Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 12 (17.3.1893)
- Date
- 1893-03-17
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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für verpflichtet, vor versammeltem Volke noch eitimal von der Hrilighaltnag des SabbathS zu reden. Wie gut wäre es aus Erden, wenn alle die selbstverstündlichen Satzungen des sittlichen Lebens unvergesien blieben und allezeit beobachtet würden! So ergiebt sich ein wunderlicher ^Gegensatz! Wenn wir die Geister spannen, wecken, anregen wollen, so müsien wir gleichsam von der breiten, gebahnten Heerstraße der Gedanken abbiegen und Neues, Originelles zu bringen versuchen; aber vom Standpunkte der praktischen, sittlichen Förderung ist es gut, so zu sagen, das Einmaleins der Sittlichkeit oft zu wiederholen; das Einmaleins der Sittlichkeit: wenn einer in einem verwickelten Exempel sich irrt, so ist in den allermeisten Fällen die Ursache darin zu suchen, daß er in den einsachsten, jungen Kindern gelehrten Rechnungsarten nicht gut beschlagen ist; wenn einer auf dem Gebiete der Moral strauchelt, so liegt es meist daran, daß die doch so einfachen Grundbegriffe bei ihm nicht fest genug sitzen. Der 2. Schriftabschnitt dieser Woche beginnt mit den Worten:, Dies ist die Abrechnung für das Heiligthum.- Mose hielt sich verpflichtet, vor der ganzen Gemeinde klar zu legen, wie er die zum Bau des Stiftszeltes gespendeten Gelder verwaltet hatte; geschweige denn, daß Rabbiner, wenn sie mit einer wichtigen Erklärung über die Grundbücher und die Grundlehren des Judenthums an die Oeffentlichkeit heraustretrn, die Pflicht haben, vor den Gemeinden Rechenschaft abzulegen und etwaige Borwürfe, soviel sie es vermögen, zu entkräften.*) Jüngst ist eine Erklärung in die Welt gegangen, welche von fast allen Rabbinern Deutschlands unterschrieben worden ist; wer an die religiösen Kämpfe dentt, die nun schon «in Jahrhundert das deutsche Judenthum bewegen, der sollte cS kaum für möglich halten, daß z. B. über die Bedeutung von Thora und Talmud eine Erklärung abgefaßt werden könne, in der die Bertteier streng konservativer und ausgesprochen liberaler Anschauungen sich begegnen. Die Einigung hat dennoch stattgesundm und davon Zeugniß gegeben, daß ivir in Deutschland in den Fundamenten einig sind. Aber nun hören wir den Vorwurf: Was Ihr da über die jüdische Siltcnlehre sagt, sind lauter selbstverständliche Sachen und eie Rabbiner sind doch eigentlich nicht dazu da, um mit einer gewissen Feierlichkeit das zu sagen, was jedes jüdische Schulkind weiß oder wissen sollte. Die Voraussetzung dieses Vorwurfes ist richtig, das jüdische Kind wäre in seiner Religion schlecht unterrichtet, dem oiese Erklärung etwas Neues böte. Aber andererseits, können die Rabbiner nach dieser Richtung etwas Neues melden, ja dürfen sie es nur? Sollen sie denn von ihren peisönlichrn Meinungen und Neigungen reden oder sollen sie nicht vielmehr von den Lehren des Judcnthums sprechen? Und da dos Judenthum alt ist, so muß naturgemäß die ,Erklärung- J0n alten, längst bekannten Dingen berichten. Aber dieses Selbstverständliche, daß die jüdische Moral rrin und klar, schlechtweg unübertrefflich ist, ist Bielen un» bequem. Es steht schon im ersten Kapitel der Thora, daß der Mensch, nicht der Israelit, nicht der Semit, sondern der Mensch ein Ebenbild Gottes ist; also die Rabbiner haben ihre Weisheit nicht weit hergeholt; aber man kann auch das Einsack sie verzerren, verdrehen und, wenn es gar nicht anders geht, es ganz unterdrücken. Es i:1 kein Jude, sondern der grüßte deutsche Dichter, der das Rezept angirbt, wie man oft das Wahre geschickt beseitigt; die Berse lauten: ,Lact, wie können wir das Wahre, denn es ist uns ungelegen, nirdersenken auf die Bahre, daß es nie sich möchte regen? Diese Mühe wird nicht groß sein kultivirten, deutschen Orten; Wollt Ihr es auf ewig los fein, fn erstickt es nur mit Wollen.