Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 12 (17.3.1893)
- Date
- 1893-03-17
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Geschicke > heilt. deren Geschichte durchlebt, deren Wohl und Wehe mitempfindet, deren Interessen und Bestrebungen als Theil dcs Ganzen fördert. Die Juden haben daher längst aufgehört, eineNationzu rrpräsentiren. Sir gehören einem und demselben Stamme an, bekennen sich zu denselben Glaubenssätzen, sind aber nimnurmehr eine besondere Nation. Ein König ohne Land ist kein Herrsäier, ein Stamm ohne selbstständiges politisches und kulturelles Leben kann nimmermehr als eine Nation erscheinen. Wir wollen ein Beispiel und einen Beleg aus Oesterreich onffibrui. Tie Dcutschen in Oesterreich sind Bestandtheile des dcutschen Volkes oder Stammes, nimmermehr aber Mitglieder der dcutichen Nation, die in Deutschland politisch organisirt ist. einen eigenen Herrscher, eine eigene Verfassung! und eine eigene Geschichte hat, welche mit derjenigen der Deutschen in Oesterreich nicht parallel sich entwickelt. Wen» beute z. B. dir deutsch« Nation unter Führung des deutschen Kaisers einen Krieg gegen Frankreich führt, so werden die Teutschen in Oesterreich gewiß mit ihrem ganzen Herzen dem Ausgange dieses Krieges solgen, nicht qlS Söhne der deutschen Nation, sondern als Stammverwandte derselben. Man kann daher unmöglich der Behauptung des Primas von Ungarn ^»stimmen, daß das Judenthum nicht bloß eine Religion sondern eine Nationalität rcpräsentire. Da es sich in dieser Diskussion nicht um eine Theorie» sondern »m die Lösung einer praktischen Frage handelt, so muß man gegen die These des Cardinals BaSzary im Namen der ungarischen Juden aufs Entschiedenste protestiren. Die ungarischen Inden sind die glühendsten Patrioten, die treuesten Söhne Ungarns, die opfermuthigsten Bürger im Reiche der Magyaren, die begeisterten Förderer .der ungarischen Interessen. Sie zeichnen sich im Heere durch ihre Tapferkeit und Lpfersreudigkeit aus, sie besitze» eine große Anzahl von Schriftstellern, welche die magyarisch« Sprache meisterhast schreiben, sie sind chie tüchtigsten Vertreter von Handel und Industrie, sie sind sehr empfindlich für die Ehre drs ungarischen Namens und des ungarischen Ansehens. Wenn auch die Behauptung deS ungarischen Primas" von der Bischofsconsercnz abgelehnt wurde und keine praktischrn Folgen haben wird, so erwarten wir dennoch von unseren Glaubensgenossen in Ungarn, daß sie nicht unterlassen iverdc», dagegen mir ollem Nachdrucke aufzuireten, daß sic nicht volle, ganze, hinfcbende, opfermuthige Bürger des ungarischen Vaterlandes ind, und daß ihre Confessio» ihren begeisterten Patriotismus adschwächt. Wir können aber nicht umhin, unsere Stimme gegen das unbesonnencTrciben jenerVereine in vielen! großen Städten zu erheben, welche die Fahne einer befonderen jüdischen Nationalität aufpflanzen und sich daraus vorbereirrn, für das Comnando des künftigen, jüdischnationale» Heeres zur Eroberung von Palästina neue hebräische Ausdrücke zu schaffen, auch die Farbe und den Schnitt der Uniformen zu bestimmen. DaS Exercirr-Reglement wird ja ganz prächtig klingen und wird an Originalität alles über« Neffen, was bisher in diesem Fache geleistet wurde. Das sind nicht unsere Freunde, welche uns rin besondere Nationalität aufoctroyiren und das sind »icht die echte» Aude», welche uns in V.rlegenheit bringen, und bittere Kümpfe verursachen.