Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 12 (17.3.1893)
- Date
- 1893-03-17
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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* * ׳ .:■׳ vabdhncr K so doch z einen füa ein bevor er da« ik Sir ch vertheidigt bessern Stil al« sein V: tr K ' «Dorben und da« Judentbum wird mit den Antisemiten fertig »erden ohne solche heroische Mittel. Zwei HerrenHirsch, Sühne de« bekannte jüngst verstorbenen orthodoxen Stimmführer«, haben jeder gleichfalls eine Broschüre gefristet, um die Feinde Juda'« zu vernichten. Wir schützen die Pietät der Sühne gegen ihren Vater, aber sie thurn dem Andenken de« zu extremen Ansklmuungen geneiglen religiösen Kämpfers keinen Gefallen, ivenn sie die exegetischen Schrullen de« verbohrten Greise« wiederholen. Die Fesselung de« Geiste«, die Hirsch'« alle gesunde Vernunft Ahnende« religiöse« System, wenn auch «icht anstrebt, zur unmittelbaren Folge hat, bewirft ir den Kindern avischen Gehorsam gegen die Ansichten de« Vater«. Einzelne Uebersetznngen von Brbelstellen, die der alte Hirsch verbrochen hat, werden oorgebracht, sie sind so absurd, das, man sich besinnen muß, welcher Urtext denn eigentlich gemeint sei. Mendel Hirsch beweist auf sech« und dteitzig Seiten, daß nach jüdischer Ansicht ״jeder Mensch ein Ebenbild Gotte« til*. Da« hat jedenfalls jeder. Buch Hirsch'« gelesen hat, gewußt. Jsak in einer kurzen Schrift und in einem Bruder die Talmudmoral. Auch bei ihm muß der alte; vielfach die Unkosten!ragen. Daß er neben dem Vater Jellinek, Delitzsch, Wünsche u. a. citirt, ist eine Lichtseite seine« schriftstellerischen Wirken«. Die Schrift gilt der Bcrgütterung des Talmud: ihr dient ein Litat aus den Schriften von Hirsch •en.; der Satz ist sech« und dreißig Zeiten lang; de« langen Satzes kurzer Sinn ist: alle Tugenden, die den Juden au-zeichnen, hat lediglich der Talmud geschaffen; die« Lediglich" kann doch, um talmudisch zu schließen, nur bedeute», daß die herlige Schrift keinen Antheil daran hat. Vergnüglicher zu lesen al« dieser Bombast ist ein mit guremHumor geschriebener ״Brief Haman« an di«: Antisemiten." Herr Margulies unterschützt nur die Opferfreudigkeit Haman«, wenn er von Zehntausend S ekeln redet, Haman hat dem Ahasver zehntausend Kikar Silber für die Juden angeboren. Da« Beste haben wir un« auf zuletzt aufgehoben, da« ist ein Aufsatz von Dr. Tobia« Lohn über Israels Gemeinschaftsleben mit den vorchristlichen Vülftrn; der Grundge» dank ist im Tikl deutlich ausgeprägt, nämlich der Nachweis, daß Israel im Alkrthum nicht exklutiv geiveen ist. ES ist vielleicht wirklich nicht unbedingt nülhig, daß jeder gebildete Israelit seine Broschüre gegen tie Antisemiten schreibt. Es läß? sich zu dieser Materie kaum »och etwas Neue« sagen.ßDer Antisemitismus begünstigt die schlechten Elemente der Juden und Christen; wenn ein auler jüdischer Schulknabe ein schlechte« Zeugniß nach Hause bringt, so entschuldigt er sich mit ״Rische«' und die Eltern müssen manchmal diese Entschuldigung gelten lassen; so geht« in! Kleinen wie im Großen; al« den gefährlichsten Feind de« AntisemitiSmu« betrachten wir die Langeweile, die er schafft. Referent hat einige Wochen hindurch die ״Staatsbürger- Zeitung' gelesen; zuerst war es ihm drollig, zu erfahren, daß eS eine Zeitung giebt, für die da» Judentbum der Mittelmnft alle« politischen und socialen Interesse» ist, wo alle« lch um un« Juden dreht; eine deutsche Zeitung spricht kaum 0 viel von Deutschland al» die ״StaatSoürger-Zeitung" von Juden; aber bald ergab sich; daß dieselben Märchen, dieselben Phrasen jeden Tag wiederholt wurden; wenn ein Jude gegen gewerbsmäßige Berläomder sich wehrte, so wurde es al« un- «bürte Ueberhebuug bezeichnet; den Radaubrüdern war Alles ertaubt. Rach dem BuschhoffSprozefse und den Judenflinten war die ״StaatSbürger-Zeitung" kühn genug sich über — Deuunziantenthum zu beschweren. Die« alle« verblüfft, überrascht, interessirt