daß damals die Doppelwährung einaeff.yrt war. In der Wüste war der Kur« schwanken», bald spielte Bold die Hauptrolle — wie bei Errichtung de« goldenen Kalbe« — bald wiederum — wie beim Bau der Stift-Hütte — wurde Bold und Silber gleichmäßig ver- «endet. In den Zesten de« Königs Salomo war nun di« Silber vollständig entwerthet und wie wohlthuend stechen da» gegen dir »alten Deutschen" ab, welch« immer nur »noch eins' tranken; offenbar hatten sie, weil sie ihren Lohn in Silber ausbeza^lt bekamen, kein Geld zu noch mehr. An chren Durst ist ja nicht zu zweifeln, wenn man bedenkt, , daß sie auch in kalten Winternächten nur auf'einer Bärenhaut, Icke manchmal» recht schäbig gewesen sein dürfte, lagen und auf eine tüchtige inner« Erwärmung angewiesen waren, tat SckmapSbrennen aber noch nicht verstanden, also solckstn weder trinken, noch auch Prämien au» ihm ziehen könnt:«. Beim Bau d-s zweiten Tempel« spielte Silber ein« Hauptrolle, welcher Lir RST-er zur Begleichung ihrer Staat«- schulden sich zu Bemüthe zogen. lthr »oaen. Dem bibelfesten Graf Mirbach wird r« nicht ichw fallen, an der Hand dieser Anleitung die verschieden«« Phasenwelche die Währung bei den alten Semiten und chren G«nern durchgemacht hat, durch unzählige Beispiel« zu ber^ich!rn, sodaß ihm in Zukunft die Aufregung hierüber erstark werden wird. Und ist e« denn heute ander«? Der Ausspruch: »Am Golde hchigt, nach Gold drängt Alle« . . . ." bezieht sich nicht nur auf Juden. Alle Rittergüter des .edlen Grafen wären nicht groß genug, den ohnedies sattsam bekannten großen Magen der Kirche zu beherbergen, wenn dieser auch mit Silber vorlieb nehme. Hingegen ladet Schreiber dieser Zeilen den Herrn Grafen freundlichst ein, nur 24 Stunden fein Gast sein zu wollen. Er wird die Freude haben, eine Menge jüdisch-polnischer Schnorrer kennen zu lerne«, midft ebenso gute und gesinnuugStüchngc Anhänger der Doppel- Währung stad, wie der dlaublütigstt, christlich-germanischst«, staatlich-agrarische Schnorrer. —— 3363GB hioer