- (Mögen doch endlich diese unter den verschiedensten Namen sich maskirenden Vereine, wie.Esra' und ,Jung Israelin Berlin mit ihren Ablegern in Breslau und Frunkjurt o. M, »Kadimahin Wien, .Hasmonäain Lzernowiy, »Lionin Lemberg, ,Ehowewe Zion" in London und Pari» u. a. m. diese Mahnung beherzigen! Mögen aber auch bekannte Journalisten und Redakteure jüdischer Zeitungen es untertaffen, durch Reden und Vorttäge in solchen Vereinen deren Tendenzen zu fördern. Red.) Enmt ferrikle. Mama giebt Gesellschaft. Der Kaffee ist vorüber, die Kinder dürft» Herrin und dft Damen erquicken sich an allerlei Näschereien, eine schöne silberne Fruchtschale bewundernd und die Besitzerin beneidend. Da fährt der kleine Fritz heraus: .Die gehört unS ja gor nicht, die hat Mama aus dem Geschüft geborgt." Verlegenes Lächeln, Schweigen, Berichtigen u. s w. Nach Schluß der Vorstellung bekommt Fritz Schelte. Prügel und den Namen — eofaut terrible. Warum? weil er die unbequeme Wahrheit gesagt hat. Er ist leider noch nicht so opportun zu lügen. Ja aber, liebe Frau, wäre e» nicht besser, keine Gesellschaften zu geben, wenn man es nicht dazu hat und sich in allem so einzurichten, daß man da» ententi terrible ruhig gewähren lassen kann, weil man seine Wahrheiten nicht zu fürchten braucht? Die Anwendung auf da» Leben in den Parteien, ans alle öffentlichen Verhältnisse ist leicht. Auch wir Jude» haben unsere er-teute terrible», welche ünS angeblich iu der öffentlichen Meinung schaden und unfern Gegnern Waffe» in die Hand geben, weil sie die — Wahrheit sagen. Denn dft Wahrheit ip, was sie sagen, da» wird, ivenn der Besuch fort und die Familie unter sich ist, zugegeben. »Jetzt können wir «S ja sagen, Sie haben vollkommen recht, cS ist leider so, wie Sie auSführten, aber es war nicht opportun, nicht ganz klug, es öffentlich auszuspr chen. Bedenken Sie, wenn das die Antisemiten hören oder lesen! Dann heißt es: ,Seht ihr, die Juden geben eS selbst zu, daß untcr ihnen nicht alleist, wie eS sein sollte." Nur keine Zugeständniffe! Das wäre höchst unklug.- — Nein, mein weither Herr, die - Wahrheit zu sagen, ist nicht nur bester al» die Unwahrheit, - sondern auch klüger. Mit Zugeständnissen des Unleugbare», giebt man dem Gegner nicht eine Waffe, sondern maunimmt ihm eine. Um ein aufgegebene- Fort wird nichts mehr gekämpft und «S ist vortheilhafter, sich auf die bester verschanzte Festung zurückzuziehen Ich gebe zu, daß man die Wahrheit nicht immer lagen soll, aber man muß immer die Wahrheit sagen. Ich bleibe also — Ihr «-nfent terrible. 4 ויי »1־ Berichte und Correspondenzen. Dentsehland. Magdeturg, 14. März. Wir freuen uns, eine so Adlig« und ftommeLeserschaft zu haben Ivie de» Frech, v. Wackerbarth, das ,Volk" und die ,Kreuzzcitung-. Jener hat uns im Abgeordnetenhaus seine AbonneiiieiitSquittung gezeigt und di« ״Kreuzeitung" vom 11. d. M. beschäftigt sich t nach dem ,Volk-) in liebevoller Weise mit unser!» Leitartikel in Nr. 10. Der Kreuzzeitung und ihrem Gesinde ist nämlich rin Umstand in unserm öffentlichem Leben ein Dorn im Ange. All« Ruftr im Streit gegen die Juden sind bestrafte Subjekte," da ist keiner der nicht weuigstcns einen Schönheitsfehler hätte und das ist in den Augen des Philisters, der noch ni' gelernt hat, die »gute Sache" von der schlechten Person trennen, fatal, hingegen sind alle öffentlichen Vertheidiger der Juden Männer von makellosem Ruf und Eyaraktrr, B. die Abgeordneten Rickert, Hobrecht, Gneist» die Führer de» Verein« zur Abwehr gegen den Antisemitisum» — und das ist wieder sehr fatal für den Ph'lister, wenn er vergleicht: Rickert — Ahlwardt, Hobrecht — Pickeubach, Gneist — Böckel, u s. w. Die liebe ,Krzlg.- versucht daher alle« Möglich«, Uns unsere christlichen Freunde abwendig zu mache« und ,Uebrreiserzu verdächtigen. Sie fällt mit Heißhunger unfern Artikel her und glaubt, wir selbst mißtraute» der reinen Absicht jener Männer. Wir haben uns nur erllärt, Hilft zu erbitten oder zu erkaufen, da aber^ sie sich »freiwillig und gäuzlich untneiustußtvon selb^