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Israelitische Wochenschrift · 1893-03-17 · 12 (17.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
12 (17.3.1893)
Date
1893-03-17
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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bktet, da ist sie im« hochwillkommen und wir freuen un* über sie, ohne di« eigene Arbeit zu vergessen zu der wir so eindringlich aufgefordert haben, wa» die »Krztg." wohlweiS» lich verschweigt. Aber stetwird der Name eine* Rickert in den Herzen der deutschen Juden gesegnet als der eine* edlen Manne-, einezweiten Dohm, der in tt net Lieb« für Wahrheit, Recht und Frieden, dem Motto unsere- Blatte-, in uneigennützigster Weise kämpft für Andere. Er und seinesgleichen sind e«, die unS den Silauben an die Tugenden de* deutschen Charakters erhalten. M«1be§»r§, 14. März. Rektor A hl warbt entpuppt sich immermehl als ein Jünger Stöckn'S, der seinen Meister übertrifft, auch in Bezug auf Wahrheitsliebe. Bor einigen Tagen versuchte er, sich in der rrsten Rede, mit der er sich in den Reichstag einführte, al« gekränkte Unschuld und als einen Mann hinzustellen, der wegen seinepatrio» tischen BerhaltenS eber Lob als Tadel verdient hätte. Und zum Beweise dafür, berief er sich auf eine neue »Thatsache" betreffeiner Waffenlieferung von 60000 unbrauchbarer Gewehrläufen. Allein er mußte e* erleben, daß dies« »Thatfache" al-eine dreiste Erfindung nachgewiesen worden ist. Als der Herr KriegSminisler seine Rede, in der er Ahlwardt'S Behauptung al- .absolut falsch" erklärte, beendet hatte, fand es weder der Hofprediger noch einer der antisemitischen FraktionSgeuossen für anaezeigt, für den Angegriffenen da- Wort zu nehmen, so daß die Abgeordnete« Richter und Marquardsen einfach constatiren konnten, daß dieser »Retter aller Deutschen" parlamentarisch mit Unwahrheiten debütirthabe. Inzwischen hatAhlwardtinBrrüla u eine Hetzrede gegen die Juden (gegen ein Eintrittsgeld ron 7d Psg.) ge» halten von deren Erfolg er selbst nicht sehr erbaut war. »Auwelchen Elementen — schreibt die »Brest. Zeit." — sich btt Anhängerschaft Ahlwardt'S zusammettsitzte. kennzeichnet am besten eine Aeußerun,׳. welche Ahlwardt selbst einem der freisinnigen Redner gegenüber that. Al» die Ahlwardtianer denselben nüderzuschrrien versuchten, sagte dieser z» Ahlwardt: »Dosind Ihre Leute״. »Ich schäme mich ihrer", »>ar die Antwort Ahlwardt'S. In BreSlau schämt sich Ahlwardt seiner Leute, im Rrichetag zu Berlin schämen sich seine Leute — seiner! Merkt«, 12 März. Der Geheime Medizinalrath Dr. W. Cohn, welcher kürzlich hicrselbst verstorben ist, nachdem er länger alt 26 Jahre Mitglied de« kdniglichrn Medizinal» kollegiumS in Posen gewesen war, hat sein aus ca. 400 000 Mk. geschätztes Vermißen letztwillig zur Ausbildung jüdischer Handwerkslehrlinge bestimmt. — »Da der Verstorbene — schreibt die ״VolkSzeitung" — als höchst freisinniger Man» leincswegS Anschauungen huldigte, die ihn in den Bann einer engherzigen Konfessionalität hätten schlagen können, so erregt diese Bestimmung seiner gemetnnützgen Stiftung bei seinen Freunden Mt gewisse* Aufsehen. Man erklärt sich ober d׳e Beschränkung der Wohlthaten t>er Stiftung auf i-raelitische Handwerk-lehrltnge durch die antisemitischen Ber« Hetzungen, dutch die sich der Bcrstorbcue angewidert fühlte, und infolge deren er die Lust verlor, AnIwtSgläudigen, in deren Mitte sich solche Verhetzung breit nacht, noch Bene» fizirn angedeihet׳, zu lassen. Zu ähnlichen Konsequenzen werden wahrscheinlich zahlreiche andere jüdische Mt.nnrr von gemeinnützigem Sinne dank dem schamlosen Treiben der Antisemiten grdräiigt werden." (Die,Areuz- und StaotSdürgerzeitunz" sind natürlich über diese Exclusivität sehr ärgerliche wir aber finden e* gaaz in der Ordnung, daß, wei.n antisemittscherseit» uu* der Borwurf de- Mangel« an Handwerkern u. Arbeitslust gemacht wird, unsere Wohlhabenden Stiftungen zur Förderung det Handwerk* unter den Juden machen; mögen recht viele mit Glück-gütern gesegnet« Glaubensgenossen sich an dem verst Lohn em Beispiel «eharen: denn daß nichtjüdische Reiche Sti lungcn zu diesem Zwecke für Juden oder auch nur »ohne