auf einige Zeit. Aber jetzt, wo das Spiel sich täglich wiederholt, ist mir da« Blatt, bei deffen Lektüre ich anfangs ein von Ekl und Reugjerde gemischte« Gefühl hatte,, einfach langweilig gesch weiß doch; e« steht heute nur dnnue», wa« drinnen stund. Um die Anhänger i>1 Spannung zu halten, muß einer der Radaubrüder den andern üüerbieten, zuerst verlangk man Aufhebung der Emancipation, sodann eine Skllung unter Fremdenrecht, da« hürte sich recht mit an, hierauf verlangk man: Ausschließung vom ilitalrdienste; da« wäre, so wollen es die Antisemiten, eine ade für die Anständigen, und eine Prämie für die lechten und Feigen. Al- Ahlwarot au» dem Gesängniß kam, brachte er eine neue Botschaft, er hatte im Gesängniß nachgedacht, nicht etwa über Wahrheit und Lüge, sondern über die Judenftage und war zu dem Resultak gekommen: nur die Vertreibung der Juden kann helfen. Wenn er wieder au« dem Gefängniß kommen wird, so wird er wahrscheinlich melden, man müffe alle Juden todtschlagen, dazu die Getauften di« in'« zehnte Glied; endlich, so hoffen wir, wird einmal der Radau seine Anziehungskraft verlieren. Die Konservativen werden sich einmal der Waffenbrüderfchaft mit den Antisemiten schämen. Die Stärke des AntisemitiSmu« beruhte alle Zeit aus der stillen Protektion der Konservaüven. Alle die studentischen Verbindungen, die keinen Juden ausnehmen, alle die Logen, alle die Kasino'« mit der gleichen Tendenz zeugen für dies Einvernehmen; bei den Wahlen in Arnswalde und in Liegniy ist dies Verhältniß nun recht klar und deutlich geworden. Die Konservativen sind hier für die Antisemiten extremster Richtung eingetreten, für Leute, die schlimmer als je ein Soeialdemokrat die Grundlagen des Staates zu unterwühlen versucht haben. Da« Resultat ist: der konservative Wahlkreis ist antisemitisch geworden, der freisinnige ist fteisinnig geblieben. Die Konservativen haben sich pro nihilo blamirt. für einen Mann, der nicht einmal den antisemitischen Radau versteht, der sich« früher einmal bei Juden ganz gut hat schmecken lasten. Die Antisemiten leben von der Gunst der Konservativen, die Konservativen von der Gunst de« Hose-, der Regierung; die Konservativen sind keine selbstständig,: Irrtet; sie müssen den äußeren Anstand wahren, sie können mit der Radau-Partei verttauliche Beziehungen haben, aber sie wollen nicht unkr den Linden von ihr gegrüßt werden. Wir halten Ahlwardt und Konsorten nich׳. für Envecker sondern für Todtengräber des Antisemitismus: das schließt nicht au«, daß der Speftakel noch eine ganze Zeit lang toben wird. B. B. Ast das Audenthum — eine Zlationatitäl? lieber diese Frage, die wir längst verneint hrbeu, äußert sich Herr Oberrbbiner Dr. Jellinek in der jüngsten Nr. der Neuzeit wie folgt: ״Inden ungarischen BischofSconferenzen, welche in desen Tagen in Budapest über kircheapolitische Fragen abgehalku wurden, hat der Primas von Ungarn, Kardinal Vaszc ry, den Entwurf eines Memorandums vorgelegt, in welchem da« Judenthum nicht blos als eine Religion, sondern auch al« eine Nationalität bezeichnet wird und daraus Eonsequerzen gegen die Reception der Juden abgeleitet werden, da man argumentierte, da« der Uebertritt vom Ehrisknthum ,um Judenthume zugleich ein Verlassen der ungarischen National tät bedeuten würde. 4 Dieser Behauptung gegenüber fragen wir: Giebt es eine Nationalität ohne ein eigeneabgeschlossene« Territorium der Ration und ohne eine besondere abgeschlossene Geschichte r nd Entwicklung derselben? Können einige Millionen Mensck««» die in fünf Welttheilen zerstreut leben, eine Nation bildta? Die Rasse oder der Stamm ist ein Raturproduct, de:en Eigenschaften und Bejonverheiten der Angehörige einer Russe oder eine« Stammes mit sich zur Welt bringt, wo er auch leben und welchem stattlichen Gemeinwesen er angehdren mrg; die Ration ad« ist ein Product d« Eultur und der •Be• schichte. Mau ist Mitglied einer Ration, wenn »an beten