Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 13 (24.3.1893)
- Date
- 1893-03-24
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Einrichtungen des La »des. Die Armer schließt sich wegen die Jude« ab, und in den meisten deutschen Staaten ist Mst die bescheidene Würde eine« Reservrlieutenaqt. ans den doch der nennzchiffLhrige Offizier SK aller überlckilt betonten Kameradschaft gerinMkhätzig herabsieht, für den Juden nicht zu erlangen; die Logen, die das kommunale Leben in so vielen Städten völlig beherrschen, weisen den Juden zurück. Freilich geht die Armee und die Loge nicht so weit wie Ahlwardt und sein« Schaar, denn ein Taufschein eröffnet dem geborenen Juden' den Weg zu den höchsten Würden des Soldaten und zu den tiefsten Geheimnissen de« Freimaurrrthum«, während Ahlwardt das jüdische Blut verfolgt d,s in« zehnte Glied und deutsche Minister und hohe Offiziere sich vor ihm wegen ihrer Abstammung rechtfertigen. Aber auch die konservative Partei leistet neuerdings den Antisemiten offen Vorschub; die Konservativen glauben, diese Spcstgkler werden die Kastanien oder die Reichstagsmandate den vornehmen Herren aus dem Feuer holen, im rechten Momente würde man ihnen zurufen können: Besen, Besen, sei'» gewesen. Die Erutrumspartei treibt ein doppeltes Spiel. In Schlesien hat die katholische Preffe jüngst dem judenfeindlichen Kandidaten energisch geholfen, die Kapläne schüren im Westen gegen uns da- Feuer, während die parlamentarische Partei den Traditionen Windhorst's folgt und die Gleichberechtigung der Juden nicht ontasten will. Auch die höhere katholisch«;Geistlichkeit ist, ohne gerade judenfreundlich zu sein, der Lü)hheit und Gewaltsamkeit der Antisemitenhäuptlinge ab« geneigt. Seitdem die Konservativen die Bekämpfung der Juden in ihr Programm ausgenommen und di« Wahl der wildesten uud anrüchigsten Häuptlinge der Antisemiten in den Reichs« tag mit all ihrem Einfluß gefördert haben, ist e» für «inen Juden unmöglich, einem Konservativen seine Stimme zu geben. Eine« katholischen Kandidaten dagegen, falls er treu zum alte» Programm seiner Partei hält, kann ein Jude sehr gut sein Vertrauen gewähren. Hier besteht keine Schwierigkett; aber rin Jude, der einen Konservativen wählt, schlägt einfach sich selbst ins Gesicht. Weit schwieriger gestaltet sich unsere Stellung zur freisinnigen Parte,. )Inleugbar ist Richter eine Zierde unsere» Parlaments; seine Selbstlosigkeit ist so groß, als sein Muth, sein Eifer, seine Beredsamkeit, als sein erstaunliches Wissen, and es ist nur zu beklagen, daß rin solcher Mann nuht on der Verwaltung de» Lande» betheiligt ist, während die Mittelmäßigkeit zu hohen Würden kommt. Die Juden wiffen, welch eine starte Waffe zu unserm Schuhe sein scharfes Wort ist, und wir schätzen seine Theilnahmc um so höher, weil er sie nicht aus irgend einer Vorliebe, sondern einzig aas Gerechtigkeitsgefühl uns gewährt. Er und sein Anhang stehen jetzt gegen die Regierung. Dir Regierung hat uns bisher kein übertriebene« Wohlwollen bekundet. Beamte sind fast überall die Leiter der judenfeindlichen Vereine, Geistliche reden in anarchistischen Ausdrücken gegen unS, das würde nicht geschehen, wenn die Herren wüßten, daß die antisemitisch« Agttation an maßgebenden Orren entschieden mißlicbig ist. Auch die Bevölkerung schließt aus diesen Anzeichen, daß der AntisemttismuS hohe uud mächtige Gönner hat; iadeß wenn auch zweifellos zuzugeben ist, datz der Antisemitismus von der Regierung schroffer verleugnet werden könnte, als es geschieht, so ist doch andererseit» von einer ausgesprochen feindseligen Haltung dieser hohen Kreise gegen di« Juden nichts zu spüren und Graf Laprivi gilt allgemein als ein gerechter und gradsianrger Mann, der weder der verschämten, noch der weniger verschämten antisemitischen Hetze nachgeben wird. Aber kann nicht durch