- *> I« K»lg«»de» wird atlerdiußS mir «i» sicher Bor»»ff, ■ieileich« der schwächste, behandelt; «» glebt »ach viel schwerere dsrt» z» «Utrsfte», cuif Mt »och;»ristkzato«»«» sei» »ird. (Zied.)M Wie »ft hat man dieses Mittel gegen dir jüdische A»hr<> heit angewendet und der weltersah reue Sänger waßtc, daß' es fast immer Elffolg hat. Da schien es an der Zeit, daß die Rabbiner mit Zierlichkeit das öffentlich auSsprache«, was allerdings in jede» Schulbuche steht und was in jüdische» Kreisen nie angezweiftlt worden, daß wir in jedem Menschen das Ebenbild GotteS ehren sollen, daß wir in jedem Staate , WaS hat es gegenüber diesem klaren Wortlaut der heiligen Schrift aus sich, daß im Lauft der Jahrtausende einzelne jüdische Männer, sei es, daß bittere Erfahrungen sie verbittert hatten, sei rS, daß sie ohnedies zur Undnldsamkeit geneigt waren, hin und wieder sich^zu unfreundlichen Aeußerungen gegen Nichtjuden haben hinreiße» lasten! Aber die Erklärung ist doch wohl nicht ausschließlich an die Nichtjuden gerichtet; sie soll uns alle dazu veranlassen, unser persönliches Verhalten an dem Ideal zu messen, da» die heilige Schrift und die vielgeschmähten Talmudisten ansstellen. So manche Israeliten haben in diesen Zeiten schlimme Thattn begangen und Schande über sich und über unsere religiöse Gemeinschaft gebracht; hätten sie sich nach der Talmudmoral gerichtet, sie lebten jetzt ftei und in Ehre» und niemand führte Klage über ihr treuloses Gebühren; ob unS auch nicht alles am Talmud gefällt, so dürft« wir doch getrost behaupten: jeder NichtiSraelit ist wohlgeborgen, wenn er sich einem Juden anvertraut, der in Allem strikt nach dem Talmud lebt. Möge diese Erklärung, die au» treuer Lieb« zur Religion und zum Vaterlande entstanden ist, segensreich wirken und an uns und an unseren Gegnern sich da» Gotteswort erfüllen: ,Ich nehme Euch das Herz von Srein und gebe Euch ein menschlich Herz.- B. R. Ki» ganzes Bataillon Audent-umsvert-eidiger.*) Wieder sind eine Reihe von Helden erstanden, di« alle mit paplernen Waffen das Ungethüm Antiftmitismus erlegen wollen; ich fürchte, der Unhold ist zu kräftig und widerstandsfähig um von diesen Geschaffen sein Leben auszohauchea. Alle diese Werke sind wohlgemeint und vielleicht im Einzelnen nicht ohne Nutzen, aber nur sehr wenige dieser Schriften sind mehr als Eintagsfliegen, und wenn sie der Vciffaffer nicht vor dem Untergange bewahrt, so wird sich wohl keinerihrer erbarmen und sie retten. »Ist der Antisemitismus berechtigt?- Diese jeden falls nicht mehr gan; neue Frage erörtert ,ein Staatsbürger-; er beantwortet sie mit Nein, aber dft Gründe, die er ansührt, können Keinem unbekannt sein, der sich mit dieser Frage oder vielmehr mit dieser Krankheit irgendwie beschäftigt hat; nur für einen, der die letzten fünfzehn Jahre verschlafen hat, 'können die Ausführungen dieser Broschüre vielleicht noch nicht ganz ohne Jntereffe sein ,Wie ist die Judenhetze mit Erfolg zu bekämpft»?- ftagt Dr. Leopold Auerbach. Der Aussatz ist von einem nachdenkenden Manne geschrieben und regt zum Nachdenke» ", an; aber die Mittel, die uns Auerbach vorschlägt, sind selbst lebensgefährlich; das Judenthum ist eine Religion und kei» > Bolksthum; aber die Mischehe ist, ganz unabhängig von ' allen pllncipieüen Bedenken, ein« ungeheure Gefahr u»b würde, wenn sie allgemein würde, die Zerstörung des deutschen j Judrnthum» herbeiführen; Moses ist mit Amalek fertig •) Ist der U»itje»tit»mu» berechtig»? — Sie ist die »Nt Effet, zu bekämpfe»? «o» Dr.Aurr b«ch — Da« rrwe i . ‘ ihm» i« Lichte de» J*dr»thu1u». Bo» Dr. »• Hirsch. — Xali ■ural »,» «mmsdüppmeett vom Jset Hirsch. — Ha»»» m] »»ttstmita, vo»S.«.«»r,utte». —Israel« E«»e>»ss * »orchnstNchr» «stier». Bon Dr. Lobta» «atz».