Ur terschied der Eon» ,ession" machen, kommt ja wohl »icht vor. Red.) Merk«, 12. März. Die streitig« Frage, ob den Juden Straflosigkeit für rin« durch die Landesgesetze verbotene Handlung zustrh«, wenn dieselbe ihnen durch eine LultuS» Vorschrift geboten war, ist kürzlich durch Unheil eine* Schöffengerichtin verneinendem Sinne entschieden worden. Die Juden hatten aus ihrem Friedhof am Sonntag rin Grab gemacht und gegen die deshalb erhobene Klage mit der Ein» rede sich zu schützen gesucht, daß e» ihnen verboten sei, rm Sabbach aus ihrem Friedhöfe zu arbeiten, sowie ein G:ab über Nacht offen stehen zu lassen. Die Verwesung der Leiche sei bereits stark vorgeschritten und letztere nicht länzer im Hause aufzubetvahren gewesen; demnach müßten auch die Anfertiger de- Grabe* straflos bleiben. Da* Gericht erkannte jedoch einen die Strafe ausschließenden Nothstand (§ 54 de* de* ReichSstrafgesetzbuchS) nicht an und bestrafte denAnaeklagten mit der Begründung, daß da. wo eine Cultusvorschrift mit den Staatsgesetzen in Widerspruch stehe, jene den letzteren nahtzustehen habe. (Ganz nach dem talmudischen Grundsatz ״vro» eit Maleshntha Din»), F. Z. Au» Amrßefle«, 10. März. In einem Orte de* Regierungsbezirk* Kassel war die evangelisch« Schulstelle er», ledtgt, und der dortige iSrarlitisä)« Lehrer erhielt nach der.Hxss. Schulzeitung" vom Lokalschulinspector den Auftrag, in Gemeinschast mit den Nachbarkollegen die Stelle während der Dauer der Vakanz in der Weise zu versehen, daß Ersterer den Unterricht tn den Realien ertheilen sollte. Gegen die Mitwirkung des israelitischen Lehrer bei der Vertretung erhob jedoch der Landrath, al- Mitglied de* Schulvorstande«, Ein» spräche, da nach (seiner Auftaffung ein israelitischer Lehrer an einer christlichen Schule überhaupt keinen Unterricht er» theilen könne, auch nicht, wie in diesem Falle, verlreturgSweisem den Rcalien. Der Lokalschulinspektor,ein Geistlicher, thrilte ab»r diese Ansicht nicht und auf sein Betreiben wurde dir Angelegenheit der königl. Regierung zu Kassel zur Lntscheidung vorgclcgt, d׳.e jetzt verfügt hat, daß gegen die Mit- Wirkung de* israelitischen Lehrers nichts einznwenden sei. Ar««tf«r1 a. M., 4. März. Am letzten Montag hielt im Verein für Geschichte uns AlterthumSkundc Dr. H. v. Nathusius-Neinstcdt einen längeren Vortrag: .lieber daälteste Juvenvirrtel in Franlsurt" — historische und :opo» graphische Mittheilungen, eine Zusammenstellung der lücken» h.tften Nachrichten, die sich darüber bei den Lokalhistoi ikern Fianksurt* finden. Die Existenz jüdischer Einwohner am Main datirt bi* ins 13. Jahrhundert zurück. Ihre erste Erwähnung ist zugleich die Erinnerung an die Judenoerfolgung von ' 241, in der rin Drittel der jüdischen Einwshner (etwa 200) ermordet und das Judenvicttel abgebrannt vwrde. Diesem ersten,Judenbrand" folgte 1349 der zweite, a>« di« Flagellanten nach Frankfurt kamen und e* hier so t!:ieben wir am Rhein und anderwärt*. Hier sank da» ganze Judenquartier in Asch«, da« nachher ans der Gegend zwischen dem Dom, Römer. Saalbof und der Fahrgaffe in die Oertlichkcit östlich vom Fischerfelo verlegt ward. lieber diese ältere Judenstadt gab der Bortrag eine Reihe neuer Aufschlüsse. Da* alte Viertel mußte geräumt werden auf Besitzt de* llaiser* uni die Mitte des 15. Jahrhundert* wegen der NL1»e dr* Dome», aus dessen Friedhof die Umwohner de* Judenviertel* den Einblick hatten. Dir Geistlichkeit duldete diese Nähe nicht! Seit dem 14. Jahrhundert har dir Lage der Juden in Frankfurt sich geändert. Bi* zur Mitte desselben kennten sie noch die Eintragung in da* Bürgrrbuch erlangen. Nach» her wurden sie »Schutzjudea" de« Kaiser» und von diesim an den Etzbischos von Mainz und später an den Roch btt Stadt Frankfurt verpfändet. Da* »Schutzgeld" wurde nach Analogie einer Einkommensteuer erhoben. Ssi trieben meist Bankgeschäft«, auch Frauen, und erhielten durch ihr« gnschäftlichen Beziehungen zum Rach einen gewissin Einfluß auf die städtischen Angelegenheiten, waren aber auch eben dieser einträglichen t-eschäste halber dem Neid« de« Volte* und vielfachen Lhilanen ausgesitzt. (Franks. )Zeit.)

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