eine» Konflikt, wie er durch die Ablehnung der Miluäworlage herbeigeführt wird, /ine ungeheuer palUsche Erngung «ntsbchcn, wird die Legierung in diesem leidenschaftliche« Kampfe nicht alle Mittel anwende«, Wr Gegner üiederzuwerfen, ynd wer wird die Zeche bezahl«^ Doch vor allem die Juden) Ein so nobler Lharaktrr wie Bamberger ist nicht davor behütet, von einem vornehmen Herrn im Parkament wegen seine« religiösen Bekenntnisses angezapft zu werden: wer glaubt deon. daß sich Bamberger bei seinen Bemühungen»' die Goldwährung in Deutschland einzuführen, von jüdische«, Jntereffen habe leiten lassen; offenbar auch der hochgeborenes Herr nicht, der den geistreichen Gedanken vorgrbracht hat/ Aber die Juden zu hänseln gilt in gewissen Kreisen als ebensogeistreich wie vornehm. Run denken wir un» die Juden als ausaesprochene' Gegner der Regierung, die Judenfeinde laut mit ihrem Eifer für die Militärvorlage prahlend; wir bekennen, daß wir be» sorgt in die Zukunft schauen; der Einsatz, den ei» Jude, den besonders die jüdisch« Gesammtheit auf« Spiel setzt, wen» sie sich der Richtrr'schen Opposition anschließt, ist ungleich: größer als der der sonstigen FortschrittSleutr oder tat'״ CentrumSpartei; wer weiß auch, ob, fall« die Regierung in! Wahlkampfe unterliegt, Gras Laprivi da« Regiment behält, ob ihm nicht ein Rachfolger gegeben wird, der weniger Skrupel» ha», einer aus der Reihe derer, die End« der sieb» ziger Jahre den Antisemitismus au» seinem Bersteck hervor- S” . mehr quietschen. Es mag einer noch so sehr überzeugt sein, daß Richter Recht hat mit seinen Einwürftn gegen die Militärvorlaae, hier kommen doch nicht Grundsätze in Frage, wo r» VfeJ wifsenSpflicht tft nicht zu weichen, hier hondät es sich um ein. Weniger oder Mehr des Geld-Aufwaade« und der Leistungen; von einem Recht oder Unrecht kann nicht die Rede sein, fnt~ die Bertheidiger der Militärvorlage behaupten nicht: wen ihr dir Vorlage annehmet, so ist der Sieg gesichert, wenn sie adlrhnt, so ist die Niederlage unvermeidlich. Ebenso) wenig werden die Gegner leugne«, daß unter normale Berhältniflen ein größere« Heer auch ein« größere Aussicht^ ans Erfolg hat. , Ein Jude kann sich heute der Erwägung nicht entziehe» : welche Folgen hat deine Abstimmung für dich >al» Jude«, für das Judenthum, für die deutschen Juden Überhaupt.' Gott sei'« geklagt, daß es so gekommen ist, aber es «st so; gekommen. Was dem einzelnen Israeliten aufrrlegt wirddurch dir Bewilligung der Mllitärvorlagr ist geringfügig gegenüber der Gefährdung der Gleichberechtigung, gegenüber! der Steigerung de» socialen Unfrieden», wenn wir als di«; erklärten Feind« der Regierung anftreten. Wir haben eini lebhafte« Interesse, daß ein Ehreumaun wir Laprivi a> Ruder bleibt; wir machen kein Hehl von de« zum Theilj durchaus selbstischen Gründen, die den jüdischen Wähler 0eu3 anlassen sollen, falls er zur Wahlurne schreitet, seine Stimmet zu Gunsten der Regierung abzugeben; es sind freilich keine , baulichenZustäade, die den Juden unseresErachtenssdozuzwia, sein Uttheil bei einer militärischen Vorlage abhängig machen von religiös-politischen Erwägungen. Aber wir f diese Zustände nicht geschaffen und können nicht au» zur Fortschrittspartei. so sehr wir die Verdienste der und Ihrer Führer ehren, unsere bürgerliche Existenz gesäh Wir verl ngen geradezu, die Juden sollen für die Berbhcid der Militärvorlage stimmen und hoffen, daß unsere libera Freunde unsere Zwangslage zu würdigen wiffen werden.׳ Erleichtert wird unsere Stellungnahme dad« daß ei» Mann wie Laprivi für die Mllitärvorlagr eint daß ist eine Bürgschaft dafür, daß nicht einseitiger Mid mus oder gar junkerlicher Uebermuth di« Vermehrnng Heere» fordert, sondern daß die Rücksicht auf da» Gesa wohl nach der Ansicht de» leiten»en Staatsmannes di Höhung der Losten bedingt. Sodann hat die Regierung ein«